Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Goethe, Johann Wolfgang von: Wilhelm Meisters Lehrjahre. Bd. 2. Frankfurt (Main) u. a., 1795.

Bild:
<< vorherige Seite
Zweytes Capitel.

Melina hatte Hoffnung, in einer kleinen aber
wohlhabenden Stadt mit seiner Gesellschaft
unterzukommen. Schon befanden sie sich an
dem Orte, wohin sie die Pferde des Gra¬
fen gebracht hatten, und sahen sich nach an¬
dern Wagen und Pferden um, mit denen sie
weiter zu kommen hofften. Melina hatte
den Transport übernommen, und zeigte sich,
nach seiner Gewohnheit, übrigens sehr karg.
Dagegen hatte Wilhelm die schönen Duka¬
ten der Gräfin in der Tasche, auf deren fröh¬
liche Verwendung er das größte Recht zu
haben glaubte, und sehr leicht vergaß er,
daß er sie in der stattlichen Bilanz, die er
den Seinigen zuschickte, schon sehr ruhmredig
aufgeführt hatte.

Zweytes Capitel.

Melina hatte Hoffnung, in einer kleinen aber
wohlhabenden Stadt mit ſeiner Geſellſchaft
unterzukommen. Schon befanden ſie ſich an
dem Orte, wohin ſie die Pferde des Gra¬
fen gebracht hatten, und ſahen ſich nach an¬
dern Wagen und Pferden um, mit denen ſie
weiter zu kommen hofften. Melina hatte
den Transport übernommen, und zeigte ſich,
nach ſeiner Gewohnheit, übrigens ſehr karg.
Dagegen hatte Wilhelm die ſchönen Duka¬
ten der Gräfin in der Taſche, auf deren fröh¬
liche Verwendung er das größte Recht zu
haben glaubte, und ſehr leicht vergaß er,
daß er ſie in der ſtattlichen Bilanz, die er
den Seinigen zuſchickte, ſchon ſehr ruhmredig
aufgeführt hatte.

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <pb facs="#f0189" n="181"/>
          </div>
          <div n="3">
            <head><hi rendition="#g">Zweytes Capitel</hi>.<lb/></head>
            <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
            <p><hi rendition="#in">M</hi>elina hatte Hoffnung, in einer kleinen aber<lb/>
wohlhabenden Stadt mit &#x017F;einer Ge&#x017F;ell&#x017F;chaft<lb/>
unterzukommen. Schon befanden &#x017F;ie &#x017F;ich an<lb/>
dem Orte, wohin &#x017F;ie die Pferde des Gra¬<lb/>
fen gebracht hatten, und &#x017F;ahen &#x017F;ich nach an¬<lb/>
dern Wagen und Pferden um, mit denen &#x017F;ie<lb/>
weiter zu kommen hofften. Melina hatte<lb/>
den Transport übernommen, und zeigte &#x017F;ich,<lb/>
nach &#x017F;einer Gewohnheit, übrigens &#x017F;ehr karg.<lb/>
Dagegen hatte Wilhelm die &#x017F;chönen Duka¬<lb/>
ten der Gräfin in der Ta&#x017F;che, auf deren fröh¬<lb/>
liche Verwendung er das größte Recht zu<lb/>
haben glaubte, und &#x017F;ehr leicht vergaß er,<lb/>
daß er &#x017F;ie in der &#x017F;tattlichen Bilanz, die er<lb/>
den Seinigen zu&#x017F;chickte, &#x017F;chon &#x017F;ehr ruhmredig<lb/>
aufgeführt hatte.</p><lb/>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[181/0189] Zweytes Capitel. Melina hatte Hoffnung, in einer kleinen aber wohlhabenden Stadt mit ſeiner Geſellſchaft unterzukommen. Schon befanden ſie ſich an dem Orte, wohin ſie die Pferde des Gra¬ fen gebracht hatten, und ſahen ſich nach an¬ dern Wagen und Pferden um, mit denen ſie weiter zu kommen hofften. Melina hatte den Transport übernommen, und zeigte ſich, nach ſeiner Gewohnheit, übrigens ſehr karg. Dagegen hatte Wilhelm die ſchönen Duka¬ ten der Gräfin in der Taſche, auf deren fröh¬ liche Verwendung er das größte Recht zu haben glaubte, und ſehr leicht vergaß er, daß er ſie in der ſtattlichen Bilanz, die er den Seinigen zuſchickte, ſchon ſehr ruhmredig aufgeführt hatte.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/goethe_lehrjahre02_1795
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/goethe_lehrjahre02_1795/189
Zitationshilfe: Goethe, Johann Wolfgang von: Wilhelm Meisters Lehrjahre. Bd. 2. Frankfurt (Main) u. a., 1795, S. 181. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/goethe_lehrjahre02_1795/189>, abgerufen am 22.02.2019.