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Goethe, Johann Wolfgang von: Faust. Eine Tragödie. Tübingen, 1808.

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Faust.
Wie nennst du dich?
Mephistopheles.
Die Frage scheint mir klein,
Für einen der das Wort so sehr verachtet,
Der, weit entfernt von allem Schein,
Nur in der Wesen Tiefe trachtet.
Faust.
Bey euch, ihr Herrn, kann man das Wesen
Gewöhnlich aus dem Namen lesen,
Wo es sich allzudeutlich weis't,
Wenn man euch Fliegengott, Verderber, Lügner heißt.
Nun gut wer bist du denn?
Mephistopheles.
Ein Theil von jener Kraft,
Die stets das Böse will und stets das Gute schafft.
Faust.
Was ist mit diesem Räthselwort gemeynt?
Mephistopheles.
Ich bin der Geist der stets verneint!
Und das mit Recht; denn alles was entsteht
Ist werth daß es zu Grunde geht;
Fauſt.
Wie nennſt du dich?
Mephiſtopheles.
Die Frage ſcheint mir klein,
Fuͤr einen der das Wort ſo ſehr verachtet,
Der, weit entfernt von allem Schein,
Nur in der Weſen Tiefe trachtet.
Fauſt.
Bey euch, ihr Herrn, kann man das Weſen
Gewoͤhnlich aus dem Namen leſen,
Wo es ſich allzudeutlich weiſ’t,
Wenn man euch Fliegengott, Verderber, Luͤgner heißt.
Nun gut wer biſt du denn?
Mephiſtopheles.
Ein Theil von jener Kraft,
Die ſtets das Boͤſe will und ſtets das Gute ſchafft.
Fauſt.
Was iſt mit dieſem Raͤthſelwort gemeynt?
Mephiſtopheles.
Ich bin der Geiſt der ſtets verneint!
Und das mit Recht; denn alles was entſteht
Iſt werth daß es zu Grunde geht;
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[86/0092] Fauſt. Wie nennſt du dich? Mephiſtopheles. Die Frage ſcheint mir klein, Fuͤr einen der das Wort ſo ſehr verachtet, Der, weit entfernt von allem Schein, Nur in der Weſen Tiefe trachtet. Fauſt. Bey euch, ihr Herrn, kann man das Weſen Gewoͤhnlich aus dem Namen leſen, Wo es ſich allzudeutlich weiſ’t, Wenn man euch Fliegengott, Verderber, Luͤgner heißt. Nun gut wer biſt du denn? Mephiſtopheles. Ein Theil von jener Kraft, Die ſtets das Boͤſe will und ſtets das Gute ſchafft. Fauſt. Was iſt mit dieſem Raͤthſelwort gemeynt? Mephiſtopheles. Ich bin der Geiſt der ſtets verneint! Und das mit Recht; denn alles was entſteht Iſt werth daß es zu Grunde geht;

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Zitationshilfe: Goethe, Johann Wolfgang von: Faust. Eine Tragödie. Tübingen, 1808, S. 86. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/goethe_faust01_1808/92>, abgerufen am 04.08.2020.