Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Günther, Karl Gottlob: Europäisches Völkerrecht in Friedenszeiten nach Vernunft, Verträgen und Herkommen, mit Anwendung auf die teutschen Reichsstände. Bd. 1. Altenburg, 1787.

Bild:
<< vorherige Seite
und den europäischen insbesondere.
Ulr. Obrecht [resp. Jo. Geo. Kulpis] diss. de vnitate
reipublicae in S. R. I. Argent
1676. 1705. 4.
§. 11.
Grosbritannien.

In Britannien befanden sich ehemals viele kleine von
einander unabhängige Staaten, welche nach langen Krie-
gen sämtlich der Römer Herschaft erkennen musten; Bey
dem Verfall des römischen Reichs im fünften Jahrhun-
dert ward diese Provinz 426 von den Römern verlassen
und eine Beute der Schotten und Picten. Unvermögend
sich selbst gegen dieselben zu schützen wurden von den Brit-
ten die Sachsen und Angeln 449 aus Teutschland zu
Hülfe gerufen, die, nach Unterdrückung der alten Ein-
wohner, sieben besondere Königreiche daselbst errichteten.
Diese brachte König Egbert von Westsex 818 unter seine
Herschaft zusammen, und sie erhielten den Namen Eng-
land
. Edred, Eduards I. dritter Sohn, nimt in der
Mitte des zehnten Jahrhunderts zuerst den königlichen
Titel davon an. Heinrich II. ein Sohn des Grafen von
Anjou, Gottfried Plantagenet erobert, mit päpstlicher
Vergünstigung 1172 die Insel Irland, davon König
Heinrich VIII. erst 1542 den Titel eines Königs sich
beilegt. Nach dem Tode der Königin Elisabeth komt
England 1603 an Jakob Stuart König von Schottland
als nächsten Erben, wodurch der Grund zur Verbindung
dieser beiden Reiche gelegt wird. Jedoch erfolgte die
völlige Vereinigung in einen Staatskörper, unter der
Benennung von Grosbritannien, nach mancherley
Revolutionen, erst unter der Königin Anna durch den
Unionstractat vom 6. Aug. 1706 a]. Die Einverleibung
Irlands ist bisher vergeblich versucht worden: Es ist
vielmehr nach den neusten Staatsverhandlungen, ein

abge-
und den europaͤiſchen insbeſondere.
Ulr. Obrecht [resp. Jo. Geo. Kulpis] diſſ. de vnitate
reipublicae in S. R. I. Argent
1676. 1705. 4.
§. 11.
Grosbritannien.

In Britannien befanden ſich ehemals viele kleine von
einander unabhaͤngige Staaten, welche nach langen Krie-
gen ſaͤmtlich der Roͤmer Herſchaft erkennen muſten; Bey
dem Verfall des roͤmiſchen Reichs im fuͤnften Jahrhun-
dert ward dieſe Provinz 426 von den Roͤmern verlaſſen
und eine Beute der Schotten und Picten. Unvermoͤgend
ſich ſelbſt gegen dieſelben zu ſchuͤtzen wurden von den Brit-
ten die Sachſen und Angeln 449 aus Teutſchland zu
Huͤlfe gerufen, die, nach Unterdruͤckung der alten Ein-
wohner, ſieben beſondere Koͤnigreiche daſelbſt errichteten.
Dieſe brachte Koͤnig Egbert von Weſtſex 818 unter ſeine
Herſchaft zuſammen, und ſie erhielten den Namen Eng-
land
. Edred, Eduards I. dritter Sohn, nimt in der
Mitte des zehnten Jahrhunderts zuerſt den koͤniglichen
Titel davon an. Heinrich II. ein Sohn des Grafen von
Anjou, Gottfried Plantagenet erobert, mit paͤpſtlicher
Verguͤnſtigung 1172 die Inſel Irland, davon Koͤnig
Heinrich VIII. erſt 1542 den Titel eines Koͤnigs ſich
beilegt. Nach dem Tode der Koͤnigin Eliſabeth komt
England 1603 an Jakob Stuart Koͤnig von Schottland
als naͤchſten Erben, wodurch der Grund zur Verbindung
dieſer beiden Reiche gelegt wird. Jedoch erfolgte die
voͤllige Vereinigung in einen Staatskoͤrper, unter der
Benennung von Grosbritannien, nach mancherley
Revolutionen, erſt unter der Koͤnigin Anna durch den
Unionstractat vom 6. Aug. 1706 a]. Die Einverleibung
Irlands iſt bisher vergeblich verſucht worden: Es iſt
vielmehr nach den neuſten Staatsverhandlungen, ein

abge-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <note place="end" n="*]">
              <pb facs="#f0119" n="93"/>
              <fw place="top" type="header">und den europa&#x0364;i&#x017F;chen insbe&#x017F;ondere.</fw><lb/> <hi rendition="#et"><hi rendition="#aq">Ulr. <hi rendition="#i">Obrecht</hi> [resp. Jo. Geo. <hi rendition="#i">Kulpis</hi>] di&#x017F;&#x017F;. de vnitate<lb/>
reipublicae in S. R. I. Argent</hi> 1676. 1705. 4.</hi> </note>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 11.<lb/><hi rendition="#g">Grosbritannien</hi>.</head><lb/>
            <p>In Britannien befanden &#x017F;ich ehemals viele kleine von<lb/>
einander unabha&#x0364;ngige Staaten, welche nach langen Krie-<lb/>
gen &#x017F;a&#x0364;mtlich der Ro&#x0364;mer Her&#x017F;chaft erkennen mu&#x017F;ten; Bey<lb/>
dem Verfall des ro&#x0364;mi&#x017F;chen Reichs im fu&#x0364;nften Jahrhun-<lb/>
dert ward die&#x017F;e Provinz 426 von den Ro&#x0364;mern verla&#x017F;&#x017F;en<lb/>
und eine Beute der Schotten und Picten. Unvermo&#x0364;gend<lb/>
&#x017F;ich &#x017F;elb&#x017F;t gegen die&#x017F;elben zu &#x017F;chu&#x0364;tzen wurden von den Brit-<lb/>
ten die Sach&#x017F;en und Angeln 449 aus Teut&#x017F;chland zu<lb/>
Hu&#x0364;lfe gerufen, die, nach Unterdru&#x0364;ckung der alten Ein-<lb/>
wohner, &#x017F;ieben be&#x017F;ondere Ko&#x0364;nigreiche da&#x017F;elb&#x017F;t errichteten.<lb/>
Die&#x017F;e brachte Ko&#x0364;nig Egbert von We&#x017F;t&#x017F;ex 818 unter &#x017F;eine<lb/>
Her&#x017F;chaft zu&#x017F;ammen, und &#x017F;ie erhielten den Namen <hi rendition="#fr">Eng-<lb/>
land</hi>. Edred, Eduards <hi rendition="#aq">I.</hi> dritter Sohn, nimt in der<lb/>
Mitte des zehnten Jahrhunderts zuer&#x017F;t den ko&#x0364;niglichen<lb/>
Titel davon an. Heinrich <hi rendition="#aq">II.</hi> ein Sohn des Grafen von<lb/>
Anjou, Gottfried Plantagenet erobert, mit pa&#x0364;p&#x017F;tlicher<lb/>
Vergu&#x0364;n&#x017F;tigung 1172 die In&#x017F;el <hi rendition="#fr">Irland</hi>, davon Ko&#x0364;nig<lb/>
Heinrich <hi rendition="#aq">VIII.</hi> er&#x017F;t 1542 den Titel eines Ko&#x0364;nigs &#x017F;ich<lb/>
beilegt. Nach dem Tode der Ko&#x0364;nigin Eli&#x017F;abeth komt<lb/>
England 1603 an Jakob Stuart Ko&#x0364;nig von Schottland<lb/>
als na&#x0364;ch&#x017F;ten Erben, wodurch der Grund zur Verbindung<lb/>
die&#x017F;er beiden Reiche gelegt wird. Jedoch erfolgte die<lb/>
vo&#x0364;llige Vereinigung in einen Staatsko&#x0364;rper, unter der<lb/>
Benennung von <hi rendition="#fr">Grosbritannien</hi>, nach mancherley<lb/>
Revolutionen, er&#x017F;t unter der Ko&#x0364;nigin Anna durch den<lb/>
Unionstractat vom 6. Aug. 1706 <hi rendition="#aq"><hi rendition="#sup">a</hi></hi>]. Die Einverleibung<lb/><hi rendition="#fr">Irlands</hi> i&#x017F;t bisher vergeblich ver&#x017F;ucht worden: Es i&#x017F;t<lb/>
vielmehr nach den neu&#x017F;ten Staatsverhandlungen, ein<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">abge-</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[93/0119] und den europaͤiſchen insbeſondere. *] Ulr. Obrecht [resp. Jo. Geo. Kulpis] diſſ. de vnitate reipublicae in S. R. I. Argent 1676. 1705. 4. §. 11. Grosbritannien. In Britannien befanden ſich ehemals viele kleine von einander unabhaͤngige Staaten, welche nach langen Krie- gen ſaͤmtlich der Roͤmer Herſchaft erkennen muſten; Bey dem Verfall des roͤmiſchen Reichs im fuͤnften Jahrhun- dert ward dieſe Provinz 426 von den Roͤmern verlaſſen und eine Beute der Schotten und Picten. Unvermoͤgend ſich ſelbſt gegen dieſelben zu ſchuͤtzen wurden von den Brit- ten die Sachſen und Angeln 449 aus Teutſchland zu Huͤlfe gerufen, die, nach Unterdruͤckung der alten Ein- wohner, ſieben beſondere Koͤnigreiche daſelbſt errichteten. Dieſe brachte Koͤnig Egbert von Weſtſex 818 unter ſeine Herſchaft zuſammen, und ſie erhielten den Namen Eng- land. Edred, Eduards I. dritter Sohn, nimt in der Mitte des zehnten Jahrhunderts zuerſt den koͤniglichen Titel davon an. Heinrich II. ein Sohn des Grafen von Anjou, Gottfried Plantagenet erobert, mit paͤpſtlicher Verguͤnſtigung 1172 die Inſel Irland, davon Koͤnig Heinrich VIII. erſt 1542 den Titel eines Koͤnigs ſich beilegt. Nach dem Tode der Koͤnigin Eliſabeth komt England 1603 an Jakob Stuart Koͤnig von Schottland als naͤchſten Erben, wodurch der Grund zur Verbindung dieſer beiden Reiche gelegt wird. Jedoch erfolgte die voͤllige Vereinigung in einen Staatskoͤrper, unter der Benennung von Grosbritannien, nach mancherley Revolutionen, erſt unter der Koͤnigin Anna durch den Unionstractat vom 6. Aug. 1706 a]. Die Einverleibung Irlands iſt bisher vergeblich verſucht worden: Es iſt vielmehr nach den neuſten Staatsverhandlungen, ein abge-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/guenther_voelkerrecht01_1787
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/guenther_voelkerrecht01_1787/119
Zitationshilfe: Günther, Karl Gottlob: Europäisches Völkerrecht in Friedenszeiten nach Vernunft, Verträgen und Herkommen, mit Anwendung auf die teutschen Reichsstände. Bd. 1. Altenburg, 1787, S. 93. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/guenther_voelkerrecht01_1787/119>, abgerufen am 23.05.2019.