Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Grimmelshausen, Hans Jakob Christoffel von: Trutz Simplex. Utopia [i. e. Nürnberg], 1670.

Bild:
<< vorherige Seite

so groß darvon/ daß ich bey nahe alle Mo-
nat einen Wexel von 1000. Cronen nach
Prag zu übermachen hatte/ und litte samt
den Meinigen doch niemahls keinen Man-
gel; dann ich beflisse mich dahin/ daß mein
Mutter mein Spring-ins-felt/ mein übrig
Gesind und vornemlich meine Pferde/ zu
jederzeit ihr Essen/ Trincken/ Kleid und
Fütterung hatten/ und hätte ich gleich selbst
Hunger leiden/ nackend gehen/ und Tag
und Nacht unter dem freyen Himmel mich
behelffen sollen; hingegen aber musten sie
sich auch befleissen einzutragen/ und in sol-
cher Arbeit weder Tag noch Nacht zu fey-
ern/ und solten sie Halß und Kopff darüber
verlohren haben.

Das XVII. Capitel.

Was der Courage vor ein lächerli-
cher Poß widerfuhre/ und wie sie sich
deßwegen wieder rächete.

SChaue mein Simplice! also war ich be-
reits deines Cammerrathen Spring-
ins-felds Matresse und Lehrmeisterin/ da du
villeicht deinem Knan noch der Schwein

hüte-

ſo groß darvon/ daß ich bey nahe alle Mo-
nat einen Wexel von 1000. Cronen nach
Prag zu uͤbermachen hatte/ und litte ſamt
den Meinigen doch niemahls keinen Man-
gel; dann ich befliſſe mich dahin/ daß mein
Mutter mein Spring-ins-felt/ mein uͤbrig
Geſind und vornemlich meine Pferde/ zu
jederzeit ihr Eſſen/ Trincken/ Kleid und
Fuͤtterung hatten/ und haͤtte ich gleich ſelbſt
Hunger leiden/ nackend gehen/ und Tag
und Nacht unter dem freyen Himmel mich
behelffen ſollen; hingegen aber muſten ſie
ſich auch befleiſſen einzutragen/ und in ſol-
cher Arbeit weder Tag noch Nacht zu fey-
ern/ und ſolten ſie Halß und Kopff daruͤber
verlohren haben.

Das XVII. Capitel.

Was der Courage vor ein laͤcherli-
cher Poß widerfuhre/ und wie ſie ſich
deßwegen wieder raͤchete.

SChaue mein Simplice! alſo war ich be-
reits deines Cammerrathen Spring-
ins-felds Matreſſe und Lehrmeiſterin/ da du
villeicht deinem Knan noch der Schwein

huͤte-
<TEI xml:id="dtabf">
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0158" n="156"/>
&#x017F;o groß darvon/ daß ich bey nahe alle Mo-<lb/>
nat einen Wexel von 1000. Cronen nach<lb/>
Prag zu u&#x0364;bermachen hatte/ und litte &#x017F;amt<lb/>
den Meinigen doch niemahls keinen Man-<lb/>
gel; dann ich befli&#x017F;&#x017F;e mich dahin/ daß mein<lb/>
Mutter mein Spring-ins-felt/ mein u&#x0364;brig<lb/>
Ge&#x017F;ind und vornemlich meine Pferde/ zu<lb/>
jederzeit ihr E&#x017F;&#x017F;en/ Trincken/ Kleid und<lb/>
Fu&#x0364;tterung hatten/ und ha&#x0364;tte ich gleich &#x017F;elb&#x017F;t<lb/>
Hunger leiden/ nackend gehen/ und Tag<lb/>
und Nacht unter dem freyen Himmel mich<lb/>
behelffen &#x017F;ollen; hingegen aber mu&#x017F;ten &#x017F;ie<lb/>
&#x017F;ich auch beflei&#x017F;&#x017F;en einzutragen/ und in &#x017F;ol-<lb/>
cher Arbeit weder Tag noch Nacht zu fey-<lb/>
ern/ und &#x017F;olten &#x017F;ie Halß und Kopff daru&#x0364;ber<lb/>
verlohren haben.</p>
      </div><lb/>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#fr">Das</hi> <hi rendition="#aq">XVII.</hi> <hi rendition="#fr">Capitel.</hi> </head><lb/>
        <argument>
          <p> <hi rendition="#c"><hi rendition="#fr">Was der</hi><hi rendition="#aq">Courage</hi><hi rendition="#fr">vor ein la&#x0364;cherli-</hi><lb/>
cher Poß widerfuhre/ und wie &#x017F;ie &#x017F;ich<lb/>
deßwegen wieder ra&#x0364;chete.</hi> </p>
        </argument><lb/>
        <p><hi rendition="#in">S</hi>Chaue mein <hi rendition="#aq">Simplice!</hi> al&#x017F;o war ich be-<lb/>
reits deines Cammerrathen Spring-<lb/>
ins-felds Matre&#x017F;&#x017F;e und Lehrmei&#x017F;terin/ da du<lb/>
villeicht deinem Knan noch der Schwein<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">hu&#x0364;te-</fw><lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[156/0158] ſo groß darvon/ daß ich bey nahe alle Mo- nat einen Wexel von 1000. Cronen nach Prag zu uͤbermachen hatte/ und litte ſamt den Meinigen doch niemahls keinen Man- gel; dann ich befliſſe mich dahin/ daß mein Mutter mein Spring-ins-felt/ mein uͤbrig Geſind und vornemlich meine Pferde/ zu jederzeit ihr Eſſen/ Trincken/ Kleid und Fuͤtterung hatten/ und haͤtte ich gleich ſelbſt Hunger leiden/ nackend gehen/ und Tag und Nacht unter dem freyen Himmel mich behelffen ſollen; hingegen aber muſten ſie ſich auch befleiſſen einzutragen/ und in ſol- cher Arbeit weder Tag noch Nacht zu fey- ern/ und ſolten ſie Halß und Kopff daruͤber verlohren haben. Das XVII. Capitel. Was der Courage vor ein laͤcherli- cher Poß widerfuhre/ und wie ſie ſich deßwegen wieder raͤchete. SChaue mein Simplice! alſo war ich be- reits deines Cammerrathen Spring- ins-felds Matreſſe und Lehrmeiſterin/ da du villeicht deinem Knan noch der Schwein huͤte-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/grimmelshausen_trutzsimplex_1670
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/grimmelshausen_trutzsimplex_1670/158
Zitationshilfe: Grimmelshausen, Hans Jakob Christoffel von: Trutz Simplex. Utopia [i. e. Nürnberg], 1670, S. 156. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/grimmelshausen_trutzsimplex_1670/158>, abgerufen am 17.01.2019.