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Gerstner, Franz Joseph von: Handbuch der Mechanik. Bd. 3: Beschreibung und Berechnung grösserer Maschinenanlagen. Wien, 1834.

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Bestättigung der Theorie durch Versuche.
§. 114.

Es handelt sich nun, die vorgetragene Theorie durch Versuche zu
bestättigen
. Wir finden leider in den bisherigen mechanischen Schriften keine
Versuche, worin auf alle Umstände, welche wir in Rechnung genommen haben, Rück-
sicht genommen ist. Man hat nämlich die Grösse S oder den Raum, welchen die
Ramme während dem Stosse beschrieb und die Grösse [Formel 1] oder die Höhe, auf welche
der Pfahl nach dem Stosse zurückspringt, gewöhnlich nicht gemessen. Da inzwischen
in unserer genauen Formel S -- [Formel 2] vorkommt, so können wir, da sich diese Grössen
doch zum Theile aufheben, bei Vergleichung mit den bisherigen Versuchen, ihre Dif-
ferenz = 0 setzen. Bezeichnen wir die ganze Tiefe des Eindringens bei einem Schlage
mit h, und den Widerstand, welchen der Pfahl findet, mit W, so haben wir die ein-
fache Formel [Formel 3] , womit nun die Resultate der Versuche verglichen werden
können.

Solche Versuche finden sich in dem Werke: Recherches theoriques et experi-
mentales sur l' effet des machines et outils, dont on se sert pour produire des
mouvemens instantanes; principalement sur l' Effet du Mouton pour l' enfon-
cement des pieux, par R. Woltman, Directeur des constructions hydrauliques a
Cuxhaven, au service de la Republique de Hambourg. A Goettingue 1804, chez
Dieterich.

Herr Woltman bediente sich zu seinen Versuchen zweier Apparate, wovon der
Fig.
4.
Tab.
83.
erste Fig. 4, Tab. 83 in der Seitenansicht dargestellt ist. An einer Wand wurde eine
Diele B D horizontal festgemacht und auf ihrer Oberfläche zwei Leisten a b, 41/2 Zoll
von einander angenagelt. Zwischen diese Leisten wurde ein 4 Zoll in den Kanten
starker, 4 Fuss langer und 16 Pfund schwerer Pfahl G eingelegt, und mit einer andern
Diele e o, die 27 Pfund wog, beschwert. Auf die letztere wurden nun Gewichte auf-
gesetzt. Die beiden Dielen und der Pfahl waren von trockenem Weisstannenholz.
Ein bleierner Hammer A wurde nun an einem hölzernen, 6 Fuss langen, oben 3/8 und
unten 5/8 Zoll starken runden Stab A C befestigt, welcher letztere an einer horizontalen
Welle C, die auf kleinen eisernen Achsen sich drehte, festgemacht war. Der Hammer
wurde dann auf verschiedene Höhen aufgezogen, dann losgelassen und traf nun den
Kopf des Pfahles mit einer Geschwindigkeit, welche eben so gross war, als wenn
er durch die senkrechte Höhe des Bogens frei herabgefallen wäre. Zwar wurde die
Bewegung des Hammers durch die Masse der Stange um etwas beschluneigt, allein
dagegen durch den Widerstand der Luft und die Reibung an den Zapfen der Welle
wieder vermindert; man hat daher den ohnehin unbedeutenden Einfluss dieser Grössen
vernachlässigt.

Bei dem Vorrücken des Pfahles äussert sich offenbar eine Reibung auf seiner un-
tern und obern Fläche. Um die Grösse derselben zu bestimmen, wurde die untere
Diele vor dem Versuche auf einer Seite so lange erhoben, bis der Pfahl von selbst
herabzugleiten anfing; in diesem Falle verhielt sich die Höhe der schiefen Ebene zu

Bestättigung der Theorie durch Versuche.
§. 114.

Es handelt sich nun, die vorgetragene Theorie durch Versuche zu
bestättigen
. Wir finden leider in den bisherigen mechanischen Schriften keine
Versuche, worin auf alle Umstände, welche wir in Rechnung genommen haben, Rück-
sicht genommen ist. Man hat nämlich die Grösse S oder den Raum, welchen die
Ramme während dem Stosse beschrieb und die Grösse [Formel 1] oder die Höhe, auf welche
der Pfahl nach dem Stosse zurückspringt, gewöhnlich nicht gemessen. Da inzwischen
in unserer genauen Formel S — [Formel 2] vorkommt, so können wir, da sich diese Grössen
doch zum Theile aufheben, bei Vergleichung mit den bisherigen Versuchen, ihre Dif-
ferenz = 0 setzen. Bezeichnen wir die ganze Tiefe des Eindringens bei einem Schlage
mit h, und den Widerstand, welchen der Pfahl findet, mit W, so haben wir die ein-
fache Formel [Formel 3] , womit nun die Resultate der Versuche verglichen werden
können.

Solche Versuche finden sich in dem Werke: Recherches théoriques et expéri-
mentales sur l’ effet des machines et outils, dont on se sert pour produire des
mouvemens instantanés; principalement sur l’ Effet du Mouton pour l’ enfon-
cement des pieux, par R. Woltman, Directeur des constructions hydrauliques à
Cuxhaven, au service de la République de Hambourg. A Goettingue 1804, chez
Dieterich.

Herr Woltman bediente sich zu seinen Versuchen zweier Apparate, wovon der
Fig.
4.
Tab.
83.
erste Fig. 4, Tab. 83 in der Seitenansicht dargestellt ist. An einer Wand wurde eine
Diele B D horizontal festgemacht und auf ihrer Oberfläche zwei Leisten a b, 4½ Zoll
von einander angenagelt. Zwischen diese Leisten wurde ein 4 Zoll in den Kanten
starker, 4 Fuss langer und 16 Pfund schwerer Pfahl G eingelegt, und mit einer andern
Diele e o, die 27 Pfund wog, beschwert. Auf die letztere wurden nun Gewichte auf-
gesetzt. Die beiden Dielen und der Pfahl waren von trockenem Weisstannenholz.
Ein bleierner Hammer A wurde nun an einem hölzernen, 6 Fuss langen, oben ⅜ und
unten ⅝ Zoll starken runden Stab A C befestigt, welcher letztere an einer horizontalen
Welle C, die auf kleinen eisernen Achsen sich drehte, festgemacht war. Der Hammer
wurde dann auf verschiedene Höhen aufgezogen, dann losgelassen und traf nun den
Kopf des Pfahles mit einer Geschwindigkeit, welche eben so gross war, als wenn
er durch die senkrechte Höhe des Bogens frei herabgefallen wäre. Zwar wurde die
Bewegung des Hammers durch die Masse der Stange um etwas beschluneigt, allein
dagegen durch den Widerstand der Luft und die Reibung an den Zapfen der Welle
wieder vermindert; man hat daher den ohnehin unbedeutenden Einfluss dieser Grössen
vernachlässigt.

Bei dem Vorrücken des Pfahles äussert sich offenbar eine Reibung auf seiner un-
tern und obern Fläche. Um die Grösse derselben zu bestimmen, wurde die untere
Diele vor dem Versuche auf einer Seite so lange erhoben, bis der Pfahl von selbst
herabzugleiten anfing; in diesem Falle verhielt sich die Höhe der schiefen Ebene zu

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[160/0196] Bestättigung der Theorie durch Versuche. §. 114. Es handelt sich nun, die vorgetragene Theorie durch Versuche zu bestättigen. Wir finden leider in den bisherigen mechanischen Schriften keine Versuche, worin auf alle Umstände, welche wir in Rechnung genommen haben, Rück- sicht genommen ist. Man hat nämlich die Grösse S oder den Raum, welchen die Ramme während dem Stosse beschrieb und die Grösse [FORMEL] oder die Höhe, auf welche der Pfahl nach dem Stosse zurückspringt, gewöhnlich nicht gemessen. Da inzwischen in unserer genauen Formel S — [FORMEL] vorkommt, so können wir, da sich diese Grössen doch zum Theile aufheben, bei Vergleichung mit den bisherigen Versuchen, ihre Dif- ferenz = 0 setzen. Bezeichnen wir die ganze Tiefe des Eindringens bei einem Schlage mit h, und den Widerstand, welchen der Pfahl findet, mit W, so haben wir die ein- fache Formel [FORMEL], womit nun die Resultate der Versuche verglichen werden können. Solche Versuche finden sich in dem Werke: Recherches théoriques et expéri- mentales sur l’ effet des machines et outils, dont on se sert pour produire des mouvemens instantanés; principalement sur l’ Effet du Mouton pour l’ enfon- cement des pieux, par R. Woltman, Directeur des constructions hydrauliques à Cuxhaven, au service de la République de Hambourg. A Goettingue 1804, chez Dieterich. Herr Woltman bediente sich zu seinen Versuchen zweier Apparate, wovon der erste Fig. 4, Tab. 83 in der Seitenansicht dargestellt ist. An einer Wand wurde eine Diele B D horizontal festgemacht und auf ihrer Oberfläche zwei Leisten a b, 4½ Zoll von einander angenagelt. Zwischen diese Leisten wurde ein 4 Zoll in den Kanten starker, 4 Fuss langer und 16 Pfund schwerer Pfahl G eingelegt, und mit einer andern Diele e o, die 27 Pfund wog, beschwert. Auf die letztere wurden nun Gewichte auf- gesetzt. Die beiden Dielen und der Pfahl waren von trockenem Weisstannenholz. Ein bleierner Hammer A wurde nun an einem hölzernen, 6 Fuss langen, oben ⅜ und unten ⅝ Zoll starken runden Stab A C befestigt, welcher letztere an einer horizontalen Welle C, die auf kleinen eisernen Achsen sich drehte, festgemacht war. Der Hammer wurde dann auf verschiedene Höhen aufgezogen, dann losgelassen und traf nun den Kopf des Pfahles mit einer Geschwindigkeit, welche eben so gross war, als wenn er durch die senkrechte Höhe des Bogens frei herabgefallen wäre. Zwar wurde die Bewegung des Hammers durch die Masse der Stange um etwas beschluneigt, allein dagegen durch den Widerstand der Luft und die Reibung an den Zapfen der Welle wieder vermindert; man hat daher den ohnehin unbedeutenden Einfluss dieser Grössen vernachlässigt. Fig. 4. Tab. 83. Bei dem Vorrücken des Pfahles äussert sich offenbar eine Reibung auf seiner un- tern und obern Fläche. Um die Grösse derselben zu bestimmen, wurde die untere Diele vor dem Versuche auf einer Seite so lange erhoben, bis der Pfahl von selbst herabzugleiten anfing; in diesem Falle verhielt sich die Höhe der schiefen Ebene zu

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Zitationshilfe: Gerstner, Franz Joseph von: Handbuch der Mechanik. Bd. 3: Beschreibung und Berechnung grösserer Maschinenanlagen. Wien, 1834, S. 160. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/gerstner_mechanik03_1834/196>, abgerufen am 20.07.2019.