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Gutzkow, Karl: Die Zeitgenossen. 1. Bd. 2. Aufl. Pforzheim, 1842.

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Sollten sich unsre Leser für das Schicksal Feliciens inniger interessiren als ihre Mutter und Schwestern, so müssen wir leider gestehen: daß eine Darstellung desselben dem Zweck unsres Buches nicht angemessen seyn würde. Tante Rebekka hat uns nur eine ungefähre Fernsicht in das Kapitel: Sitte und Sitten der Zeitgenossen eröffnen sollen. Der kleine Roman, der sich in ihrer Nähe entspann, sollte auch mit ihrer Rückreise auf's Land zu Ende seyn. Dennoch will ich hinzufügen, daß Felicia sich allmählig an die Gewaltthätigkeiten ihres Entführers gewöhnte und sogar von einigen geistigen Vorzügen desselben geblendet wurde. Dieser Abenteurer sank zuletzt aus Mangel moralisch tief und zog Felicia mit in seine Kreise hinab. Unter diesen Umständen traf sie Macready und machte auf Felicia einen so heftigen Eindruck, daß sie aus Reue über ihre Treulosigkeit und aus Scham über ihre veränderte und unwürdige Existenz sich das Leben nehmen wollte. Macready verscholl aber plötzlich, ohne daß man je wieder von ihm erfahren hätte. Hilary kehrte in Verzweiflung nach England zurück. Er hatte Macready von Kindheit an gedient und zu allen Streichen, die dieser im Hause der Lady Windmill aus Neckerei und fashionablem Zeitvertreib verrichtete, die Hand geboten. Die fernere Lösung dieser Situationen hat übrigens Aehnlichkeit mit dem vortrefflichen französischen Romane Leone Leoni, auf welchen ich meine Leser verweise, wenn sie vor Beginn des zweiten Bandes unsrer Zeitgenossen erst eine andere zerstreuende Abwechslung haben wollen.

Ende des ersten Bandes.

Sollten sich unsre Leser für das Schicksal Feliciens inniger interessiren als ihre Mutter und Schwestern, so müssen wir leider gestehen: daß eine Darstellung desselben dem Zweck unsres Buches nicht angemessen seyn würde. Tante Rebekka hat uns nur eine ungefähre Fernsicht in das Kapitel: Sitte und Sitten der Zeitgenossen eröffnen sollen. Der kleine Roman, der sich in ihrer Nähe entspann, sollte auch mit ihrer Rückreise auf’s Land zu Ende seyn. Dennoch will ich hinzufügen, daß Felicia sich allmählig an die Gewaltthätigkeiten ihres Entführers gewöhnte und sogar von einigen geistigen Vorzügen desselben geblendet wurde. Dieser Abenteurer sank zuletzt aus Mangel moralisch tief und zog Felicia mit in seine Kreise hinab. Unter diesen Umständen traf sie Macready und machte auf Felicia einen so heftigen Eindruck, daß sie aus Reue über ihre Treulosigkeit und aus Scham über ihre veränderte und unwürdige Existenz sich das Leben nehmen wollte. Macready verscholl aber plötzlich, ohne daß man je wieder von ihm erfahren hätte. Hilary kehrte in Verzweiflung nach England zurück. Er hatte Macready von Kindheit an gedient und zu allen Streichen, die dieser im Hause der Lady Windmill aus Neckerei und fashionablem Zeitvertreib verrichtete, die Hand geboten. Die fernere Lösung dieser Situationen hat übrigens Aehnlichkeit mit dem vortrefflichen französischen Romane Leone Leoni, auf welchen ich meine Leser verweise, wenn sie vor Beginn des zweiten Bandes unsrer Zeitgenossen erst eine andere zerstreuende Abwechslung haben wollen.

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[472/0500] Sollten sich unsre Leser für das Schicksal Feliciens inniger interessiren als ihre Mutter und Schwestern, so müssen wir leider gestehen: daß eine Darstellung desselben dem Zweck unsres Buches nicht angemessen seyn würde. Tante Rebekka hat uns nur eine ungefähre Fernsicht in das Kapitel: Sitte und Sitten der Zeitgenossen eröffnen sollen. Der kleine Roman, der sich in ihrer Nähe entspann, sollte auch mit ihrer Rückreise auf’s Land zu Ende seyn. Dennoch will ich hinzufügen, daß Felicia sich allmählig an die Gewaltthätigkeiten ihres Entführers gewöhnte und sogar von einigen geistigen Vorzügen desselben geblendet wurde. Dieser Abenteurer sank zuletzt aus Mangel moralisch tief und zog Felicia mit in seine Kreise hinab. Unter diesen Umständen traf sie Macready und machte auf Felicia einen so heftigen Eindruck, daß sie aus Reue über ihre Treulosigkeit und aus Scham über ihre veränderte und unwürdige Existenz sich das Leben nehmen wollte. Macready verscholl aber plötzlich, ohne daß man je wieder von ihm erfahren hätte. Hilary kehrte in Verzweiflung nach England zurück. Er hatte Macready von Kindheit an gedient und zu allen Streichen, die dieser im Hause der Lady Windmill aus Neckerei und fashionablem Zeitvertreib verrichtete, die Hand geboten. Die fernere Lösung dieser Situationen hat übrigens Aehnlichkeit mit dem vortrefflichen französischen Romane Leone Leoni, auf welchen ich meine Leser verweise, wenn sie vor Beginn des zweiten Bandes unsrer Zeitgenossen erst eine andere zerstreuende Abwechslung haben wollen. Ende des ersten Bandes.

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Zitationshilfe: Gutzkow, Karl: Die Zeitgenossen. 1. Bd. 2. Aufl. Pforzheim, 1842, S. 472. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/gutzkow_zeitgenossen01_1842/500>, abgerufen am 02.07.2020.