Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Grimm, Jacob; Grimm, Wilhelm: Kinder- und Haus-Märchen. Bd. 2. Berlin, 1815.

Bild:
<< vorherige Seite

wegs verlor er aber aus dem Sack ein Körnchen.
Der Metzger bezahlt' ihn nun nach dem Handel
richtig aus. Wie der Bauer wieder des Wegs zu-
rück kam, war aus dem Korn ein Baum gewach-
sen, der reichte bis an den Himmel. "Ei, dachte
der Bauer, weil die Gelegenheit da ist, mußt du
doch sehen, was die Engel da droben machen und
ihnen einmal unter die Augen gucken. Also stieg
er hinauf und sah, daß die Engel oben Haber
droschen und schaute das mit an; wie er so schaute,
merkte er, daß der Baum, worauf er stand, an-
fing zu wackeln und guckte hinunter da wollt' ihn
eben einer umhauen. Wenn du da herab stürzest,
das wär' ein böses Ding, dachte er, und in der
Noth wußt' er sich nicht besser zu helfen, als daß
er die Spreu vom Haber nahm, die haufenweis
da lag und daraus einen Strick drehte, auch griff
er nach einer Hacke und einem Dreschflegel, die
da herum im Himmel lagen und ließ sich an dem
Seil herunter. Er kam aber unten auf der Erde
gerade in ein tiefes, tiefes Loch, und da war es
ein rechtes Glück, daß er die Hacke hatte, denn
die nahm er und hackte sich eine Treppe und
brachte den Dreschflegel zum Wahrzeichen mit.

27.
De beiden Künnigeskinner.

Et was mol en Künig west, de hatte en klei-
nen Jungen kregen, in den sin Teiken (Zeichen)

K 2

wegs verlor er aber aus dem Sack ein Koͤrnchen.
Der Metzger bezahlt’ ihn nun nach dem Handel
richtig aus. Wie der Bauer wieder des Wegs zu-
ruͤck kam, war aus dem Korn ein Baum gewach-
ſen, der reichte bis an den Himmel. „Ei, dachte
der Bauer, weil die Gelegenheit da iſt, mußt du
doch ſehen, was die Engel da droben machen und
ihnen einmal unter die Augen gucken. Alſo ſtieg
er hinauf und ſah, daß die Engel oben Haber
droſchen und ſchaute das mit an; wie er ſo ſchaute,
merkte er, daß der Baum, worauf er ſtand, an-
fing zu wackeln und guckte hinunter da wollt’ ihn
eben einer umhauen. Wenn du da herab ſtuͤrzeſt,
das waͤr’ ein boͤſes Ding, dachte er, und in der
Noth wußt’ er ſich nicht beſſer zu helfen, als daß
er die Spreu vom Haber nahm, die haufenweis
da lag und daraus einen Strick drehte, auch griff
er nach einer Hacke und einem Dreſchflegel, die
da herum im Himmel lagen und ließ ſich an dem
Seil herunter. Er kam aber unten auf der Erde
gerade in ein tiefes, tiefes Loch, und da war es
ein rechtes Gluͤck, daß er die Hacke hatte, denn
die nahm er und hackte ſich eine Treppe und
brachte den Dreſchflegel zum Wahrzeichen mit.

27.
De beiden Kuͤnnigeskinner.

Et was mol en Kuͤnig weſt, de hatte en klei-
nen Jungen kregen, in den ſin Teiken (Zeichen)

K 2
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0168" n="147"/>
wegs verlor er aber aus dem Sack ein Ko&#x0364;rnchen.<lb/>
Der Metzger bezahlt&#x2019; ihn nun nach dem Handel<lb/>
richtig aus. Wie der Bauer wieder des Wegs zu-<lb/>
ru&#x0364;ck kam, war aus dem Korn ein Baum gewach-<lb/>
&#x017F;en, der reichte bis an den Himmel. &#x201E;Ei, dachte<lb/>
der Bauer, weil die Gelegenheit da i&#x017F;t, mußt du<lb/>
doch &#x017F;ehen, was die Engel da droben machen und<lb/>
ihnen einmal unter die Augen gucken. Al&#x017F;o &#x017F;tieg<lb/>
er hinauf und &#x017F;ah, daß die Engel oben Haber<lb/>
dro&#x017F;chen und &#x017F;chaute das mit an; wie er &#x017F;o &#x017F;chaute,<lb/>
merkte er, daß der Baum, worauf er &#x017F;tand, an-<lb/>
fing zu wackeln und guckte hinunter da wollt&#x2019; ihn<lb/>
eben einer umhauen. Wenn du da herab &#x017F;tu&#x0364;rze&#x017F;t,<lb/>
das wa&#x0364;r&#x2019; ein bo&#x0364;&#x017F;es Ding, dachte er, und in der<lb/>
Noth wußt&#x2019; er &#x017F;ich nicht be&#x017F;&#x017F;er zu helfen, als daß<lb/>
er die Spreu vom Haber nahm, die haufenweis<lb/>
da lag und daraus einen Strick drehte, auch griff<lb/>
er nach einer Hacke und einem Dre&#x017F;chflegel, die<lb/>
da herum im Himmel lagen und ließ &#x017F;ich an dem<lb/>
Seil herunter. Er kam aber unten auf der Erde<lb/>
gerade in ein tiefes, tiefes Loch, und da war es<lb/>
ein rechtes Glu&#x0364;ck, daß er die Hacke hatte, denn<lb/>
die nahm er und hackte &#x017F;ich eine Treppe und<lb/>
brachte den Dre&#x017F;chflegel zum Wahrzeichen mit.</p>
      </div><lb/>
      <div n="1">
        <head>27.<lb/><hi rendition="#g">De beiden Ku&#x0364;nnigeskinner</hi>.</head><lb/>
        <p>Et was mol en Ku&#x0364;nig we&#x017F;t, de hatte en klei-<lb/>
nen Jungen kregen, in den &#x017F;in Teiken (Zeichen)<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">K 2</fw><lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[147/0168] wegs verlor er aber aus dem Sack ein Koͤrnchen. Der Metzger bezahlt’ ihn nun nach dem Handel richtig aus. Wie der Bauer wieder des Wegs zu- ruͤck kam, war aus dem Korn ein Baum gewach- ſen, der reichte bis an den Himmel. „Ei, dachte der Bauer, weil die Gelegenheit da iſt, mußt du doch ſehen, was die Engel da droben machen und ihnen einmal unter die Augen gucken. Alſo ſtieg er hinauf und ſah, daß die Engel oben Haber droſchen und ſchaute das mit an; wie er ſo ſchaute, merkte er, daß der Baum, worauf er ſtand, an- fing zu wackeln und guckte hinunter da wollt’ ihn eben einer umhauen. Wenn du da herab ſtuͤrzeſt, das waͤr’ ein boͤſes Ding, dachte er, und in der Noth wußt’ er ſich nicht beſſer zu helfen, als daß er die Spreu vom Haber nahm, die haufenweis da lag und daraus einen Strick drehte, auch griff er nach einer Hacke und einem Dreſchflegel, die da herum im Himmel lagen und ließ ſich an dem Seil herunter. Er kam aber unten auf der Erde gerade in ein tiefes, tiefes Loch, und da war es ein rechtes Gluͤck, daß er die Hacke hatte, denn die nahm er und hackte ſich eine Treppe und brachte den Dreſchflegel zum Wahrzeichen mit. 27. De beiden Kuͤnnigeskinner. Et was mol en Kuͤnig weſt, de hatte en klei- nen Jungen kregen, in den ſin Teiken (Zeichen) K 2

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/grimm_maerchen02_1815
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/grimm_maerchen02_1815/168
Zitationshilfe: Grimm, Jacob; Grimm, Wilhelm: Kinder- und Haus-Märchen. Bd. 2. Berlin, 1815, S. 147. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/grimm_maerchen02_1815/168>, abgerufen am 21.02.2020.