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Grimm, Jacob: Deutsche Grammatik. Bd. 1. Göttingen, 1822.

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I. schwedische consonanten. linguales. guttur.
Geminiertes tt 1) = altn. tt in skatt, hatt, hitta etc.
2) tt für ht in natt, rätt, lett, tett (spissus, hochd. dicht) etc.
3) tt für nt in mitt, ditt, sitt, ett etc. dagegen bleibt
vinter (hiems) mantel (pallium). In den part. praet.
steht galet f. galent (oben s. 307. 318.) ebenso leitet, tro-
get etc. vgl. Botin p. 111. 4) unorg. tt für t in den
neutris blatt, hatt, nytt (vgl. s. 319.). 5) unorg. für t
in bitter (amarus) -- dd und ss wie im altn.; letzteres
nicht (wie in vielen drucken des 17. 18. jahrh.) mit
hochd. ß zu schreiben. -- Die verbindungen sind sp. st.
sk; beispiele: rasp (lima) lesp (blaesus) gespa (oscitare)
wisp (peniculus) rispa (rumpere) brask (pompa) daska
(verberare) laska (congeries) leska (extinguere) besk (ama-
rus) siska (carduelis, hochd. zeisig) brusk (cartilago) äska
(poscere) etc. Nicht dies in-, aber das anlautende sk
ist vor den weichen vocalen wie ein hochd. sch zu
sprechen, z. b. skeilja, skynda, skael, sken lies scheilja,
schynda, schael, schen; vor den harten voc. lautet es
natürlich. Beide laute wechseln oft in demselben wort,
z. b. skarp und skärpa lies skarp, schärpa. dt im neutr.
der adj. auf d häufig, z. b. godt, bleidt, sändt (missum)
ondt (malum), steht für god't, blid't etc., ist also keine
wahre verbindung und wie bloßes t auszusprechen.

(K. G. CH. J. H. Q. X.) gutturales.

In dieser lautreihe ist verschiednes eigenthümliche
für die aussprache und mischung der stufen zu merken.
1) die anlautende ten. ist unrein vor e, i, y. ä, ö, e, ei, y,
ae, oe, jä, je, jo, ju; wie sie aber eigentlich laute, un-
sicher, da die grammatiker abweichende auskunft geben.
Botin p. 28. 44. 55. nimmt tj an und will die geschrie-
benen kek (maxilla) keil (cuneus) kyss (osculum) kaer
(carus) koen (genus) wie tjek, tjeil, tjyss, tjaer, tjoen aus-
gesprochen wißen; bloßes t hingegen vor den diphth.
jä, je, jo, ju, als: kjortel (tunica) kjusa (incantare) lies:
tjortel, tjusa. Rask (angels. spr. p. 8.) behauptet die här-
tere aussprache tsch, liest also tschek, tscheil etc. wel-
ches ganz zu dem engl. auch in die schrift übergegan-
genen ch statt k stimmte *). In schwed. büchern wech-
selt die schreibung kaeder, kjaeder, tjaeder (tetrao gallus

*) Hat sich allmählig und erst im laufe des verwichenen
jahrh. der laut aus kj in tj, tsch geschärst? Sahlstedt liest
kista "wie kjista," Heldman "wie kjista, fast tjista."
Vielleicht käme die hochd. bezeichnung tchista näher.

I. ſchwediſche conſonanten. linguales. guttur.
Geminiertes tt 1) = altn. tt in ſkatt, hatt, hitta etc.
2) tt für ht in natt, rätt, lett, tett (ſpiſſus, hochd. dicht) etc.
3) tt für nt in mitt, ditt, ſitt, ett etc. dagegen bleibt
vinter (hiems) mantel (pallium). In den part. praet.
ſteht gâlet f. gâlent (oben ſ. 307. 318.) ebenſo lîtet, trô-
get etc. vgl. Botin p. 111. 4) unorg. tt für t in den
neutris blått, hått, nŷtt (vgl. ſ. 319.). 5) unorg. für t
in bitter (amarus) — dd und ſſ wie im altn.; letzteres
nicht (wie in vielen drucken des 17. 18. jahrh.) mit
hochd. ß zu ſchreiben. — Die verbindungen ſind ſp. ſt.
ſk; beiſpiele: raſp (lima) leſp (blaeſus) geſpa (oſcitare)
wiſp (peniculus) riſpa (rumpere) braſk (pompa) daſka
(verberare) laſka (congeries) leſka (extinguere) beſk (ama-
rus) ſiſka (carduelis, hochd. zeiſig) bruſk (cartilago) äſka
(poſcere) etc. Nicht dies in-, aber das anlautende ſk
iſt vor den weichen vocalen wie ein hochd. ſch zu
ſprechen, z. b. ſkîlja, ſkynda, ſkæl, ſkên lies ſchîlja,
ſchynda, ſchæl, ſchên; vor den harten voc. lautet es
natürlich. Beide laute wechſeln oft in demſelben wort,
z. b. ſkarp und ſkärpa lies ſkarp, ſchärpa. dt im neutr.
der adj. auf d häufig, z. b. gôdt, blîdt, ſändt (miſſum)
ondt (malum), ſteht für gôd’t, blìd’t etc., iſt alſo keine
wahre verbindung und wie bloßes t auszuſprechen.

(K. G. CH. J. H. Q. X.) gutturales.

In dieſer lautreihe iſt verſchiednes eigenthümliche
für die ausſprache und miſchung der ſtufen zu merken.
1) die anlautende ten. iſt unrein vor e, i, y. ä, ö, ê, î, ŷ,
æ, œ, jä, je, jo, ju; wie ſie aber eigentlich laute, un-
ſicher, da die grammatiker abweichende auskunft geben.
Botin p. 28. 44. 55. nimmt tj an und will die geſchrie-
benen kêk (maxilla) kîl (cuneus) kyſſ (oſculum) kær
(carus) kœn (genus) wie tjêk, tjîl, tjyſſ, tjær, tjœn aus-
geſprochen wißen; bloßes t hingegen vor den diphth.
jä, je, jo, ju, als: kjortel (tunica) kjuſa (incantare) lies:
tjortel, tjuſa. Raſk (angelſ. ſpr. p. 8.) behauptet die här-
tere ausſprache tſch, lieſt alſo tſchêk, tſchîl etc. wel-
ches ganz zu dem engl. auch in die ſchrift übergegan-
genen ch ſtatt k ſtimmte *). In ſchwed. büchern wech-
ſelt die ſchreibung kæder, kjæder, tjæder (tetrao gallus

*) Hat ſich allmählig und erſt im laufe des verwichenen
jahrh. der laut aus kj in tj, tſch geſchärſt? Sahlſtedt lieſt
kiſta “wie kjiſta,” Heldman “wie kjiſta, faſt tjiſta.”
Vielleicht käme die hochd. bezeichnung tchiſta näher.
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[555/0581] I. ſchwediſche conſonanten. linguales. guttur. Geminiertes tt 1) = altn. tt in ſkatt, hatt, hitta etc. 2) tt für ht in natt, rätt, lett, tett (ſpiſſus, hochd. dicht) etc. 3) tt für nt in mitt, ditt, ſitt, ett etc. dagegen bleibt vinter (hiems) mantel (pallium). In den part. praet. ſteht gâlet f. gâlent (oben ſ. 307. 318.) ebenſo lîtet, trô- get etc. vgl. Botin p. 111. 4) unorg. tt für t in den neutris blått, hått, nŷtt (vgl. ſ. 319.). 5) unorg. für t in bitter (amarus) — dd und ſſ wie im altn.; letzteres nicht (wie in vielen drucken des 17. 18. jahrh.) mit hochd. ß zu ſchreiben. — Die verbindungen ſind ſp. ſt. ſk; beiſpiele: raſp (lima) leſp (blaeſus) geſpa (oſcitare) wiſp (peniculus) riſpa (rumpere) braſk (pompa) daſka (verberare) laſka (congeries) leſka (extinguere) beſk (ama- rus) ſiſka (carduelis, hochd. zeiſig) bruſk (cartilago) äſka (poſcere) etc. Nicht dies in-, aber das anlautende ſk iſt vor den weichen vocalen wie ein hochd. ſch zu ſprechen, z. b. ſkîlja, ſkynda, ſkæl, ſkên lies ſchîlja, ſchynda, ſchæl, ſchên; vor den harten voc. lautet es natürlich. Beide laute wechſeln oft in demſelben wort, z. b. ſkarp und ſkärpa lies ſkarp, ſchärpa. dt im neutr. der adj. auf d häufig, z. b. gôdt, blîdt, ſändt (miſſum) ondt (malum), ſteht für gôd’t, blìd’t etc., iſt alſo keine wahre verbindung und wie bloßes t auszuſprechen. (K. G. CH. J. H. Q. X.) gutturales. In dieſer lautreihe iſt verſchiednes eigenthümliche für die ausſprache und miſchung der ſtufen zu merken. 1) die anlautende ten. iſt unrein vor e, i, y. ä, ö, ê, î, ŷ, æ, œ, jä, je, jo, ju; wie ſie aber eigentlich laute, un- ſicher, da die grammatiker abweichende auskunft geben. Botin p. 28. 44. 55. nimmt tj an und will die geſchrie- benen kêk (maxilla) kîl (cuneus) kyſſ (oſculum) kær (carus) kœn (genus) wie tjêk, tjîl, tjyſſ, tjær, tjœn aus- geſprochen wißen; bloßes t hingegen vor den diphth. jä, je, jo, ju, als: kjortel (tunica) kjuſa (incantare) lies: tjortel, tjuſa. Raſk (angelſ. ſpr. p. 8.) behauptet die här- tere ausſprache tſch, lieſt alſo tſchêk, tſchîl etc. wel- ches ganz zu dem engl. auch in die ſchrift übergegan- genen ch ſtatt k ſtimmte *). In ſchwed. büchern wech- ſelt die ſchreibung kæder, kjæder, tjæder (tetrao gallus *) Hat ſich allmählig und erſt im laufe des verwichenen jahrh. der laut aus kj in tj, tſch geſchärſt? Sahlſtedt lieſt kiſta “wie kjiſta,” Heldman “wie kjiſta, faſt tjiſta.” Vielleicht käme die hochd. bezeichnung tchiſta näher.

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Zitationshilfe: Grimm, Jacob: Deutsche Grammatik. Bd. 1. Göttingen, 1822, S. 555. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/grimm_grammatik01_1822/581>, abgerufen am 25.08.2019.