Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Grimmelshausen, Hans Jakob Christoffel von: Continuatio des abentheurlichen Simplicissimi Oder Der Schluß desselben. Nürnberg, 1669.

Bild:
<< vorherige Seite
Das VIII. Capitel.

DEmnach machte sich Iulus mit Avaro schleinig
auff den Weeg; nach dem er zuvor sein ander
Gesind/ als Laquayen, Pagen und dergleichen un-
nützer gefrässiger oder verthunlicher Leut mit guten
Ehren abgeschafft wolte ich nun der Histori ein End
sehen/ so müste ich wol mit/ aber wir raisen mit gar
ungleicher Commoditet; Iulus ritte auff einem an-
sehenlichen Hengst/ weil er nunmehr nichts bessers
als das Reuten gelchrut hatte/ und hinder ihm sasse
die Verschwendung/ gleichsamb als ob sie sein Hoch-
zeiterin oder Liebste gewesen wäre; Avarus sasse uff
einen Minchen oder Wallachen/ wie man sie nen-
net/ und führte hindersich den Geitz/ das hatte eben
ein Ansehen als wann ein Marckschreyer oder Stor-
ger mit seinem Afen auff eine Kirchmeß geritten wä-
re; die Hoffart hingegen floh hoch in der Lufft da-
her/ eben als wann sie die Raiß nit sonderlich an-
gangen hätte; die übrige assist ende Laster aber
marchirten beneben her/ wie die Beyläuffer zuthun
pflegen/ ich aber hielte mich bald da/ bald dort ei-
nem Pferd an den Schwantz/ damit ich auch mit
fortkommen/ und Engelland beschauen möchte/ die-
weil ich mir einbildete/ ich hette bereits vil Länder
gesehen/ wargegen mir dieses Enge ein seltener An-
blick seyn wurde; mir erlangten bald den Orth der
Schifflände/ alwo wir hiebevor auch außgestigen
waren/ und segelten in kurtzer Zeit mit gutem Wind
glücklich über.

Iulus fande seine Frau Mutter zu seiner Ankunfft
auch in letzten Zügen/ massen sie noch gleich den-
selben Tag ihren Abscheid nam/ also daß er als ein

eintzi-
Das VIII. Capitel.

DEmnach machte ſich Iulus mit Avaro ſchleinig
auff den Weeg; nach dem er zuvor ſein ander
Geſind/ als Laquayen, Pagen und dergleichen un-
nuͤtzer gefraͤſſiger oder verthunlicher Leut mit guten
Ehren abgeſchafft wolte ich nun der Hiſtori ein End
ſehen/ ſo muͤſte ich wol mit/ aber wir raiſen mit gar
ungleicher Commoditet; Iulus ritte auff einem an-
ſehenlichen Hengſt/ weil er nunmehr nichts beſſers
als das Reuten gelchrut hatte/ und hinder ihm ſaſſe
die Verſchwendung/ gleichſamb als ob ſie ſein Hoch-
zeiterin oder Liebſte geweſen waͤre; Avarus ſaſſe uff
einen Minchen oder Wallachen/ wie man ſie nen-
net/ und fuͤhrte hinderſich den Geitz/ das hatte eben
ein Anſehen als wann ein Marckſchreyer oder Stor-
ger mit ſeinem Afen auff eine Kirchmeß geritten waͤ-
re; die Hoffart hingegen floh hoch in der Lufft da-
her/ eben als wann ſie die Raiß nit ſonderlich an-
gangen haͤtte; die uͤbrige aſſiſt ende Laſter aber
marchirten beneben her/ wie die Beylaͤuffer zuthun
pflegen/ ich aber hielte mich bald da/ bald dort ei-
nem Pferd an den Schwantz/ damit ich auch mit
fortkommen/ und Engelland beſchauen moͤchte/ die-
weil ich mir einbildete/ ich hette bereits vil Laͤnder
geſehen/ wargegen mir dieſes Enge ein ſeltener An-
blick ſeyn wurde; mir erlangten bald den Orth der
Schifflaͤnde/ alwo wir hiebevor auch außgeſtigen
waren/ und ſegelten in kurtzer Zeit mit gutem Wind
gluͤcklich uͤber.

Iulus fande ſeine Frau Mutter zu ſeiner Ankunfft
auch in letzten Zuͤgen/ maſſen ſie noch gleich den-
ſelben Tag ihren Abſcheid nam/ alſo daß er als ein

eintzi-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0050"/>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#fr">Das</hi> <hi rendition="#aq">VIII.</hi> <hi rendition="#fr">Capitel.</hi> </head><lb/>
        <p><hi rendition="#in">D</hi>Emnach machte &#x017F;ich <hi rendition="#aq">Iulus</hi> mit <hi rendition="#aq">Avaro</hi> &#x017F;chleinig<lb/>
auff den Weeg; nach dem er zuvor &#x017F;ein ander<lb/>
Ge&#x017F;ind/ als <hi rendition="#aq">Laquayen, Pagen</hi> und dergleichen un-<lb/>
nu&#x0364;tzer gefra&#x0364;&#x017F;&#x017F;iger oder verthunlicher Leut mit guten<lb/>
Ehren abge&#x017F;chafft wolte ich nun der Hi&#x017F;tori ein End<lb/>
&#x017F;ehen/ &#x017F;o mu&#x0364;&#x017F;te ich wol mit/ aber wir rai&#x017F;en mit gar<lb/>
ungleicher <hi rendition="#aq">Commoditet; Iulus</hi> ritte auff einem an-<lb/>
&#x017F;ehenlichen Heng&#x017F;t/ weil er nunmehr nichts be&#x017F;&#x017F;ers<lb/>
als das Reuten gelchrut hatte/ und hinder ihm &#x017F;a&#x017F;&#x017F;e<lb/>
die Ver&#x017F;chwendung/ gleich&#x017F;amb als ob &#x017F;ie &#x017F;ein Hoch-<lb/>
zeiterin oder Lieb&#x017F;te gewe&#x017F;en wa&#x0364;re; <hi rendition="#aq">Avarus</hi> &#x017F;a&#x017F;&#x017F;e uff<lb/>
einen Minchen oder Wallachen/ wie man &#x017F;ie nen-<lb/>
net/ und fu&#x0364;hrte hinder&#x017F;ich den Geitz/ das hatte eben<lb/>
ein An&#x017F;ehen als wann ein Marck&#x017F;chreyer oder Stor-<lb/>
ger mit &#x017F;einem Afen auff eine Kirchmeß geritten wa&#x0364;-<lb/>
re; die Hoffart hingegen floh hoch in der Lufft da-<lb/>
her/ eben als wann &#x017F;ie die Raiß nit &#x017F;onderlich an-<lb/>
gangen ha&#x0364;tte; die u&#x0364;brige <hi rendition="#aq">a&#x017F;&#x017F;i&#x017F;t</hi> ende La&#x017F;ter aber<lb/><hi rendition="#aq">marchir</hi>ten beneben her/ wie die Beyla&#x0364;uffer zuthun<lb/>
pflegen/ ich aber hielte mich bald da/ bald dort ei-<lb/>
nem Pferd an den Schwantz/ damit ich auch mit<lb/>
fortkommen/ und Engelland be&#x017F;chauen mo&#x0364;chte/ die-<lb/>
weil ich mir einbildete/ ich hette bereits vil La&#x0364;nder<lb/>
ge&#x017F;ehen/ wargegen mir die&#x017F;es Enge ein &#x017F;eltener An-<lb/>
blick &#x017F;eyn wurde; mir erlangten bald den Orth der<lb/>
Schiffla&#x0364;nde/ alwo wir hiebevor auch außge&#x017F;tigen<lb/>
waren/ und &#x017F;egelten in kurtzer Zeit mit gutem Wind<lb/>
glu&#x0364;cklich u&#x0364;ber.</p><lb/>
        <p><hi rendition="#aq">Iulus</hi> fande &#x017F;eine Frau Mutter zu &#x017F;einer Ankunfft<lb/>
auch in letzten Zu&#x0364;gen/ ma&#x017F;&#x017F;en &#x017F;ie noch gleich den-<lb/>
&#x017F;elben Tag ihren Ab&#x017F;cheid nam/ al&#x017F;o daß er als ein<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">eintzi-</fw><lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[0050] Das VIII. Capitel. DEmnach machte ſich Iulus mit Avaro ſchleinig auff den Weeg; nach dem er zuvor ſein ander Geſind/ als Laquayen, Pagen und dergleichen un- nuͤtzer gefraͤſſiger oder verthunlicher Leut mit guten Ehren abgeſchafft wolte ich nun der Hiſtori ein End ſehen/ ſo muͤſte ich wol mit/ aber wir raiſen mit gar ungleicher Commoditet; Iulus ritte auff einem an- ſehenlichen Hengſt/ weil er nunmehr nichts beſſers als das Reuten gelchrut hatte/ und hinder ihm ſaſſe die Verſchwendung/ gleichſamb als ob ſie ſein Hoch- zeiterin oder Liebſte geweſen waͤre; Avarus ſaſſe uff einen Minchen oder Wallachen/ wie man ſie nen- net/ und fuͤhrte hinderſich den Geitz/ das hatte eben ein Anſehen als wann ein Marckſchreyer oder Stor- ger mit ſeinem Afen auff eine Kirchmeß geritten waͤ- re; die Hoffart hingegen floh hoch in der Lufft da- her/ eben als wann ſie die Raiß nit ſonderlich an- gangen haͤtte; die uͤbrige aſſiſt ende Laſter aber marchirten beneben her/ wie die Beylaͤuffer zuthun pflegen/ ich aber hielte mich bald da/ bald dort ei- nem Pferd an den Schwantz/ damit ich auch mit fortkommen/ und Engelland beſchauen moͤchte/ die- weil ich mir einbildete/ ich hette bereits vil Laͤnder geſehen/ wargegen mir dieſes Enge ein ſeltener An- blick ſeyn wurde; mir erlangten bald den Orth der Schifflaͤnde/ alwo wir hiebevor auch außgeſtigen waren/ und ſegelten in kurtzer Zeit mit gutem Wind gluͤcklich uͤber. Iulus fande ſeine Frau Mutter zu ſeiner Ankunfft auch in letzten Zuͤgen/ maſſen ſie noch gleich den- ſelben Tag ihren Abſcheid nam/ alſo daß er als ein eintzi-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/grimmelshausen_continuatio_1669
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/grimmelshausen_continuatio_1669/50
Zitationshilfe: Grimmelshausen, Hans Jakob Christoffel von: Continuatio des abentheurlichen Simplicissimi Oder Der Schluß desselben. Nürnberg, 1669, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/grimmelshausen_continuatio_1669/50>, abgerufen am 16.07.2019.