Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Guts Muths, Johann Christoph Friedrich: Spiele zur Übung und Erholung des Körpers und Geistes. Schnepfenthal, 1796.

Bild:
<< vorherige Seite
104. Das Gesellschaffts - Räthsel.

Dieses Spiel hat mit dem vorigen einige Aehn-
lichkeit. Einer von der Gesellschaft entfernt sich
und die Uebrigen vereinigen sich über einen Ge-
genstand, den er errathen soll; diess ist ein
Mensch, Thier, eine Pflanze, eine Stadt u. s. w:
was man will, Jener tritt dann wieder herein,
und nun sagt ihm Jeder eine Eigenschaft des auf-
gegebenen Dinges. Sein Kopf muss alle ihm auf
diese Art gegebenen Merkmale, die den Gegen-
stand nur auf entfernte Art bezeichnen, vereini-
gen und daraus den Begriff zu bilden suchen, der
ihm zum errathen aufgegeben wurde. Man sieht
leicht, dass diess die Operation der Phantasie,
des Witzes, des Nachdenkens sey, und dass da-
her diess Spiel eine recht gute Uebung gewähre.
Diess findet auch für diejenigen Statt, welche das
Räthsel aufgeben, zumal wenn die Gesellschaft
etwas stark ist; einer raubt da dem andern oft
die Merkmale, welche er anzugeben Willens war,
diess setzt in Verlegenheit, und nöthigt, den ge-
gebenen Gegenstand schnell von den ver-
schiedensten Seiten zu betrachten, um ihm ein
neues Merkmal abzugewinnen. Wie viel diess
zur Aufhellung der Begriffe beytragen könne,
sieht Jedermann leicht ein. In beyden Rück-
sichten ist das Spiel ächt pädagogisch und empfeh-

E e 3
104. Das Geſellſchaffts - Räthſel.

Dieſes Spiel hat mit dem vorigen einige Aehn-
lichkeit. Einer von der Geſellſchaft entfernt ſich
und die Uebrigen vereinigen ſich über einen Ge-
genſtand, den er errathen ſoll; dieſs iſt ein
Menſch, Thier, eine Pflanze, eine Stadt u. ſ. w:
was man will, Jener tritt dann wieder herein,
und nun ſagt ihm Jeder eine Eigenſchaft des auf-
gegebenen Dinges. Sein Kopf muſs alle ihm auf
dieſe Art gegebenen Merkmale, die den Gegen-
ſtand nur auf entfernte Art bezeichnen, vereini-
gen und daraus den Begriff zu bilden ſuchen, der
ihm zum errathen aufgegeben wurde. Man ſieht
leicht, daſs dieſs die Operation der Phantaſie,
des Witzes, des Nachdenkens ſey, und daſs da-
her dieſs Spiel eine recht gute Uebung gewähre.
Dieſs findet auch für diejenigen Statt, welche das
Räthſel aufgeben, zumal wenn die Geſellſchaft
etwas ſtark iſt; einer raubt da dem andern oft
die Merkmale, welche er anzugeben Willens war,
dieſs ſetzt in Verlegenheit, und nöthigt, den ge-
gebenen Gegenſtand ſchnell von den ver-
ſchiedenſten Seiten zu betrachten, um ihm ein
neues Merkmal abzugewinnen. Wie viel dieſs
zur Aufhellung der Begriffe beytragen könne,
ſieht Jedermann leicht ein. In beyden Rück-
ſichten iſt das Spiel ächt pädagogiſch und empfeh-

E e 3
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <pb facs="#f0469" n="437"/>
            <div n="4">
              <head>104. Das Ge&#x017F;ell&#x017F;chaffts - Räth&#x017F;el.</head><lb/>
              <p><hi rendition="#in">D</hi>ie&#x017F;es Spiel hat mit dem vorigen einige Aehn-<lb/>
lichkeit. Einer von der Ge&#x017F;ell&#x017F;chaft entfernt &#x017F;ich<lb/>
und die Uebrigen vereinigen &#x017F;ich über einen Ge-<lb/>
gen&#x017F;tand, den er errathen &#x017F;oll; die&#x017F;s i&#x017F;t ein<lb/>
Men&#x017F;ch, Thier, eine Pflanze, eine Stadt u. &#x017F;. w:<lb/>
was man will, Jener tritt dann wieder herein,<lb/>
und nun &#x017F;agt ihm Jeder eine Eigen&#x017F;chaft des auf-<lb/>
gegebenen Dinges. Sein Kopf mu&#x017F;s alle ihm auf<lb/>
die&#x017F;e Art gegebenen Merkmale, die den Gegen-<lb/>
&#x017F;tand nur auf entfernte Art bezeichnen, vereini-<lb/>
gen und daraus den Begriff zu bilden &#x017F;uchen, der<lb/>
ihm zum errathen aufgegeben wurde. Man &#x017F;ieht<lb/>
leicht, da&#x017F;s die&#x017F;s die Operation der Phanta&#x017F;ie,<lb/>
des Witzes, des Nachdenkens &#x017F;ey, und da&#x017F;s da-<lb/>
her die&#x017F;s Spiel eine recht gute Uebung gewähre.<lb/>
Die&#x017F;s findet auch für diejenigen Statt, welche das<lb/>
Räth&#x017F;el aufgeben, zumal wenn die Ge&#x017F;ell&#x017F;chaft<lb/>
etwas &#x017F;tark i&#x017F;t; einer raubt da dem andern oft<lb/>
die Merkmale, welche er anzugeben Willens war,<lb/>
die&#x017F;s &#x017F;etzt in Verlegenheit, und nöthigt, den ge-<lb/>
gebenen Gegen&#x017F;tand &#x017F;chnell von den ver-<lb/>
&#x017F;chieden&#x017F;ten Seiten zu betrachten, um ihm ein<lb/>
neues Merkmal abzugewinnen. Wie viel die&#x017F;s<lb/>
zur Aufhellung der Begriffe beytragen könne,<lb/>
&#x017F;ieht Jedermann leicht ein. In beyden Rück-<lb/>
&#x017F;ichten i&#x017F;t das Spiel ächt pädagogi&#x017F;ch und empfeh-<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">E e 3</fw><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[437/0469] 104. Das Geſellſchaffts - Räthſel. Dieſes Spiel hat mit dem vorigen einige Aehn- lichkeit. Einer von der Geſellſchaft entfernt ſich und die Uebrigen vereinigen ſich über einen Ge- genſtand, den er errathen ſoll; dieſs iſt ein Menſch, Thier, eine Pflanze, eine Stadt u. ſ. w: was man will, Jener tritt dann wieder herein, und nun ſagt ihm Jeder eine Eigenſchaft des auf- gegebenen Dinges. Sein Kopf muſs alle ihm auf dieſe Art gegebenen Merkmale, die den Gegen- ſtand nur auf entfernte Art bezeichnen, vereini- gen und daraus den Begriff zu bilden ſuchen, der ihm zum errathen aufgegeben wurde. Man ſieht leicht, daſs dieſs die Operation der Phantaſie, des Witzes, des Nachdenkens ſey, und daſs da- her dieſs Spiel eine recht gute Uebung gewähre. Dieſs findet auch für diejenigen Statt, welche das Räthſel aufgeben, zumal wenn die Geſellſchaft etwas ſtark iſt; einer raubt da dem andern oft die Merkmale, welche er anzugeben Willens war, dieſs ſetzt in Verlegenheit, und nöthigt, den ge- gebenen Gegenſtand ſchnell von den ver- ſchiedenſten Seiten zu betrachten, um ihm ein neues Merkmal abzugewinnen. Wie viel dieſs zur Aufhellung der Begriffe beytragen könne, ſieht Jedermann leicht ein. In beyden Rück- ſichten iſt das Spiel ächt pädagogiſch und empfeh- E e 3

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/gutsmuths_spiele_1796
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/gutsmuths_spiele_1796/469
Zitationshilfe: Guts Muths, Johann Christoph Friedrich: Spiele zur Übung und Erholung des Körpers und Geistes. Schnepfenthal, 1796, S. 437. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/gutsmuths_spiele_1796/469>, abgerufen am 16.10.2019.