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Grimm, Jacob; Grimm, Wilhelm: Kinder- und Haus-Märchen. Bd. 2. Berlin, 1815.

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pelholz?" "Nein, sprach er, ich sehe wohl, es
geht mit dem Haspeln nicht," erzählte ihr, was
ihm im Walde begegnet war, und ließ sie von nun
an damit in Ruhe.

Bald hernach fing der Mann doch wieder an
sich über die Unordnung im Hause zu ärgern und
es lief bei ihm über: "Frau, sagte er, es ist doch
eine Schande, daß das gesponnene Garn da auf
dem Klauel liegen bleibt." "Weißt du was,
sprach sie, weil wir doch zu keinem Haspel kom-
men, so stell dich auf den Boden und ich steh un-
ten, da will ich dir den Klauel hinaufwerfen und
du wirfst ihn herunter, so gibt's doch einen Strang."
"Ja, das geht, sagte der Mann; also thaten sie
das und wie sie fertig waren, sprach er: "das
Garn ist nun gesträngt, nun muß es auch gekocht
werden." Der Frau ward wieder Angst; sie
sprach zwar: "ja, wir wollen's gleich morgenfrüh
kochen," dachte aber bei sich auf einen neuen
Streich. Frühmorgens stand sie auf, machte
Feuer an, und stellte den Kessel bei, allein statt
des Garns legte sie einen Klumpen Werg hinein
und ließ es so zukochen. Darauf ging sie zum
Manne, der noch im Bette lag, und sprach zu
ihm: "ich muß einmal ausgehen, steh derweil
auf und sieh nach dem Garn, das im Kessel über'm
Feuer steht, aber du mußt's bei Zeit thun, gib
wohl Acht, denn wo der Hahn kräht und du
sähest nicht nach, wird das Garn zu Werg."

pelholz?“ „Nein, ſprach er, ich ſehe wohl, es
geht mit dem Haſpeln nicht,“ erzaͤhlte ihr, was
ihm im Walde begegnet war, und ließ ſie von nun
an damit in Ruhe.

Bald hernach fing der Mann doch wieder an
ſich uͤber die Unordnung im Hauſe zu aͤrgern und
es lief bei ihm uͤber: „Frau, ſagte er, es iſt doch
eine Schande, daß das geſponnene Garn da auf
dem Klauel liegen bleibt.“ „Weißt du was,
ſprach ſie, weil wir doch zu keinem Haſpel kom-
men, ſo ſtell dich auf den Boden und ich ſteh un-
ten, da will ich dir den Klauel hinaufwerfen und
du wirfſt ihn herunter, ſo gibt’s doch einen Strang.“
„Ja, das geht, ſagte der Mann; alſo thaten ſie
das und wie ſie fertig waren, ſprach er: „das
Garn iſt nun geſtraͤngt, nun muß es auch gekocht
werden.“ Der Frau ward wieder Angſt; ſie
ſprach zwar: „ja, wir wollen’s gleich morgenfruͤh
kochen,“ dachte aber bei ſich auf einen neuen
Streich. Fruͤhmorgens ſtand ſie auf, machte
Feuer an, und ſtellte den Keſſel bei, allein ſtatt
des Garns legte ſie einen Klumpen Werg hinein
und ließ es ſo zukochen. Darauf ging ſie zum
Manne, der noch im Bette lag, und ſprach zu
ihm: „ich muß einmal ausgehen, ſteh derweil
auf und ſieh nach dem Garn, das im Keſſel uͤber’m
Feuer ſteht, aber du mußt’s bei Zeit thun, gib
wohl Acht, denn wo der Hahn kraͤht und du
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[222/0243] pelholz?“ „Nein, ſprach er, ich ſehe wohl, es geht mit dem Haſpeln nicht,“ erzaͤhlte ihr, was ihm im Walde begegnet war, und ließ ſie von nun an damit in Ruhe. Bald hernach fing der Mann doch wieder an ſich uͤber die Unordnung im Hauſe zu aͤrgern und es lief bei ihm uͤber: „Frau, ſagte er, es iſt doch eine Schande, daß das geſponnene Garn da auf dem Klauel liegen bleibt.“ „Weißt du was, ſprach ſie, weil wir doch zu keinem Haſpel kom- men, ſo ſtell dich auf den Boden und ich ſteh un- ten, da will ich dir den Klauel hinaufwerfen und du wirfſt ihn herunter, ſo gibt’s doch einen Strang.“ „Ja, das geht, ſagte der Mann; alſo thaten ſie das und wie ſie fertig waren, ſprach er: „das Garn iſt nun geſtraͤngt, nun muß es auch gekocht werden.“ Der Frau ward wieder Angſt; ſie ſprach zwar: „ja, wir wollen’s gleich morgenfruͤh kochen,“ dachte aber bei ſich auf einen neuen Streich. Fruͤhmorgens ſtand ſie auf, machte Feuer an, und ſtellte den Keſſel bei, allein ſtatt des Garns legte ſie einen Klumpen Werg hinein und ließ es ſo zukochen. Darauf ging ſie zum Manne, der noch im Bette lag, und ſprach zu ihm: „ich muß einmal ausgehen, ſteh derweil auf und ſieh nach dem Garn, das im Keſſel uͤber’m Feuer ſteht, aber du mußt’s bei Zeit thun, gib wohl Acht, denn wo der Hahn kraͤht und du ſaͤheſt nicht nach, wird das Garn zu Werg.“

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Zitationshilfe: Grimm, Jacob; Grimm, Wilhelm: Kinder- und Haus-Märchen. Bd. 2. Berlin, 1815, S. 222. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/grimm_maerchen02_1815/243>, abgerufen am 10.04.2020.