Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Gleditsch, Johann Gottlieb: Vermischte botanische und ökonomische Abhandlungen. Bd. 3. Berlin, 1789.

Bild:
<< vorherige Seite

baum, Effern, oder die kleine Rüster ulmus minor,
die Weißbuchenrüster, oder vielmehr die kleinblät-
trige Rüster
, macht eine zu diesen Absichten sehr vor-
zügliche Gattung aus. Sie entstehet aus dem Saa-
men der gemeinen Rüster, wie andere Abänderungen
mehr, und wächset so wohl in sandigem trocknen, als
nassem Mittelboden, auch in schweren und fetten, in
morastigen, flachen Ebenen um die Ströhme, um
die Inseln, auch an den Bergen, zwischen den Fel-
sen, wo der Baum seine Wurzeln ziemlich tief in die
Spalten und zwischen die Steine schläget.

Es giebt bis zehnerley Rüstern, die ihre Vor-
züge, auch Fehler im Holze und Wachsthume zeigen,
auch ihren eigenen Grund erfordern, und zum Theil
zahme und fremde Abänderungen von den Europäi-
schen oder Amerikanischen sind, und durch die Saat
und das Ablegen der jungen Sproßen sehr vermehrt
werden; von welchen in Holland, zu Hamburg und
in einigen Gegenden in besondern Baumschulen große
Quantitäten zu Lustwäldern gezogen werden, aber
auch im Ernste bey der Landwirthschaft und verschie-
denen Professionen gute Dienste thun. Man kennet
sie unter dem Namen von Ilmen und Vpern Die
kleinblättrige oder weißbuchen Rüster, welche auch
ulmus carpi folio, seu cortice arboris albido genennet
wird, und sich an Blättern, wegen des Ungeziefers, rei-
ner als andere hält, auch mit der Esche fast zugleich blü-
het, ist ihres Nutzens halber in Thürungen um die Saale
und Unstruth bekannt, und wird eben so sorgfältig da-
selbst erzogen, als in den Ebenen der Pfalz, im Cle-
vischen, unter Frankfurth und sonst am Rheinstrome.
Man weiset dieser nützlichen Baumart, ihren Stand
an Wiesen, in Zäunen, Gärten, Dämmen, Trif-
ten und Wegen an, auch auf vielerley entbehrlichen
Plätzen in den Dörfern, um dieselben und an den

Höfen.

baum, Effern, oder die kleine Ruͤſter ulmus minor,
die Weißbuchenruͤſter, oder vielmehr die kleinblaͤt-
trige Ruͤſter
, macht eine zu dieſen Abſichten ſehr vor-
zuͤgliche Gattung aus. Sie entſtehet aus dem Saa-
men der gemeinen Ruͤſter, wie andere Abaͤnderungen
mehr, und waͤchſet ſo wohl in ſandigem trocknen, als
naſſem Mittelboden, auch in ſchweren und fetten, in
moraſtigen, flachen Ebenen um die Stroͤhme, um
die Inſeln, auch an den Bergen, zwiſchen den Fel-
ſen, wo der Baum ſeine Wurzeln ziemlich tief in die
Spalten und zwiſchen die Steine ſchlaͤget.

Es giebt bis zehnerley Ruͤſtern, die ihre Vor-
zuͤge, auch Fehler im Holze und Wachsthume zeigen,
auch ihren eigenen Grund erfordern, und zum Theil
zahme und fremde Abaͤnderungen von den Europaͤi-
ſchen oder Amerikaniſchen ſind, und durch die Saat
und das Ablegen der jungen Sproßen ſehr vermehrt
werden; von welchen in Holland, zu Hamburg und
in einigen Gegenden in beſondern Baumſchulen große
Quantitaͤten zu Luſtwaͤldern gezogen werden, aber
auch im Ernſte bey der Landwirthſchaft und verſchie-
denen Profeſſionen gute Dienſte thun. Man kennet
ſie unter dem Namen von Ilmen und Vpern Die
kleinblaͤttrige oder weißbuchen Ruͤſter, welche auch
ulmus carpi folio, ſeu cortice arboris albido genennet
wird, und ſich an Blaͤttern, wegen des Ungeziefers, rei-
ner als andere haͤlt, auch mit der Eſche faſt zugleich bluͤ-
het, iſt ihres Nutzens halber in Thuͤrungen um die Saale
und Unſtruth bekannt, und wird eben ſo ſorgfaͤltig da-
ſelbſt erzogen, als in den Ebenen der Pfalz, im Cle-
viſchen, unter Frankfurth und ſonſt am Rheinſtrome.
Man weiſet dieſer nuͤtzlichen Baumart, ihren Stand
an Wieſen, in Zaͤunen, Gaͤrten, Daͤmmen, Trif-
ten und Wegen an, auch auf vielerley entbehrlichen
Plaͤtzen in den Doͤrfern, um dieſelben und an den

Hoͤfen.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0041" n="31"/><hi rendition="#fr">baum, Effern</hi>, oder die kleine <hi rendition="#fr">Ru&#x0364;&#x017F;ter</hi><hi rendition="#aq"><hi rendition="#i">ulmus minor</hi></hi>,<lb/>
die Weißbuchenru&#x0364;&#x017F;ter, oder vielmehr die <hi rendition="#fr">kleinbla&#x0364;t-<lb/>
trige Ru&#x0364;&#x017F;ter</hi>, macht eine zu die&#x017F;en Ab&#x017F;ichten &#x017F;ehr vor-<lb/>
zu&#x0364;gliche Gattung aus. Sie ent&#x017F;tehet aus dem Saa-<lb/>
men der gemeinen Ru&#x0364;&#x017F;ter, wie andere Aba&#x0364;nderungen<lb/>
mehr, und wa&#x0364;ch&#x017F;et &#x017F;o wohl in &#x017F;andigem trocknen, als<lb/>
na&#x017F;&#x017F;em Mittelboden, auch in &#x017F;chweren und fetten, in<lb/>
mora&#x017F;tigen, flachen Ebenen um die Stro&#x0364;hme, um<lb/>
die In&#x017F;eln, auch an den Bergen, zwi&#x017F;chen den Fel-<lb/>
&#x017F;en, wo der Baum &#x017F;eine Wurzeln ziemlich tief in die<lb/>
Spalten und zwi&#x017F;chen die Steine &#x017F;chla&#x0364;get.</p><lb/>
        <p>Es giebt bis zehnerley Ru&#x0364;&#x017F;tern, die ihre Vor-<lb/>
zu&#x0364;ge, auch Fehler im Holze und Wachsthume zeigen,<lb/>
auch ihren eigenen Grund erfordern, und zum Theil<lb/>
zahme und fremde Aba&#x0364;nderungen von den Europa&#x0364;i-<lb/>
&#x017F;chen oder Amerikani&#x017F;chen &#x017F;ind, und durch die Saat<lb/>
und das Ablegen der jungen Sproßen &#x017F;ehr vermehrt<lb/>
werden; von welchen in Holland, zu Hamburg und<lb/>
in einigen Gegenden in be&#x017F;ondern Baum&#x017F;chulen große<lb/>
Quantita&#x0364;ten zu Lu&#x017F;twa&#x0364;ldern gezogen werden, aber<lb/>
auch im Ern&#x017F;te bey der Landwirth&#x017F;chaft und ver&#x017F;chie-<lb/>
denen Profe&#x017F;&#x017F;ionen gute Dien&#x017F;te thun. Man kennet<lb/>
&#x017F;ie unter dem Namen von <hi rendition="#fr">Ilmen</hi> und <hi rendition="#fr">Vpern</hi> Die<lb/><hi rendition="#fr">kleinbla&#x0364;ttrige</hi> oder <hi rendition="#fr">weißbuchen Ru&#x0364;&#x017F;ter</hi>, welche auch<lb/><hi rendition="#aq"><hi rendition="#i">ulmus carpi folio, &#x017F;eu cortice arboris albido</hi></hi> genennet<lb/>
wird, und &#x017F;ich an Bla&#x0364;ttern, wegen des Ungeziefers, rei-<lb/>
ner als andere ha&#x0364;lt, auch mit der E&#x017F;che fa&#x017F;t zugleich blu&#x0364;-<lb/>
het, i&#x017F;t ihres Nutzens halber in Thu&#x0364;rungen um die Saale<lb/>
und Un&#x017F;truth bekannt, und wird eben &#x017F;o &#x017F;orgfa&#x0364;ltig da-<lb/>
&#x017F;elb&#x017F;t erzogen, als in den Ebenen der Pfalz, im Cle-<lb/>
vi&#x017F;chen, unter Frankfurth und &#x017F;on&#x017F;t am Rhein&#x017F;trome.<lb/>
Man wei&#x017F;et die&#x017F;er nu&#x0364;tzlichen Baumart, ihren Stand<lb/>
an Wie&#x017F;en, in Za&#x0364;unen, Ga&#x0364;rten, Da&#x0364;mmen, Trif-<lb/>
ten und Wegen an, auch auf vielerley entbehrlichen<lb/>
Pla&#x0364;tzen in den Do&#x0364;rfern, um die&#x017F;elben und an den<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">Ho&#x0364;fen.</fw><lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[31/0041] baum, Effern, oder die kleine Ruͤſter ulmus minor, die Weißbuchenruͤſter, oder vielmehr die kleinblaͤt- trige Ruͤſter, macht eine zu dieſen Abſichten ſehr vor- zuͤgliche Gattung aus. Sie entſtehet aus dem Saa- men der gemeinen Ruͤſter, wie andere Abaͤnderungen mehr, und waͤchſet ſo wohl in ſandigem trocknen, als naſſem Mittelboden, auch in ſchweren und fetten, in moraſtigen, flachen Ebenen um die Stroͤhme, um die Inſeln, auch an den Bergen, zwiſchen den Fel- ſen, wo der Baum ſeine Wurzeln ziemlich tief in die Spalten und zwiſchen die Steine ſchlaͤget. Es giebt bis zehnerley Ruͤſtern, die ihre Vor- zuͤge, auch Fehler im Holze und Wachsthume zeigen, auch ihren eigenen Grund erfordern, und zum Theil zahme und fremde Abaͤnderungen von den Europaͤi- ſchen oder Amerikaniſchen ſind, und durch die Saat und das Ablegen der jungen Sproßen ſehr vermehrt werden; von welchen in Holland, zu Hamburg und in einigen Gegenden in beſondern Baumſchulen große Quantitaͤten zu Luſtwaͤldern gezogen werden, aber auch im Ernſte bey der Landwirthſchaft und verſchie- denen Profeſſionen gute Dienſte thun. Man kennet ſie unter dem Namen von Ilmen und Vpern Die kleinblaͤttrige oder weißbuchen Ruͤſter, welche auch ulmus carpi folio, ſeu cortice arboris albido genennet wird, und ſich an Blaͤttern, wegen des Ungeziefers, rei- ner als andere haͤlt, auch mit der Eſche faſt zugleich bluͤ- het, iſt ihres Nutzens halber in Thuͤrungen um die Saale und Unſtruth bekannt, und wird eben ſo ſorgfaͤltig da- ſelbſt erzogen, als in den Ebenen der Pfalz, im Cle- viſchen, unter Frankfurth und ſonſt am Rheinſtrome. Man weiſet dieſer nuͤtzlichen Baumart, ihren Stand an Wieſen, in Zaͤunen, Gaͤrten, Daͤmmen, Trif- ten und Wegen an, auch auf vielerley entbehrlichen Plaͤtzen in den Doͤrfern, um dieſelben und an den Hoͤfen.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/gleditsch_abhandlungen03_1789
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/gleditsch_abhandlungen03_1789/41
Zitationshilfe: Gleditsch, Johann Gottlieb: Vermischte botanische und ökonomische Abhandlungen. Bd. 3. Berlin, 1789, S. 31. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/gleditsch_abhandlungen03_1789/41>, abgerufen am 23.09.2020.