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Glück, Christian Friedrich von: Versuch einer ausführlichen Erläuterung der Pandecten nach Hellfeld ein Commentar für meine Zuhörer. Erlangen, 1790.

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de Origine Iuris.
§. 55.
Von den Edicten des K. Justinians.

Die dreyzehen Edicte des K. Justinians, wel-
che man in neuern Zeiten denen Novellen noch beygefügt
hat, sind von geringer Erheblichkeit, und haben meist
nur einen particulären Gegenstand. Das fünfte ist über-
dies schon unter denen Novellen enthalten, und macht
die 111te Novelle aus. Scrimger edirte sie zuerst mit
Justinians übrigen Novellen griechisch 1558 und Agy-
läus
übersezte sie ins lateinische 1560. Seit der Zeit
sind selbige in die Ausgaben des Corpus Juris aufge-
nommen worden, und schon in der Rußardinischen,
Lyon 1560. Fol. anzutreffen. Sie sind also nicht
glossirt.

§. 56.
Von der heutigen Gültigkeit des Justinianeischen
Rechts
. Erläuterung der Regel: Quidquid non
agnoscit glossa
etc.

Soviel nun hiernächst die heutige Gültigkeit
des Justinianeischen Rechts anbetrift, so ist zu-
förderst soviel ausser allen Zweifel, daß dieselbe nicht
aus einer Promulgation, sondern allein ex receptione
in Teutschland herzuleiten sey, ob es wohl nicht geläug-
net werden kann, daß der irrige Wahn, als ob unse-
re teutsche Kaiser, ohne Teutschland und Italien von
einander zu unterscheiden, in beyderley Betrachte, die
alten römischen Kaiser als ihre Vorfahren am Reich
anzusehen gehabt hätten, ausser andern Ursachen (S. Aut.
§. 77.), viel zu der Aufnahme des römischen Rechts in
Teutschland beygetragen habe 82). Man ist auch fer-

ner
82) S. Joh. Steph. Pütters Abhandlung, wie das Ju-
stinianisch römische Gesezbuch in Teuschland

zur
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de Origine Iuris.
§. 55.
Von den Edicten des K. Juſtinians.

Die dreyzehen Edicte des K. Juſtinians, wel-
che man in neuern Zeiten denen Novellen noch beygefuͤgt
hat, ſind von geringer Erheblichkeit, und haben meiſt
nur einen particulaͤren Gegenſtand. Das fuͤnfte iſt uͤber-
dies ſchon unter denen Novellen enthalten, und macht
die 111te Novelle aus. Scrimger edirte ſie zuerſt mit
Juſtinians uͤbrigen Novellen griechiſch 1558 und Agy-
laͤus
uͤberſezte ſie ins lateiniſche 1560. Seit der Zeit
ſind ſelbige in die Ausgaben des Corpus Juris aufge-
nommen worden, und ſchon in der Rußardiniſchen,
Lyon 1560. Fol. anzutreffen. Sie ſind alſo nicht
gloſſirt.

§. 56.
Von der heutigen Guͤltigkeit des Juſtinianeiſchen
Rechts
. Erlaͤuterung der Regel: Quidquid non
agnoſcit gloſſa
etc.

Soviel nun hiernaͤchſt die heutige Guͤltigkeit
des Juſtinianeiſchen Rechts anbetrift, ſo iſt zu-
foͤrderſt ſoviel auſſer allen Zweifel, daß dieſelbe nicht
aus einer Promulgation, ſondern allein ex receptione
in Teutſchland herzuleiten ſey, ob es wohl nicht gelaͤug-
net werden kann, daß der irrige Wahn, als ob unſe-
re teutſche Kaiſer, ohne Teutſchland und Italien von
einander zu unterſcheiden, in beyderley Betrachte, die
alten roͤmiſchen Kaiſer als ihre Vorfahren am Reich
anzuſehen gehabt haͤtten, auſſer andern Urſachen (S. Aut.
§. 77.), viel zu der Aufnahme des roͤmiſchen Rechts in
Teutſchland beygetragen habe 82). Man iſt auch fer-

ner
82) S. Joh. Steph. Puͤtters Abhandlung, wie das Ju-
ſtinianiſch roͤmiſche Geſezbuch in Teuſchland

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Y 4
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[341/0361] de Origine Iuris. §. 55. Von den Edicten des K. Juſtinians. Die dreyzehen Edicte des K. Juſtinians, wel- che man in neuern Zeiten denen Novellen noch beygefuͤgt hat, ſind von geringer Erheblichkeit, und haben meiſt nur einen particulaͤren Gegenſtand. Das fuͤnfte iſt uͤber- dies ſchon unter denen Novellen enthalten, und macht die 111te Novelle aus. Scrimger edirte ſie zuerſt mit Juſtinians uͤbrigen Novellen griechiſch 1558 und Agy- laͤus uͤberſezte ſie ins lateiniſche 1560. Seit der Zeit ſind ſelbige in die Ausgaben des Corpus Juris aufge- nommen worden, und ſchon in der Rußardiniſchen, Lyon 1560. Fol. anzutreffen. Sie ſind alſo nicht gloſſirt. §. 56. Von der heutigen Guͤltigkeit des Juſtinianeiſchen Rechts. Erlaͤuterung der Regel: Quidquid non agnoſcit gloſſa etc. Soviel nun hiernaͤchſt die heutige Guͤltigkeit des Juſtinianeiſchen Rechts anbetrift, ſo iſt zu- foͤrderſt ſoviel auſſer allen Zweifel, daß dieſelbe nicht aus einer Promulgation, ſondern allein ex receptione in Teutſchland herzuleiten ſey, ob es wohl nicht gelaͤug- net werden kann, daß der irrige Wahn, als ob unſe- re teutſche Kaiſer, ohne Teutſchland und Italien von einander zu unterſcheiden, in beyderley Betrachte, die alten roͤmiſchen Kaiſer als ihre Vorfahren am Reich anzuſehen gehabt haͤtten, auſſer andern Urſachen (S. Aut. §. 77.), viel zu der Aufnahme des roͤmiſchen Rechts in Teutſchland beygetragen habe 82). Man iſt auch fer- ner 82) S. Joh. Steph. Puͤtters Abhandlung, wie das Ju- ſtinianiſch roͤmiſche Geſezbuch in Teuſchland zur Y 4

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Zitationshilfe: Glück, Christian Friedrich von: Versuch einer ausführlichen Erläuterung der Pandecten nach Hellfeld ein Commentar für meine Zuhörer. Erlangen, 1790, S. 341. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/glueck_pandecten01_1790/361>, abgerufen am 05.08.2020.