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Glück, Christian Friedrich von: Versuch einer ausführlichen Erläuterung der Pandecten nach Hellfeld ein Commentar für meine Zuhörer. Erlangen, 1791.

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de Constitutionibus Principum.
auch nicht einmal in einigen Betracht, wenn durch die
Ertheilung eines neuen ähnlichen Privilegiums demjeni-
gen, der schon ein älteres an dem Orte hat, einiger Ge-
winnst entzogen werden sollte. Denn da der Landesherr
in einem solchen Fall sich seines Rechts bedient, so thut
er ihm nicht unrecht 42).

§. 105.
Von der Concurrenz mehrerer Privilegien, und besonderer
Rechte.

Es ist ferner in der Lehre von Privilegien eine Fra-
ge von praktischer Wichtigkeit, was Rechtens sey, wenn
mehrere privilegirte Personen mit einan-
der concurriren
, welche um so mehr nähere Erörte-
rung verdient, je leichter man hierin durch Mißverstand
der Gesetze irre geführt werden kann. Die Rechtslehrer
pflegen hier als Regel festzusetzen, daß, wenn mehre-
re privilegirte Personen mit einander con-
curriren, dieselben nicht nach Maaßgabe ih-
rer Privilegien, sondern nach gemeinem
Rechte müssen beurtheilet werden
43). Allein
prüft man diesen Satz nach den Gesetzen, so findet man,
daß er sein Daseyn nicht gesetzlicher Bestimmung, son-
dern blos dem Irrthum der Rechtslehrer verdankt, der
gesetzlichen Entscheidung aber dergestalt zuwider läuft,
daß vermöge derselben vielmehr der entgegen stehende
Satz: daß ein Privilegirter gegen den andern nach
seinem Privilegio allerdings zu beurtheilen sey, wo

nicht
42) Nemini enim iniuriam facit, qui suo iure utitur, L. 55. D.
de Reg. Iuris. leyser
a. a. O. und hartleben a. a. O.
43) Privilegiatus contra privilegiatum non suo privilegio, sed
iure communi utitur.

de Conſtitutionibus Principum.
auch nicht einmal in einigen Betracht, wenn durch die
Ertheilung eines neuen aͤhnlichen Privilegiums demjeni-
gen, der ſchon ein aͤlteres an dem Orte hat, einiger Ge-
winnſt entzogen werden ſollte. Denn da der Landesherr
in einem ſolchen Fall ſich ſeines Rechts bedient, ſo thut
er ihm nicht unrecht 42).

§. 105.
Von der Concurrenz mehrerer Privilegien, und beſonderer
Rechte.

Es iſt ferner in der Lehre von Privilegien eine Fra-
ge von praktiſcher Wichtigkeit, was Rechtens ſey, wenn
mehrere privilegirte Perſonen mit einan-
der concurriren
, welche um ſo mehr naͤhere Eroͤrte-
rung verdient, je leichter man hierin durch Mißverſtand
der Geſetze irre gefuͤhrt werden kann. Die Rechtslehrer
pflegen hier als Regel feſtzuſetzen, daß, wenn mehre-
re privilegirte Perſonen mit einander con-
curriren, dieſelben nicht nach Maaßgabe ih-
rer Privilegien, ſondern nach gemeinem
Rechte muͤſſen beurtheilet werden
43). Allein
pruͤft man dieſen Satz nach den Geſetzen, ſo findet man,
daß er ſein Daſeyn nicht geſetzlicher Beſtimmung, ſon-
dern blos dem Irrthum der Rechtslehrer verdankt, der
geſetzlichen Entſcheidung aber dergeſtalt zuwider laͤuft,
daß vermoͤge derſelben vielmehr der entgegen ſtehende
Satz: daß ein Privilegirter gegen den andern nach
ſeinem Privilegio allerdings zu beurtheilen ſey, wo

nicht
42) Nemini enim iniuriam facit, qui ſuo iure utitur, L. 55. D.
de Reg. Iuris. leyser
a. a. O. und hartleben a. a. O.
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iure communi utitur.
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[15/0029] de Conſtitutionibus Principum. auch nicht einmal in einigen Betracht, wenn durch die Ertheilung eines neuen aͤhnlichen Privilegiums demjeni- gen, der ſchon ein aͤlteres an dem Orte hat, einiger Ge- winnſt entzogen werden ſollte. Denn da der Landesherr in einem ſolchen Fall ſich ſeines Rechts bedient, ſo thut er ihm nicht unrecht 42). §. 105. Von der Concurrenz mehrerer Privilegien, und beſonderer Rechte. Es iſt ferner in der Lehre von Privilegien eine Fra- ge von praktiſcher Wichtigkeit, was Rechtens ſey, wenn mehrere privilegirte Perſonen mit einan- der concurriren, welche um ſo mehr naͤhere Eroͤrte- rung verdient, je leichter man hierin durch Mißverſtand der Geſetze irre gefuͤhrt werden kann. Die Rechtslehrer pflegen hier als Regel feſtzuſetzen, daß, wenn mehre- re privilegirte Perſonen mit einander con- curriren, dieſelben nicht nach Maaßgabe ih- rer Privilegien, ſondern nach gemeinem Rechte muͤſſen beurtheilet werden 43). Allein pruͤft man dieſen Satz nach den Geſetzen, ſo findet man, daß er ſein Daſeyn nicht geſetzlicher Beſtimmung, ſon- dern blos dem Irrthum der Rechtslehrer verdankt, der geſetzlichen Entſcheidung aber dergeſtalt zuwider laͤuft, daß vermoͤge derſelben vielmehr der entgegen ſtehende Satz: daß ein Privilegirter gegen den andern nach ſeinem Privilegio allerdings zu beurtheilen ſey, wo nicht 42) Nemini enim iniuriam facit, qui ſuo iure utitur, L. 55. D. de Reg. Iuris. leyser a. a. O. und hartleben a. a. O. 43) Privilegiatus contra privilegiatum non ſuo privilegio, ſed iure communi utitur.

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Zitationshilfe: Glück, Christian Friedrich von: Versuch einer ausführlichen Erläuterung der Pandecten nach Hellfeld ein Commentar für meine Zuhörer. Erlangen, 1791, S. 15. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/glueck_pandecten02_1791/29>, abgerufen am 16.12.2018.