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Grimm, Jacob; Grimm, Wilhelm: Kinder- und Haus-Märchen. Bd. 1. Berlin, 1812.

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nige Augenblicke, ich fahre hinunter, ein Wall-
fisch hat den Ring unter der Floßfeder, da will
ich ihn holen;" kam auch bald wieder und warf
ihn ans Land. Fix und Fertig bracht ihn zum
König, dieser aber antwortete: "nun noch eins,
in jenem Walde ist ein Einhorn, das hat schon
vielen Schaden gethan, wenn du das tödten
kannst, dann ist nichts mehr übrig. Fix und
Fertig bekümmerte sich auch hier nicht groß, son-
dern ging geradezu in den Wald. Da waren die
Raben, die er einmal gefuttert und sprachen:
"noch eine kleine Weile Geduld, jetzt liegt das
Einhorn und schläft, aber nicht auf der scheelen
Seite, wenn es sich herumdreht, dann wollen
wir ihm das eine gute Auge, das es hat, aus-
picken, dann ist es blind und wird in seiner
Wuth gegen die Bäume rennen und mit seinem
Horn sich festspießen; dann kannst du es leicht
tödten." Bald wälzte sich das Thier ein paar
Mal im Schlaf herum und legte sich auf die
andere Seite, da flogen die Raben herunter
und hackten ihm sein gesundes Auge aus. Wie
es die Schmerzen empfand, sprang es auf und
rennte unsinnig im Wald herum, bald auch hatte
es sich in eine dicke Eiche festgerennt. Da sprang
Fix und Fertig herbei, hieb ihm den Kopf ab,
und brachte ihn dem König. Dieser konnte nun
seine Tochter nicht länger versagen, sie ward dem
Fix und Fertig übergeben, der sich gleich in vol-

nige Augenblicke, ich fahre hinunter, ein Wall-
fiſch hat den Ring unter der Floßfeder, da will
ich ihn holen;“ kam auch bald wieder und warf
ihn ans Land. Fix und Fertig bracht ihn zum
Koͤnig, dieſer aber antwortete: „nun noch eins,
in jenem Walde iſt ein Einhorn, das hat ſchon
vielen Schaden gethan, wenn du das toͤdten
kannſt, dann iſt nichts mehr uͤbrig. Fix und
Fertig bekuͤmmerte ſich auch hier nicht groß, ſon-
dern ging geradezu in den Wald. Da waren die
Raben, die er einmal gefuttert und ſprachen:
„noch eine kleine Weile Geduld, jetzt liegt das
Einhorn und ſchlaͤft, aber nicht auf der ſcheelen
Seite, wenn es ſich herumdreht, dann wollen
wir ihm das eine gute Auge, das es hat, aus-
picken, dann iſt es blind und wird in ſeiner
Wuth gegen die Baͤume rennen und mit ſeinem
Horn ſich feſtſpießen; dann kannſt du es leicht
toͤdten.“ Bald waͤlzte ſich das Thier ein paar
Mal im Schlaf herum und legte ſich auf die
andere Seite, da flogen die Raben herunter
und hackten ihm ſein geſundes Auge aus. Wie
es die Schmerzen empfand, ſprang es auf und
rennte unſinnig im Wald herum, bald auch hatte
es ſich in eine dicke Eiche feſtgerennt. Da ſprang
Fix und Fertig herbei, hieb ihm den Kopf ab,
und brachte ihn dem Koͤnig. Dieſer konnte nun
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[62/0096] nige Augenblicke, ich fahre hinunter, ein Wall- fiſch hat den Ring unter der Floßfeder, da will ich ihn holen;“ kam auch bald wieder und warf ihn ans Land. Fix und Fertig bracht ihn zum Koͤnig, dieſer aber antwortete: „nun noch eins, in jenem Walde iſt ein Einhorn, das hat ſchon vielen Schaden gethan, wenn du das toͤdten kannſt, dann iſt nichts mehr uͤbrig. Fix und Fertig bekuͤmmerte ſich auch hier nicht groß, ſon- dern ging geradezu in den Wald. Da waren die Raben, die er einmal gefuttert und ſprachen: „noch eine kleine Weile Geduld, jetzt liegt das Einhorn und ſchlaͤft, aber nicht auf der ſcheelen Seite, wenn es ſich herumdreht, dann wollen wir ihm das eine gute Auge, das es hat, aus- picken, dann iſt es blind und wird in ſeiner Wuth gegen die Baͤume rennen und mit ſeinem Horn ſich feſtſpießen; dann kannſt du es leicht toͤdten.“ Bald waͤlzte ſich das Thier ein paar Mal im Schlaf herum und legte ſich auf die andere Seite, da flogen die Raben herunter und hackten ihm ſein geſundes Auge aus. Wie es die Schmerzen empfand, ſprang es auf und rennte unſinnig im Wald herum, bald auch hatte es ſich in eine dicke Eiche feſtgerennt. Da ſprang Fix und Fertig herbei, hieb ihm den Kopf ab, und brachte ihn dem Koͤnig. Dieſer konnte nun ſeine Tochter nicht laͤnger verſagen, ſie ward dem Fix und Fertig uͤbergeben, der ſich gleich in vol-

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Zitationshilfe: Grimm, Jacob; Grimm, Wilhelm: Kinder- und Haus-Märchen. Bd. 1. Berlin, 1812, S. 62. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/grimm_maerchen01_1812/96>, abgerufen am 26.06.2019.