Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Gleditsch, Johann Gottlieb: Vermischte botanische und ökonomische Abhandlungen. Bd. 3. Berlin, 1789.

Bild:
<< vorherige Seite

und sie verzehren, ohne daß äußerlich eine merkliche
Verletzung zu sehen ist. Der Ritter von Linne be-
schreibt ihn in seinem Natursystem unter dem Namen
Curculio Fagi.

Die zweyte übele Eigenschaft besteht darin, daß
das Holz leicht faulet, wenn es abwechselnder Trock-
niß und Näße ausgesetzt ist, auch daß es vor andern
leicht von Würmern angegriffen wird.

Mittel dagegen.

Da aber die Brauchbarkeit desselben allezeit
statt hat, so hat die Noth die Menschen getrieben,
durch eine Reihe von Versuchen ein Mittel zu der Er-
haltung dieses Holzes ausfindig zu machen, und man
muß den Engländern den Ruhm dieser Erfindung über
lassen, die auf folgende Weise die Probe hält.

Man fället die Bäume etwa 14 Tage vor Pfing-
sten, zu welcher Zeit der Saft am dünnsten und flü-
ßigsten ist, weil er sich stark in die Aeste, Blätter
und Früchte ergießet, und der Stamm den geringsten
Antheil daran hat. Ein solcher abgehauener Stamm
wird auf der Stelle in Planken oder Bretter geschnit-
ten, und diese hierauf ins Wasser gelegt, worin sie
vier bis sechs Wochen hindurch verbleiben müssen.
Nach Verfließung dieser Zeit werden sie aber heraus-
genommen, durch angestecktes Stroh, Hobelspäne
und naße Reiser so lange geräuchert, bis sie eine dün-
ne schwarze Rinde bekommen, und völlig ausge-
trocknet ehe man sie gebrauchen will. Ihr Saft ist
durch dieses Verfahren verzehret, und der noch übri-
ge so bitter gemacht, daß ihn kein Wurm vertragen
kann, und ein so zubereiteter Buchenstamm wird dem-
nach hierdurch vor dem Unfall gesichert, und außer
Gefahr gesetzt. Eine noch kürzere, jedoch ähnliche

Methode

und ſie verzehren, ohne daß aͤußerlich eine merkliche
Verletzung zu ſehen iſt. Der Ritter von Linne be-
ſchreibt ihn in ſeinem Naturſyſtem unter dem Namen
Curculio Fagi.

Die zweyte uͤbele Eigenſchaft beſteht darin, daß
das Holz leicht faulet, wenn es abwechſelnder Trock-
niß und Naͤße ausgeſetzt iſt, auch daß es vor andern
leicht von Wuͤrmern angegriffen wird.

Mittel dagegen.

Da aber die Brauchbarkeit deſſelben allezeit
ſtatt hat, ſo hat die Noth die Menſchen getrieben,
durch eine Reihe von Verſuchen ein Mittel zu der Er-
haltung dieſes Holzes ausfindig zu machen, und man
muß den Englaͤndern den Ruhm dieſer Erfindung uͤber
laſſen, die auf folgende Weiſe die Probe haͤlt.

Man faͤllet die Baͤume etwa 14 Tage vor Pfing-
ſten, zu welcher Zeit der Saft am duͤnnſten und fluͤ-
ßigſten iſt, weil er ſich ſtark in die Aeſte, Blaͤtter
und Fruͤchte ergießet, und der Stamm den geringſten
Antheil daran hat. Ein ſolcher abgehauener Stamm
wird auf der Stelle in Planken oder Bretter geſchnit-
ten, und dieſe hierauf ins Waſſer gelegt, worin ſie
vier bis ſechs Wochen hindurch verbleiben muͤſſen.
Nach Verfließung dieſer Zeit werden ſie aber heraus-
genommen, durch angeſtecktes Stroh, Hobelſpaͤne
und naße Reiſer ſo lange geraͤuchert, bis ſie eine duͤn-
ne ſchwarze Rinde bekommen, und voͤllig ausge-
trocknet ehe man ſie gebrauchen will. Ihr Saft iſt
durch dieſes Verfahren verzehret, und der noch uͤbri-
ge ſo bitter gemacht, daß ihn kein Wurm vertragen
kann, und ein ſo zubereiteter Buchenſtamm wird dem-
nach hierdurch vor dem Unfall geſichert, und außer
Gefahr geſetzt. Eine noch kuͤrzere, jedoch aͤhnliche

Methode
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0034" n="24"/>
und &#x017F;ie verzehren, ohne daß a&#x0364;ußerlich eine merkliche<lb/>
Verletzung zu &#x017F;ehen i&#x017F;t. Der Ritter von Linne be-<lb/>
&#x017F;chreibt ihn in &#x017F;einem Natur&#x017F;y&#x017F;tem unter dem Namen<lb/><hi rendition="#aq">Curculio Fagi</hi>.</p><lb/>
          <p>Die zweyte u&#x0364;bele Eigen&#x017F;chaft be&#x017F;teht darin, daß<lb/>
das Holz leicht faulet, wenn es abwech&#x017F;elnder Trock-<lb/>
niß und Na&#x0364;ße ausge&#x017F;etzt i&#x017F;t, auch daß es vor andern<lb/>
leicht von Wu&#x0364;rmern angegriffen wird.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Mittel dagegen.</hi> </head><lb/>
          <p>Da aber die Brauchbarkeit de&#x017F;&#x017F;elben allezeit<lb/>
&#x017F;tatt hat, &#x017F;o hat die Noth die Men&#x017F;chen getrieben,<lb/>
durch eine Reihe von Ver&#x017F;uchen ein Mittel zu der Er-<lb/>
haltung die&#x017F;es Holzes ausfindig zu machen, und man<lb/>
muß den Engla&#x0364;ndern den Ruhm die&#x017F;er Erfindung u&#x0364;ber<lb/>
la&#x017F;&#x017F;en, die auf folgende Wei&#x017F;e die Probe ha&#x0364;lt.</p><lb/>
          <p>Man fa&#x0364;llet die Ba&#x0364;ume etwa 14 Tage vor Pfing-<lb/>
&#x017F;ten, zu welcher Zeit der Saft am du&#x0364;nn&#x017F;ten und flu&#x0364;-<lb/>
ßig&#x017F;ten i&#x017F;t, weil er &#x017F;ich &#x017F;tark in die Ae&#x017F;te, Bla&#x0364;tter<lb/>
und Fru&#x0364;chte ergießet, und der Stamm den gering&#x017F;ten<lb/>
Antheil daran hat. Ein &#x017F;olcher abgehauener Stamm<lb/>
wird auf der Stelle in Planken oder Bretter ge&#x017F;chnit-<lb/>
ten, und die&#x017F;e hierauf ins Wa&#x017F;&#x017F;er gelegt, worin &#x017F;ie<lb/>
vier bis &#x017F;echs Wochen hindurch verbleiben mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en.<lb/>
Nach Verfließung die&#x017F;er Zeit werden &#x017F;ie aber heraus-<lb/>
genommen, durch ange&#x017F;tecktes Stroh, Hobel&#x017F;pa&#x0364;ne<lb/>
und naße Rei&#x017F;er &#x017F;o lange gera&#x0364;uchert, bis &#x017F;ie eine du&#x0364;n-<lb/>
ne &#x017F;chwarze Rinde bekommen, und vo&#x0364;llig ausge-<lb/>
trocknet ehe man &#x017F;ie gebrauchen will. Ihr Saft i&#x017F;t<lb/>
durch die&#x017F;es Verfahren verzehret, und der noch u&#x0364;bri-<lb/>
ge &#x017F;o bitter gemacht, daß ihn kein Wurm vertragen<lb/>
kann, und ein &#x017F;o zubereiteter Buchen&#x017F;tamm wird dem-<lb/>
nach hierdurch vor dem Unfall ge&#x017F;ichert, und außer<lb/>
Gefahr ge&#x017F;etzt. Eine noch ku&#x0364;rzere, jedoch a&#x0364;hnliche<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">Methode</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[24/0034] und ſie verzehren, ohne daß aͤußerlich eine merkliche Verletzung zu ſehen iſt. Der Ritter von Linne be- ſchreibt ihn in ſeinem Naturſyſtem unter dem Namen Curculio Fagi. Die zweyte uͤbele Eigenſchaft beſteht darin, daß das Holz leicht faulet, wenn es abwechſelnder Trock- niß und Naͤße ausgeſetzt iſt, auch daß es vor andern leicht von Wuͤrmern angegriffen wird. Mittel dagegen. Da aber die Brauchbarkeit deſſelben allezeit ſtatt hat, ſo hat die Noth die Menſchen getrieben, durch eine Reihe von Verſuchen ein Mittel zu der Er- haltung dieſes Holzes ausfindig zu machen, und man muß den Englaͤndern den Ruhm dieſer Erfindung uͤber laſſen, die auf folgende Weiſe die Probe haͤlt. Man faͤllet die Baͤume etwa 14 Tage vor Pfing- ſten, zu welcher Zeit der Saft am duͤnnſten und fluͤ- ßigſten iſt, weil er ſich ſtark in die Aeſte, Blaͤtter und Fruͤchte ergießet, und der Stamm den geringſten Antheil daran hat. Ein ſolcher abgehauener Stamm wird auf der Stelle in Planken oder Bretter geſchnit- ten, und dieſe hierauf ins Waſſer gelegt, worin ſie vier bis ſechs Wochen hindurch verbleiben muͤſſen. Nach Verfließung dieſer Zeit werden ſie aber heraus- genommen, durch angeſtecktes Stroh, Hobelſpaͤne und naße Reiſer ſo lange geraͤuchert, bis ſie eine duͤn- ne ſchwarze Rinde bekommen, und voͤllig ausge- trocknet ehe man ſie gebrauchen will. Ihr Saft iſt durch dieſes Verfahren verzehret, und der noch uͤbri- ge ſo bitter gemacht, daß ihn kein Wurm vertragen kann, und ein ſo zubereiteter Buchenſtamm wird dem- nach hierdurch vor dem Unfall geſichert, und außer Gefahr geſetzt. Eine noch kuͤrzere, jedoch aͤhnliche Methode

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/gleditsch_abhandlungen03_1789
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/gleditsch_abhandlungen03_1789/34
Zitationshilfe: Gleditsch, Johann Gottlieb: Vermischte botanische und ökonomische Abhandlungen. Bd. 3. Berlin, 1789, S. 24. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/gleditsch_abhandlungen03_1789/34>, abgerufen am 01.10.2020.