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Guts Muths, Johann Christoph Friedrich: Spiele zur Übung und Erholung des Körpers und Geistes. Schnepfenthal, 1796.

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40. Die Jagd.

Der Knabe ahmt gern die Beschäfftigung des
Mannes nach; denn er mögte gern recht bald
ein Mann seyn. Daher haben die Belustigungen
des Mannes für ihn den grössten Reiz: und
wahrlich der Knabe, welcher nicht schon im Kin-
derröckchen auf jedes Pferd zu klettern wünscht,
verräth nicht die grösste Anlage zum Manne in
bester Form. Möchten wir doch recht viel sol-
cher Spiele haben; welche das Vorspiel von der
künftigen Beschäfftigung des Mannes, ich mei-
ne die das im Spasse wären, was einst der Mann
im Ernste seyn muss. -- Hiermit habe ich das
folgende einfache aber lustige Spiel, eine Nach-
ahmung der Jagd, genug empfohlen.

Am schönsten lässt es sich in einer Gegend
spielen, die mit Bäumen, Gebüschen, Holwe-
gen, Hügeln und dergleichen abwechselt, weil
hier das Verbergen leicht ist. Man bestimmt
hier die Gränzen des Jagdreviers, wie es die Ge-
legenheit an die Hand giebt, hier durch einen
Bach oder Weg, dort durch eine Hecke, einen
Berg u. dergl. Man kann es, wenn Platz ge-
nug da ist, eine gute Viertelstunde lang und ei-
nige 100 Schritt breit machen. Alles diess müs-
sen die örtlichen Umstände an die Hand geben;

40. Die Jagd.

Der Knabe ahmt gern die Beſchäfftigung des
Mannes nach; denn er mögte gern recht bald
ein Mann ſeyn. Daher haben die Beluſtigungen
des Mannes für ihn den gröſsten Reiz: und
wahrlich der Knabe, welcher nicht ſchon im Kin-
derröckchen auf jedes Pferd zu klettern wünſcht,
verräth nicht die gröſste Anlage zum Manne in
beſter Form. Möchten wir doch recht viel ſol-
cher Spiele haben; welche das Vorſpiel von der
künftigen Beſchäfftigung des Mannes, ich mei-
ne die das im Spaſse wären, was einſt der Mann
im Ernſte ſeyn muſs. — Hiermit habe ich das
folgende einfache aber luſtige Spiel, eine Nach-
ahmung der Jagd, genug empfohlen.

Am ſchönſten läſst es ſich in einer Gegend
ſpielen, die mit Bäumen, Gebüſchen, Holwe-
gen, Hügeln und dergleichen abwechſelt, weil
hier das Verbergen leicht iſt. Man beſtimmt
hier die Gränzen des Jagdreviers, wie es die Ge-
legenheit an die Hand giebt, hier durch einen
Bach oder Weg, dort durch eine Hecke, einen
Berg u. dergl. Man kann es, wenn Platz ge-
nug da iſt, eine gute Viertelſtunde lang und ei-
nige 100 Schritt breit machen. Alles dieſs müſ-
ſen die örtlichen Umſtände an die Hand geben;

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[239/0271] 40. Die Jagd. Der Knabe ahmt gern die Beſchäfftigung des Mannes nach; denn er mögte gern recht bald ein Mann ſeyn. Daher haben die Beluſtigungen des Mannes für ihn den gröſsten Reiz: und wahrlich der Knabe, welcher nicht ſchon im Kin- derröckchen auf jedes Pferd zu klettern wünſcht, verräth nicht die gröſste Anlage zum Manne in beſter Form. Möchten wir doch recht viel ſol- cher Spiele haben; welche das Vorſpiel von der künftigen Beſchäfftigung des Mannes, ich mei- ne die das im Spaſse wären, was einſt der Mann im Ernſte ſeyn muſs. — Hiermit habe ich das folgende einfache aber luſtige Spiel, eine Nach- ahmung der Jagd, genug empfohlen. Am ſchönſten läſst es ſich in einer Gegend ſpielen, die mit Bäumen, Gebüſchen, Holwe- gen, Hügeln und dergleichen abwechſelt, weil hier das Verbergen leicht iſt. Man beſtimmt hier die Gränzen des Jagdreviers, wie es die Ge- legenheit an die Hand giebt, hier durch einen Bach oder Weg, dort durch eine Hecke, einen Berg u. dergl. Man kann es, wenn Platz ge- nug da iſt, eine gute Viertelſtunde lang und ei- nige 100 Schritt breit machen. Alles dieſs müſ- ſen die örtlichen Umſtände an die Hand geben;

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Zitationshilfe: Guts Muths, Johann Christoph Friedrich: Spiele zur Übung und Erholung des Körpers und Geistes. Schnepfenthal, 1796, S. 239. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/gutsmuths_spiele_1796/271>, abgerufen am 17.12.2018.