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Gottsched, Johann Christoph: Versuch einer Critischen Dichtkunst vor die Deutschen. Leipzig, 1730.

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Des II Theils I Capitel
Auf des regierenden Fürsten von Schwartzburg-Rudelstadt
andres Beylager in fremdem Nahmen.
ERfüllt das jüngst erneute Jahr
Mit neuem Glantze, neuer Freude,
Auch euer Haus, Duxchlauchten Beyde!
Auch dich, gepriesnes Fürsten-Paar!
Und hat Aurorens später Schimmer,
Nach überstandner längsten Nacht,
Auch in dein hohes Hochzeit-Zimmer,
Ein Lust-erfülltes Licht gebracht:
So laß auch deiner Knechte Singen,
Den Zuruff vor dein Glück zu deinen Ohren bringen.
GOtt Lob! der trübe Trauer-Flor
Sinckt Rudolstadt vom Angesichte,
Die Kummer-Nacht weicht Hymens Lichte,
Und treibt so manchen Wunsch empor.
Der Fürsten-Hof gleicht einem Garten,
Der nach des Winters Schnee und Eis,
Mit tausend frischen Blumen-Arten,
Den Gärtner zu vergnügen weiß:
Doch allen Schmuck, der ihn erhebet,
Dem Himmel selbst verdanckt, der seinen Grund belebet.
Durchlauchter Fürst! Dein heitrer Blick,
Samt deiner Fürstin Trefflichkeiten,
Vermehren jetzt das Gold der Zeiten,
Und deines treuen Landes Glück.
Der Bürger sieht mit frohem Hertzen
Der neuen Hochzeit-Fackeln Schein,
Und glaubt, daß so viel helle Kertzen
Jhm so viel Glücks-Gestirne seyn;
Und spürt bey seines Hauptes Trieben,
Von neuem einen Zug, dich unverrückt zu lieben.
Auch wir, die Philurenens Schooß
Als treue Musen-Kinder nähret,
Wo uns Mineryens Strahl verkläret,
Sind dergestalt der Schmertzen loß.
Wir klagten jüngst bey deinen Thränen,
Und jauchzen jetzt bey deiner Lust;
Und diese teitzt uns zu erwehnen,
Was Rudolstadt zwar längst gewust,
Doch niemahls nach Verdienst erhoben:
Wie rein und zärtlich wir dein sanftes Herrschen loben.
Des
Des II Theils I Capitel
Auf des regierenden Fuͤrſten von Schwartzburg-Rudelſtadt
andres Beylager in fremdem Nahmen.
ERfuͤllt das juͤngſt erneute Jahr
Mit neuem Glantze, neuer Freude,
Auch euer Haus, Duxchlauchten Beyde!
Auch dich, geprieſnes Fuͤrſten-Paar!
Und hat Aurorens ſpaͤter Schimmer,
Nach uͤberſtandner laͤngſten Nacht,
Auch in dein hohes Hochzeit-Zimmer,
Ein Luſt-erfuͤlltes Licht gebracht:
So laß auch deiner Knechte Singen,
Den Zuruff vor dein Gluͤck zu deinen Ohren bringen.
GOtt Lob! der truͤbe Trauer-Flor
Sinckt Rudolſtadt vom Angeſichte,
Die Kummer-Nacht weicht Hymens Lichte,
Und treibt ſo manchen Wunſch empor.
Der Fuͤrſten-Hof gleicht einem Garten,
Der nach des Winters Schnee und Eis,
Mit tauſend friſchen Blumen-Arten,
Den Gaͤrtner zu vergnuͤgen weiß:
Doch allen Schmuck, der ihn erhebet,
Dem Himmel ſelbſt verdanckt, der ſeinen Grund belebet.
Durchlauchter Fuͤrſt! Dein heitrer Blick,
Samt deiner Fuͤrſtin Trefflichkeiten,
Vermehren jetzt das Gold der Zeiten,
Und deines treuen Landes Gluͤck.
Der Buͤrger ſieht mit frohem Hertzen
Der neuen Hochzeit-Fackeln Schein,
Und glaubt, daß ſo viel helle Kertzen
Jhm ſo viel Gluͤcks-Geſtirne ſeyn;
Und ſpuͤrt bey ſeines Hauptes Trieben,
Von neuem einen Zug, dich unverruͤckt zu lieben.
Auch wir, die Philurenens Schooß
Als treue Muſen-Kinder naͤhret,
Wo uns Mineryens Strahl verklaͤret,
Sind dergeſtalt der Schmertzen loß.
Wir klagten juͤngſt bey deinen Thraͤnen,
Und jauchzen jetzt bey deiner Luſt;
Und dieſe teitzt uns zu erwehnen,
Was Rudolſtadt zwar laͤngſt gewuſt,
Doch niemahls nach Verdienſt erhoben:
Wie rein und zaͤrtlich wir dein ſanftes Herrſchen loben.
Des
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[346/0374] Des II Theils I Capitel Auf des regierenden Fuͤrſten von Schwartzburg-Rudelſtadt andres Beylager in fremdem Nahmen. ERfuͤllt das juͤngſt erneute Jahr Mit neuem Glantze, neuer Freude, Auch euer Haus, Duxchlauchten Beyde! Auch dich, geprieſnes Fuͤrſten-Paar! Und hat Aurorens ſpaͤter Schimmer, Nach uͤberſtandner laͤngſten Nacht, Auch in dein hohes Hochzeit-Zimmer, Ein Luſt-erfuͤlltes Licht gebracht: So laß auch deiner Knechte Singen, Den Zuruff vor dein Gluͤck zu deinen Ohren bringen. GOtt Lob! der truͤbe Trauer-Flor Sinckt Rudolſtadt vom Angeſichte, Die Kummer-Nacht weicht Hymens Lichte, Und treibt ſo manchen Wunſch empor. Der Fuͤrſten-Hof gleicht einem Garten, Der nach des Winters Schnee und Eis, Mit tauſend friſchen Blumen-Arten, Den Gaͤrtner zu vergnuͤgen weiß: Doch allen Schmuck, der ihn erhebet, Dem Himmel ſelbſt verdanckt, der ſeinen Grund belebet. Durchlauchter Fuͤrſt! Dein heitrer Blick, Samt deiner Fuͤrſtin Trefflichkeiten, Vermehren jetzt das Gold der Zeiten, Und deines treuen Landes Gluͤck. Der Buͤrger ſieht mit frohem Hertzen Der neuen Hochzeit-Fackeln Schein, Und glaubt, daß ſo viel helle Kertzen Jhm ſo viel Gluͤcks-Geſtirne ſeyn; Und ſpuͤrt bey ſeines Hauptes Trieben, Von neuem einen Zug, dich unverruͤckt zu lieben. Auch wir, die Philurenens Schooß Als treue Muſen-Kinder naͤhret, Wo uns Mineryens Strahl verklaͤret, Sind dergeſtalt der Schmertzen loß. Wir klagten juͤngſt bey deinen Thraͤnen, Und jauchzen jetzt bey deiner Luſt; Und dieſe teitzt uns zu erwehnen, Was Rudolſtadt zwar laͤngſt gewuſt, Doch niemahls nach Verdienſt erhoben: Wie rein und zaͤrtlich wir dein ſanftes Herrſchen loben. Des

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Zitationshilfe: Gottsched, Johann Christoph: Versuch einer Critischen Dichtkunst vor die Deutschen. Leipzig, 1730, S. 346. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/gottsched_versuch_1730/374>, abgerufen am 16.07.2019.