Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Goethe, Johann Wolfgang von: West-östlicher Divan. Stuttgart, 1819.

Bild:
<< vorherige Seite
Schenke.

Welch ein Zustand! Herr, so späte
Schleichst du heut aus deiner Kammer;
Perser nennen's Bidamag buden,
Deutsche sagen Katzenjammer.
Dichter.
Lass mich jetzt, geliebter Knabe,
Mir will nicht die Welt gefallen,
Nicht der Schein, der Duft der Rose,
Nicht der Sang der Nachtigallen.
Schenke.
Eben das will ich behandeln,
Und ich denk', es soll mir klecken,
Hier! geniess die frischen Mandeln
Und der Wein wird wieder schmecken.
13
Schenke.

Welch ein Zustand! Herr, so späte
Schleichst du heut aus deiner Kammer;
Perser nennen’s Bidamag buden,
Deutsche sagen Katzenjammer.
Dichter.
Laſs mich jetzt, geliebter Knabe,
Mir will nicht die Welt gefallen,
Nicht der Schein, der Duft der Rose,
Nicht der Sang der Nachtigallen.
Schenke.
Eben das will ich behandeln,
Und ich denk’, es soll mir klecken,
Hier! genieſs die frischen Mandeln
Und der Wein wird wieder schmecken.
13
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0203" n="193"/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b"><hi rendition="#i"><hi rendition="#g">Schenke</hi></hi>.</hi> </head><lb/>
          <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
          <lg type="poem">
            <lg n="1">
              <l>Welch ein Zustand! Herr, so späte</l><lb/>
              <l>Schleichst du heut aus deiner Kammer;</l><lb/>
              <l>Perser nennen&#x2019;s Bidamag buden,</l><lb/>
              <l>Deutsche sagen Katzenjammer.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="2">
              <head> <hi rendition="#c"><hi rendition="#g">Dichter</hi>.</hi> </head><lb/>
              <l>La&#x017F;s mich jetzt, geliebter Knabe,</l><lb/>
              <l>Mir will nicht die Welt gefallen,</l><lb/>
              <l>Nicht der Schein, der Duft der Rose,</l><lb/>
              <l>Nicht der Sang der Nachtigallen.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="3">
              <head> <hi rendition="#c"><hi rendition="#g">Schenke</hi>.</hi> </head><lb/>
              <l>Eben das will ich behandeln,</l><lb/>
              <l>Und ich denk&#x2019;, es soll mir klecken,</l><lb/>
              <l>Hier! genie&#x017F;s die frischen Mandeln</l><lb/>
              <l>Und der Wein wird wieder schmecken.</l>
            </lg><lb/>
            <fw place="bottom" type="sig">13</fw><lb/>
          </lg>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[193/0203] Schenke. Welch ein Zustand! Herr, so späte Schleichst du heut aus deiner Kammer; Perser nennen’s Bidamag buden, Deutsche sagen Katzenjammer. Dichter. Laſs mich jetzt, geliebter Knabe, Mir will nicht die Welt gefallen, Nicht der Schein, der Duft der Rose, Nicht der Sang der Nachtigallen. Schenke. Eben das will ich behandeln, Und ich denk’, es soll mir klecken, Hier! genieſs die frischen Mandeln Und der Wein wird wieder schmecken. 13

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/goethe_divan_1819
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/goethe_divan_1819/203
Zitationshilfe: Goethe, Johann Wolfgang von: West-östlicher Divan. Stuttgart, 1819, S. 193. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/goethe_divan_1819/203>, abgerufen am 17.10.2019.