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German Schleifheim von Sulsfort [i. e. Grimmelshausen, Hans Jakob Christoffel von]: Der Abentheurliche Simplicissimus Teutsch. Monpelgart [i. e. Nürnberg], 1669.

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Zweytes Buch.
Bey welcher Bewandnus mein Herr Provos mit
seinen Gefangenen auch nach der Flucht griffe/ wie-
wol wir mit einiger Gegenwehr umb die Uberwinder
keine Feindseeligkeit verdient hatten/ und indeme er
Provos uns mit dem Todt bedrohete/ und also nö-
tigte sampt ihm durchzugehen/ jagte der junge Hertz-
bruder daher mit noch fünff Pferden/ und grüste ihn
mit einer Pistoln: Sehe da/ du alter Hund/ sagte
er/ ists noch Zeit/ junge Hündlein zu machen? Jch
will dir deine Mühe bezahlen! Aber der Schuß be-
schädigt den Provosen so wenig/ als einen stählernen
Amboß; Oho bistu der Haar? sagt Hertzbruder/
ich will dir nicht vergeblich zu gefallen herkommen
seyn/ du must sterben/ und wäre dir gleich die Seel
angewachsen/ nötigt darauff einen Mußquetierer
von deß Provosen bey sich gehabter Wacht/ daß er
ihn/ dafern er anderst selbst Quartier haben wolte/
mit einer Axt zu todt schlug. Also bekam der Pro-
vos seinen Lohn/ ich aber wurde von Hertzbruder er-
kant/ welcher mich meiner Ketten und Band entledi-
gen/ auff ein Pferd setzen/ und durch seinen Knecht
in Sicherheit führen liesse.

Das XXVIII. Capitel.

GLeich wie mich nun meines Erretters Knecht auß
fernerer Gefahr führete/ also liesse sich sein Herr
hingegen erst durch Begierd der Ehr und Beut recht
hinein treiben/ allermassen er sich so weit verhauen/
daß er gefangen wurde. Demnach die sieghaffte Uber-
winder die Beuten theilten/ und ihre Todten begru-
ben/ mein Hertzbruder aber manglete/ erbte dessen
Rittmeister mich mit sampt seinem Knecht und Pfer-

den/

Zweytes Buch.
Bey welcher Bewandnus mein Herꝛ Provos mit
ſeinen Gefangenen auch nach der Flucht griffe/ wie-
wol wir mit einiger Gegenwehr umb die Uberwinder
keine Feindſeeligkeit verdient hatten/ und indeme er
Provos uns mit dem Todt bedrohete/ und alſo noͤ-
tigte ſampt ihm durchzugehen/ jagte der junge Hertz-
bruder daher mit noch fuͤnff Pferden/ und gruͤſte ihn
mit einer Piſtoln: Sehe da/ du alter Hund/ ſagte
er/ iſts noch Zeit/ junge Huͤndlein zu machen? Jch
will dir deine Muͤhe bezahlen! Aber der Schuß be-
ſchaͤdigt den Provoſen ſo wenig/ als einen ſtaͤhlernen
Amboß; Oho biſtu der Haar? ſagt Hertzbruder/
ich will dir nicht vergeblich zu gefallen herkommen
ſeyn/ du muſt ſterben/ und waͤre dir gleich die Seel
angewachſen/ noͤtigt darauff einen Mußquetierer
von deß Provoſen bey ſich gehabter Wacht/ daß er
ihn/ dafern er anderſt ſelbſt Quartier haben wolte/
mit einer Axt zu todt ſchlug. Alſo bekam der Pro-
vos ſeinen Lohn/ ich aber wurde von Hertzbruder er-
kant/ welcher mich meiner Ketten und Band entledi-
gen/ auff ein Pferd ſetzen/ und durch ſeinen Knecht
in Sicherheit führen lieſſe.

Das XXVIII. Capitel.

GLeich wie mich nun meines Erꝛetters Knecht auß
fernerer Gefahr fuͤhrete/ alſo lieſſe ſich ſein Herꝛ
hingegen erſt durch Begierd der Ehr und Beut recht
hinein treiben/ allermaſſen er ſich ſo weit verhauen/
daß er gefangen wurde. Demnach die ſieghaffte Uber-
winder die Beuten theilten/ und ihre Todten begru-
ben/ mein Hertzbruder aber manglete/ erbte deſſen
Rittmeiſter mich mit ſampt ſeinem Knecht und Pfer-

den/
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[235/0241] Zweytes Buch. Bey welcher Bewandnus mein Herꝛ Provos mit ſeinen Gefangenen auch nach der Flucht griffe/ wie- wol wir mit einiger Gegenwehr umb die Uberwinder keine Feindſeeligkeit verdient hatten/ und indeme er Provos uns mit dem Todt bedrohete/ und alſo noͤ- tigte ſampt ihm durchzugehen/ jagte der junge Hertz- bruder daher mit noch fuͤnff Pferden/ und gruͤſte ihn mit einer Piſtoln: Sehe da/ du alter Hund/ ſagte er/ iſts noch Zeit/ junge Huͤndlein zu machen? Jch will dir deine Muͤhe bezahlen! Aber der Schuß be- ſchaͤdigt den Provoſen ſo wenig/ als einen ſtaͤhlernen Amboß; Oho biſtu der Haar? ſagt Hertzbruder/ ich will dir nicht vergeblich zu gefallen herkommen ſeyn/ du muſt ſterben/ und waͤre dir gleich die Seel angewachſen/ noͤtigt darauff einen Mußquetierer von deß Provoſen bey ſich gehabter Wacht/ daß er ihn/ dafern er anderſt ſelbſt Quartier haben wolte/ mit einer Axt zu todt ſchlug. Alſo bekam der Pro- vos ſeinen Lohn/ ich aber wurde von Hertzbruder er- kant/ welcher mich meiner Ketten und Band entledi- gen/ auff ein Pferd ſetzen/ und durch ſeinen Knecht in Sicherheit führen lieſſe. Das XXVIII. Capitel. GLeich wie mich nun meines Erꝛetters Knecht auß fernerer Gefahr fuͤhrete/ alſo lieſſe ſich ſein Herꝛ hingegen erſt durch Begierd der Ehr und Beut recht hinein treiben/ allermaſſen er ſich ſo weit verhauen/ daß er gefangen wurde. Demnach die ſieghaffte Uber- winder die Beuten theilten/ und ihre Todten begru- ben/ mein Hertzbruder aber manglete/ erbte deſſen Rittmeiſter mich mit ſampt ſeinem Knecht und Pfer- den/

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Zitationshilfe: German Schleifheim von Sulsfort [i. e. Grimmelshausen, Hans Jakob Christoffel von]: Der Abentheurliche Simplicissimus Teutsch. Monpelgart [i. e. Nürnberg], 1669, S. 235. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/grimmelshausen_simplicissimus_1669/241>, abgerufen am 19.03.2019.