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Gercke, Hermann: Die Torpedowaffe. Berlin, 1898.

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Dritter Abschnitt. Die Verwendung der Torpedos
brücke versehen, unter der sich ein Kartenhaus und die Kombüse
(Küche) befinden. Es sind zwei größere Beiboote vorhanden, und die
Artilleriearmirung besteht aus drei oder mehr Schnellladegeschützen. Im
Inneren des Bootes unterscheidet man zwei Mannschaftsräume vorne,
und das Hinterschiff enthält neben der Kajüte für den Kommandanten eine
Offiziers- und eine Deckoffiziersmesse. Die beigegebenen Illustrationen
veranschaulichen eine Torpedobootsdivision und einzelne Boote. Es
ist unschwer zu erkennen, welches das Divisionsboot ist und welches
die Torpedoboote sind.

Achtes Kapitel.
Die Anforderungen an kriegsbrauchbare Torpedoboote und
deren Besatzungen
.

Es war bereits früher gezeigt worden, wie der Torpedo durch
die Torpedoboote zur selbständigen Waffe wird und wie dieses bedingt
wird durch die Geschwindigkeit der Boote.

Es ist die Geschwindigkeit nicht allein beim Angriffe erforderlich,
sondern sie ist auch unbedingte Nothwendigkeit, damit die Boote im
Stande sind, den Feind aufzusuchen und einzuholen, und damit sie
sich seinem Feuer entziehen können.

Schließlich ist die Geschwindigkeit unerläßliches Erforderniß,
damit die Boote ihren Dienst bei der Aufklärung und als Vorposten
zu versehen im Stande sind.

Wird demnach die Geschwindigkeit als erste Lebensbedingung der
Torpedoboote anerkannt, so müssen alle anderen Anforderungen vor
ihr zurücktreten, und man begeht einen grundsätzlichen Fehler, wenn
man, wie solches geschehen ist und merkwürdigerweise -- freilich nicht
in Deutschland -- immer wieder geschieht, zu Ungunsten der Ge-
schwindigkeit auf eine Panzerung von Torpedofahrzeugen sinnt.

Das Torpedoboot hat seine Stärke in seiner Offensivkraft und
zwar fast nur in dieser allein, daher darf man diese Offensivkraft
durch direkte Defensivmittel nicht schwächen und muß bei Berück-
sichtigung der sonstigen Anforderungen darauf bedacht sein, wie der
Charakter des Torpedobootes möglichst gewahrt bleibt.

Da die Geschwindigkeit somit eine Waffe ist, trägt jede Beein-
trächtigung der Schnelligkeit zum Abstumpfen der Waffe bei; Waffen
aber müssen scharf geschliffen sein.

Dritter Abſchnitt. Die Verwendung der Torpedos
brücke verſehen, unter der ſich ein Kartenhaus und die Kombüſe
(Küche) befinden. Es ſind zwei größere Beiboote vorhanden, und die
Artilleriearmirung beſteht aus drei oder mehr Schnellladegeſchützen. Im
Inneren des Bootes unterſcheidet man zwei Mannſchaftsräume vorne,
und das Hinterſchiff enthält neben der Kajüte für den Kommandanten eine
Offiziers- und eine Deckoffiziersmeſſe. Die beigegebenen Illuſtrationen
veranſchaulichen eine Torpedobootsdiviſion und einzelne Boote. Es
iſt unſchwer zu erkennen, welches das Diviſionsboot iſt und welches
die Torpedoboote ſind.

Achtes Kapitel.
Die Anforderungen an kriegsbrauchbare Torpedoboote und
deren Beſatzungen
.

Es war bereits früher gezeigt worden, wie der Torpedo durch
die Torpedoboote zur ſelbſtändigen Waffe wird und wie dieſes bedingt
wird durch die Geſchwindigkeit der Boote.

Es iſt die Geſchwindigkeit nicht allein beim Angriffe erforderlich,
ſondern ſie iſt auch unbedingte Nothwendigkeit, damit die Boote im
Stande ſind, den Feind aufzuſuchen und einzuholen, und damit ſie
ſich ſeinem Feuer entziehen können.

Schließlich iſt die Geſchwindigkeit unerläßliches Erforderniß,
damit die Boote ihren Dienſt bei der Aufklärung und als Vorpoſten
zu verſehen im Stande ſind.

Wird demnach die Geſchwindigkeit als erſte Lebensbedingung der
Torpedoboote anerkannt, ſo müſſen alle anderen Anforderungen vor
ihr zurücktreten, und man begeht einen grundſätzlichen Fehler, wenn
man, wie ſolches geſchehen iſt und merkwürdigerweiſe — freilich nicht
in Deutſchland — immer wieder geſchieht, zu Ungunſten der Ge-
ſchwindigkeit auf eine Panzerung von Torpedofahrzeugen ſinnt.

Das Torpedoboot hat ſeine Stärke in ſeiner Offenſivkraft und
zwar faſt nur in dieſer allein, daher darf man dieſe Offenſivkraft
durch direkte Defenſivmittel nicht ſchwächen und muß bei Berück-
ſichtigung der ſonſtigen Anforderungen darauf bedacht ſein, wie der
Charakter des Torpedobootes möglichſt gewahrt bleibt.

Da die Geſchwindigkeit ſomit eine Waffe iſt, trägt jede Beein-
trächtigung der Schnelligkeit zum Abſtumpfen der Waffe bei; Waffen
aber müſſen ſcharf geſchliffen ſein.

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[68/0084] Dritter Abſchnitt. Die Verwendung der Torpedos brücke verſehen, unter der ſich ein Kartenhaus und die Kombüſe (Küche) befinden. Es ſind zwei größere Beiboote vorhanden, und die Artilleriearmirung beſteht aus drei oder mehr Schnellladegeſchützen. Im Inneren des Bootes unterſcheidet man zwei Mannſchaftsräume vorne, und das Hinterſchiff enthält neben der Kajüte für den Kommandanten eine Offiziers- und eine Deckoffiziersmeſſe. Die beigegebenen Illuſtrationen veranſchaulichen eine Torpedobootsdiviſion und einzelne Boote. Es iſt unſchwer zu erkennen, welches das Diviſionsboot iſt und welches die Torpedoboote ſind. Achtes Kapitel. Die Anforderungen an kriegsbrauchbare Torpedoboote und deren Beſatzungen. Es war bereits früher gezeigt worden, wie der Torpedo durch die Torpedoboote zur ſelbſtändigen Waffe wird und wie dieſes bedingt wird durch die Geſchwindigkeit der Boote. Es iſt die Geſchwindigkeit nicht allein beim Angriffe erforderlich, ſondern ſie iſt auch unbedingte Nothwendigkeit, damit die Boote im Stande ſind, den Feind aufzuſuchen und einzuholen, und damit ſie ſich ſeinem Feuer entziehen können. Schließlich iſt die Geſchwindigkeit unerläßliches Erforderniß, damit die Boote ihren Dienſt bei der Aufklärung und als Vorpoſten zu verſehen im Stande ſind. Wird demnach die Geſchwindigkeit als erſte Lebensbedingung der Torpedoboote anerkannt, ſo müſſen alle anderen Anforderungen vor ihr zurücktreten, und man begeht einen grundſätzlichen Fehler, wenn man, wie ſolches geſchehen iſt und merkwürdigerweiſe — freilich nicht in Deutſchland — immer wieder geſchieht, zu Ungunſten der Ge- ſchwindigkeit auf eine Panzerung von Torpedofahrzeugen ſinnt. Das Torpedoboot hat ſeine Stärke in ſeiner Offenſivkraft und zwar faſt nur in dieſer allein, daher darf man dieſe Offenſivkraft durch direkte Defenſivmittel nicht ſchwächen und muß bei Berück- ſichtigung der ſonſtigen Anforderungen darauf bedacht ſein, wie der Charakter des Torpedobootes möglichſt gewahrt bleibt. Da die Geſchwindigkeit ſomit eine Waffe iſt, trägt jede Beein- trächtigung der Schnelligkeit zum Abſtumpfen der Waffe bei; Waffen aber müſſen ſcharf geſchliffen ſein.

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Zitationshilfe: Gercke, Hermann: Die Torpedowaffe. Berlin, 1898, S. 68. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/gercke_torpedowaffe_1898/84>, abgerufen am 23.02.2019.