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Fontane, Theodor: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Bd. 4: Spreeland. Berlin, 1882.

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konnte namentlich die Herzogin auf einen Umgang, der ihrer
ästhetischen Natur Bedürfniß war, nie ganz verzichten, aber es
scheint nach den Citaten, die wir gegeben, festzustehen, daß der
ohnehin immer nur nach Monaten zählende Friedrichsfelder Auf-
enthalt von dieser Seite her nicht seinen Charakter und seine
Signatur empfing.


Friedrichsfelde von 1800--1810.
Prinzessin von Holstein-Beck.

1799 kam Friedrichsfelde an den Geheimen Ober-Hof-Buch-
drucker George Jacob Decker, der es aber schon, vor Ablauf
eines Jahres, am 29. März 1800, an die Herzogin Catharina
von Holstein-Beck wieder verkaufte. Diese bewohnte es bis zu
ihrem Tode, der am 20. Dezember 1811 erfolgte.

Prinzessin Catharina von Holstein-Beck ward am 23. Februar
1750 geboren. Ihre Mutter war eine Gräfin oder Fürstin
Golowin, ihr Vater aber Peter August, Herzog von Holstein-
Beck, russischer General-Feldmarschall und Gouverneur von Esth-
land. Prinzessin Catharina vermählte sich am 8. Januar 1767
zu Reval mit dem Fürsten Iwan Bariatinski, der damals
russischer Oberst war. Ihre Ehe wurde geschieden, oder man lebte
wenigstens getrennt. Die Kinder verblieben in Rußland, indessen
begegnen wir 1802 einem Fürsten Iwan von Bariatinski als
Taufzeugen in Friedrichsfelde. Es scheint also, daß der älteste
Sohn zur Mutter stand. Diese war 50 Jahr, eine kluge, heitere,
noch hübsche Frau, als sie in Schloß Friedrichsfelde einzog. Es
lebten bis vor Kurzem noch Personen, die sie gekannt hatten. Den
Mittheilungen dieser verdanke ich das Nachstehende.

Die Prinzessin von Holstein-Beck kam 1800 oder vielleicht
auch erst 1801 zu uns. Was zu einer Trennung vom Fürsten
Bariatinski geführt hatte, war nie in Erfahrung zu bringen. Sie
war aber voll so tiefer Abneigung gegen ihn, daß sie seinen Namen
nicht tragen wollte und in Preußen, unter Gutheißung des Königs,
ihren Geburtsnamen Holstein-Beck wieder angenommen hatte.

Sie lebte ganz auf großem Fuß und unterhielt intime Be-

konnte namentlich die Herzogin auf einen Umgang, der ihrer
äſthetiſchen Natur Bedürfniß war, nie ganz verzichten, aber es
ſcheint nach den Citaten, die wir gegeben, feſtzuſtehen, daß der
ohnehin immer nur nach Monaten zählende Friedrichsfelder Auf-
enthalt von dieſer Seite her nicht ſeinen Charakter und ſeine
Signatur empfing.


Friedrichsfelde von 1800—1810.
Prinzeſſin von Holſtein-Beck.

1799 kam Friedrichsfelde an den Geheimen Ober-Hof-Buch-
drucker George Jacob Decker, der es aber ſchon, vor Ablauf
eines Jahres, am 29. März 1800, an die Herzogin Catharina
von Holſtein-Beck wieder verkaufte. Dieſe bewohnte es bis zu
ihrem Tode, der am 20. Dezember 1811 erfolgte.

Prinzeſſin Catharina von Holſtein-Beck ward am 23. Februar
1750 geboren. Ihre Mutter war eine Gräfin oder Fürſtin
Golowin, ihr Vater aber Peter Auguſt, Herzog von Holſtein-
Beck, ruſſiſcher General-Feldmarſchall und Gouverneur von Eſth-
land. Prinzeſſin Catharina vermählte ſich am 8. Januar 1767
zu Reval mit dem Fürſten Iwan Bariatinski, der damals
ruſſiſcher Oberſt war. Ihre Ehe wurde geſchieden, oder man lebte
wenigſtens getrennt. Die Kinder verblieben in Rußland, indeſſen
begegnen wir 1802 einem Fürſten Iwan von Bariatinski als
Taufzeugen in Friedrichsfelde. Es ſcheint alſo, daß der älteſte
Sohn zur Mutter ſtand. Dieſe war 50 Jahr, eine kluge, heitere,
noch hübſche Frau, als ſie in Schloß Friedrichsfelde einzog. Es
lebten bis vor Kurzem noch Perſonen, die ſie gekannt hatten. Den
Mittheilungen dieſer verdanke ich das Nachſtehende.

Die Prinzeſſin von Holſtein-Beck kam 1800 oder vielleicht
auch erſt 1801 zu uns. Was zu einer Trennung vom Fürſten
Bariatinski geführt hatte, war nie in Erfahrung zu bringen. Sie
war aber voll ſo tiefer Abneigung gegen ihn, daß ſie ſeinen Namen
nicht tragen wollte und in Preußen, unter Gutheißung des Königs,
ihren Geburtsnamen Holſtein-Beck wieder angenommen hatte.

Sie lebte ganz auf großem Fuß und unterhielt intime Be-

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[143/0159] konnte namentlich die Herzogin auf einen Umgang, der ihrer äſthetiſchen Natur Bedürfniß war, nie ganz verzichten, aber es ſcheint nach den Citaten, die wir gegeben, feſtzuſtehen, daß der ohnehin immer nur nach Monaten zählende Friedrichsfelder Auf- enthalt von dieſer Seite her nicht ſeinen Charakter und ſeine Signatur empfing. Friedrichsfelde von 1800—1810. Prinzeſſin von Holſtein-Beck. 1799 kam Friedrichsfelde an den Geheimen Ober-Hof-Buch- drucker George Jacob Decker, der es aber ſchon, vor Ablauf eines Jahres, am 29. März 1800, an die Herzogin Catharina von Holſtein-Beck wieder verkaufte. Dieſe bewohnte es bis zu ihrem Tode, der am 20. Dezember 1811 erfolgte. Prinzeſſin Catharina von Holſtein-Beck ward am 23. Februar 1750 geboren. Ihre Mutter war eine Gräfin oder Fürſtin Golowin, ihr Vater aber Peter Auguſt, Herzog von Holſtein- Beck, ruſſiſcher General-Feldmarſchall und Gouverneur von Eſth- land. Prinzeſſin Catharina vermählte ſich am 8. Januar 1767 zu Reval mit dem Fürſten Iwan Bariatinski, der damals ruſſiſcher Oberſt war. Ihre Ehe wurde geſchieden, oder man lebte wenigſtens getrennt. Die Kinder verblieben in Rußland, indeſſen begegnen wir 1802 einem Fürſten Iwan von Bariatinski als Taufzeugen in Friedrichsfelde. Es ſcheint alſo, daß der älteſte Sohn zur Mutter ſtand. Dieſe war 50 Jahr, eine kluge, heitere, noch hübſche Frau, als ſie in Schloß Friedrichsfelde einzog. Es lebten bis vor Kurzem noch Perſonen, die ſie gekannt hatten. Den Mittheilungen dieſer verdanke ich das Nachſtehende. Die Prinzeſſin von Holſtein-Beck kam 1800 oder vielleicht auch erſt 1801 zu uns. Was zu einer Trennung vom Fürſten Bariatinski geführt hatte, war nie in Erfahrung zu bringen. Sie war aber voll ſo tiefer Abneigung gegen ihn, daß ſie ſeinen Namen nicht tragen wollte und in Preußen, unter Gutheißung des Königs, ihren Geburtsnamen Holſtein-Beck wieder angenommen hatte. Sie lebte ganz auf großem Fuß und unterhielt intime Be-

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Zitationshilfe: Fontane, Theodor: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Bd. 4: Spreeland. Berlin, 1882, S. 143. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fontane_brandenburg04_1882/159>, abgerufen am 07.04.2020.