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Fouqué, Caroline de la Motte: Magie der Natur. In: Kleine Romanenbibliothek von und für Damen. Berlin, 1812.

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Neuntes Kapitel.


Die Baronin bedurfte wirklich mehr als je der Ruhe und innern Sammlung. Das Leben war ihr aufs neue so aufgerüttelt, alles trübe ineinandergewirrt, und grade jetzt, wo die Verhältnisse anfingen, sich zu setzen. Sie wäre so gern an Ort und Stelle geblieben! Das Herumziehn in fremden Ländern, so spät im Jahre hinein, hatte viel Unerfreuliches. Und was war am Ende davon zu erwarten? Sie mochte die Gedanken hinwerfen, wohin sie wollte, sie mochte den Lebensplan so oder so ordnen, es blieb alles unbegründet, alles durch Umstände bedingt, die ich nicht vorher bestimmen ließen. Unter dem Vielen Hin- und Herschieben und Stellen der Lebensverhältnisse ward es ihr indeß klar, daß über diese das Leben ganz allein zu bestimmen habe, daß man sie müsse kommen lassen, ohne sie sich selbst zuschneiden zu wollen, und daß der Mensch nichts anders

Neuntes Kapitel.


Die Baronin bedurfte wirklich mehr als je der Ruhe und innern Sammlung. Das Leben war ihr aufs neue so aufgerüttelt, alles trübe ineinandergewirrt, und grade jetzt, wo die Verhältnisse anfingen, sich zu setzen. Sie wäre so gern an Ort und Stelle geblieben! Das Herumziehn in fremden Ländern, so spät im Jahre hinein, hatte viel Unerfreuliches. Und was war am Ende davon zu erwarten? Sie mochte die Gedanken hinwerfen, wohin sie wollte, sie mochte den Lebensplan so oder so ordnen, es blieb alles unbegründet, alles durch Umstände bedingt, die ich nicht vorher bestimmen ließen. Unter dem Vielen Hin- und Herschieben und Stellen der Lebensverhältnisse ward es ihr indeß klar, daß über diese das Leben ganz allein zu bestimmen habe, daß man sie müsse kommen lassen, ohne sie sich selbst zuschneiden zu wollen, und daß der Mensch nichts anders

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[105/0112] Neuntes Kapitel. Die Baronin bedurfte wirklich mehr als je der Ruhe und innern Sammlung. Das Leben war ihr aufs neue so aufgerüttelt, alles trübe ineinandergewirrt, und grade jetzt, wo die Verhältnisse anfingen, sich zu setzen. Sie wäre so gern an Ort und Stelle geblieben! Das Herumziehn in fremden Ländern, so spät im Jahre hinein, hatte viel Unerfreuliches. Und was war am Ende davon zu erwarten? Sie mochte die Gedanken hinwerfen, wohin sie wollte, sie mochte den Lebensplan so oder so ordnen, es blieb alles unbegründet, alles durch Umstände bedingt, die ich nicht vorher bestimmen ließen. Unter dem Vielen Hin- und Herschieben und Stellen der Lebensverhältnisse ward es ihr indeß klar, daß über diese das Leben ganz allein zu bestimmen habe, daß man sie müsse kommen lassen, ohne sie sich selbst zuschneiden zu wollen, und daß der Mensch nichts anders

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Zitationshilfe: Fouqué, Caroline de la Motte: Magie der Natur. In: Kleine Romanenbibliothek von und für Damen. Berlin, 1812, S. 105. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fouque_magie_1812/112>, abgerufen am 16.02.2019.