Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Guts Muths, Johann Christoph Friedrich: Spiele zur Übung und Erholung des Körpers und Geistes. Schnepfenthal, 1796.

Bild:
<< vorherige Seite
b) Einsame oder Solospiele.

Der Mensch ist zur Gesellschaft geschaffen, da-
her stehn einsame Spiele immer im Widerspruch
mit ihm, sind nie so angenehm als die andern;
und wenn sie auch einen starken Grad des Ver-
gnügens gewähren: so werden sie just hierdurch
den Spieler in die Gesellschaft zurück treiben,
denn der Mensch kann schlechterdings nicht
mehr allein seyn, wenn er sehr vergnügt ist. Für
das Drückende der Einsamkeit im strengen Sin-
ne, möchte daher wohl kein Spiel taugen, wenn
es nicht mit einem Grade von Geistesanstren-
gung verbunden ist, der uns unsere ganze Lage
vergessen macht. Allein von solcher Einsamkeit
kann hier die Rede auch nicht seyn; es ist aber
oft der Fall, dass die Jugend an Gesellschaft von
ihres Gleichen Mangel hat, dass Eltern und Er-
zieher am Spiele nicht Theil nehmen können,
und daher im Falle, dass weder Lust noch Ge-
legenheit zu irgend einer andern Beschäfftigung
da ist, Spiele wünschen, wodurch die Kleinen
in ihrer Gegenwart oder Nähe unterhalten wer-
den können. Für diesen Fall giebt es einige Spie-
le, die ich wohl nicht überspringen darf. Ich
rechne hierher

b) Einſame oder Soloſpiele.

Der Menſch iſt zur Geſellſchaft geſchaffen, da-
her ſtehn einſame Spiele immer im Widerſpruch
mit ihm, ſind nie ſo angenehm als die andern;
und wenn ſie auch einen ſtarken Grad des Ver-
gnügens gewähren: ſo werden ſie juſt hierdurch
den Spieler in die Geſellſchaft zurück treiben,
denn der Menſch kann ſchlechterdings nicht
mehr allein ſeyn, wenn er ſehr vergnügt iſt. Für
das Drückende der Einſamkeit im ſtrengen Sin-
ne, möchte daher wohl kein Spiel taugen, wenn
es nicht mit einem Grade von Geiſtesanſtren-
gung verbunden iſt, der uns unſere ganze Lage
vergeſſen macht. Allein von ſolcher Einſamkeit
kann hier die Rede auch nicht ſeyn; es iſt aber
oft der Fall, daſs die Jugend an Geſellſchaft von
ihres Gleichen Mangel hat, daſs Eltern und Er-
zieher am Spiele nicht Theil nehmen können,
und daher im Falle, daſs weder Luſt noch Ge-
legenheit zu irgend einer andern Beſchäfftigung
da iſt, Spiele wünſchen, wodurch die Kleinen
in ihrer Gegenwart oder Nähe unterhalten wer-
den können. Für dieſen Fall giebt es einige Spie-
le, die ich wohl nicht überſpringen darf. Ich
rechne hierher

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0338" n="306"/>
          <div n="3">
            <head><hi rendition="#i">b</hi>) <hi rendition="#i"><hi rendition="#g">Ein&#x017F;ame oder Solo&#x017F;piele</hi></hi>.</head><lb/>
            <p><hi rendition="#in">D</hi>er Men&#x017F;ch i&#x017F;t zur Ge&#x017F;ell&#x017F;chaft ge&#x017F;chaffen, da-<lb/>
her &#x017F;tehn ein&#x017F;ame Spiele immer im Wider&#x017F;pruch<lb/>
mit ihm, &#x017F;ind nie &#x017F;o angenehm als die andern;<lb/>
und wenn &#x017F;ie auch einen &#x017F;tarken Grad des Ver-<lb/>
gnügens gewähren: &#x017F;o werden &#x017F;ie ju&#x017F;t hierdurch<lb/>
den Spieler in die Ge&#x017F;ell&#x017F;chaft zurück treiben,<lb/>
denn der Men&#x017F;ch kann &#x017F;chlechterdings nicht<lb/>
mehr allein &#x017F;eyn, wenn er &#x017F;ehr vergnügt i&#x017F;t. Für<lb/>
das Drückende der Ein&#x017F;amkeit im &#x017F;trengen Sin-<lb/>
ne, möchte daher wohl kein Spiel taugen, wenn<lb/>
es nicht mit einem Grade von Gei&#x017F;tesan&#x017F;tren-<lb/>
gung verbunden i&#x017F;t, der uns un&#x017F;ere ganze Lage<lb/>
verge&#x017F;&#x017F;en macht. Allein von &#x017F;olcher Ein&#x017F;amkeit<lb/>
kann hier die Rede auch nicht &#x017F;eyn; es i&#x017F;t aber<lb/>
oft der Fall, da&#x017F;s die Jugend an Ge&#x017F;ell&#x017F;chaft von<lb/>
ihres Gleichen Mangel hat, da&#x017F;s Eltern und Er-<lb/>
zieher am Spiele nicht Theil nehmen können,<lb/>
und daher im Falle, da&#x017F;s weder Lu&#x017F;t noch Ge-<lb/>
legenheit zu irgend einer andern Be&#x017F;chäfftigung<lb/>
da i&#x017F;t, Spiele wün&#x017F;chen, wodurch die Kleinen<lb/>
in ihrer Gegenwart oder Nähe unterhalten wer-<lb/>
den können. Für die&#x017F;en Fall giebt es einige Spie-<lb/>
le, die ich wohl nicht über&#x017F;pringen darf. Ich<lb/>
rechne hierher</p><lb/>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[306/0338] b) Einſame oder Soloſpiele. Der Menſch iſt zur Geſellſchaft geſchaffen, da- her ſtehn einſame Spiele immer im Widerſpruch mit ihm, ſind nie ſo angenehm als die andern; und wenn ſie auch einen ſtarken Grad des Ver- gnügens gewähren: ſo werden ſie juſt hierdurch den Spieler in die Geſellſchaft zurück treiben, denn der Menſch kann ſchlechterdings nicht mehr allein ſeyn, wenn er ſehr vergnügt iſt. Für das Drückende der Einſamkeit im ſtrengen Sin- ne, möchte daher wohl kein Spiel taugen, wenn es nicht mit einem Grade von Geiſtesanſtren- gung verbunden iſt, der uns unſere ganze Lage vergeſſen macht. Allein von ſolcher Einſamkeit kann hier die Rede auch nicht ſeyn; es iſt aber oft der Fall, daſs die Jugend an Geſellſchaft von ihres Gleichen Mangel hat, daſs Eltern und Er- zieher am Spiele nicht Theil nehmen können, und daher im Falle, daſs weder Luſt noch Ge- legenheit zu irgend einer andern Beſchäfftigung da iſt, Spiele wünſchen, wodurch die Kleinen in ihrer Gegenwart oder Nähe unterhalten wer- den können. Für dieſen Fall giebt es einige Spie- le, die ich wohl nicht überſpringen darf. Ich rechne hierher

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/gutsmuths_spiele_1796
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/gutsmuths_spiele_1796/338
Zitationshilfe: Guts Muths, Johann Christoph Friedrich: Spiele zur Übung und Erholung des Körpers und Geistes. Schnepfenthal, 1796, S. 306. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/gutsmuths_spiele_1796/338>, abgerufen am 18.10.2019.