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German Schleifheim von Sulsfort [i. e. Grimmelshausen, Hans Jakob Christoffel von]: Der Abentheurliche Simplicissimus Teutsch. Monpelgart [i. e. Nürnberg], 1669.

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Deß Abentheurl. Simplicissimi
und seiner Tochter/ wir solten sich in Ewigkeit vor
seinen Augen nicht mehr sehen lassen. Jch aber/ als
ich mich wieder erholt/ und den Degen auch an der
Seiten hatte/ antwortet gleichsam im Schertz: Jch
weiß nicht/ Herr Schwehrvatter/ warumb er alles
so widersinns anstellt/ wenn andere neue Eheleut co-
puli
rt werden/ so führen sie die nächste Verwandte
schlaffen/ er aber jagt mich nach der Copulation nit
allein auß dem Bett/ sondern auch gar auß dem Hauß/
und an statt deß Glücks/ das er mir in Ebestand wün-
schen solte/ will er mich nicht so glückseelig wissen/
meines Schwehers Angesicht zu sehen/ und ihm zu
dienen; Warlich/ wenn dieser Brauch auffkommen
solte/ so würden die Verebelichungen wenig Freund-
schafft mehr in der Welt stifften.

Das XXII. Capitel.

DJe Leut in meinem Losament verwunderten sich
alle/ da ich diese Jungfer mit mir heim brachte/
und noch vielmehr/ da sie sahen/ daß sie so ungescheut
mit mir schlaffen gieng; dann ob mir zwar dieser
Poß/ so mir widerfahren/ grandige Grillen in Kopff
brachte/ so war ich doch so närrisch nit/ meine Braut
zu verschmähen; ich hatte zwar die Liebste im Arm/
hingegen aber tausenderley Gedancken im Kopff/ wie
ich mein Sach heben und legen wolte; bald gedacht
ich/ es ist dir recht geschehen/ und bald vermeynt ich/
es wäre mir der allergröste Schimpff von der Welt
widerfahren/ welchen ich ohne billiche Rach mit Eh-
ren nicht verschmirtzen könte: Wann ich aber besan-
ne/ daß solche Rach wider meinen Schwebrvatter/
und also auch wider meine unschuldige fromme Liebste

lauffen

Deß Abentheurl. Simpliciſſimi
und ſeiner Tochter/ wir ſolten ſich in Ewigkeit vor
ſeinen Augen nicht mehr ſehen laſſen. Jch aber/ als
ich mich wieder erholt/ und den Degen auch an der
Seiten hatte/ antwortet gleichſam im Schertz: Jch
weiß nicht/ Herꝛ Schwehrvatter/ warumb er alles
ſo widerſinns anſtellt/ wenn andere neue Eheleut co-
puli
rt werden/ ſo fuͤhren ſie die naͤchſte Verwandte
ſchlaffen/ er aber jagt mich nach der Copulation nit
allein auß dem Bett/ ſondern auch gar auß dem Hauß/
und an ſtatt deß Gluͤcks/ das er mir in Ebeſtand wuͤn-
ſchen ſolte/ will er mich nicht ſo gluͤckſeelig wiſſen/
meines Schwehers Angeſicht zu ſehen/ und ihm zu
dienen; Warlich/ wenn dieſer Brauch auffkommen
ſolte/ ſo wuͤrden die Verebelichungen wenig Freund-
ſchafft mehr in der Welt ſtifften.

Das XXII. Capitel.

DJe Leut in meinem Loſament verwunderten ſich
alle/ da ich dieſe Jungfer mit mir heim brachte/
und noch vielmehr/ da ſie ſahen/ daß ſie ſo ungeſcheut
mit mir ſchlaffen gieng; dann ob mir zwar dieſer
Poß/ ſo mir widerfahren/ grandige Grillen in Kopff
brachte/ ſo war ich doch ſo naͤrꝛiſch nit/ meine Braut
zu verſchmaͤhen; ich hatte zwar die Liebſte im Arm/
hingegen aber tauſenderley Gedancken im Kopff/ wie
ich mein Sach heben und legen wolte; bald gedacht
ich/ es iſt dir recht geſchehen/ und bald vermeynt ich/
es waͤre mir der allergroͤſte Schimpff von der Welt
widerfahren/ welchen ich ohne billiche Rach mit Eh-
ren nicht verſchmirtzen koͤnte: Wann ich aber beſan-
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und alſo auch wider meine unſchuldige from̃e Liebſte

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[366/0372] Deß Abentheurl. Simpliciſſimi und ſeiner Tochter/ wir ſolten ſich in Ewigkeit vor ſeinen Augen nicht mehr ſehen laſſen. Jch aber/ als ich mich wieder erholt/ und den Degen auch an der Seiten hatte/ antwortet gleichſam im Schertz: Jch weiß nicht/ Herꝛ Schwehrvatter/ warumb er alles ſo widerſinns anſtellt/ wenn andere neue Eheleut co- pulirt werden/ ſo fuͤhren ſie die naͤchſte Verwandte ſchlaffen/ er aber jagt mich nach der Copulation nit allein auß dem Bett/ ſondern auch gar auß dem Hauß/ und an ſtatt deß Gluͤcks/ das er mir in Ebeſtand wuͤn- ſchen ſolte/ will er mich nicht ſo gluͤckſeelig wiſſen/ meines Schwehers Angeſicht zu ſehen/ und ihm zu dienen; Warlich/ wenn dieſer Brauch auffkommen ſolte/ ſo wuͤrden die Verebelichungen wenig Freund- ſchafft mehr in der Welt ſtifften. Das XXII. Capitel. DJe Leut in meinem Loſament verwunderten ſich alle/ da ich dieſe Jungfer mit mir heim brachte/ und noch vielmehr/ da ſie ſahen/ daß ſie ſo ungeſcheut mit mir ſchlaffen gieng; dann ob mir zwar dieſer Poß/ ſo mir widerfahren/ grandige Grillen in Kopff brachte/ ſo war ich doch ſo naͤrꝛiſch nit/ meine Braut zu verſchmaͤhen; ich hatte zwar die Liebſte im Arm/ hingegen aber tauſenderley Gedancken im Kopff/ wie ich mein Sach heben und legen wolte; bald gedacht ich/ es iſt dir recht geſchehen/ und bald vermeynt ich/ es waͤre mir der allergroͤſte Schimpff von der Welt widerfahren/ welchen ich ohne billiche Rach mit Eh- ren nicht verſchmirtzen koͤnte: Wann ich aber beſan- ne/ daß ſolche Rach wider meinen Schwebrvatter/ und alſo auch wider meine unſchuldige from̃e Liebſte lauffen

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Zitationshilfe: German Schleifheim von Sulsfort [i. e. Grimmelshausen, Hans Jakob Christoffel von]: Der Abentheurliche Simplicissimus Teutsch. Monpelgart [i. e. Nürnberg], 1669, S. 366. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/grimmelshausen_simplicissimus_1669/372>, abgerufen am 10.08.2020.