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Ganswindt, Albert: Handbuch der Färberei und der damit verwandten vorbereitenden und vollendenden Gewerbe. Weimar, 1889.

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aus, dabei sind die angewandten Mechanismen die denkbar einfachsten und
leicht zu übersehen. Die Leistungsfähigkeit einer Maschine mit 2 Personen
zur Bedienung beträgt 1000 bis 1800 kg pro Tag. (Vergl. auch § 81,
das Türkischrotfärben).

§ 24. Das eigentliche Färben.

Das Färben selbst ist, wenn Alles richtig vorbereitet war, eine verhält-
nismäßig einfache Sache. Die Lösungen des Farbstoffs, oder -- wenn es sich
um Kombinationen handelt -- der Farbstoffe, werden in Kesseln oder hölzernen
Färbebottichen vorgewärmt, dann wird mit der Ware eingegangen und dann
das Bad, je nach der Ware und der Natur des Fasermaterials, weiter er-
hitzt bis nahe zum Kochen oder bis zum Kochen selbst und auf dieser Tem-
peratur längere Zeit erhalten. Der Färbeprozeß erfolgt schon beim bloßen
Stillliegen der Ware; er wird beschleunigt durch Bewegen des Fasermaterials
in der Flotte oder durch ein Durchtreiben der Farbflotte durch das Faser-
material. Ersteres geschieht durch Umziehen, Umsetzen oder Schlagen;
dieses ist das Hin- und Herbewegen der Ware in der Flüssigkeit. Das
Bewegen kann auch mittels Maschinen erfolgen, welche im Prinzip mit dem
der Garnwaschmaschinen, der Strang- und Breitwaschmaschinen gleich, und
in der Ausführung ihnen sehr ähnlich sind, so daß thatsächlich viele der in
§ 5 und 6 beschriebenen Waschmaschinen auch als Färbemaschinen verwendet
werden können.

Wird dagegen die Flüssigkeit durch das in perforierten Cylindern fest-
gelegte Material mittels Druck hindurchgetrieben, so gelangen wir zu einer
ganz neuen Kategorie von Maschinen, welche eine Schonung des Fasermaterials
als oberstes Prinzip hinstellen und zugleich gestatten, alle Operationen,
Waschen, Trocknen, Bleichen, Spülen, Beizen, Färben, Spülen, Trocknen etc.
nacheinander vorzunehmen, ohne die Ware auch nur einmal herauszunehmen
oder umzulegen. Es ist dies die neuere Richtung der heutigen modernen
Färberei, wie sie in dem Färbereisystem Obermaier ihren beredtesten Ver-
treter hat.

Die im Kleinbetriebe üblichen Färbekufen sind von Holz gefertigt, zu-
weilen mit Kupfer- oder Bleieinsatz, und von runder oder eckiger Form; die
Erhitzung der Farbflüssigkeit muß durch direkten Dampf aus dem Dampf-
kessel erfolgen. Kupferne oder verzinnte eiserne Kessel können auch ver-
wendet werden; deren Erwärmung geschieht vielfach direkt mittels Flamme;
besser ist natürlich allemal Dampf, und zwar sowohl direkter Dampf, als
Manteldampf. Metallkessel sind jedoch in vielen Fällen nicht anwendbar;
diese Fälle sind bei den einzelnen Farbstoffen im ersten Teile dieses Buches
namhaft gemacht. Im allgemeinen kann der Satz gelten, daß die Aus-
färbungen in Holzbottichen reiner und lebhafter werden.

In der Praxis pflegt man den Farbstoff oder besser die Farbstofflösung
nicht mit einemmale zuzusetzen, sondern auf mehrere Male zu verteilen;
man erreicht dadurch ein Arbeiten mit minder starken Bädern und ein
gleichmäßigeres Angehen des Farbstoffes an die Faser.

aus, dabei ſind die angewandten Mechanismen die denkbar einfachſten und
leicht zu überſehen. Die Leiſtungsfähigkeit einer Maſchine mit 2 Perſonen
zur Bedienung beträgt 1000 bis 1800 kg pro Tag. (Vergl. auch § 81,
das Türkiſchrotfärben).

§ 24. Das eigentliche Färben.

Das Färben ſelbſt iſt, wenn Alles richtig vorbereitet war, eine verhält-
nismäßig einfache Sache. Die Löſungen des Farbſtoffs, oder — wenn es ſich
um Kombinationen handelt — der Farbſtoffe, werden in Keſſeln oder hölzernen
Färbebottichen vorgewärmt, dann wird mit der Ware eingegangen und dann
das Bad, je nach der Ware und der Natur des Faſermaterials, weiter er-
hitzt bis nahe zum Kochen oder bis zum Kochen ſelbſt und auf dieſer Tem-
peratur längere Zeit erhalten. Der Färbeprozeß erfolgt ſchon beim bloßen
Stillliegen der Ware; er wird beſchleunigt durch Bewegen des Faſermaterials
in der Flotte oder durch ein Durchtreiben der Farbflotte durch das Faſer-
material. Erſteres geſchieht durch Umziehen, Umſetzen oder Schlagen;
dieſes iſt das Hin- und Herbewegen der Ware in der Flüſſigkeit. Das
Bewegen kann auch mittels Maſchinen erfolgen, welche im Prinzip mit dem
der Garnwaſchmaſchinen, der Strang- und Breitwaſchmaſchinen gleich, und
in der Ausführung ihnen ſehr ähnlich ſind, ſo daß thatſächlich viele der in
§ 5 und 6 beſchriebenen Waſchmaſchinen auch als Färbemaſchinen verwendet
werden können.

Wird dagegen die Flüſſigkeit durch das in perforierten Cylindern feſt-
gelegte Material mittels Druck hindurchgetrieben, ſo gelangen wir zu einer
ganz neuen Kategorie von Maſchinen, welche eine Schonung des Faſermaterials
als oberſtes Prinzip hinſtellen und zugleich geſtatten, alle Operationen,
Waſchen, Trocknen, Bleichen, Spülen, Beizen, Färben, Spülen, Trocknen ꝛc.
nacheinander vorzunehmen, ohne die Ware auch nur einmal herauszunehmen
oder umzulegen. Es iſt dies die neuere Richtung der heutigen modernen
Färberei, wie ſie in dem Färbereiſyſtem Obermaier ihren beredteſten Ver-
treter hat.

Die im Kleinbetriebe üblichen Färbekufen ſind von Holz gefertigt, zu-
weilen mit Kupfer- oder Bleieinſatz, und von runder oder eckiger Form; die
Erhitzung der Farbflüſſigkeit muß durch direkten Dampf aus dem Dampf-
keſſel erfolgen. Kupferne oder verzinnte eiſerne Keſſel können auch ver-
wendet werden; deren Erwärmung geſchieht vielfach direkt mittels Flamme;
beſſer iſt natürlich allemal Dampf, und zwar ſowohl direkter Dampf, als
Manteldampf. Metallkeſſel ſind jedoch in vielen Fällen nicht anwendbar;
dieſe Fälle ſind bei den einzelnen Farbſtoffen im erſten Teile dieſes Buches
namhaft gemacht. Im allgemeinen kann der Satz gelten, daß die Aus-
färbungen in Holzbottichen reiner und lebhafter werden.

In der Praxis pflegt man den Farbſtoff oder beſſer die Farbſtofflöſung
nicht mit einemmale zuzuſetzen, ſondern auf mehrere Male zu verteilen;
man erreicht dadurch ein Arbeiten mit minder ſtarken Bädern und ein
gleichmäßigeres Angehen des Farbſtoffes an die Faſer.

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[415/0453] aus, dabei ſind die angewandten Mechanismen die denkbar einfachſten und leicht zu überſehen. Die Leiſtungsfähigkeit einer Maſchine mit 2 Perſonen zur Bedienung beträgt 1000 bis 1800 kg pro Tag. (Vergl. auch § 81, das Türkiſchrotfärben). § 24. Das eigentliche Färben. Das Färben ſelbſt iſt, wenn Alles richtig vorbereitet war, eine verhält- nismäßig einfache Sache. Die Löſungen des Farbſtoffs, oder — wenn es ſich um Kombinationen handelt — der Farbſtoffe, werden in Keſſeln oder hölzernen Färbebottichen vorgewärmt, dann wird mit der Ware eingegangen und dann das Bad, je nach der Ware und der Natur des Faſermaterials, weiter er- hitzt bis nahe zum Kochen oder bis zum Kochen ſelbſt und auf dieſer Tem- peratur längere Zeit erhalten. Der Färbeprozeß erfolgt ſchon beim bloßen Stillliegen der Ware; er wird beſchleunigt durch Bewegen des Faſermaterials in der Flotte oder durch ein Durchtreiben der Farbflotte durch das Faſer- material. Erſteres geſchieht durch Umziehen, Umſetzen oder Schlagen; dieſes iſt das Hin- und Herbewegen der Ware in der Flüſſigkeit. Das Bewegen kann auch mittels Maſchinen erfolgen, welche im Prinzip mit dem der Garnwaſchmaſchinen, der Strang- und Breitwaſchmaſchinen gleich, und in der Ausführung ihnen ſehr ähnlich ſind, ſo daß thatſächlich viele der in § 5 und 6 beſchriebenen Waſchmaſchinen auch als Färbemaſchinen verwendet werden können. Wird dagegen die Flüſſigkeit durch das in perforierten Cylindern feſt- gelegte Material mittels Druck hindurchgetrieben, ſo gelangen wir zu einer ganz neuen Kategorie von Maſchinen, welche eine Schonung des Faſermaterials als oberſtes Prinzip hinſtellen und zugleich geſtatten, alle Operationen, Waſchen, Trocknen, Bleichen, Spülen, Beizen, Färben, Spülen, Trocknen ꝛc. nacheinander vorzunehmen, ohne die Ware auch nur einmal herauszunehmen oder umzulegen. Es iſt dies die neuere Richtung der heutigen modernen Färberei, wie ſie in dem Färbereiſyſtem Obermaier ihren beredteſten Ver- treter hat. Die im Kleinbetriebe üblichen Färbekufen ſind von Holz gefertigt, zu- weilen mit Kupfer- oder Bleieinſatz, und von runder oder eckiger Form; die Erhitzung der Farbflüſſigkeit muß durch direkten Dampf aus dem Dampf- keſſel erfolgen. Kupferne oder verzinnte eiſerne Keſſel können auch ver- wendet werden; deren Erwärmung geſchieht vielfach direkt mittels Flamme; beſſer iſt natürlich allemal Dampf, und zwar ſowohl direkter Dampf, als Manteldampf. Metallkeſſel ſind jedoch in vielen Fällen nicht anwendbar; dieſe Fälle ſind bei den einzelnen Farbſtoffen im erſten Teile dieſes Buches namhaft gemacht. Im allgemeinen kann der Satz gelten, daß die Aus- färbungen in Holzbottichen reiner und lebhafter werden. In der Praxis pflegt man den Farbſtoff oder beſſer die Farbſtofflöſung nicht mit einemmale zuzuſetzen, ſondern auf mehrere Male zu verteilen; man erreicht dadurch ein Arbeiten mit minder ſtarken Bädern und ein gleichmäßigeres Angehen des Farbſtoffes an die Faſer.

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Zitationshilfe: Ganswindt, Albert: Handbuch der Färberei und der damit verwandten vorbereitenden und vollendenden Gewerbe. Weimar, 1889, S. 415. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/ganswindt_faerberei_1889/453>, abgerufen am 24.04.2019.