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German Schleifheim von Sulsfort [i. e. Grimmelshausen, Hans Jakob Christoffel von]: Der Abentheurliche Simplicissimus Teutsch. Monpelgart [i. e. Nürnberg], 1669.

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Drittes Buch.
drüber war; darvon bekam er von den Schleppsä-
cken ein Hauffen Favor, so mich aber am meisten ko-
steten/ massen ich hierdurch ein ansehenliches ver-
schwendete/ und wol sagen konte: Was mit Trom-
meln gewonnen wird/ gehet mit Pfeiffen wieder da-
hin. Darbey hielte ich meine Sachen so geheim/ daß
mich der hunderte vor keinen Buler halten konte/ ohn
der Pfarrer/ bey welchem ich nit mehr so viel geist-
liche Bücher entlehnte/ als zuvor.

Das XIX. Capitel.

WAnn das Glück einen stürtzen will/ so hebt es ihn
zuvor in alle Höhe/ und der gütige GOtt lässet
auch einen jeden vor seinem Fall so treulich warnen.
Das widerfuhr mir auch/ ich nams aber nicht an!
Jch bielte in meinem gäntzlich darvor/ daß mein da-
maliger Stand so vest gegründet wäre/ daß mich kein
Unglück darvon stürtzen könte/ weil mir jederman/
insonderheit aber der Commandant selbst so wol wol-
te; die jenige/ auff welche er viel hielte/ gewanne ich
mit allerhand Ehrerbietungen/ seine getreue Diener
brachte ich durch Geschenck auff meine Seiten/ und
mit denen/ so etwas mehr als meines gleichen warn/
soffe ich Brüderschafft/ und schwur ihnen ohnver-
brüchliche Treue und Freundschafft; die gemeine
Burger und Soldaten waren mir deßwegen hold/
weil ich jedem freundlich zusprach. Ach was vor ein
freundlicher Mensch/ sagten sie offt zusammen/ ist
doch der Jäger er redt ja mit dem Kind auff der Gas-
sen/ und erzörnt keinen Menschen! Wann ich ein
Häsgen oder etliche Feldhüner fieng/ so schickte ichs
denen in die Küchen/ deren Freundschafft ich suchte/

lude

Drittes Buch.
druͤber war; darvon bekam er von den Schleppſaͤ-
cken ein Hauffen Favor, ſo mich aber am meiſten ko-
ſteten/ maſſen ich hierdurch ein anſehenliches ver-
ſchwendete/ und wol ſagen konte: Was mit Trom-
meln gewonnen wird/ gehet mit Pfeiffen wieder da-
hin. Darbey hielte ich meine Sachen ſo geheim/ daß
mich der hunderte vor keinen Buler halten konte/ ohn
der Pfarꝛer/ bey welchem ich nit mehr ſo viel geiſt-
liche Buͤcher entlehnte/ als zuvor.

Das XIX. Capitel.

WAnn das Gluͤck einen ſtuͤrtzen will/ ſo hebt es ihn
zuvor in alle Hoͤhe/ und der guͤtige GOtt laͤſſet
auch einen jeden vor ſeinem Fall ſo treulich warnen.
Das widerfuhr mir auch/ ich nams aber nicht an!
Jch bielte in meinem gaͤntzlich darvor/ daß mein da-
maliger Stand ſo veſt gegruͤndet waͤre/ daß mich kein
Ungluͤck darvon ſtuͤrtzen koͤnte/ weil mir jederman/
inſonderheit aber der Commandant ſelbſt ſo wol wol-
te; die jenige/ auff welche er viel hielte/ gewanne ich
mit allerhand Ehrerbietungen/ ſeine getreue Diener
brachte ich durch Geſchenck auff meine Seiten/ und
mit denen/ ſo etwas mehr als meines gleichen warn/
ſoffe ich Bruͤderſchafft/ und ſchwur ihnen ohnver-
bruͤchliche Treue und Freundſchafft; die gemeine
Burger und Soldaten waren mir deßwegen hold/
weil ich jedem freundlich zuſprach. Ach was vor ein
freundlicher Menſch/ ſagten ſie offt zuſammen/ iſt
doch der Jaͤger er redt ja mit dem Kind auff der Gaſ-
ſen/ und erzoͤrnt keinen Menſchen! Wann ich ein
Haͤſgen oder etliche Feldhuͤner fieng/ ſo ſchickte ichs
denen in die Kuͤchen/ deren Freundſchafft ich ſuchte/

lude
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[351/0357] Drittes Buch. druͤber war; darvon bekam er von den Schleppſaͤ- cken ein Hauffen Favor, ſo mich aber am meiſten ko- ſteten/ maſſen ich hierdurch ein anſehenliches ver- ſchwendete/ und wol ſagen konte: Was mit Trom- meln gewonnen wird/ gehet mit Pfeiffen wieder da- hin. Darbey hielte ich meine Sachen ſo geheim/ daß mich der hunderte vor keinen Buler halten konte/ ohn der Pfarꝛer/ bey welchem ich nit mehr ſo viel geiſt- liche Buͤcher entlehnte/ als zuvor. Das XIX. Capitel. WAnn das Gluͤck einen ſtuͤrtzen will/ ſo hebt es ihn zuvor in alle Hoͤhe/ und der guͤtige GOtt laͤſſet auch einen jeden vor ſeinem Fall ſo treulich warnen. Das widerfuhr mir auch/ ich nams aber nicht an! Jch bielte in meinem gaͤntzlich darvor/ daß mein da- maliger Stand ſo veſt gegruͤndet waͤre/ daß mich kein Ungluͤck darvon ſtuͤrtzen koͤnte/ weil mir jederman/ inſonderheit aber der Commandant ſelbſt ſo wol wol- te; die jenige/ auff welche er viel hielte/ gewanne ich mit allerhand Ehrerbietungen/ ſeine getreue Diener brachte ich durch Geſchenck auff meine Seiten/ und mit denen/ ſo etwas mehr als meines gleichen warn/ ſoffe ich Bruͤderſchafft/ und ſchwur ihnen ohnver- bruͤchliche Treue und Freundſchafft; die gemeine Burger und Soldaten waren mir deßwegen hold/ weil ich jedem freundlich zuſprach. Ach was vor ein freundlicher Menſch/ ſagten ſie offt zuſammen/ iſt doch der Jaͤger er redt ja mit dem Kind auff der Gaſ- ſen/ und erzoͤrnt keinen Menſchen! Wann ich ein Haͤſgen oder etliche Feldhuͤner fieng/ ſo ſchickte ichs denen in die Kuͤchen/ deren Freundſchafft ich ſuchte/ lude

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Zitationshilfe: German Schleifheim von Sulsfort [i. e. Grimmelshausen, Hans Jakob Christoffel von]: Der Abentheurliche Simplicissimus Teutsch. Monpelgart [i. e. Nürnberg], 1669, S. 351. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/grimmelshausen_simplicissimus_1669/357>, abgerufen am 24.02.2019.