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Fouqué, Caroline de la Motte: Magie der Natur. In: Kleine Romanenbibliothek von und für Damen. Berlin, 1812.

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Sechzehntes Kapitel.


Der Marquis ward gleich bei seinem Eintritt in Frankreich auf eigene Weise überrascht. Was er auch bis dahin von der neuen Verfassung gehört, was er selbst darüber gelesen hatte, er fand kein eigentliches Bild dafür in seiner Phantasie. An die Vorstellung des Gesetzlichen, der wiederbegründeten Ordnung, reihete sich unwillkührlich die Erinnerung des ehemals Bestandenen. Es blieb ihm stets das Alte, er mochte es zurecht legen und stellen wie er wollte.

In dieser dunklen, wenn auch nicht ausgesprochenen, Erwartung, betrat er jetzt französischen Boden. Sitte und Nothwendigkeit hatten nach grade genauere Schranken gezogen. Eine jede Thätigkeit fand ihre eigene Sphäre. Betriebsamkeit und tüchtiges Wesen suchten überall wieder zu schaffen, zu erneuern. War indeß das Leben in seinen Grundbestimmungen, auf die Weise, hier

Sechzehntes Kapitel.


Der Marquis ward gleich bei seinem Eintritt in Frankreich auf eigene Weise überrascht. Was er auch bis dahin von der neuen Verfassung gehört, was er selbst darüber gelesen hatte, er fand kein eigentliches Bild dafür in seiner Phantasie. An die Vorstellung des Gesetzlichen, der wiederbegründeten Ordnung, reihete sich unwillkührlich die Erinnerung des ehemals Bestandenen. Es blieb ihm stets das Alte, er mochte es zurecht legen und stellen wie er wollte.

In dieser dunklen, wenn auch nicht ausgesprochenen, Erwartung, betrat er jetzt französischen Boden. Sitte und Nothwendigkeit hatten nach grade genauere Schranken gezogen. Eine jede Thätigkeit fand ihre eigene Sphäre. Betriebsamkeit und tüchtiges Wesen suchten überall wieder zu schaffen, zu erneuern. War indeß das Leben in seinen Grundbestimmungen, auf die Weise, hier

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[218/0225] Sechzehntes Kapitel. Der Marquis ward gleich bei seinem Eintritt in Frankreich auf eigene Weise überrascht. Was er auch bis dahin von der neuen Verfassung gehört, was er selbst darüber gelesen hatte, er fand kein eigentliches Bild dafür in seiner Phantasie. An die Vorstellung des Gesetzlichen, der wiederbegründeten Ordnung, reihete sich unwillkührlich die Erinnerung des ehemals Bestandenen. Es blieb ihm stets das Alte, er mochte es zurecht legen und stellen wie er wollte. In dieser dunklen, wenn auch nicht ausgesprochenen, Erwartung, betrat er jetzt französischen Boden. Sitte und Nothwendigkeit hatten nach grade genauere Schranken gezogen. Eine jede Thätigkeit fand ihre eigene Sphäre. Betriebsamkeit und tüchtiges Wesen suchten überall wieder zu schaffen, zu erneuern. War indeß das Leben in seinen Grundbestimmungen, auf die Weise, hier

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  • langes s (ſ): als s transkribiert
  • rundes r (ꝛ): als r/et transkribiert
  • Silbentrennung: aufgelöst
  • Vokale mit übergest. e: als ä/ö/ü transkribiert



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Zitationshilfe: Fouqué, Caroline de la Motte: Magie der Natur. In: Kleine Romanenbibliothek von und für Damen. Berlin, 1812, S. 218. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fouque_magie_1812/225>, abgerufen am 18.02.2019.