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Gall, Franz Joseph: Philosophisch-medizinische Untersuchungen über Natur und Kunst im kranken und gesunden Zustand des Menschen. Wien, 1791.

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Winden durchstrichenen Gegenden klein, aber sie wer-
den desto fruchtbarer. Dieses ist den Gärtnern wohl
bekannt, daher setzen sie die Blumen, an denen sie
einen reichlichen Flor erwarten, in sehr kleine Geschir-
re; aus dem nämlichen Erfahrungssatz sperren die Vo-
gelsteller ihre Lock- und Singvögel in sehr enge Käfige
ein. -- Mannigfaltigkeit des Erdstriches und der
Luft, die künstliche oder willkührliche Befruchtung
verschiedener Arten und Gattungen machen Spielar-
ten an Pflanzen, wie an Menschen und Thieren.
Gewächse, die in warmen Ländern zur Baumesgrösse
wachsen, bleiben in kalten Ländern kleine Krüppel, und
umgekehrt. -- In Gegenden, wo durchaus die Na-
tur am thätigsten zu seyn scheint, wo es die grösten,
muthvollsten Thiere giebt, wie z. B. in Afrika die
Elephanten, Zebras, Rhinozeroten, Löwen, Tiger,
Krokodille, Flußpferde, da sind auch die höchsten
Bäume, die saftreichsten und nüzlichsten Früchte,
die würzhaftesten Pflanzschulen. Eben so theilt Asien
seinen Reichthum zwischen Thieren und Pflanzen u. s.
w. Die kleinsten Nationen sind die Eskimos, Grön-
länder, Lappen, Samojeden und Ostiaken; bey ihnen
sind wenig Thiere, und nur kleine Pflanzen; das dort-
hin gebrachte Rindvieh lebt kaum 5 Jahre; die Bäu-
me bleiben Stauden, die Birken, Weiden, und Er-
len kriechen nur auf dem kalten Boden fort, und über
klafterhohe Stauden sieht man gar nicht. Der Fuchs
ist viel kleiner, und der Hund wird stumm und so dumm,
daß man kaum einen Bären damit hetzen kann.


Die
Gall I. Band. L

Winden durchſtrichenen Gegenden klein, aber ſie wer-
den deſto fruchtbarer. Dieſes iſt den Gaͤrtnern wohl
bekannt, daher ſetzen ſie die Blumen, an denen ſie
einen reichlichen Flor erwarten, in ſehr kleine Geſchir-
re; aus dem naͤmlichen Erfahrungsſatz ſperren die Vo-
gelſteller ihre Lock- und Singvoͤgel in ſehr enge Kaͤfige
ein. — Mannigfaltigkeit des Erdſtriches und der
Luft, die kuͤnſtliche oder willkuͤhrliche Befruchtung
verſchiedener Arten und Gattungen machen Spielar-
ten an Pflanzen, wie an Menſchen und Thieren.
Gewaͤchſe, die in warmen Laͤndern zur Baumesgroͤſſe
wachſen, bleiben in kalten Laͤndern kleine Kruͤppel, und
umgekehrt. — In Gegenden, wo durchaus die Na-
tur am thaͤtigſten zu ſeyn ſcheint, wo es die groͤſten,
muthvollſten Thiere giebt, wie z. B. in Afrika die
Elephanten, Zebras, Rhinozeroten, Loͤwen, Tiger,
Krokodille, Flußpferde, da ſind auch die hoͤchſten
Baͤume, die ſaftreichſten und nuͤzlichſten Fruͤchte,
die wuͤrzhafteſten Pflanzſchulen. Eben ſo theilt Aſien
ſeinen Reichthum zwiſchen Thieren und Pflanzen u. ſ.
w. Die kleinſten Nationen ſind die Eskimos, Groͤn-
laͤnder, Lappen, Samojeden und Oſtiaken; bey ihnen
ſind wenig Thiere, und nur kleine Pflanzen; das dort-
hin gebrachte Rindvieh lebt kaum 5 Jahre; die Baͤu-
me bleiben Stauden, die Birken, Weiden, und Er-
len kriechen nur auf dem kalten Boden fort, und uͤber
klafterhohe Stauden ſieht man gar nicht. Der Fuchs
iſt viel kleiner, und der Hund wird ſtumm und ſo dumm,
daß man kaum einen Baͤren damit hetzen kann.


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Gall I. Band. L
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[161/0180] Winden durchſtrichenen Gegenden klein, aber ſie wer- den deſto fruchtbarer. Dieſes iſt den Gaͤrtnern wohl bekannt, daher ſetzen ſie die Blumen, an denen ſie einen reichlichen Flor erwarten, in ſehr kleine Geſchir- re; aus dem naͤmlichen Erfahrungsſatz ſperren die Vo- gelſteller ihre Lock- und Singvoͤgel in ſehr enge Kaͤfige ein. — Mannigfaltigkeit des Erdſtriches und der Luft, die kuͤnſtliche oder willkuͤhrliche Befruchtung verſchiedener Arten und Gattungen machen Spielar- ten an Pflanzen, wie an Menſchen und Thieren. Gewaͤchſe, die in warmen Laͤndern zur Baumesgroͤſſe wachſen, bleiben in kalten Laͤndern kleine Kruͤppel, und umgekehrt. — In Gegenden, wo durchaus die Na- tur am thaͤtigſten zu ſeyn ſcheint, wo es die groͤſten, muthvollſten Thiere giebt, wie z. B. in Afrika die Elephanten, Zebras, Rhinozeroten, Loͤwen, Tiger, Krokodille, Flußpferde, da ſind auch die hoͤchſten Baͤume, die ſaftreichſten und nuͤzlichſten Fruͤchte, die wuͤrzhafteſten Pflanzſchulen. Eben ſo theilt Aſien ſeinen Reichthum zwiſchen Thieren und Pflanzen u. ſ. w. Die kleinſten Nationen ſind die Eskimos, Groͤn- laͤnder, Lappen, Samojeden und Oſtiaken; bey ihnen ſind wenig Thiere, und nur kleine Pflanzen; das dort- hin gebrachte Rindvieh lebt kaum 5 Jahre; die Baͤu- me bleiben Stauden, die Birken, Weiden, und Er- len kriechen nur auf dem kalten Boden fort, und uͤber klafterhohe Stauden ſieht man gar nicht. Der Fuchs iſt viel kleiner, und der Hund wird ſtumm und ſo dumm, daß man kaum einen Baͤren damit hetzen kann. Die Gall I. Band. L

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Zitationshilfe: Gall, Franz Joseph: Philosophisch-medizinische Untersuchungen über Natur und Kunst im kranken und gesunden Zustand des Menschen. Wien, 1791, S. 161. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/gall_untersuchungen_1791/180>, abgerufen am 24.06.2019.