Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Gerstner, Franz Joseph von: Handbuch der Mechanik. Bd. 2: Mechanik flüssiger Körper. Prag, 1832.

Bild:
<< vorherige Seite

Schiffsaiche.
rechneten. Dieser unbedeutende Unterschied rührt daher, weil wir in jener Rechnung
den Werth für x bloss aus der Einsenkung des mittlern Schiffkörpers berechneten,
während die gegenwärtige Rechnung ganz genau ist. Da es bei dieser Rechnung
auf einzelne Pfunde ohnehin nicht ankommt, so genügt es, wenn man zu den Höhen an der
Skale über dem Nullpunkte oder zu 1, 2, 3, 4, 5, 6 ..... Zoll die Ladungen
G = 28, 57, 86, 115, 145, 174 Ztr. ....... anschreibt.
Man wird demnach zwei Latten B C und D E von jeder Seite des Schiffes annageln und
die Theilung darauf bemerken, bei der Abmessung aber den mittleren Werth von den
an die Oberfläche des Wassers fallenden Zahlen an den vier Latten nehmen. Die hier-
durch erhaltene Zahl gibt das Gewicht der Ladung, wovon bereits das Gewicht des
leeren Schiffes abgezogen wurde; es müsste demnach noch das Gewicht der zur Be-
dienung des Schiffes erforderlichen Menschen und Geräthschaften abgeschlagen wer-
den, um das eigentliche Gewicht der Ladung auszumitteln.

Es ist überflüssig, eine solche Skale in kleinere Theile als Zolle abzutheilen, weil
man bei dieser Bemessung über die Unterschiede von einigen Zentnern gewöhnlich
hinausgeht, und auch die Einsenkung des Schiffes wegen des unruhigen Standes des
Wassers gewöhnlich nur bis auf einzelne Zolle zu beurtheilen im Stande ist. Uibri-
gens ersicht man aus den in der obigen Tabelle beigefügten Differenzen, dass die
Berechnung einer solchen Skale, wenn die ersten Werthe gefunden wurden, leicht
weiter geführt werden kann.

§. 53.

Wir haben bei der vorstehenden Berechnung ein von geraden Flächen begränz-
tes regulär gebautes Schiff angenommen. Die meisten Schiffe sind jedoch von krum-
men Flächen
begränzt, und zwar nach keiner bestimmten Krümmung. Soll in diesem
Falle die Aichskale verfertigt werden, so muss man von dem Schiffe die nothwendigen
Längen- und Querprofile aufnehmen, auf dem Papiere verzeichnen und hieraus zuerst
das Gewicht des Schiffes, dann den kubischen Inhalt und das Gewicht des verdräng-
ten Wassers für eine jede Tiefe y, demnach auch das entsprechende Gewicht der La-
dung bestimmen. Zur Vermeidung von Weitläufigkeit wollen wir hierüber kein beson-
deres Beispiel anführen.

In der Ausübung wird die Aichskale gewöhnlich auch bloss durch ein praktisches
Verfahren bestimmt. Man führt nämlich zuerst das leere Schiff an einen Ort, wo das
Wasser möglichst ruhig ist, z. B. in einen geschlossenen Raum, und bemerkt an den
vier bereits befestigten Latten die Tiefe des Einsinkens, zu welcher 0 beigesetzt wird. Nun
ladet man das Schiff von 10 zu 10, oder von 25 zu 25 .......... Zentner möglichst
gleichförmig, so dass es an den vier Latten um eine gleiche Grösse einsinkt, und schreibt
wieder jedesmal die entsprechenden Ladungen den Theilstrichen zu.

Da es zu beschwerlich ist, mehrere hundert oder tausend Zentner der Reihe nach
abzuwägen und ein Schiff damit zu beladen, so hat man in England eigene Wage-
häuser
, welche über den Kanälen erbaut sind, damit ein Schiff unter die Wage ge-
führt, und gewogen werden könne. Das Schiff wird nun leer und dann auch mit der
vollen Ladung, die gewöhnlich in Steinkohlen besteht, gewogen, und zugleich sowohl

Schiffsaiche.
rechneten. Dieser unbedeutende Unterschied rührt daher, weil wir in jener Rechnung
den Werth für x bloss aus der Einsenkung des mittlern Schiffkörpers berechneten,
während die gegenwärtige Rechnung ganz genau ist. Da es bei dieser Rechnung
auf einzelne Pfunde ohnehin nicht ankommt, so genügt es, wenn man zu den Höhen an der
Skale über dem Nullpunkte oder zu 1, 2, 3, 4, 5, 6 ..... Zoll die Ladungen
G = 28, 57, 86, 115, 145, 174 Ztr. ....... anschreibt.
Man wird demnach zwei Latten B C und D E von jeder Seite des Schiffes annageln und
die Theilung darauf bemerken, bei der Abmessung aber den mittleren Werth von den
an die Oberfläche des Wassers fallenden Zahlen an den vier Latten nehmen. Die hier-
durch erhaltene Zahl gibt das Gewicht der Ladung, wovon bereits das Gewicht des
leeren Schiffes abgezogen wurde; es müsste demnach noch das Gewicht der zur Be-
dienung des Schiffes erforderlichen Menschen und Geräthschaften abgeschlagen wer-
den, um das eigentliche Gewicht der Ladung auszumitteln.

Es ist überflüssig, eine solche Skale in kleinere Theile als Zolle abzutheilen, weil
man bei dieser Bemessung über die Unterschiede von einigen Zentnern gewöhnlich
hinausgeht, und auch die Einsenkung des Schiffes wegen des unruhigen Standes des
Wassers gewöhnlich nur bis auf einzelne Zolle zu beurtheilen im Stande ist. Uibri-
gens ersicht man aus den in der obigen Tabelle beigefügten Differenzen, dass die
Berechnung einer solchen Skale, wenn die ersten Werthe gefunden wurden, leicht
weiter geführt werden kann.

§. 53.

Wir haben bei der vorstehenden Berechnung ein von geraden Flächen begränz-
tes regulär gebautes Schiff angenommen. Die meisten Schiffe sind jedoch von krum-
men Flächen
begränzt, und zwar nach keiner bestimmten Krümmung. Soll in diesem
Falle die Aichskale verfertigt werden, so muss man von dem Schiffe die nothwendigen
Längen- und Querprofile aufnehmen, auf dem Papiere verzeichnen und hieraus zuerst
das Gewicht des Schiffes, dann den kubischen Inhalt und das Gewicht des verdräng-
ten Wassers für eine jede Tiefe y, demnach auch das entsprechende Gewicht der La-
dung bestimmen. Zur Vermeidung von Weitläufigkeit wollen wir hierüber kein beson-
deres Beispiel anführen.

In der Ausübung wird die Aichskale gewöhnlich auch bloss durch ein praktisches
Verfahren bestimmt. Man führt nämlich zuerst das leere Schiff an einen Ort, wo das
Wasser möglichst ruhig ist, z. B. in einen geschlossenen Raum, und bemerkt an den
vier bereits befestigten Latten die Tiefe des Einsinkens, zu welcher 0 beigesetzt wird. Nun
ladet man das Schiff von 10 zu 10, oder von 25 zu 25 .......... Zentner möglichst
gleichförmig, so dass es an den vier Latten um eine gleiche Grösse einsinkt, und schreibt
wieder jedesmal die entsprechenden Ladungen den Theilstrichen zu.

Da es zu beschwerlich ist, mehrere hundert oder tausend Zentner der Reihe nach
abzuwägen und ein Schiff damit zu beladen, so hat man in England eigene Wage-
häuser
, welche über den Kanälen erbaut sind, damit ein Schiff unter die Wage ge-
führt, und gewogen werden könne. Das Schiff wird nun leer und dann auch mit der
vollen Ladung, die gewöhnlich in Steinkohlen besteht, gewogen, und zugleich sowohl

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0078" n="60"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#i">Schiffsaiche</hi>.</fw><lb/>
rechneten. Dieser unbedeutende Unterschied rührt daher, weil wir in jener Rechnung<lb/>
den Werth für x bloss aus der Einsenkung des mittlern Schiffkörpers berechneten,<lb/>
während die gegenwärtige Rechnung ganz genau ist. Da es bei dieser Rechnung<lb/>
auf einzelne Pfunde ohnehin nicht ankommt, so genügt es, wenn man zu den Höhen an der<lb/>
Skale über dem Nullpunkte oder zu 1, 2, 3, 4, 5, 6 ..... Zoll die Ladungen<lb/><hi rendition="#et">G = 28, 57, 86, 115, 145, 174 Ztr. ....... anschreibt.</hi><lb/>
Man wird demnach zwei Latten B C und D E von jeder Seite des Schiffes annageln und<lb/>
die Theilung darauf bemerken, bei der Abmessung aber den mittleren Werth von den<lb/>
an die Oberfläche des Wassers fallenden Zahlen an den vier Latten nehmen. Die hier-<lb/>
durch erhaltene Zahl gibt das Gewicht der Ladung, wovon bereits das Gewicht des<lb/>
leeren Schiffes abgezogen wurde; es müsste demnach noch das Gewicht der zur Be-<lb/>
dienung des Schiffes erforderlichen Menschen und Geräthschaften abgeschlagen wer-<lb/>
den, um das eigentliche Gewicht der Ladung auszumitteln.</p><lb/>
            <p>Es ist überflüssig, eine solche Skale in kleinere Theile als Zolle abzutheilen, weil<lb/>
man bei dieser Bemessung über die Unterschiede von einigen Zentnern gewöhnlich<lb/>
hinausgeht, und auch die Einsenkung des Schiffes wegen des unruhigen Standes des<lb/>
Wassers gewöhnlich nur bis auf einzelne Zolle zu beurtheilen im Stande ist. Uibri-<lb/>
gens ersicht man aus den in der obigen Tabelle beigefügten Differenzen, dass die<lb/>
Berechnung einer solchen Skale, wenn die ersten Werthe gefunden wurden, leicht<lb/>
weiter geführt werden kann.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 53.</head><lb/>
            <p>Wir haben bei der vorstehenden Berechnung ein von geraden Flächen begränz-<lb/>
tes regulär gebautes Schiff angenommen. Die meisten Schiffe sind jedoch <hi rendition="#g">von krum-<lb/>
men Flächen</hi> begränzt, und zwar nach keiner bestimmten Krümmung. Soll in diesem<lb/>
Falle die Aichskale verfertigt werden, so muss man von dem Schiffe die nothwendigen<lb/>
Längen- und Querprofile aufnehmen, auf dem Papiere verzeichnen und hieraus zuerst<lb/>
das Gewicht des Schiffes, dann den kubischen Inhalt und das Gewicht des verdräng-<lb/>
ten Wassers für eine jede Tiefe y, demnach auch das entsprechende Gewicht der La-<lb/>
dung bestimmen. Zur Vermeidung von Weitläufigkeit wollen wir hierüber kein beson-<lb/>
deres Beispiel anführen.</p><lb/>
            <p>In der Ausübung wird die Aichskale gewöhnlich auch bloss durch ein praktisches<lb/>
Verfahren bestimmt. Man führt nämlich zuerst das leere Schiff an einen Ort, wo das<lb/>
Wasser möglichst ruhig ist, z. B. in einen geschlossenen Raum, und bemerkt an den<lb/>
vier bereits befestigten Latten die Tiefe des Einsinkens, zu welcher 0 beigesetzt wird. Nun<lb/>
ladet man das Schiff von 10 zu 10, oder von 25 zu 25 .......... Zentner möglichst<lb/>
gleichförmig, so dass es an den vier Latten um eine gleiche Grösse einsinkt, und schreibt<lb/>
wieder jedesmal die entsprechenden Ladungen den Theilstrichen zu.</p><lb/>
            <p>Da es zu beschwerlich ist, mehrere hundert oder tausend Zentner der Reihe nach<lb/>
abzuwägen und ein Schiff damit zu beladen, so hat man in England eigene <hi rendition="#g">Wage-<lb/>
häuser</hi>, welche über den Kanälen erbaut sind, damit ein Schiff unter die Wage ge-<lb/>
führt, und gewogen werden könne. Das Schiff wird nun leer und dann auch mit der<lb/>
vollen Ladung, die gewöhnlich in Steinkohlen besteht, gewogen, und zugleich sowohl<lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[60/0078] Schiffsaiche. rechneten. Dieser unbedeutende Unterschied rührt daher, weil wir in jener Rechnung den Werth für x bloss aus der Einsenkung des mittlern Schiffkörpers berechneten, während die gegenwärtige Rechnung ganz genau ist. Da es bei dieser Rechnung auf einzelne Pfunde ohnehin nicht ankommt, so genügt es, wenn man zu den Höhen an der Skale über dem Nullpunkte oder zu 1, 2, 3, 4, 5, 6 ..... Zoll die Ladungen G = 28, 57, 86, 115, 145, 174 Ztr. ....... anschreibt. Man wird demnach zwei Latten B C und D E von jeder Seite des Schiffes annageln und die Theilung darauf bemerken, bei der Abmessung aber den mittleren Werth von den an die Oberfläche des Wassers fallenden Zahlen an den vier Latten nehmen. Die hier- durch erhaltene Zahl gibt das Gewicht der Ladung, wovon bereits das Gewicht des leeren Schiffes abgezogen wurde; es müsste demnach noch das Gewicht der zur Be- dienung des Schiffes erforderlichen Menschen und Geräthschaften abgeschlagen wer- den, um das eigentliche Gewicht der Ladung auszumitteln. Es ist überflüssig, eine solche Skale in kleinere Theile als Zolle abzutheilen, weil man bei dieser Bemessung über die Unterschiede von einigen Zentnern gewöhnlich hinausgeht, und auch die Einsenkung des Schiffes wegen des unruhigen Standes des Wassers gewöhnlich nur bis auf einzelne Zolle zu beurtheilen im Stande ist. Uibri- gens ersicht man aus den in der obigen Tabelle beigefügten Differenzen, dass die Berechnung einer solchen Skale, wenn die ersten Werthe gefunden wurden, leicht weiter geführt werden kann. §. 53. Wir haben bei der vorstehenden Berechnung ein von geraden Flächen begränz- tes regulär gebautes Schiff angenommen. Die meisten Schiffe sind jedoch von krum- men Flächen begränzt, und zwar nach keiner bestimmten Krümmung. Soll in diesem Falle die Aichskale verfertigt werden, so muss man von dem Schiffe die nothwendigen Längen- und Querprofile aufnehmen, auf dem Papiere verzeichnen und hieraus zuerst das Gewicht des Schiffes, dann den kubischen Inhalt und das Gewicht des verdräng- ten Wassers für eine jede Tiefe y, demnach auch das entsprechende Gewicht der La- dung bestimmen. Zur Vermeidung von Weitläufigkeit wollen wir hierüber kein beson- deres Beispiel anführen. In der Ausübung wird die Aichskale gewöhnlich auch bloss durch ein praktisches Verfahren bestimmt. Man führt nämlich zuerst das leere Schiff an einen Ort, wo das Wasser möglichst ruhig ist, z. B. in einen geschlossenen Raum, und bemerkt an den vier bereits befestigten Latten die Tiefe des Einsinkens, zu welcher 0 beigesetzt wird. Nun ladet man das Schiff von 10 zu 10, oder von 25 zu 25 .......... Zentner möglichst gleichförmig, so dass es an den vier Latten um eine gleiche Grösse einsinkt, und schreibt wieder jedesmal die entsprechenden Ladungen den Theilstrichen zu. Da es zu beschwerlich ist, mehrere hundert oder tausend Zentner der Reihe nach abzuwägen und ein Schiff damit zu beladen, so hat man in England eigene Wage- häuser, welche über den Kanälen erbaut sind, damit ein Schiff unter die Wage ge- führt, und gewogen werden könne. Das Schiff wird nun leer und dann auch mit der vollen Ladung, die gewöhnlich in Steinkohlen besteht, gewogen, und zugleich sowohl

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/gerstner_mechanik02_1832
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/gerstner_mechanik02_1832/78
Zitationshilfe: Gerstner, Franz Joseph von: Handbuch der Mechanik. Bd. 2: Mechanik flüssiger Körper. Prag, 1832, S. 60. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/gerstner_mechanik02_1832/78>, abgerufen am 16.07.2019.