Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Gessner, Christian Friedrich]: Die so nöthig als nützliche Buchdruckerkunst und Schriftgießerey. Bd. 1. Leipzig, 1740.

Bild:
<< vorherige Seite
Vernünftige Gedancken

Es ist aber noch nicht genug, daß einer diese
Zeichen nachmahlen, teutsch und lateinisch, ja zur
Noth ein bisgen Griechisch lesen, und die verkehr-
ten, oder falschen, Buchstaben anmercken kan,
sondern er muß von Rechtswegen nicht nur die
angeführten, sondern auch die Orientalischen Spra-
chen verstehen, in allen Arten der Gelehrsamkeit wenig-
stens einen guten Vorschmack haben, und die Geschich-
te der Gelehrten vornemlich wissen, weil er sonsten we-
gen der Nominum Propriorum hundert mal einen
Fehler begehen wird. Daß er dabey mit einem guten
Gesicht und scharfer Aufmercksamkeit begabt seyn soll,
ist eine an und vor sich ausgemachte Sache. Nicht
weniger muß er von der Einrichtung der gantzen Buch-
druckerey wohl unterrichtet seyn, damit er nicht nur
wahrnehmen, sondern auch dem Setzer anzeigen, kan,
wo etwas zu verbessern nöthig. Besitzt nun ein Cor-
rector die erforderliche Geschicklichkeit, und hat dersel-
bige allen Fleiß und Mühe angewendet: Und es ge-
schieht gleichwohl, daß sich noch Druckfehler finden;
So muß man allerdings gestehen, daß öfters auch die
Herren Verfasser daran Schuld sind.

§. 5.

Es sind aber die Verfasser deßwegen an den
Druckfehlern Schuld, weil sie ein solches übelgeschriebe-
nes Exemplar in die Druckerey liefern, daß es bey nahe
nöthig wäre, eine besondere Art von Brillen zu erfin-
den, durch welche man solche üble Handschriften lesen
lernen könnte. Da nun aber dieses eine ohnmögliche
Sache ist; So ist es wohl nöthig, daß ein Manuscript,
so gedruckt werden soll, leserlich geschrieben werde.
Daß es zierlich gekünstelt seyn soll, werden die Buch-
drucker nimmermehr verlangen; Daß es aber auch
ordentlich geschrieben, und nicht durch hundert tausend

Cha-
Vernuͤnftige Gedancken

Es iſt aber noch nicht genug, daß einer dieſe
Zeichen nachmahlen, teutſch und lateiniſch, ja zur
Noth ein bisgen Griechiſch leſen, und die verkehr-
ten, oder falſchen, Buchſtaben anmercken kan,
ſondern er muß von Rechtswegen nicht nur die
angefuͤhrten, ſondern auch die Orientaliſchen Spra-
chen verſtehen, in allen Arten der Gelehrſamkeit wenig-
ſtens einen guten Vorſchmack haben, und die Geſchich-
te der Gelehrten vornemlich wiſſen, weil er ſonſten we-
gen der Nominum Propriorum hundert mal einen
Fehler begehen wird. Daß er dabey mit einem guten
Geſicht und ſcharfer Aufmerckſamkeit begabt ſeyn ſoll,
iſt eine an und vor ſich ausgemachte Sache. Nicht
weniger muß er von der Einrichtung der gantzen Buch-
druckerey wohl unterrichtet ſeyn, damit er nicht nur
wahrnehmen, ſondern auch dem Setzer anzeigen, kan,
wo etwas zu verbeſſern noͤthig. Beſitzt nun ein Cor-
rector die erforderliche Geſchicklichkeit, und hat derſel-
bige allen Fleiß und Muͤhe angewendet: Und es ge-
ſchieht gleichwohl, daß ſich noch Druckfehler finden;
So muß man allerdings geſtehen, daß oͤfters auch die
Herren Verfaſſer daran Schuld ſind.

§. 5.

Es ſind aber die Verfaſſer deßwegen an den
Druckfehlern Schuld, weil ſie ein ſolches uͤbelgeſchriebe-
nes Exemplar in die Druckerey liefern, daß es bey nahe
noͤthig waͤre, eine beſondere Art von Brillen zu erfin-
den, durch welche man ſolche uͤble Handſchriften leſen
lernen koͤnnte. Da nun aber dieſes eine ohnmoͤgliche
Sache iſt; So iſt es wohl noͤthig, daß ein Manuſcript,
ſo gedruckt werden ſoll, leſerlich geſchrieben werde.
Daß es zierlich gekuͤnſtelt ſeyn ſoll, werden die Buch-
drucker nimmermehr verlangen; Daß es aber auch
ordentlich geſchrieben, und nicht durch hundert tauſend

Cha-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <pb facs="#f0375" n="128"/>
            <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">Vernu&#x0364;nftige Gedancken</hi> </fw><lb/>
            <p>Es i&#x017F;t aber noch nicht genug, daß einer die&#x017F;e<lb/>
Zeichen nachmahlen, teut&#x017F;ch und lateini&#x017F;ch, ja zur<lb/>
Noth ein bisgen Griechi&#x017F;ch le&#x017F;en, und die verkehr-<lb/>
ten, oder fal&#x017F;chen, Buch&#x017F;taben anmercken kan,<lb/>
&#x017F;ondern er muß von Rechtswegen nicht nur die<lb/>
angefu&#x0364;hrten, &#x017F;ondern auch die Orientali&#x017F;chen Spra-<lb/>
chen ver&#x017F;tehen, in allen Arten der Gelehr&#x017F;amkeit wenig-<lb/>
&#x017F;tens einen guten Vor&#x017F;chmack haben, und die Ge&#x017F;chich-<lb/>
te der Gelehrten vornemlich wi&#x017F;&#x017F;en, weil er &#x017F;on&#x017F;ten we-<lb/>
gen der <hi rendition="#aq">Nominum Propriorum</hi> hundert mal einen<lb/>
Fehler begehen wird. Daß er dabey mit einem guten<lb/>
Ge&#x017F;icht und &#x017F;charfer Aufmerck&#x017F;amkeit begabt &#x017F;eyn &#x017F;oll,<lb/>
i&#x017F;t eine an und vor &#x017F;ich ausgemachte Sache. Nicht<lb/>
weniger muß er von der Einrichtung der gantzen Buch-<lb/>
druckerey wohl unterrichtet &#x017F;eyn, damit er nicht nur<lb/>
wahrnehmen, &#x017F;ondern auch dem Setzer anzeigen, kan,<lb/>
wo etwas zu verbe&#x017F;&#x017F;ern no&#x0364;thig. Be&#x017F;itzt nun ein Cor-<lb/>
rector die erforderliche Ge&#x017F;chicklichkeit, und hat der&#x017F;el-<lb/>
bige allen Fleiß und Mu&#x0364;he angewendet: Und es ge-<lb/>
&#x017F;chieht gleichwohl, daß &#x017F;ich noch Druckfehler finden;<lb/>
So muß man allerdings ge&#x017F;tehen, daß o&#x0364;fters auch die<lb/>
Herren Verfa&#x017F;&#x017F;er daran Schuld &#x017F;ind.</p>
          </div>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head>§. 5.</head>
          <p>Es &#x017F;ind aber die Verfa&#x017F;&#x017F;er deßwegen an den<lb/>
Druckfehlern Schuld, weil &#x017F;ie ein &#x017F;olches u&#x0364;belge&#x017F;chriebe-<lb/>
nes Exemplar in die Druckerey liefern, daß es bey nahe<lb/>
no&#x0364;thig wa&#x0364;re, eine be&#x017F;ondere Art von Brillen zu erfin-<lb/>
den, durch welche man &#x017F;olche u&#x0364;ble Hand&#x017F;chriften le&#x017F;en<lb/>
lernen ko&#x0364;nnte. Da nun aber die&#x017F;es eine ohnmo&#x0364;gliche<lb/>
Sache i&#x017F;t; So i&#x017F;t es wohl no&#x0364;thig, daß ein Manu&#x017F;cript,<lb/>
&#x017F;o gedruckt werden &#x017F;oll, le&#x017F;erlich ge&#x017F;chrieben werde.<lb/>
Daß es zierlich geku&#x0364;n&#x017F;telt &#x017F;eyn &#x017F;oll, werden die Buch-<lb/>
drucker nimmermehr verlangen; Daß es aber auch<lb/>
ordentlich ge&#x017F;chrieben, und nicht durch hundert tau&#x017F;end<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">Cha-</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[128/0375] Vernuͤnftige Gedancken Es iſt aber noch nicht genug, daß einer dieſe Zeichen nachmahlen, teutſch und lateiniſch, ja zur Noth ein bisgen Griechiſch leſen, und die verkehr- ten, oder falſchen, Buchſtaben anmercken kan, ſondern er muß von Rechtswegen nicht nur die angefuͤhrten, ſondern auch die Orientaliſchen Spra- chen verſtehen, in allen Arten der Gelehrſamkeit wenig- ſtens einen guten Vorſchmack haben, und die Geſchich- te der Gelehrten vornemlich wiſſen, weil er ſonſten we- gen der Nominum Propriorum hundert mal einen Fehler begehen wird. Daß er dabey mit einem guten Geſicht und ſcharfer Aufmerckſamkeit begabt ſeyn ſoll, iſt eine an und vor ſich ausgemachte Sache. Nicht weniger muß er von der Einrichtung der gantzen Buch- druckerey wohl unterrichtet ſeyn, damit er nicht nur wahrnehmen, ſondern auch dem Setzer anzeigen, kan, wo etwas zu verbeſſern noͤthig. Beſitzt nun ein Cor- rector die erforderliche Geſchicklichkeit, und hat derſel- bige allen Fleiß und Muͤhe angewendet: Und es ge- ſchieht gleichwohl, daß ſich noch Druckfehler finden; So muß man allerdings geſtehen, daß oͤfters auch die Herren Verfaſſer daran Schuld ſind. §. 5. Es ſind aber die Verfaſſer deßwegen an den Druckfehlern Schuld, weil ſie ein ſolches uͤbelgeſchriebe- nes Exemplar in die Druckerey liefern, daß es bey nahe noͤthig waͤre, eine beſondere Art von Brillen zu erfin- den, durch welche man ſolche uͤble Handſchriften leſen lernen koͤnnte. Da nun aber dieſes eine ohnmoͤgliche Sache iſt; So iſt es wohl noͤthig, daß ein Manuſcript, ſo gedruckt werden ſoll, leſerlich geſchrieben werde. Daß es zierlich gekuͤnſtelt ſeyn ſoll, werden die Buch- drucker nimmermehr verlangen; Daß es aber auch ordentlich geſchrieben, und nicht durch hundert tauſend Cha-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/gessner_buchdruckerkunst01_1740
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/gessner_buchdruckerkunst01_1740/375
Zitationshilfe: [Gessner, Christian Friedrich]: Die so nöthig als nützliche Buchdruckerkunst und Schriftgießerey. Bd. 1. Leipzig, 1740, S. 128. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/gessner_buchdruckerkunst01_1740/375>, abgerufen am 17.12.2018.