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Ganswindt, Albert: Handbuch der Färberei und der damit verwandten vorbereitenden und vollendenden Gewerbe. Weimar, 1889.

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b) Rosolsäurefarbstoffe.

Diese Farbstoffe stehen in naher Beziehung zu den Rosanilinen; wie
die Rosaniline basische Triphenylmethanfarbstoffe sind, so die Rosolsäuren saure.
Der Hauptvertreter dieser Gruppe ist die

Rosolsäure, Aurin R, rotes Korallin, Päonin. Es ist ein integriren-
der Bestandteil des gelben Corallins und wird aus diesem durch Erhitzen
mit Ammoniak unter Druck gewonnen. Im unreinen Zustande erhält man
es durch Erhitzen von Phenol mit Oxalsäure und Schwefelsäure auf 120
bis 130°. Im reinen Zustande besteht es aus granatroten Krystallen von
blauem Schimmer, die sich in Alkalien mit roter Farbe lösen. Anwendung
findet das Aurin in der Färberei seiner großen Empfindlichkeit gegen Licht,
Seife und Säuren wegen nur ausnahmsweise; dagegen wird es in der Woll-
und Kattundruckerei noch verwendet.

c) Azofarbstoffe.

Sie waren bis zum Jahr 1876 ein unbekannter Begriff. Erst seit-
dem O. N. Witt, und gleichzeitig, aber unabhängig von ihm, Caro im
genannten Jahre das Chrysoidin entdeckten, beginnt diese neueste Klasse der
Farbstoffe eine mit jedem Jahre zunehmende Wichtigkeit zu erlangen. Heute
darf wohl mit Recht behauptet werden, daß -- abgesehen etwa von den Anthra-
cenfarbstoffen -- keine zweite Farbstoffklasse von solcher Wichtigkeit für die
Färberei ist, als die Azofarbstoffe. Keine andere Farbstoffklasse enthält so
viele Glieder und ist so mannigfach, was Farbe anbelangt, wie die der Azo-
farbstoffe. Nur Grün ist nicht vertreten; sonst finden sich alle Töne vom
Rot bis zum tiefsten Violett und Schwarz. Mehr als 100 Vertreter dieser
Klasse befinden sich heute auf dem Markt, und wenn man die Patentberichte
durchsieht, findet man sämtliche Farbenfabriken an der Arbeit, den bisherigen
immer neue Azofarbstoffe anzugliedern. Diese Thatsache wird dadurch leicht
verständlich, daß die Art ihrer Herstellung eine verhältnismäßig einfache und
der Verlauf der Reaktion ein glatter ist; vor allem maßgebend sind die
Eigenschaften dieser Farbstoffe: sie sind leicht löslich in Wasser und färben
animalische Fasern substantiv, ohne Anwendung einer Beize. Diese Eigenschaf-
ten besitzen die Rosanilinfarbstoffe zwar auch; dagegen zeichnen sich die Azofarb-
stoffe durch große Echtheit gegen Licht, Luft und Säure, Seife und Walke aus.

Die Anzahl der Azofarbstoffe ist bereits eine so große, daß man nach
dem abweichenden Verhalten mehrerer derselben die Klasse in 4 Gruppen
eingeteilt hat: Amidoazofarbstoffe, Oxyazofarbstoffe, Tetrazofarbstoffe, Benzi-
dinfarbstoffe. Wahrscheinlich wird diese vorläufige Einteilung bald hinfällig
werden, zumal das Azoblau eigentlich schon einen Vertreter einer neuen
Gruppe darstellt, und das neue Primulin, so verhältnismäßig wenig man
davon bis jetzt mit Sicherheit weiß, aller Wahrscheinlichkeit nach gleichfalls
der Vertreter und der Ausgangspunkt für eine neue Gruppe werden zu
wollen scheint.

Was ist nun aber ein Azofarbstoff? Der Bedeutung des Wortes
nach ein "Stickstofffarbstoff". In der That ist der Stickstoff gewissermaßen
der Kern, um den sich das gesamte Uebrige anlagert. Es sind Abkömm-
linge des Benzols, Toluols etc., entstanden durch Einwirkung von salpetriger
Säure auf deren Amide, Anilin, Toluidin, Xilidin u. s. w. Läßt man
z. B. auf salzsaures Anilin, in salzsäurehaltigem Wasser gelöst, bei niederer
Temperatur eine Lösung von salpetrigsaurem Natron unter lebhaftem Um-

b) Roſolſäurefarbſtoffe.

Dieſe Farbſtoffe ſtehen in naher Beziehung zu den Roſanilinen; wie
die Roſaniline baſiſche Triphenylmethanfarbſtoffe ſind, ſo die Roſolſäuren ſaure.
Der Hauptvertreter dieſer Gruppe iſt die

Roſolſäure, Aurin R, rotes Korallin, Päonin. Es iſt ein integriren-
der Beſtandteil des gelben Corallins und wird aus dieſem durch Erhitzen
mit Ammoniak unter Druck gewonnen. Im unreinen Zuſtande erhält man
es durch Erhitzen von Phenol mit Oxalſäure und Schwefelſäure auf 120
bis 130°. Im reinen Zuſtande beſteht es aus granatroten Kryſtallen von
blauem Schimmer, die ſich in Alkalien mit roter Farbe löſen. Anwendung
findet das Aurin in der Färberei ſeiner großen Empfindlichkeit gegen Licht,
Seife und Säuren wegen nur ausnahmsweiſe; dagegen wird es in der Woll-
und Kattundruckerei noch verwendet.

c) Azofarbſtoffe.

Sie waren bis zum Jahr 1876 ein unbekannter Begriff. Erſt ſeit-
dem O. N. Witt, und gleichzeitig, aber unabhängig von ihm, Caro im
genannten Jahre das Chryſoïdin entdeckten, beginnt dieſe neueſte Klaſſe der
Farbſtoffe eine mit jedem Jahre zunehmende Wichtigkeit zu erlangen. Heute
darf wohl mit Recht behauptet werden, daß — abgeſehen etwa von den Anthra-
cenfarbſtoffen — keine zweite Farbſtoffklaſſe von ſolcher Wichtigkeit für die
Färberei iſt, als die Azofarbſtoffe. Keine andere Farbſtoffklaſſe enthält ſo
viele Glieder und iſt ſo mannigfach, was Farbe anbelangt, wie die der Azo-
farbſtoffe. Nur Grün iſt nicht vertreten; ſonſt finden ſich alle Töne vom
Rot bis zum tiefſten Violett und Schwarz. Mehr als 100 Vertreter dieſer
Klaſſe befinden ſich heute auf dem Markt, und wenn man die Patentberichte
durchſieht, findet man ſämtliche Farbenfabriken an der Arbeit, den bisherigen
immer neue Azofarbſtoffe anzugliedern. Dieſe Thatſache wird dadurch leicht
verſtändlich, daß die Art ihrer Herſtellung eine verhältnismäßig einfache und
der Verlauf der Reaktion ein glatter iſt; vor allem maßgebend ſind die
Eigenſchaften dieſer Farbſtoffe: ſie ſind leicht löslich in Waſſer und färben
animaliſche Faſern ſubſtantiv, ohne Anwendung einer Beize. Dieſe Eigenſchaf-
ten beſitzen die Roſanilinfarbſtoffe zwar auch; dagegen zeichnen ſich die Azofarb-
ſtoffe durch große Echtheit gegen Licht, Luft und Säure, Seife und Walke aus.

Die Anzahl der Azofarbſtoffe iſt bereits eine ſo große, daß man nach
dem abweichenden Verhalten mehrerer derſelben die Klaſſe in 4 Gruppen
eingeteilt hat: Amidoazofarbſtoffe, Oxyazofarbſtoffe, Tetrazofarbſtoffe, Benzi-
dinfarbſtoffe. Wahrſcheinlich wird dieſe vorläufige Einteilung bald hinfällig
werden, zumal das Azoblau eigentlich ſchon einen Vertreter einer neuen
Gruppe darſtellt, und das neue Primulin, ſo verhältnismäßig wenig man
davon bis jetzt mit Sicherheit weiß, aller Wahrſcheinlichkeit nach gleichfalls
der Vertreter und der Ausgangspunkt für eine neue Gruppe werden zu
wollen ſcheint.

Was iſt nun aber ein Azofarbſtoff? Der Bedeutung des Wortes
nach ein „Stickſtofffarbſtoff“. In der That iſt der Stickſtoff gewiſſermaßen
der Kern, um den ſich das geſamte Uebrige anlagert. Es ſind Abkömm-
linge des Benzols, Toluols ꝛc., entſtanden durch Einwirkung von ſalpetriger
Säure auf deren Amide, Anilin, Toluidin, Xilidin u. ſ. w. Läßt man
z. B. auf ſalzſaures Anilin, in ſalzſäurehaltigem Waſſer gelöſt, bei niederer
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[173/0199] b) Roſolſäurefarbſtoffe. Dieſe Farbſtoffe ſtehen in naher Beziehung zu den Roſanilinen; wie die Roſaniline baſiſche Triphenylmethanfarbſtoffe ſind, ſo die Roſolſäuren ſaure. Der Hauptvertreter dieſer Gruppe iſt die Roſolſäure, Aurin R, rotes Korallin, Päonin. Es iſt ein integriren- der Beſtandteil des gelben Corallins und wird aus dieſem durch Erhitzen mit Ammoniak unter Druck gewonnen. Im unreinen Zuſtande erhält man es durch Erhitzen von Phenol mit Oxalſäure und Schwefelſäure auf 120 bis 130°. Im reinen Zuſtande beſteht es aus granatroten Kryſtallen von blauem Schimmer, die ſich in Alkalien mit roter Farbe löſen. Anwendung findet das Aurin in der Färberei ſeiner großen Empfindlichkeit gegen Licht, Seife und Säuren wegen nur ausnahmsweiſe; dagegen wird es in der Woll- und Kattundruckerei noch verwendet. c) Azofarbſtoffe. Sie waren bis zum Jahr 1876 ein unbekannter Begriff. Erſt ſeit- dem O. N. Witt, und gleichzeitig, aber unabhängig von ihm, Caro im genannten Jahre das Chryſoïdin entdeckten, beginnt dieſe neueſte Klaſſe der Farbſtoffe eine mit jedem Jahre zunehmende Wichtigkeit zu erlangen. Heute darf wohl mit Recht behauptet werden, daß — abgeſehen etwa von den Anthra- cenfarbſtoffen — keine zweite Farbſtoffklaſſe von ſolcher Wichtigkeit für die Färberei iſt, als die Azofarbſtoffe. Keine andere Farbſtoffklaſſe enthält ſo viele Glieder und iſt ſo mannigfach, was Farbe anbelangt, wie die der Azo- farbſtoffe. Nur Grün iſt nicht vertreten; ſonſt finden ſich alle Töne vom Rot bis zum tiefſten Violett und Schwarz. Mehr als 100 Vertreter dieſer Klaſſe befinden ſich heute auf dem Markt, und wenn man die Patentberichte durchſieht, findet man ſämtliche Farbenfabriken an der Arbeit, den bisherigen immer neue Azofarbſtoffe anzugliedern. Dieſe Thatſache wird dadurch leicht verſtändlich, daß die Art ihrer Herſtellung eine verhältnismäßig einfache und der Verlauf der Reaktion ein glatter iſt; vor allem maßgebend ſind die Eigenſchaften dieſer Farbſtoffe: ſie ſind leicht löslich in Waſſer und färben animaliſche Faſern ſubſtantiv, ohne Anwendung einer Beize. Dieſe Eigenſchaf- ten beſitzen die Roſanilinfarbſtoffe zwar auch; dagegen zeichnen ſich die Azofarb- ſtoffe durch große Echtheit gegen Licht, Luft und Säure, Seife und Walke aus. Die Anzahl der Azofarbſtoffe iſt bereits eine ſo große, daß man nach dem abweichenden Verhalten mehrerer derſelben die Klaſſe in 4 Gruppen eingeteilt hat: Amidoazofarbſtoffe, Oxyazofarbſtoffe, Tetrazofarbſtoffe, Benzi- dinfarbſtoffe. Wahrſcheinlich wird dieſe vorläufige Einteilung bald hinfällig werden, zumal das Azoblau eigentlich ſchon einen Vertreter einer neuen Gruppe darſtellt, und das neue Primulin, ſo verhältnismäßig wenig man davon bis jetzt mit Sicherheit weiß, aller Wahrſcheinlichkeit nach gleichfalls der Vertreter und der Ausgangspunkt für eine neue Gruppe werden zu wollen ſcheint. Was iſt nun aber ein Azofarbſtoff? Der Bedeutung des Wortes nach ein „Stickſtofffarbſtoff“. In der That iſt der Stickſtoff gewiſſermaßen der Kern, um den ſich das geſamte Uebrige anlagert. Es ſind Abkömm- linge des Benzols, Toluols ꝛc., entſtanden durch Einwirkung von ſalpetriger Säure auf deren Amide, Anilin, Toluidin, Xilidin u. ſ. w. Läßt man z. B. auf ſalzſaures Anilin, in ſalzſäurehaltigem Waſſer gelöſt, bei niederer Temperatur eine Löſung von ſalpetrigſaurem Natron unter lebhaftem Um-

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Zitationshilfe: Ganswindt, Albert: Handbuch der Färberei und der damit verwandten vorbereitenden und vollendenden Gewerbe. Weimar, 1889, S. 173. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/ganswindt_faerberei_1889/199>, abgerufen am 20.05.2019.