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Ganswindt, Albert: Handbuch der Färberei und der damit verwandten vorbereitenden und vollendenden Gewerbe. Weimar, 1889.

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Walzenstellung, welche häufigen Reparaturen unterliegen, hier vollständig
vermieden sind. Die Walzenstellung dieser Maschine besitzt auf jeder Seite
derselben nur einen einzigen Drehpunkt, und zwar einen außerhalb des
Kastens am Gestell geführten Drehzapfen, auch sind alle sonstigen Teile der
Druckbelastung außen angebracht und leicht zugänglich. Sämtliche Walzen
sind zum Herausnehmen auf bequeme Weise eingerichtet und laufen in
metallnen Lagern.

Die Maschine ist sowohl für leichte, als auch für schwerste gerauhte
Ware gleich vorteilhaft anzuwenden.

§ 19. Die Hauptarbeiten der Färberei im allgemeinen.

Nachdem die Fasern, Gespinnste oder Gewebe die in den vorigen Para-
graphen beschriebenen Operationen durchlaufen haben, sind sie soweit vor-
bereitet, daß nunmehr zum eigentlichen Färben, gemeinhin Ausfärben ge-
nannt, geschritten werden kann, d. h. die Fasern, Gespinnste u. s. w. können
nun in die eigentlichen Farbebäder gelangen oder, falls ein Beizen erforderlich
oder wünschenswert, in das Beizbad.

Behufs Herstellung der Beizflüssigkeiten und Farbbäder sind jedoch eine
Anzahl einleitende Operationen nötig, welche die Zerkleinerung der Farbstoffe
(z. B. das Raspeln der Farbhölzer, das Feinreiben der Cochenille), das
Auskochen der Farbstoffe aus den Rohmaterialien (z. B. der Farbhölzer, des
Sumachs etc.), das Lösen der Farbstoffe oder das in Lösungbringen gewisser
Farbstoffe (z. B. Indigo, Coerulein), das Justieren der Lösungen auf einen
gewissen Stärkegrad u. s. w. bezwecken. Alle diese Arbeiten sind lediglich
vorbereitende. Und doch sollte jeder Färber gerade diesen vorbereitenden
Arbeiten besondere Aufmerksamkeit schenken, da von der richtigen Zubereitung
der Beiz- und Farbbäder Alles abhängt, und ein späteres Flicken und Aus-
bessern, ein Zusetzen von Farbstoff, ein Zugeben von Säure u. dergl. immer-
hin sein Bedenken hat. Zweck der vorbereitenden Operationen ist die Ueber-
führung der Farbstoffe in lösliche Form. Die in der Neuzeit meist ge-
brauchten künstlichen organischen Farbstoffe sind ja an sich löslich; bei der
großen Anzahl natürlicher aber muß erst eine entsprechende Zerkleinerung
stattfinden oder ein Auskochen resp. Extrahieren der Ware.

§ 20. Zerkleinern der Kohmaterialien.

Von den Farbstoffen, welche durch Reiben in ein feines Pulver ver-
wandelt und dadurch für die spätere Lösung vorbereitet werden sollen, ge-
hört in erster Linie der Indigo. Von Natur hart, widersetzt er sich dem
bloßen Reiben im Mörser hartnäckig. Man hat daher Mühlen konstruiert,
in welchen der Indigo richtig zermahlen wird. Die einfachste Vorrichtung
dieser Art ist die Indigoschrotmühle, Fig. 84, bestimmt, den Indigo in
trockenem Zustande vorzumahlen, wodurch ein schnelleres und gleichmäßigeres
Feinmahlen ermöglicht wird. Wenn man von der Antriebvorrichtung ab-
sieht, hat diese Schrotmühle viel Aehnlichkeit mit einer Kaffeemühle.

Walzenſtellung, welche häufigen Reparaturen unterliegen, hier vollſtändig
vermieden ſind. Die Walzenſtellung dieſer Maſchine beſitzt auf jeder Seite
derſelben nur einen einzigen Drehpunkt, und zwar einen außerhalb des
Kaſtens am Geſtell geführten Drehzapfen, auch ſind alle ſonſtigen Teile der
Druckbelaſtung außen angebracht und leicht zugänglich. Sämtliche Walzen
ſind zum Herausnehmen auf bequeme Weiſe eingerichtet und laufen in
metallnen Lagern.

Die Maſchine iſt ſowohl für leichte, als auch für ſchwerſte gerauhte
Ware gleich vorteilhaft anzuwenden.

§ 19. Die Hauptarbeiten der Färberei im allgemeinen.

Nachdem die Faſern, Geſpinnſte oder Gewebe die in den vorigen Para-
graphen beſchriebenen Operationen durchlaufen haben, ſind ſie ſoweit vor-
bereitet, daß nunmehr zum eigentlichen Färben, gemeinhin Ausfärben ge-
nannt, geſchritten werden kann, d. h. die Faſern, Geſpinnſte u. ſ. w. können
nun in die eigentlichen Farbebäder gelangen oder, falls ein Beizen erforderlich
oder wünſchenswert, in das Beizbad.

Behufs Herſtellung der Beizflüſſigkeiten und Farbbäder ſind jedoch eine
Anzahl einleitende Operationen nötig, welche die Zerkleinerung der Farbſtoffe
(z. B. das Raſpeln der Farbhölzer, das Feinreiben der Cochenille), das
Auskochen der Farbſtoffe aus den Rohmaterialien (z. B. der Farbhölzer, des
Sumachs ꝛc.), das Löſen der Farbſtoffe oder das in Löſungbringen gewiſſer
Farbſtoffe (z. B. Indigo, Coeruleïn), das Juſtieren der Löſungen auf einen
gewiſſen Stärkegrad u. ſ. w. bezwecken. Alle dieſe Arbeiten ſind lediglich
vorbereitende. Und doch ſollte jeder Färber gerade dieſen vorbereitenden
Arbeiten beſondere Aufmerkſamkeit ſchenken, da von der richtigen Zubereitung
der Beiz- und Farbbäder Alles abhängt, und ein ſpäteres Flicken und Aus-
beſſern, ein Zuſetzen von Farbſtoff, ein Zugeben von Säure u. dergl. immer-
hin ſein Bedenken hat. Zweck der vorbereitenden Operationen iſt die Ueber-
führung der Farbſtoffe in lösliche Form. Die in der Neuzeit meiſt ge-
brauchten künſtlichen organiſchen Farbſtoffe ſind ja an ſich löslich; bei der
großen Anzahl natürlicher aber muß erſt eine entſprechende Zerkleinerung
ſtattfinden oder ein Auskochen reſp. Extrahieren der Ware.

§ 20. Zerkleinern der Kohmaterialien.

Von den Farbſtoffen, welche durch Reiben in ein feines Pulver ver-
wandelt und dadurch für die ſpätere Löſung vorbereitet werden ſollen, ge-
hört in erſter Linie der Indigo. Von Natur hart, widerſetzt er ſich dem
bloßen Reiben im Mörſer hartnäckig. Man hat daher Mühlen konſtruiert,
in welchen der Indigo richtig zermahlen wird. Die einfachſte Vorrichtung
dieſer Art iſt die Indigoſchrotmühle, Fig. 84, beſtimmt, den Indigo in
trockenem Zuſtande vorzumahlen, wodurch ein ſchnelleres und gleichmäßigeres
Feinmahlen ermöglicht wird. Wenn man von der Antriebvorrichtung ab-
ſieht, hat dieſe Schrotmühle viel Aehnlichkeit mit einer Kaffeemühle.

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[394/0432] Walzenſtellung, welche häufigen Reparaturen unterliegen, hier vollſtändig vermieden ſind. Die Walzenſtellung dieſer Maſchine beſitzt auf jeder Seite derſelben nur einen einzigen Drehpunkt, und zwar einen außerhalb des Kaſtens am Geſtell geführten Drehzapfen, auch ſind alle ſonſtigen Teile der Druckbelaſtung außen angebracht und leicht zugänglich. Sämtliche Walzen ſind zum Herausnehmen auf bequeme Weiſe eingerichtet und laufen in metallnen Lagern. Die Maſchine iſt ſowohl für leichte, als auch für ſchwerſte gerauhte Ware gleich vorteilhaft anzuwenden. § 19. Die Hauptarbeiten der Färberei im allgemeinen. Nachdem die Faſern, Geſpinnſte oder Gewebe die in den vorigen Para- graphen beſchriebenen Operationen durchlaufen haben, ſind ſie ſoweit vor- bereitet, daß nunmehr zum eigentlichen Färben, gemeinhin Ausfärben ge- nannt, geſchritten werden kann, d. h. die Faſern, Geſpinnſte u. ſ. w. können nun in die eigentlichen Farbebäder gelangen oder, falls ein Beizen erforderlich oder wünſchenswert, in das Beizbad. Behufs Herſtellung der Beizflüſſigkeiten und Farbbäder ſind jedoch eine Anzahl einleitende Operationen nötig, welche die Zerkleinerung der Farbſtoffe (z. B. das Raſpeln der Farbhölzer, das Feinreiben der Cochenille), das Auskochen der Farbſtoffe aus den Rohmaterialien (z. B. der Farbhölzer, des Sumachs ꝛc.), das Löſen der Farbſtoffe oder das in Löſungbringen gewiſſer Farbſtoffe (z. B. Indigo, Coeruleïn), das Juſtieren der Löſungen auf einen gewiſſen Stärkegrad u. ſ. w. bezwecken. Alle dieſe Arbeiten ſind lediglich vorbereitende. Und doch ſollte jeder Färber gerade dieſen vorbereitenden Arbeiten beſondere Aufmerkſamkeit ſchenken, da von der richtigen Zubereitung der Beiz- und Farbbäder Alles abhängt, und ein ſpäteres Flicken und Aus- beſſern, ein Zuſetzen von Farbſtoff, ein Zugeben von Säure u. dergl. immer- hin ſein Bedenken hat. Zweck der vorbereitenden Operationen iſt die Ueber- führung der Farbſtoffe in lösliche Form. Die in der Neuzeit meiſt ge- brauchten künſtlichen organiſchen Farbſtoffe ſind ja an ſich löslich; bei der großen Anzahl natürlicher aber muß erſt eine entſprechende Zerkleinerung ſtattfinden oder ein Auskochen reſp. Extrahieren der Ware. § 20. Zerkleinern der Kohmaterialien. Von den Farbſtoffen, welche durch Reiben in ein feines Pulver ver- wandelt und dadurch für die ſpätere Löſung vorbereitet werden ſollen, ge- hört in erſter Linie der Indigo. Von Natur hart, widerſetzt er ſich dem bloßen Reiben im Mörſer hartnäckig. Man hat daher Mühlen konſtruiert, in welchen der Indigo richtig zermahlen wird. Die einfachſte Vorrichtung dieſer Art iſt die Indigoſchrotmühle, Fig. 84, beſtimmt, den Indigo in trockenem Zuſtande vorzumahlen, wodurch ein ſchnelleres und gleichmäßigeres Feinmahlen ermöglicht wird. Wenn man von der Antriebvorrichtung ab- ſieht, hat dieſe Schrotmühle viel Aehnlichkeit mit einer Kaffeemühle.

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Zitationshilfe: Ganswindt, Albert: Handbuch der Färberei und der damit verwandten vorbereitenden und vollendenden Gewerbe. Weimar, 1889, S. 394. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/ganswindt_faerberei_1889/432>, abgerufen am 24.04.2019.