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Grimm, Jacob; Grimm, Wilhelm: Kinder- und Haus-Märchen. Bd. 2. Berlin, 1815.

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haben die drei tollen Handwerker gethan." Die
Gäste bestätigten es und sagten: "niemand an-
ders kann's gewesen seyn." Der Wirth aber ließ
sie rufen und sagte zu ihnen: "habt ihr den
Kaufmann getödtet?" "Wir alle drei," sagte
der erste, "um's Geld," der zweite, "und das
war recht!" der dritte. "Da hört ihr's nun,
sprach der Wirth, sie gestehen's selber." Sie
wurden also in's Gefängniß gebracht und sollten
gerichtet werden. Wie sie nun sahen, daß es so
ernsthaft ging, ward ihnen doch Angst, aber
Nachts kam der Teufel und sprach: "haltet nur
noch einen Tag aus und verscherzt euer Glück
nicht, es soll euch kein Haar gekrümmt werden."
Am andern Morgen wurden sie vor Gericht ge-
führt; da sprach der Richter: "seyd ihr die Mör-
der?" -- "wir alle drei." -- "Warum habt
ihr den Kaufmann erschlagen?" -- "um's Geld."
-- "Ihr Bösewichter, sagte der Richter, habt
ihr euch nicht der Sünde gescheut?" -- "und
das war Recht." -- "Sie haben bekannt und
sind noch dazu halsstarrig, sprach der Richter,
führt sie gleich zum Tod." Also wurden sie hin-
aus gebracht und der Wirth mußte mit in den
Kreis treten; wie sie nun von den Henkersknech-
ten gefaßt und eben auf's Gerüst geführt wurden,
wo der Scharfrichter mit bloßem Schwerte stand,
kam auf einmal eine Kutsche mit vier blutrothen
Füchsen bespannt, und fuhr, daß das Feuer aus

haben die drei tollen Handwerker gethan.“ Die
Gaͤſte beſtaͤtigten es und ſagten: „niemand an-
ders kann’s geweſen ſeyn.“ Der Wirth aber ließ
ſie rufen und ſagte zu ihnen: „habt ihr den
Kaufmann getoͤdtet?“ „Wir alle drei,“ ſagte
der erſte, „um’s Geld,“ der zweite, „und das
war recht!“ der dritte. „Da hoͤrt ihr’s nun,
ſprach der Wirth, ſie geſtehen’s ſelber.“ Sie
wurden alſo in’s Gefaͤngniß gebracht und ſollten
gerichtet werden. Wie ſie nun ſahen, daß es ſo
ernſthaft ging, ward ihnen doch Angſt, aber
Nachts kam der Teufel und ſprach: „haltet nur
noch einen Tag aus und verſcherzt euer Gluͤck
nicht, es ſoll euch kein Haar gekruͤmmt werden.“
Am andern Morgen wurden ſie vor Gericht ge-
fuͤhrt; da ſprach der Richter: „ſeyd ihr die Moͤr-
der?“ — „wir alle drei.“ — „Warum habt
ihr den Kaufmann erſchlagen?“ — „um’s Geld.“
— „Ihr Boͤſewichter, ſagte der Richter, habt
ihr euch nicht der Suͤnde geſcheut?“ — „und
das war Recht.“ — „Sie haben bekannt und
ſind noch dazu halsſtarrig, ſprach der Richter,
fuͤhrt ſie gleich zum Tod.“ Alſo wurden ſie hin-
aus gebracht und der Wirth mußte mit in den
Kreis treten; wie ſie nun von den Henkersknech-
ten gefaßt und eben auf’s Geruͤſt gefuͤhrt wurden,
wo der Scharfrichter mit bloßem Schwerte ſtand,
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[182/0203] haben die drei tollen Handwerker gethan.“ Die Gaͤſte beſtaͤtigten es und ſagten: „niemand an- ders kann’s geweſen ſeyn.“ Der Wirth aber ließ ſie rufen und ſagte zu ihnen: „habt ihr den Kaufmann getoͤdtet?“ „Wir alle drei,“ ſagte der erſte, „um’s Geld,“ der zweite, „und das war recht!“ der dritte. „Da hoͤrt ihr’s nun, ſprach der Wirth, ſie geſtehen’s ſelber.“ Sie wurden alſo in’s Gefaͤngniß gebracht und ſollten gerichtet werden. Wie ſie nun ſahen, daß es ſo ernſthaft ging, ward ihnen doch Angſt, aber Nachts kam der Teufel und ſprach: „haltet nur noch einen Tag aus und verſcherzt euer Gluͤck nicht, es ſoll euch kein Haar gekruͤmmt werden.“ Am andern Morgen wurden ſie vor Gericht ge- fuͤhrt; da ſprach der Richter: „ſeyd ihr die Moͤr- der?“ — „wir alle drei.“ — „Warum habt ihr den Kaufmann erſchlagen?“ — „um’s Geld.“ — „Ihr Boͤſewichter, ſagte der Richter, habt ihr euch nicht der Suͤnde geſcheut?“ — „und das war Recht.“ — „Sie haben bekannt und ſind noch dazu halsſtarrig, ſprach der Richter, fuͤhrt ſie gleich zum Tod.“ Alſo wurden ſie hin- aus gebracht und der Wirth mußte mit in den Kreis treten; wie ſie nun von den Henkersknech- ten gefaßt und eben auf’s Geruͤſt gefuͤhrt wurden, wo der Scharfrichter mit bloßem Schwerte ſtand, kam auf einmal eine Kutſche mit vier blutrothen Fuͤchſen beſpannt, und fuhr, daß das Feuer aus

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Zitationshilfe: Grimm, Jacob; Grimm, Wilhelm: Kinder- und Haus-Märchen. Bd. 2. Berlin, 1815, S. 182. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/grimm_maerchen02_1815/203>, abgerufen am 30.03.2020.