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German Schleifheim von Sulsfort [i. e. Grimmelshausen, Hans Jakob Christoffel von]: Der Abentheurliche Simplicissimus Teutsch. Monpelgart [i. e. Nürnberg], 1669.

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Drittes Buch.
dem Käiser geschworen/ nicht allein treulich/ sondern
auch das jenig daß ich mich gegen ihm verschrieben/
desto steiffer zu halten/ mich selbst meiner herrlichen
Pferd/ Gewehr und deß getreuen Knechts entblöste.

Das XVII. Capitel.

JCh glaude/ es sey kein Mensch in der Welt/ der
nicht einen Hasen im Busem habe/ dann wir s[ind]
ja alle einerley Gemächts/ und kan ich bey meinen
Pirn wol mercken/ wenn andere zeitig seyn. Huy
Geck/ möchte mir einer antworten/ Wann du ein
Narr bist/ meynst du darumb/ andere seyens auch?
Nein/ das sag ich nicht/ denn es wäre zu viel geredt;
Aber diß halte ich darvor/ daß einer den Narrn besser
verbirgt als der ander: Es ist einer drum kein Narr/
wenn er schon närrische Einfäll hat/ dann wir haben
in der Jugend gemeiniglich alle dergleichen/ welcher
aber solche herauß läst/ wird vor einen gehalten/ weil
theils ihn gar nicht/ andere aber nur halb sehen las-
sen: Welche ihren gar unterdrücken/ seyn rechte
Saurtöpff; die aber den Jhrigen nach Gelegenheit
der Zeit bißweilen ein wenig mit den Ohren herfür
gucken/ und Athem schöpffen lassen/ damit er nicht
gar bey ihuen ersticke/ dieselbige halte ich vor die be-
ste und verständigste Leut. Jch liesse den meinen nur
zu weit herauß/ da ich mich in einem so freyen Stand
sahe/ und noch Geld wuste/ massen ich einen Jungen
anname/ den ich als einen Edel-Bage kleidete/ und
zwar in die närrischte Farben/ nemlich Veyelbraun
und gelb außgemacht/ so meine Liberey seyn muste/
weil mirs so gefiel; derselbe muste mir auffwarten/
als wenn ichein Freyherr/ und kurtz zuvor kein Dra-

goner
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Drittes Buch.
dem Kaͤiſer geſchworen/ nicht allein treulich/ ſondern
auch das jenig daß ich mich gegen ihm verſchrieben/
deſto ſteiffer zu halten/ mich ſelbſt meiner herꝛlichen
Pferd/ Gewehr und deß getreuen Knechts entbloͤſte.

Das XVII. Capitel.

JCh glaude/ es ſey kein Menſch in der Welt/ der
nicht einen Haſen im Buſem habe/ dann wir ſ[ind]
ja alle einerley Gemaͤchts/ und kan ich bey meinen
Pirn wol mercken/ wenn andere zeitig ſeyn. Huy
Geck/ moͤchte mir einer antworten/ Wann du ein
Narꝛ biſt/ meynſt du darumb/ andere ſeyens auch?
Nein/ das ſag ich nicht/ denn es waͤre zu viel geredt;
Aber diß halte ich darvor/ daß einer den Narꝛn beſſer
verbirgt als der ander: Es iſt einer drum kein Narꝛ/
wenn er ſchon naͤrꝛiſche Einfaͤll hat/ dann wir haben
in der Jugend gemeiniglich alle dergleichen/ welcher
aber ſolche herauß laͤſt/ wird vor einen gehalten/ weil
theils ihn gar nicht/ andere aber nur halb ſehen laſ-
ſen: Welche ihren gar unterdruͤcken/ ſeyn rechte
Saurtoͤpff; die aber den Jhrigen nach Gelegenheit
der Zeit bißweilen ein wenig mit den Ohren herfuͤr
gucken/ und Athem ſchoͤpffen laſſen/ damit er nicht
gar bey ihuen erſticke/ dieſelbige halte ich vor die be-
ſte und verſtaͤndigſte Leut. Jch lieſſe den meinen nur
zu weit herauß/ da ich mich in einem ſo freyen Stand
ſahe/ und noch Geld wuſte/ maſſen ich einen Jungen
anname/ den ich als einen Edel-Bage kleidete/ und
zwar in die naͤrꝛiſchte Farben/ nemlich Veyelbraun
und gelb außgemacht/ ſo meine Liberey ſeyn muſte/
weil mirs ſo gefiel; derſelbe muſte mir auffwarten/
als wenn ichein Freyherꝛ/ und kurtz zuvor kein Dra-

goner
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[343/0349] Drittes Buch. dem Kaͤiſer geſchworen/ nicht allein treulich/ ſondern auch das jenig daß ich mich gegen ihm verſchrieben/ deſto ſteiffer zu halten/ mich ſelbſt meiner herꝛlichen Pferd/ Gewehr und deß getreuen Knechts entbloͤſte. Das XVII. Capitel. JCh glaude/ es ſey kein Menſch in der Welt/ der nicht einen Haſen im Buſem habe/ dann wir ſind ja alle einerley Gemaͤchts/ und kan ich bey meinen Pirn wol mercken/ wenn andere zeitig ſeyn. Huy Geck/ moͤchte mir einer antworten/ Wann du ein Narꝛ biſt/ meynſt du darumb/ andere ſeyens auch? Nein/ das ſag ich nicht/ denn es waͤre zu viel geredt; Aber diß halte ich darvor/ daß einer den Narꝛn beſſer verbirgt als der ander: Es iſt einer drum kein Narꝛ/ wenn er ſchon naͤrꝛiſche Einfaͤll hat/ dann wir haben in der Jugend gemeiniglich alle dergleichen/ welcher aber ſolche herauß laͤſt/ wird vor einen gehalten/ weil theils ihn gar nicht/ andere aber nur halb ſehen laſ- ſen: Welche ihren gar unterdruͤcken/ ſeyn rechte Saurtoͤpff; die aber den Jhrigen nach Gelegenheit der Zeit bißweilen ein wenig mit den Ohren herfuͤr gucken/ und Athem ſchoͤpffen laſſen/ damit er nicht gar bey ihuen erſticke/ dieſelbige halte ich vor die be- ſte und verſtaͤndigſte Leut. Jch lieſſe den meinen nur zu weit herauß/ da ich mich in einem ſo freyen Stand ſahe/ und noch Geld wuſte/ maſſen ich einen Jungen anname/ den ich als einen Edel-Bage kleidete/ und zwar in die naͤrꝛiſchte Farben/ nemlich Veyelbraun und gelb außgemacht/ ſo meine Liberey ſeyn muſte/ weil mirs ſo gefiel; derſelbe muſte mir auffwarten/ als wenn ichein Freyherꝛ/ und kurtz zuvor kein Dra- goner P v

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Zitationshilfe: German Schleifheim von Sulsfort [i. e. Grimmelshausen, Hans Jakob Christoffel von]: Der Abentheurliche Simplicissimus Teutsch. Monpelgart [i. e. Nürnberg], 1669, S. 343. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/grimmelshausen_simplicissimus_1669/349>, abgerufen am 14.11.2018.