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Ganswindt, Albert: Handbuch der Färberei und der damit verwandten vorbereitenden und vollendenden Gewerbe. Weimar, 1889.

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einen hell ziegelroten, mit Kupfervitriol einen gelblichbraunen Niederschlag. In
starker Schwefelsäure löst es sich mit kornblumenblauer Farbe. Das Orellin
ist weniger bekannt, es soll in Wasser und Alkohol leicht löslich sein und
mit Alaun einen gelben Niederschlag geben.

Anwendung. Orlean wird in alkalischer Lösung ohne Anwendung
von Beizen zum Gelb- und Orangefärben, vornehmlich von Seide, gebraucht,
seltener unter Anwendung von Thonerdebeizen für Wolle und Baumwolle.
Besonders gern wird der Orlean für zarte Cremes und Lachsfarbentöne,
sowie zum Nüancieren anderer gelber Farben verwendet.

Prüfung und Wertbestimmung. Die teigartige Form des Orleans
macht ihn sehr geeignet für Verfälschungen, und zwar mit Ziegelmehl, Bolus,
Blutstein. Derartige Verfälschungen lassen sich durch den unverhältnismäßig
hohen Aschengehalt nachweisen, welcher nicht mehr als 13 Prozent
betragen darf
. Die Wertbestimmung ist durch Probefärben aus alkali-
schem Bade auszuführen.

§ 42. Gelbschoten.

Abstammung. Die Gelbschoten, Wongshy, sind die Früchte der
im südöstlichen Asien heimischen, zur Familie der Rubiaceae gehörigen chinesi-
schen Gelbschote von Gardenia florida L., Gardenia radicans Thbg. und
Gardenia grandiflora Lour. Sie kamen im Jahre 1848 zum erstenmal
nach Europa.

Eigenschaften. Es sind länglich eirunde Samenkapseln, mit dem ver-
trockncten sechslappigen Kelche gekrönt, 31/2 bis 5 cm lang, 1 cm dick und
von ungleichmäßiger, rötlichgelber Farbe.

Gelbschotenfarbstoff. Sie enthalten einen gelben Farbstost, welcher
nach Mayer mit dem im Safran enthaltenen Crocin identisch ist. Der
Farbstoff ist nach C. H. Schmidt in warmem Wasser leicht löslich; im
reinen Zustande bildet das Crocin ein lebhaft rotes geruchloses Pulver; die
Lösung hat die Farbe einer Auflösung von rotem chromsaurem Kali; es löst
sich leicht in Alkalien mit gelber Färbung; beim Kochen mit verdünnten
Säuren spaltet es sich in Zucker und Crocetin. Letzteres ist ein dunkel-
rotes amorphes Pulver, in Wasser wenig, in Alkohol leicht löslich; seine
Lösungen geben mit Bleizucker einen gelben Niederschlag.

Anwendung. Crocin ist ein substantiver Farbstoff; Wolle und Seide
werden mittels Wongshy ohne Beize echt und haltbar gelb gefärbt. Baum-
wolle bedarf der Zinnbeize. Die Farbe widersteht der Säure, wird aber
durch starke Alkalien, durch Säuren und Zinnsalz ins Rote nüanciert.

Wertbestimmung durch Probefärben.

§ 43. Minder wichtige gelbe Farbstoffe.

1. Ginster, Färberginster, Farbblumen, Gilbkraut, gelbe Scharte,
sind die Blätter, Blüten und jungen Zweige von Genista tinctoria L.,
Genista ovata, Gen. anglica, Gen. sagittalis, Gen. monosperma, Gen.
purgans,
welche teils in Deutschland, teils in Süd- und Westeuropa und

einen hell ziegelroten, mit Kupfervitriol einen gelblichbraunen Niederſchlag. In
ſtarker Schwefelſäure löſt es ſich mit kornblumenblauer Farbe. Das Orellin
iſt weniger bekannt, es ſoll in Waſſer und Alkohol leicht löslich ſein und
mit Alaun einen gelben Niederſchlag geben.

Anwendung. Orlean wird in alkaliſcher Löſung ohne Anwendung
von Beizen zum Gelb- und Orangefärben, vornehmlich von Seide, gebraucht,
ſeltener unter Anwendung von Thonerdebeizen für Wolle und Baumwolle.
Beſonders gern wird der Orlean für zarte Crêmes und Lachsfarbentöne,
ſowie zum Nüancieren anderer gelber Farben verwendet.

Prüfung und Wertbeſtimmung. Die teigartige Form des Orleans
macht ihn ſehr geeignet für Verfälſchungen, und zwar mit Ziegelmehl, Bolus,
Blutſtein. Derartige Verfälſchungen laſſen ſich durch den unverhältnismäßig
hohen Aſchengehalt nachweiſen, welcher nicht mehr als 13 Prozent
betragen darf
. Die Wertbeſtimmung iſt durch Probefärben aus alkali-
ſchem Bade auszuführen.

§ 42. Gelbſchoten.

Abſtammung. Die Gelbſchoten, Wongſhy, ſind die Früchte der
im ſüdöſtlichen Aſien heimiſchen, zur Familie der Rubiaceae gehörigen chineſi-
ſchen Gelbſchote von Gardenia florida L., Gardenia radicans Thbg. und
Gardenia grandiflora Lour. Sie kamen im Jahre 1848 zum erſtenmal
nach Europa.

Eigenſchaften. Es ſind länglich eirunde Samenkapſeln, mit dem ver-
trockncten ſechslappigen Kelche gekrönt, 3½ bis 5 cm lang, 1 cm dick und
von ungleichmäßiger, rötlichgelber Farbe.

Gelbſchotenfarbſtoff. Sie enthalten einen gelben Farbſtoſt, welcher
nach Mayer mit dem im Safran enthaltenen Crocin identiſch iſt. Der
Farbſtoff iſt nach C. H. Schmidt in warmem Waſſer leicht löslich; im
reinen Zuſtande bildet das Crocin ein lebhaft rotes geruchloſes Pulver; die
Löſung hat die Farbe einer Auflöſung von rotem chromſaurem Kali; es löſt
ſich leicht in Alkalien mit gelber Färbung; beim Kochen mit verdünnten
Säuren ſpaltet es ſich in Zucker und Crocetin. Letzteres iſt ein dunkel-
rotes amorphes Pulver, in Waſſer wenig, in Alkohol leicht löslich; ſeine
Löſungen geben mit Bleizucker einen gelben Niederſchlag.

Anwendung. Crocin iſt ein ſubſtantiver Farbſtoff; Wolle und Seide
werden mittels Wongſhy ohne Beize echt und haltbar gelb gefärbt. Baum-
wolle bedarf der Zinnbeize. Die Farbe widerſteht der Säure, wird aber
durch ſtarke Alkalien, durch Säuren und Zinnſalz ins Rote nüanciert.

Wertbeſtimmung durch Probefärben.

§ 43. Minder wichtige gelbe Farbſtoffe.

1. Ginſter, Färberginſter, Farbblumen, Gilbkraut, gelbe Scharte,
ſind die Blätter, Blüten und jungen Zweige von Genista tinctoria L.,
Genista ovata, Gen. anglica, Gen. sagittalis, Gen. monosperma, Gen.
purgans,
welche teils in Deutſchland, teils in Süd- und Weſteuropa und

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[133/0159] einen hell ziegelroten, mit Kupfervitriol einen gelblichbraunen Niederſchlag. In ſtarker Schwefelſäure löſt es ſich mit kornblumenblauer Farbe. Das Orellin iſt weniger bekannt, es ſoll in Waſſer und Alkohol leicht löslich ſein und mit Alaun einen gelben Niederſchlag geben. Anwendung. Orlean wird in alkaliſcher Löſung ohne Anwendung von Beizen zum Gelb- und Orangefärben, vornehmlich von Seide, gebraucht, ſeltener unter Anwendung von Thonerdebeizen für Wolle und Baumwolle. Beſonders gern wird der Orlean für zarte Crêmes und Lachsfarbentöne, ſowie zum Nüancieren anderer gelber Farben verwendet. Prüfung und Wertbeſtimmung. Die teigartige Form des Orleans macht ihn ſehr geeignet für Verfälſchungen, und zwar mit Ziegelmehl, Bolus, Blutſtein. Derartige Verfälſchungen laſſen ſich durch den unverhältnismäßig hohen Aſchengehalt nachweiſen, welcher nicht mehr als 13 Prozent betragen darf. Die Wertbeſtimmung iſt durch Probefärben aus alkali- ſchem Bade auszuführen. § 42. Gelbſchoten. Abſtammung. Die Gelbſchoten, Wongſhy, ſind die Früchte der im ſüdöſtlichen Aſien heimiſchen, zur Familie der Rubiaceae gehörigen chineſi- ſchen Gelbſchote von Gardenia florida L., Gardenia radicans Thbg. und Gardenia grandiflora Lour. Sie kamen im Jahre 1848 zum erſtenmal nach Europa. Eigenſchaften. Es ſind länglich eirunde Samenkapſeln, mit dem ver- trockncten ſechslappigen Kelche gekrönt, 3½ bis 5 cm lang, 1 cm dick und von ungleichmäßiger, rötlichgelber Farbe. Gelbſchotenfarbſtoff. Sie enthalten einen gelben Farbſtoſt, welcher nach Mayer mit dem im Safran enthaltenen Crocin identiſch iſt. Der Farbſtoff iſt nach C. H. Schmidt in warmem Waſſer leicht löslich; im reinen Zuſtande bildet das Crocin ein lebhaft rotes geruchloſes Pulver; die Löſung hat die Farbe einer Auflöſung von rotem chromſaurem Kali; es löſt ſich leicht in Alkalien mit gelber Färbung; beim Kochen mit verdünnten Säuren ſpaltet es ſich in Zucker und Crocetin. Letzteres iſt ein dunkel- rotes amorphes Pulver, in Waſſer wenig, in Alkohol leicht löslich; ſeine Löſungen geben mit Bleizucker einen gelben Niederſchlag. Anwendung. Crocin iſt ein ſubſtantiver Farbſtoff; Wolle und Seide werden mittels Wongſhy ohne Beize echt und haltbar gelb gefärbt. Baum- wolle bedarf der Zinnbeize. Die Farbe widerſteht der Säure, wird aber durch ſtarke Alkalien, durch Säuren und Zinnſalz ins Rote nüanciert. Wertbeſtimmung durch Probefärben. § 43. Minder wichtige gelbe Farbſtoffe. 1. Ginſter, Färberginſter, Farbblumen, Gilbkraut, gelbe Scharte, ſind die Blätter, Blüten und jungen Zweige von Genista tinctoria L., Genista ovata, Gen. anglica, Gen. sagittalis, Gen. monosperma, Gen. purgans, welche teils in Deutſchland, teils in Süd- und Weſteuropa und

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Zitationshilfe: Ganswindt, Albert: Handbuch der Färberei und der damit verwandten vorbereitenden und vollendenden Gewerbe. Weimar, 1889, S. 133. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/ganswindt_faerberei_1889/159>, abgerufen am 19.12.2018.