Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

German Schleifheim von Sulsfort [i. e. Grimmelshausen, Hans Jakob Christoffel von]: Der Abentheurliche Simplicissimus Teutsch. Monpelgart [i. e. Nürnberg], 1669.

Bild:
<< vorherige Seite
Deß Abentheurl. Simplicissimi
Das XXII. Capitel.

WEil der Gebrauch im Krieg ist/ daß man gemei-
niglich alte versuchte Soldaten zu Provosen
macht/ also hatten wir auch einen dergleichen bey
unserm Regiment/ und zwar einen solchen abge-
fäumten Ertz-Vogel und Kern-Bößwicht/ daß man
wol von ihm sagen konte/ er seye vielmehr als von-
nöthen/ erfahren gewesen; dann er war ein rechter
Schwartzkünstler/ Siebdreher und Teuffelsbau-
ner/ und von sich selbsten nicht allein so vest als
Stahl/ sondern auch über das ein solcher Gesell/
der andere vest machen/ und noch darzu gantze E-
squadronen
Reuter ins Feld stellen konte: Sein
Bildnus sabe natürlich auß/ wie uns die Mahler
und Poeten den Saturnum vorstellen/ ausser daß er
weder Steltzen noch Sensen trug. Ob nun zwar
die arme gefangene Soldaten/ so ihm in seine un-
barmbertzige Hände kamen/ wegen dieser seiner Be-
schaffenheit und stetiger Gegenwart sich desto un-
glückseeliger schätzten/ so waren doch Leute/ die gern
mit diesem Wendenschimpff umbgiengen/ sonder-
lich Olivier unser Schreiber/ und je mehr sich sein
Neid wider den jungen Hertzbruder (der eines sehr
frölichen Humors war) vermehrte/ je vester wuchse
die grosse Verträulichkeit zwischen ihme und dem
Provosen; dahero konte ich mir gar leichtlich die
Rechnung machen/ daß die Conjunction Saturni
und Mercurii dem redlichen Hertzbruder nichts guts
bedeuten würde.

Eben damals wurde meine Obristin mit einem
jungen Sohn erfreuet/ und die Tauff-Suppe fast

Fürst-
Deß Abentheurl. Simpliciſſimi
Das XXII. Capitel.

WEil der Gebrauch im Krieg iſt/ daß man gemei-
niglich alte verſuchte Soldaten zu Provoſen
macht/ alſo hatten wir auch einen dergleichen bey
unſerm Regiment/ und zwar einen ſolchen abge-
faͤumten Ertz-Vogel und Kern-Boͤßwicht/ daß man
wol von ihm ſagen konte/ er ſeye vielmehr als von-
noͤthen/ erfahren geweſen; dann er war ein rechter
Schwartzkuͤnſtler/ Siebdreher und Teuffelsbau-
ner/ und von ſich ſelbſten nicht allein ſo veſt als
Stahl/ ſondern auch uͤber das ein ſolcher Geſell/
der andere veſt machen/ und noch darzu gantze E-
ſquadronen
Reuter ins Feld ſtellen konte: Sein
Bildnus ſabe natuͤrlich auß/ wie uns die Mahler
und Poëten den Saturnum vorſtellen/ auſſer daß er
weder Steltzen noch Senſen trug. Ob nun zwar
die arme gefangene Soldaten/ ſo ihm in ſeine un-
barmbertzige Haͤnde kamen/ wegen dieſer ſeiner Be-
ſchaffenheit und ſtetiger Gegenwart ſich deſto un-
gluͤckſeeliger ſchaͤtzten/ ſo waren doch Leute/ die gern
mit dieſem Wendenſchimpff umbgiengen/ ſonder-
lich Olivier unſer Schreiber/ und je mehr ſich ſein
Neid wider den jungen Hertzbruder (der eines ſehr
froͤlichen Humors war) vermehrte/ je veſter wuchſe
die groſſe Vertraͤulichkeit zwiſchen ihme und dem
Provoſen; dahero konte ich mir gar leichtlich die
Rechnung machen/ daß die Conjunction Saturni
und Mercurii dem redlichen Hertzbruder nichts guts
bedeuten wuͤrde.

Eben damals wurde meine Obriſtin mit einem
jungen Sohn erfreuet/ und die Tauff-Suppe faſt

Fuͤrſt-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0216" n="210"/>
      <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">Deß Abentheurl. <hi rendition="#aq">Simplici&#x017F;&#x017F;imi</hi></hi> </fw><lb/>
      <div n="2">
        <head> <hi rendition="#fr">Das</hi> <hi rendition="#aq"> <hi rendition="#g">XXII.</hi> </hi> <hi rendition="#fr">Capitel.</hi> </head><lb/>
        <p><hi rendition="#in">W</hi>Eil der Gebrauch im Krieg i&#x017F;t/ daß man gemei-<lb/>
niglich alte ver&#x017F;uchte Soldaten zu Provo&#x017F;en<lb/>
macht/ al&#x017F;o hatten wir auch einen dergleichen bey<lb/>
un&#x017F;erm Regiment/ und zwar einen &#x017F;olchen abge-<lb/>
fa&#x0364;umten Ertz-Vogel und Kern-Bo&#x0364;ßwicht/ daß man<lb/>
wol von ihm &#x017F;agen konte/ er &#x017F;eye vielmehr als von-<lb/>
no&#x0364;then/ erfahren gewe&#x017F;en; dann er war ein rechter<lb/>
Schwartzku&#x0364;n&#x017F;tler/ Siebdreher und Teuffelsbau-<lb/>
ner/ und von &#x017F;ich &#x017F;elb&#x017F;ten nicht allein &#x017F;o ve&#x017F;t als<lb/>
Stahl/ &#x017F;ondern auch u&#x0364;ber das ein &#x017F;olcher Ge&#x017F;ell/<lb/>
der andere ve&#x017F;t machen/ und noch darzu gantze <hi rendition="#aq">E-<lb/>
&#x017F;quadronen</hi> Reuter ins Feld &#x017F;tellen konte: Sein<lb/>
Bildnus &#x017F;abe natu&#x0364;rlich auß/ wie uns die Mahler<lb/>
und <hi rendition="#aq">Poët</hi>en den <hi rendition="#aq">Saturnum</hi> vor&#x017F;tellen/ au&#x017F;&#x017F;er daß er<lb/>
weder Steltzen noch Sen&#x017F;en trug. Ob nun zwar<lb/>
die arme gefangene Soldaten/ &#x017F;o ihm in &#x017F;eine un-<lb/>
barmbertzige Ha&#x0364;nde kamen/ wegen die&#x017F;er &#x017F;einer Be-<lb/>
&#x017F;chaffenheit und &#x017F;tetiger Gegenwart &#x017F;ich de&#x017F;to un-<lb/>
glu&#x0364;ck&#x017F;eeliger &#x017F;cha&#x0364;tzten/ &#x017F;o waren doch Leute/ die gern<lb/>
mit die&#x017F;em Wenden&#x017F;chimpff umbgiengen/ &#x017F;onder-<lb/>
lich <hi rendition="#aq">Olivier</hi> un&#x017F;er Schreiber/ und je mehr &#x017F;ich &#x017F;ein<lb/>
Neid wider den jungen Hertzbruder (der eines &#x017F;ehr<lb/>
fro&#x0364;lichen <hi rendition="#aq">Humors</hi> war) vermehrte/ je ve&#x017F;ter wuch&#x017F;e<lb/>
die gro&#x017F;&#x017F;e Vertra&#x0364;ulichkeit zwi&#x017F;chen ihme und dem<lb/>
Provo&#x017F;en; dahero konte ich mir gar leichtlich die<lb/>
Rechnung machen/ daß die <hi rendition="#aq">Conjunction Saturni</hi><lb/>
und <hi rendition="#aq">Mercurii</hi> dem redlichen Hertzbruder nichts guts<lb/>
bedeuten wu&#x0364;rde.</p><lb/>
        <p>Eben damals wurde meine Obri&#x017F;tin mit einem<lb/>
jungen Sohn erfreuet/ und die Tauff-Suppe fa&#x017F;t<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">Fu&#x0364;r&#x017F;t-</fw><lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[210/0216] Deß Abentheurl. Simpliciſſimi Das XXII. Capitel. WEil der Gebrauch im Krieg iſt/ daß man gemei- niglich alte verſuchte Soldaten zu Provoſen macht/ alſo hatten wir auch einen dergleichen bey unſerm Regiment/ und zwar einen ſolchen abge- faͤumten Ertz-Vogel und Kern-Boͤßwicht/ daß man wol von ihm ſagen konte/ er ſeye vielmehr als von- noͤthen/ erfahren geweſen; dann er war ein rechter Schwartzkuͤnſtler/ Siebdreher und Teuffelsbau- ner/ und von ſich ſelbſten nicht allein ſo veſt als Stahl/ ſondern auch uͤber das ein ſolcher Geſell/ der andere veſt machen/ und noch darzu gantze E- ſquadronen Reuter ins Feld ſtellen konte: Sein Bildnus ſabe natuͤrlich auß/ wie uns die Mahler und Poëten den Saturnum vorſtellen/ auſſer daß er weder Steltzen noch Senſen trug. Ob nun zwar die arme gefangene Soldaten/ ſo ihm in ſeine un- barmbertzige Haͤnde kamen/ wegen dieſer ſeiner Be- ſchaffenheit und ſtetiger Gegenwart ſich deſto un- gluͤckſeeliger ſchaͤtzten/ ſo waren doch Leute/ die gern mit dieſem Wendenſchimpff umbgiengen/ ſonder- lich Olivier unſer Schreiber/ und je mehr ſich ſein Neid wider den jungen Hertzbruder (der eines ſehr froͤlichen Humors war) vermehrte/ je veſter wuchſe die groſſe Vertraͤulichkeit zwiſchen ihme und dem Provoſen; dahero konte ich mir gar leichtlich die Rechnung machen/ daß die Conjunction Saturni und Mercurii dem redlichen Hertzbruder nichts guts bedeuten wuͤrde. Eben damals wurde meine Obriſtin mit einem jungen Sohn erfreuet/ und die Tauff-Suppe faſt Fuͤrſt-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Der angegebene Verlag (Fillion) ist fiktiv. Die k… [mehr]

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/grimmelshausen_simplicissimus_1669
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/grimmelshausen_simplicissimus_1669/216
Zitationshilfe: German Schleifheim von Sulsfort [i. e. Grimmelshausen, Hans Jakob Christoffel von]: Der Abentheurliche Simplicissimus Teutsch. Monpelgart [i. e. Nürnberg], 1669, S. 210. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/grimmelshausen_simplicissimus_1669/216>, abgerufen am 17.02.2019.