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Gercke, Hermann: Die Torpedowaffe. Berlin, 1898.

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7. Kapitel. Die Armirung v. Schiffen mit Torpedos. -- Torpedofahrzeuge etc.
Flotte entsprechend nur eine geringere Rolle spielen. In Deutschland
entwickelte sich das Torpedowesen rasch und ohne heftige Schwankungen.
Solange der Flotte nur eine mehr defensive Rolle in heimischen Ge-
wässern zugedacht war, genügten Boote von kleineren Abmessungen.
Die Anforderungen an die Führung und Ausbildung führten aber
ebenfalls zu einem größeren Boote, dem sogenannten Divisionsboote,
welches dem Torpedobootszerstörer sehr ähnlich ist. Während aber
der Torpedobootszerstörer gewissermaßen aus einem Kanonenboot
entstanden ist und seine Hauptkraft neben seiner großen Geschwindig-
keit in seinen Schnellladegeschützen liegt, ist das Divisionsboot nur
ein vergrößertes Torpedoboot und wahrt den Charakter desselben.

So findet man auch fast überall zwei Klassen von Torpedo-
booten, je nachdem der Dienst auf hoher See oder nur die Küsten-
und Hafenvertheidigung ihr Zweck ist.

Erwähnt mag noch sein, daß, wo ein grundsätzlicher Unterschied
zwischen Hochsee- und Hafenvertheidigungsbooten nicht gemacht wird,
die älteren Boote, weil für ersteren Zweck nicht mehr geeignet, ganz
von selbst auf die nächste Stufe sinken und als Hafenvertheidigungs-
boote aufgebraucht werden.

Die Boote sind sich alle sehr ähnlich, und es genüge daher, wenn
nachstehend die Beschreibung eines Hochseetorpedobootes gegeben und
auf wesentliche Abweichungen größerer Boote aufmerksam gemacht wird.

Allgemeine Beschreibung eines Hochseetorpedobootes.

Aus bestem Stahl und im Verhältniß der Länge zur Breite
von ungefähr 10 zu 1 gebaut, haben neuere Boote ein Deplacement
von durchschnittlich 150 Tonnen (a 1000 kg).

Fig. 31 stellt Längsschnitt und Decksplan eines Bootes dar;
ein bestimmtes Modell liegt der Zeichnung nicht zu Grunde.

Das Innere des Bootes ist in wasserdichte Abtheilungen getheilt.
Die einzelnen Räume dienen folgenden Zwecken: Abtheilung a ist
Kollisionsraum, b enthält das Bugruder, c ist Mannschaftsraum,
d enthält die Kesselanlage, e die Maschine, f die Kammer für den
Maschinisten, g ist Kajüte, h Unteroffiziersraum, i allgemeines
Magazin.

Der Eingang zu den Abtheilungen a bis c liegt in dem
vorderen Thurm, derjenige zu den Abtheilungen f und g im hinteren

7. Kapitel. Die Armirung v. Schiffen mit Torpedos. — Torpedofahrzeuge etc.
Flotte entſprechend nur eine geringere Rolle ſpielen. In Deutſchland
entwickelte ſich das Torpedoweſen raſch und ohne heftige Schwankungen.
Solange der Flotte nur eine mehr defenſive Rolle in heimiſchen Ge-
wäſſern zugedacht war, genügten Boote von kleineren Abmeſſungen.
Die Anforderungen an die Führung und Ausbildung führten aber
ebenfalls zu einem größeren Boote, dem ſogenannten Diviſionsboote,
welches dem Torpedobootszerſtörer ſehr ähnlich iſt. Während aber
der Torpedobootszerſtörer gewiſſermaßen aus einem Kanonenboot
entſtanden iſt und ſeine Hauptkraft neben ſeiner großen Geſchwindig-
keit in ſeinen Schnellladegeſchützen liegt, iſt das Diviſionsboot nur
ein vergrößertes Torpedoboot und wahrt den Charakter deſſelben.

So findet man auch faſt überall zwei Klaſſen von Torpedo-
booten, je nachdem der Dienſt auf hoher See oder nur die Küſten-
und Hafenvertheidigung ihr Zweck iſt.

Erwähnt mag noch ſein, daß, wo ein grundſätzlicher Unterſchied
zwiſchen Hochſee- und Hafenvertheidigungsbooten nicht gemacht wird,
die älteren Boote, weil für erſteren Zweck nicht mehr geeignet, ganz
von ſelbſt auf die nächſte Stufe ſinken und als Hafenvertheidigungs-
boote aufgebraucht werden.

Die Boote ſind ſich alle ſehr ähnlich, und es genüge daher, wenn
nachſtehend die Beſchreibung eines Hochſeetorpedobootes gegeben und
auf weſentliche Abweichungen größerer Boote aufmerkſam gemacht wird.

Allgemeine Beſchreibung eines Hochſeetorpedobootes.

Aus beſtem Stahl und im Verhältniß der Länge zur Breite
von ungefähr 10 zu 1 gebaut, haben neuere Boote ein Deplacement
von durchſchnittlich 150 Tonnen (à 1000 kg).

Fig. 31 ſtellt Längsſchnitt und Decksplan eines Bootes dar;
ein beſtimmtes Modell liegt der Zeichnung nicht zu Grunde.

Das Innere des Bootes iſt in waſſerdichte Abtheilungen getheilt.
Die einzelnen Räume dienen folgenden Zwecken: Abtheilung a iſt
Kolliſionsraum, b enthält das Bugruder, c iſt Mannſchaftsraum,
d enthält die Keſſelanlage, e die Maſchine, f die Kammer für den
Maſchiniſten, g iſt Kajüte, h Unteroffiziersraum, i allgemeines
Magazin.

Der Eingang zu den Abtheilungen a bis c liegt in dem
vorderen Thurm, derjenige zu den Abtheilungen f und g im hinteren

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[63/0077] 7. Kapitel. Die Armirung v. Schiffen mit Torpedos. — Torpedofahrzeuge etc. Flotte entſprechend nur eine geringere Rolle ſpielen. In Deutſchland entwickelte ſich das Torpedoweſen raſch und ohne heftige Schwankungen. Solange der Flotte nur eine mehr defenſive Rolle in heimiſchen Ge- wäſſern zugedacht war, genügten Boote von kleineren Abmeſſungen. Die Anforderungen an die Führung und Ausbildung führten aber ebenfalls zu einem größeren Boote, dem ſogenannten Diviſionsboote, welches dem Torpedobootszerſtörer ſehr ähnlich iſt. Während aber der Torpedobootszerſtörer gewiſſermaßen aus einem Kanonenboot entſtanden iſt und ſeine Hauptkraft neben ſeiner großen Geſchwindig- keit in ſeinen Schnellladegeſchützen liegt, iſt das Diviſionsboot nur ein vergrößertes Torpedoboot und wahrt den Charakter deſſelben. So findet man auch faſt überall zwei Klaſſen von Torpedo- booten, je nachdem der Dienſt auf hoher See oder nur die Küſten- und Hafenvertheidigung ihr Zweck iſt. Erwähnt mag noch ſein, daß, wo ein grundſätzlicher Unterſchied zwiſchen Hochſee- und Hafenvertheidigungsbooten nicht gemacht wird, die älteren Boote, weil für erſteren Zweck nicht mehr geeignet, ganz von ſelbſt auf die nächſte Stufe ſinken und als Hafenvertheidigungs- boote aufgebraucht werden. Die Boote ſind ſich alle ſehr ähnlich, und es genüge daher, wenn nachſtehend die Beſchreibung eines Hochſeetorpedobootes gegeben und auf weſentliche Abweichungen größerer Boote aufmerkſam gemacht wird. Allgemeine Beſchreibung eines Hochſeetorpedobootes. Aus beſtem Stahl und im Verhältniß der Länge zur Breite von ungefähr 10 zu 1 gebaut, haben neuere Boote ein Deplacement von durchſchnittlich 150 Tonnen (à 1000 kg). Fig. 31 ſtellt Längsſchnitt und Decksplan eines Bootes dar; ein beſtimmtes Modell liegt der Zeichnung nicht zu Grunde. Das Innere des Bootes iſt in waſſerdichte Abtheilungen getheilt. Die einzelnen Räume dienen folgenden Zwecken: Abtheilung a iſt Kolliſionsraum, b enthält das Bugruder, c iſt Mannſchaftsraum, d enthält die Keſſelanlage, e die Maſchine, f die Kammer für den Maſchiniſten, g iſt Kajüte, h Unteroffiziersraum, i allgemeines Magazin. Der Eingang zu den Abtheilungen a bis c liegt in dem vorderen Thurm, derjenige zu den Abtheilungen f und g im hinteren

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Zitationshilfe: Gercke, Hermann: Die Torpedowaffe. Berlin, 1898, S. 63. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/gercke_torpedowaffe_1898/77>, abgerufen am 03.04.2020.