Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Guts Muths, Johann Christoph Friedrich: Spiele zur Übung und Erholung des Körpers und Geistes. Schnepfenthal, 1796.

Bild:
<< vorherige Seite
Einleitung.

Über den Begriff des Spiels und über den
moralischen, politischen und pädagogi-
schen Werth der Spiele; über ihre
Wahl, Eigenschaften und Classification.


Als die Langeweile zuerst die Hütten der Men-
schen besuchte, trat das Vergnügen zugleich
herein, bot ihnen die Hand und forderte diese
Naturkinder zum Tanz auf. So entstanden die
natürlichsten, unschuldigsten Spiele, nämlich die
Bewegungsspiele. Die Hütten verwandelten sich
in Palläste, auch hier erschien die Langeweile;
aber man verbat sich die Bewegung, das Vergnü-
gen verband sich den Mund und prasentirte die
Karten.

Langeweile ist immer nur die Veranlassung
zum Spiele; der natürliche Trieb der Thätigkeit
ihr Schöpfer. Die Äuserung dieses Triebes
zeiget sich bey den Spielen, nach dem Grade
der Cultur und der Verfeinerung der Völker und
einzelnen Menschen, bald körperlich, bald gei-

stig
A
Einleitung.

Über den Begriff des Spiels und über den
moraliſchen, politiſchen und pädagogi-
ſchen Werth der Spiele; über ihre
Wahl, Eigenſchaften und Claſſification.


Als die Langeweile zuerſt die Hütten der Men-
ſchen beſuchte, trat das Vergnügen zugleich
herein, bot ihnen die Hand und forderte dieſe
Naturkinder zum Tanz auf. So entſtanden die
natürlichſten, unſchuldigſten Spiele, nämlich die
Bewegungsſpiele. Die Hütten verwandelten ſich
in Palläſte, auch hier erſchien die Langeweile;
aber man verbat ſich die Bewegung, das Vergnü-
gen verband ſich den Mund und praſentirte die
Karten.

Langeweile iſt immer nur die Veranlaſſung
zum Spiele; der natürliche Trieb der Thätigkeit
ihr Schöpfer. Die Äuſerung dieſes Triebes
zeiget ſich bey den Spielen, nach dem Grade
der Cultur und der Verfeinerung der Völker und
einzelnen Menſchen, bald körperlich, bald gei-

ſtig
A
<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0033" n="[1]"/>
      <div n="1">
        <head><hi rendition="#g">Einleitung</hi>.</head><lb/>
        <argument>
          <p>Über den Begriff des Spiels und über den<lb/>
morali&#x017F;chen, politi&#x017F;chen und pädagogi-<lb/>
&#x017F;chen Werth der Spiele; über ihre<lb/>
Wahl, Eigen&#x017F;chaften und Cla&#x017F;&#x017F;ification.</p>
        </argument><lb/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
        <p><hi rendition="#in">A</hi>ls die Langeweile zuer&#x017F;t die Hütten der Men-<lb/>
&#x017F;chen be&#x017F;uchte, trat das Vergnügen zugleich<lb/>
herein, bot ihnen die Hand und forderte die&#x017F;e<lb/>
Naturkinder zum Tanz auf. So ent&#x017F;tanden die<lb/>
natürlich&#x017F;ten, un&#x017F;chuldig&#x017F;ten Spiele, nämlich die<lb/><hi rendition="#i">Bewegungs&#x017F;piele</hi>. Die Hütten verwandelten &#x017F;ich<lb/>
in Pallä&#x017F;te, auch hier er&#x017F;chien die Langeweile;<lb/>
aber man verbat &#x017F;ich die Bewegung, das Vergnü-<lb/>
gen verband &#x017F;ich den Mund und pra&#x017F;entirte die<lb/>
Karten.</p><lb/>
        <p>Langeweile i&#x017F;t immer nur die Veranla&#x017F;&#x017F;ung<lb/>
zum Spiele; der natürliche Trieb der Thätigkeit<lb/>
ihr Schöpfer. Die Äu&#x017F;erung die&#x017F;es Triebes<lb/>
zeiget &#x017F;ich bey den Spielen, nach dem Grade<lb/>
der Cultur und der Verfeinerung der Völker und<lb/>
einzelnen Men&#x017F;chen, bald körperlich, bald gei-<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">A</fw><fw place="bottom" type="catch">&#x017F;tig</fw><lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[1]/0033] Einleitung. Über den Begriff des Spiels und über den moraliſchen, politiſchen und pädagogi- ſchen Werth der Spiele; über ihre Wahl, Eigenſchaften und Claſſification. Als die Langeweile zuerſt die Hütten der Men- ſchen beſuchte, trat das Vergnügen zugleich herein, bot ihnen die Hand und forderte dieſe Naturkinder zum Tanz auf. So entſtanden die natürlichſten, unſchuldigſten Spiele, nämlich die Bewegungsſpiele. Die Hütten verwandelten ſich in Palläſte, auch hier erſchien die Langeweile; aber man verbat ſich die Bewegung, das Vergnü- gen verband ſich den Mund und praſentirte die Karten. Langeweile iſt immer nur die Veranlaſſung zum Spiele; der natürliche Trieb der Thätigkeit ihr Schöpfer. Die Äuſerung dieſes Triebes zeiget ſich bey den Spielen, nach dem Grade der Cultur und der Verfeinerung der Völker und einzelnen Menſchen, bald körperlich, bald gei- ſtig A

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/gutsmuths_spiele_1796
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/gutsmuths_spiele_1796/33
Zitationshilfe: Guts Muths, Johann Christoph Friedrich: Spiele zur Übung und Erholung des Körpers und Geistes. Schnepfenthal, 1796, S. [1]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/gutsmuths_spiele_1796/33>, abgerufen am 17.10.2019.