Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Guts Muths, Johann Christoph Friedrich: Spiele zur Übung und Erholung des Körpers und Geistes. Schnepfenthal, 1796.

Bild:
<< vorherige Seite
a) Gesellschafftsspiele.
59. Wer wars?
oder
die warme Hand.

Der Aufseher sitzt auf einem Stuhle, seine jun-
gen Gesellschafter stehn um ihn her. Man lost
und die dadurch gefundene Person neigt sich mit
dem Gesichte nieder auf den Schoss und in die
Hände des Sitzenden, so dass ihre Augen da-
durch verschlossen sind. Die kleine Blindekuh
legt eine von ihren Händen gutwillig auf den
Rücken und giebt dadurch jedem Umstehenden
das Recht, einen Schlag darauf zu geben. Ge-
wöhnlich schlägt man mit der blossen Hand.
Im Moment des Niederschlagens die schlagende
Hand durchs Gefühl zu beobachten und sich gleich
aufzurichten, ist bey der blinden Kuh eins. Oft
bemerkt sie dann noch die Bewegung dessen,
der ihr den Schlag gab; ist diess nicht der Fall,
so geht sie schnell umher und beobachtet die Ge-
sichter, um daraus auf den Thäter zu schliessen.
-- Man sieht leicht ein, dass dergleichen Ue-
bungen für junge Leute nützlich sind; man kann
nicht früh genug anfangen, Gesichtsveränderun-
gen bemerken zu lernen. -- Endlich giebt sie
einen als Thäter an. Trifft sie ihn wirklich, so
muss dieser an ihre Stelle, im Gegentheil muss

a) Geſellſchafftsſpiele.
59. Wer wars?
oder
die warme Hand.

Der Aufſeher ſitzt auf einem Stuhle, ſeine jun-
gen Geſellſchafter ſtehn um ihn her. Man loſt
und die dadurch gefundene Perſon neigt ſich mit
dem Geſichte nieder auf den Schoſs und in die
Hände des Sitzenden, ſo daſs ihre Augen da-
durch verſchloſſen ſind. Die kleine Blindekuh
legt eine von ihren Händen gutwillig auf den
Rücken und giebt dadurch jedem Umſtehenden
das Recht, einen Schlag darauf zu geben. Ge-
wöhnlich ſchlägt man mit der bloſsen Hand.
Im Moment des Niederſchlagens die ſchlagende
Hand durchs Gefühl zu beobachten und ſich gleich
aufzurichten, iſt bey der blinden Kuh eins. Oft
bemerkt ſie dann noch die Bewegung deſſen,
der ihr den Schlag gab; iſt dieſs nicht der Fall,
ſo geht ſie ſchnell umher und beobachtet die Ge-
ſichter, um daraus auf den Thäter zu ſchlieſsen.
— Man ſieht leicht ein, daſs dergleichen Ue-
bungen für junge Leute nützlich ſind; man kann
nicht früh genug anfangen, Geſichtsveränderun-
gen bemerken zu lernen. — Endlich giebt ſie
einen als Thäter an. Trifft ſie ihn wirklich, ſo
muſs dieſer an ihre Stelle, im Gegentheil muſs

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0320" n="288"/>
          <div n="3">
            <head><hi rendition="#i">a</hi>) <hi rendition="#i"><hi rendition="#g">Ge&#x017F;ell&#x017F;chaffts&#x017F;piele</hi></hi>.</head><lb/>
            <div n="4">
              <head>59. Wer wars?<lb/>
oder<lb/><hi rendition="#g">die warme Hand</hi>.</head><lb/>
              <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
              <p><hi rendition="#in">D</hi>er Auf&#x017F;eher &#x017F;itzt auf einem Stuhle, &#x017F;eine jun-<lb/>
gen Ge&#x017F;ell&#x017F;chafter &#x017F;tehn um ihn her. Man lo&#x017F;t<lb/>
und die dadurch gefundene Per&#x017F;on neigt &#x017F;ich mit<lb/>
dem Ge&#x017F;ichte nieder auf den Scho&#x017F;s und in die<lb/>
Hände des Sitzenden, &#x017F;o da&#x017F;s ihre Augen da-<lb/>
durch ver&#x017F;chlo&#x017F;&#x017F;en &#x017F;ind. Die kleine Blindekuh<lb/>
legt eine von ihren Händen gutwillig auf den<lb/>
Rücken und giebt dadurch jedem Um&#x017F;tehenden<lb/>
das Recht, einen Schlag darauf zu geben. Ge-<lb/>
wöhnlich &#x017F;chlägt man mit der blo&#x017F;sen Hand.<lb/>
Im Moment des Nieder&#x017F;chlagens die &#x017F;chlagende<lb/>
Hand durchs Gefühl zu beobachten und &#x017F;ich gleich<lb/>
aufzurichten, i&#x017F;t bey der blinden Kuh eins. Oft<lb/>
bemerkt &#x017F;ie dann noch die Bewegung de&#x017F;&#x017F;en,<lb/>
der ihr den Schlag gab; i&#x017F;t die&#x017F;s nicht der Fall,<lb/>
&#x017F;o geht &#x017F;ie &#x017F;chnell umher und beobachtet die Ge-<lb/>
&#x017F;ichter, um daraus auf den Thäter zu &#x017F;chlie&#x017F;sen.<lb/>
&#x2014; Man &#x017F;ieht leicht ein, da&#x017F;s dergleichen Ue-<lb/>
bungen für junge Leute nützlich &#x017F;ind; man kann<lb/>
nicht früh genug anfangen, Ge&#x017F;ichtsveränderun-<lb/>
gen bemerken zu lernen. &#x2014; Endlich giebt &#x017F;ie<lb/>
einen als <hi rendition="#i">Thäter</hi> an. Trifft &#x017F;ie ihn wirklich, &#x017F;o<lb/>
mu&#x017F;s <hi rendition="#i">die&#x017F;er</hi> an ihre Stelle, im Gegentheil mu&#x017F;s<lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[288/0320] a) Geſellſchafftsſpiele. 59. Wer wars? oder die warme Hand. Der Aufſeher ſitzt auf einem Stuhle, ſeine jun- gen Geſellſchafter ſtehn um ihn her. Man loſt und die dadurch gefundene Perſon neigt ſich mit dem Geſichte nieder auf den Schoſs und in die Hände des Sitzenden, ſo daſs ihre Augen da- durch verſchloſſen ſind. Die kleine Blindekuh legt eine von ihren Händen gutwillig auf den Rücken und giebt dadurch jedem Umſtehenden das Recht, einen Schlag darauf zu geben. Ge- wöhnlich ſchlägt man mit der bloſsen Hand. Im Moment des Niederſchlagens die ſchlagende Hand durchs Gefühl zu beobachten und ſich gleich aufzurichten, iſt bey der blinden Kuh eins. Oft bemerkt ſie dann noch die Bewegung deſſen, der ihr den Schlag gab; iſt dieſs nicht der Fall, ſo geht ſie ſchnell umher und beobachtet die Ge- ſichter, um daraus auf den Thäter zu ſchlieſsen. — Man ſieht leicht ein, daſs dergleichen Ue- bungen für junge Leute nützlich ſind; man kann nicht früh genug anfangen, Geſichtsveränderun- gen bemerken zu lernen. — Endlich giebt ſie einen als Thäter an. Trifft ſie ihn wirklich, ſo muſs dieſer an ihre Stelle, im Gegentheil muſs

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/gutsmuths_spiele_1796
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/gutsmuths_spiele_1796/320
Zitationshilfe: Guts Muths, Johann Christoph Friedrich: Spiele zur Übung und Erholung des Körpers und Geistes. Schnepfenthal, 1796, S. 288. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/gutsmuths_spiele_1796/320>, abgerufen am 15.10.2019.