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German Schleifheim von Sulsfort [i. e. Grimmelshausen, Hans Jakob Christoffel von]: Der Abentheurliche Simplicissimus Teutsch. Monpelgart [i. e. Nürnberg], 1669.

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Deß Abentheurl. Simplicissimi

Der Doctor sagte/ es sey geschehen auß was vor
einer Ursach es wolle/ so laß ich wol gelten/ daß die
Sach so angestellt worden/ daß er hier bleiben muß;
Er lasse sich aber das nicht irren/ ich will ihm schon
wieder mit guter Gelegenheit nach Teutschland ver-
helffen/ er schreibe ihm nur/ daß er den Schatz wol
beobachte/ sonst werde er scharffe Rechenschafft da-
rumb geben müssen. Diß gibt mir einen Argwohn/
daß es ein angestellter Handel sey/ weil der jenige/ so
sich vor den Creditor dargeben/ eners Kostherrn und
seines hiesigen Correspondenten sehr guter Freund
ist/ und ich will glauben/ daß ihr die Obligation,
Krafft deren er die Pferd angepackt und verkaufft
hat/ jetzt erst mit euch gebracht habt.

Das II. Capitel.

MOnsigneur Canard, so hieß mein neuer Herr/ er-
botte sich/ mir mit Rath und That beholffen zu
seyn/ damit ich deß Meinigen zu Cöln nicht verlu-
stigt würde/ dann er sahe wol/ daß ich traurig war.
So bald er mich in seine Wohnung brachte/ begehr-
te er/ ich wolte ihm erzehlen/ wie meine Sachen be-
schaffen wären/ damit er sich drein finden/ und Rath-
schläg ersinnen könte/ wie mir am besten zu helffen
seye. Jch gedachte wol/ daß ich nicht viel gülte/ wenn
ich mein Herkommen öffnen solte/ gab mich derhal-
ben vor einen armen Teutschen Edelmann auß/ der
weder Vatter noch Mutter/ sondern nur noch etliche
Verwandte in einer Vestung hätte/ darin Schwedi-
sche Guarnison lege. Welches ich aber vor meinem
Kost-Herrn und beyden von Adel/ als welche Käis.
Partey hielten/ verborgen halten müssen/ damit sie

das
Deß Abentheurl. Simpliciſſimi

Der Doctor ſagte/ es ſey geſchehen auß was vor
einer Urſach es wolle/ ſo laß ich wol gelten/ daß die
Sach ſo angeſtellt worden/ daß er hier bleiben muß;
Er laſſe ſich aber das nicht irꝛen/ ich will ihm ſchon
wieder mit guter Gelegenheit nach Teutſchland ver-
helffen/ er ſchreibe ihm nur/ daß er den Schatz wol
beobachte/ ſonſt werde er ſcharffe Rechenſchafft da-
rumb geben muͤſſen. Diß gibt mir einen Argwohn/
daß es ein angeſtellter Handel ſey/ weil der jenige/ ſo
ſich vor den Creditor dargeben/ eners Koſtherꝛn und
ſeines hieſigen Correſpondenten ſehr guter Freund
iſt/ und ich will glauben/ daß ihr die Obligation,
Krafft deren er die Pferd angepackt und verkaufft
hat/ jetzt erſt mit euch gebracht habt.

Das II. Capitel.

MOnſigneur Canard, ſo hieß mein neuer Herꝛ/ er-
botte ſich/ mir mit Rath und That beholffen zu
ſeyn/ damit ich deß Meinigen zu Coͤln nicht verlu-
ſtigt wuͤrde/ dann er ſahe wol/ daß ich traurig war.
So bald er mich in ſeine Wohnung brachte/ begehr-
te er/ ich wolte ihm erzehlen/ wie meine Sachen be-
ſchaffen waͤren/ damit er ſich drein finden/ und Rath-
ſchlaͤg erſinnen koͤnte/ wie mir am beſten zu helffen
ſeye. Jch gedachte wol/ daß ich nicht viel guͤlte/ weñ
ich mein Herkommen oͤffnen ſolte/ gab mich derhal-
ben vor einen armen Teutſchen Edelmann auß/ der
weder Vatter noch Mutter/ ſondern nur noch etliche
Verwandte in einer Veſtung haͤtte/ darin Schwedi-
ſche Guarniſon lege. Welches ich aber vor meinem
Koſt-Herꝛn und beyden von Adel/ als welche Kaͤiſ.
Partey hielten/ verborgen halten muͤſſen/ damit ſie

das
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[390/0396] Deß Abentheurl. Simpliciſſimi Der Doctor ſagte/ es ſey geſchehen auß was vor einer Urſach es wolle/ ſo laß ich wol gelten/ daß die Sach ſo angeſtellt worden/ daß er hier bleiben muß; Er laſſe ſich aber das nicht irꝛen/ ich will ihm ſchon wieder mit guter Gelegenheit nach Teutſchland ver- helffen/ er ſchreibe ihm nur/ daß er den Schatz wol beobachte/ ſonſt werde er ſcharffe Rechenſchafft da- rumb geben muͤſſen. Diß gibt mir einen Argwohn/ daß es ein angeſtellter Handel ſey/ weil der jenige/ ſo ſich vor den Creditor dargeben/ eners Koſtherꝛn und ſeines hieſigen Correſpondenten ſehr guter Freund iſt/ und ich will glauben/ daß ihr die Obligation, Krafft deren er die Pferd angepackt und verkaufft hat/ jetzt erſt mit euch gebracht habt. Das II. Capitel. MOnſigneur Canard, ſo hieß mein neuer Herꝛ/ er- botte ſich/ mir mit Rath und That beholffen zu ſeyn/ damit ich deß Meinigen zu Coͤln nicht verlu- ſtigt wuͤrde/ dann er ſahe wol/ daß ich traurig war. So bald er mich in ſeine Wohnung brachte/ begehr- te er/ ich wolte ihm erzehlen/ wie meine Sachen be- ſchaffen waͤren/ damit er ſich drein finden/ und Rath- ſchlaͤg erſinnen koͤnte/ wie mir am beſten zu helffen ſeye. Jch gedachte wol/ daß ich nicht viel guͤlte/ weñ ich mein Herkommen oͤffnen ſolte/ gab mich derhal- ben vor einen armen Teutſchen Edelmann auß/ der weder Vatter noch Mutter/ ſondern nur noch etliche Verwandte in einer Veſtung haͤtte/ darin Schwedi- ſche Guarniſon lege. Welches ich aber vor meinem Koſt-Herꝛn und beyden von Adel/ als welche Kaͤiſ. Partey hielten/ verborgen halten muͤſſen/ damit ſie das

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Zitationshilfe: German Schleifheim von Sulsfort [i. e. Grimmelshausen, Hans Jakob Christoffel von]: Der Abentheurliche Simplicissimus Teutsch. Monpelgart [i. e. Nürnberg], 1669, S. 390. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/grimmelshausen_simplicissimus_1669/396>, abgerufen am 17.11.2018.