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Grimm, Jacob: Deutsche Grammatik. Bd. 1. Göttingen, 1822.

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I. mittelniederländische consonanten. liquidae.
f. nochdan, nochdanne (Rein. 304. Maerl. 2, 277.)
alstu Maerl. 2, 476.) f. als dau; entaer, entie häufig
st. ende daer, die; torp, terde st. het dorp, het
derde (tertium) zuweilen auch minder gut:dac für
het dac (tdac, tectum) etc. vgl. Huyd. op St. 1, 32.
Es herrscht also, wie im mittelh., kein vollständiges
system der abwechselung, die gebliebenen bruchstücke
ergänzen und erläutern sich aber gegenseitig *), offenbar
stehen das mittelh. mitten, mittiu, unttaß dem nie-
derl. metten, mettei, entie zur seite; ohne die regel
zu wißen, würde sich das neuniederl. toen (tunc),
welches heutige schriftsteller, auch wenn kein auslau-
tendes t. s. ch vorhergeht, statt doen misbrauchen, gar
nicht begreifen laßen. --
(L. M. N. R.) liquidae.

Wechsel zwischen l und n finde ich in slecke (limax)
mittelh. snecke (vgl. sleckenhaus Maerl. 1, 46.); daß l
nach o in u schmilzt, ist s. 467. 482. ausgeführt (vgl.
s. 444.) zuweilen hesteht daneben das ältere uld (später
old) vgl. Maerl. 1, 13[3]. 148. guldin, goudin 3, 226. guldin-
mont (chrysostomus) 3, 229. goudinmont oder hulde, sculde
neben houde, scoude (Huyd. op St. 1, 366. 367.) zuweilen
das ältere alt, zumahl im praet. scalt, galt Maerl. 2, 142.
pl. gouden 1, 277. Versetzung des l kann man in naelde
(acus) st. nadel finden vgl. oben s. 389. 393. -- m schwächt
sich nicht in n, eher assimiliert nm zu mm, als om-
mare (ingratus Maerl. 2, 342.) vgl. s. 389. note. -- n fällt
nicht immer vor gutt. aus, es heißt coninc (rex) pen-
ninc, wohl aber honich (mel) Rein. 292. 293.; auch vor
ling. schwankt stoet (stetit) und stont (auf spoet, vroet
und cont, mont reimend) sint (postea) reimt auf kint
Maerl. 1, 120. Bei zus. ziehung fällt es vor r in häufi-
ger pronominalform ere, meire, seire (auch miere, siere
geschrieben) aus, st. enere (una) minere, sinre; schwer-
lich in andern wörtern, z. b. kein clere f. clenere (par-
viori). Ein merkwürdig vorgeschobner anlaut n zeigt
sich in naernst, naerst (sedulitas) neben dem gleichbe-
deutigen aernst, aerst; beide formen gelten noch im neu-

*) Ich bezweifle jetzt nicht mehr, was ich s. 382. als einzel-
nen fall hinstellte, daß mittelh. durchgehends enkelten,
(vgl. den hochd. abschreiber der En. 18c 76b 86c) enker-
wen, enkan (Nib. 3764.) enkießen etc. so befugt geschrie-
ben werde, als enpfliehen, enpfinden.
I. mittelniederländiſche conſonanten. liquidae.
f. nochdan, nochdanne (Rein. 304. Maerl. 2, 277.)
alſtu Maerl. 2, 476.) f. als dû; ëntaer, ëntie häufig
ſt. ënde daer, die; torp, tërde ſt. hët dorp, hët
dërde (tertium) zuweilen auch minder gut:dac für
hët dac (tdac, tectum) etc. vgl. Huyd. op St. 1, 32.
Es herrſcht alſo, wie im mittelh., kein vollſtändiges
ſyſtem der abwechſelung, die gebliebenen bruchſtücke
ergänzen und erläutern ſich aber gegenſeitig *), offenbar
ſtehen das mittelh. mitten, mittiu, unttaƷ dem nie-
derl. mëtten, mëttî, entie zur ſeite; ohne die regel
zu wißen, würde ſich das neuniederl. toen (tunc),
welches heutige ſchriftſteller, auch wenn kein auslau-
tendes t. ſ. ch vorhergeht, ſtatt doen misbrauchen, gar
nicht begreifen laßen. —
(L. M. N. R.) liquidae.

Wechſel zwiſchen l und n finde ich in ſlëcke (limax)
mittelh. ſnëcke (vgl. ſlëckenhûs Maerl. 1, 46.); daß l
nach o in u ſchmilzt, iſt ſ. 467. 482. ausgeführt (vgl.
ſ. 444.) zuweilen heſteht daneben das ältere uld (ſpäter
old) vgl. Maerl. 1, 13[3]. 148. guldin, goudin 3, 226. guldin-
mont (chryſoſtomus) 3, 229. goudinmont oder hulde, ſculde
neben houde, ſcoude (Huyd. op St. 1, 366. 367.) zuweilen
das ältere alt, zumahl im praet. ſcalt, galt Maerl. 2, 142.
pl. gouden 1, 277. Verſetzung des l kann man in naelde
(acus) ſt. nadel finden vgl. oben ſ. 389. 393. — m ſchwächt
ſich nicht in n, eher aſſimiliert nm zu mm, als om-
mare (ingratus Maerl. 2, 342.) vgl. ſ. 389. note. — n fällt
nicht immer vor gutt. aus, es heißt coninc (rex) pën-
ninc, wohl aber honich (mel) Rein. 292. 293.; auch vor
ling. ſchwankt ſtoet (ſtetit) und ſtont (auf ſpoet, vroet
und cont, mont reimend) ſint (poſtea) reimt auf kint
Maerl. 1, 120. Bei zuſ. ziehung fällt es vor r in häufi-
ger pronominalform êre, mîre, ſîre (auch miere, ſiere
geſchrieben) aus, ſt. ënere (unâ) minere, ſinre; ſchwer-
lich in andern wörtern, z. b. kein clêre f. clënere (par-
viori). Ein merkwürdig vorgeſchobner anlaut n zeigt
ſich in naernſt, naerſt (ſedulitas) neben dem gleichbe-
deutigen aernſt, aerſt; beide formen gelten noch im neu-

*) Ich bezweifle jetzt nicht mehr, was ich ſ. 382. als einzel-
nen fall hinſtellte, daß mittelh. durchgehends enkëlten,
(vgl. den hochd. abſchreiber der En. 18c 76b 86c) enkër-
wen, enkân (Nib. 3764.) enkieƷen etc. ſo befugt geſchrie-
ben werde, als enpfliehen, enpfinden.
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[487/0513] I. mittelniederländiſche conſonanten. liquidae. f. nochdan, nochdanne (Rein. 304. Maerl. 2, 277.) alſtu Maerl. 2, 476.) f. als dû; ëntaer, ëntie häufig ſt. ënde daer, die; torp, tërde ſt. hët dorp, hët dërde (tertium) zuweilen auch minder gut:dac für hët dac (tdac, tectum) etc. vgl. Huyd. op St. 1, 32. Es herrſcht alſo, wie im mittelh., kein vollſtändiges ſyſtem der abwechſelung, die gebliebenen bruchſtücke ergänzen und erläutern ſich aber gegenſeitig *), offenbar ſtehen das mittelh. mitten, mittiu, unttaƷ dem nie- derl. mëtten, mëttî, entie zur ſeite; ohne die regel zu wißen, würde ſich das neuniederl. toen (tunc), welches heutige ſchriftſteller, auch wenn kein auslau- tendes t. ſ. ch vorhergeht, ſtatt doen misbrauchen, gar nicht begreifen laßen. — (L. M. N. R.) liquidae. Wechſel zwiſchen l und n finde ich in ſlëcke (limax) mittelh. ſnëcke (vgl. ſlëckenhûs Maerl. 1, 46.); daß l nach o in u ſchmilzt, iſt ſ. 467. 482. ausgeführt (vgl. ſ. 444.) zuweilen heſteht daneben das ältere uld (ſpäter old) vgl. Maerl. 1, 133. 148. guldin, goudin 3, 226. guldin- mont (chryſoſtomus) 3, 229. goudinmont oder hulde, ſculde neben houde, ſcoude (Huyd. op St. 1, 366. 367.) zuweilen das ältere alt, zumahl im praet. ſcalt, galt Maerl. 2, 142. pl. gouden 1, 277. Verſetzung des l kann man in naelde (acus) ſt. nadel finden vgl. oben ſ. 389. 393. — m ſchwächt ſich nicht in n, eher aſſimiliert nm zu mm, als om- mare (ingratus Maerl. 2, 342.) vgl. ſ. 389. note. — n fällt nicht immer vor gutt. aus, es heißt coninc (rex) pën- ninc, wohl aber honich (mel) Rein. 292. 293.; auch vor ling. ſchwankt ſtoet (ſtetit) und ſtont (auf ſpoet, vroet und cont, mont reimend) ſint (poſtea) reimt auf kint Maerl. 1, 120. Bei zuſ. ziehung fällt es vor r in häufi- ger pronominalform êre, mîre, ſîre (auch miere, ſiere geſchrieben) aus, ſt. ënere (unâ) minere, ſinre; ſchwer- lich in andern wörtern, z. b. kein clêre f. clënere (par- viori). Ein merkwürdig vorgeſchobner anlaut n zeigt ſich in naernſt, naerſt (ſedulitas) neben dem gleichbe- deutigen aernſt, aerſt; beide formen gelten noch im neu- *) Ich bezweifle jetzt nicht mehr, was ich ſ. 382. als einzel- nen fall hinſtellte, daß mittelh. durchgehends enkëlten, (vgl. den hochd. abſchreiber der En. 18c 76b 86c) enkër- wen, enkân (Nib. 3764.) enkieƷen etc. ſo befugt geſchrie- ben werde, als enpfliehen, enpfinden.

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Zitationshilfe: Grimm, Jacob: Deutsche Grammatik. Bd. 1. Göttingen, 1822, S. 487. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/grimm_grammatik01_1822/513>, abgerufen am 23.08.2019.