Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Haller, Albrecht von: Anfangsgründe der Phisiologie des menschlichen Körpers. Bd. 1. Berlin, 1759.

Bild:
<< vorherige Seite

Zweites Buch. Gefässe.
gend selten einzelne vorkommen müssen. Eben dieser Pa-
duanische Lehrer (a) zeiget auch einige in der Haut gegen
die Hüfte und das Schienbein laufende Aeste an, in wel-
chen sich mehrentheils einzelne, und nur einige wenige
doppelte Klappen befinden. Zulezt verschwinden die
Klappen, wie in den kleinen Adern am ganzen menschli-
chen Körper, so auch am Fusse völlig, wie wir bereits
bei andrer Gelegenheit erinnert haben.

§. 20.
Die Klappen in der obern Holader.

Dieses sind also die Klappen, welche zu der untern
Holader gehören. Unter den Aesten der obern zeiget sich
zuerst die ungepaarte Ader. Ueber die Mündungen ih-
res Stammes ist der erste Streit entstanden. Man
muß auch allerdings zur Vertheidigung des Fallopius
und Eustachius (b), auch anderer berühmten Män-
ner (c), zugestehen, daß der in die Holader eingesprizte
Saft zu aller Zeit und ohne einigen widrigen Erfolg,
ungemein leicht durch die ganze ungepaarte Ader der Län-
ge nach wieder zurükkomme, und alle ihre Aeste ausfülle.
Hiernächst kommen auch würklich, wenn man diese Ader
aufschneidet, nicht leicht einige Klappen zum Vorschein,
daß man sich daher nicht wundern darf, wenn gedachte
Männer die Klappen aus dieser Blutader gänzlich ver-
wiesen haben.

Da man aber aus demjenigen, was noch nicht ist
gefunden worden, keinen gegründeten Schluß wider die
Glaubwürdigkeit desjenigen, was man würklich gefun-

den
(a) [Spaltenumbruch] T. IV.
(b) Antigramm. XI.
(c) Salom. Albertus hinter sei-
nen Reden. S. 171. Andr. Lau-
rentius
Hist. anat. S. 126. 463.
[Spaltenumbruch] C. bartholinvs Instit. anat. S.
359. Der berühmte Kiesewetter
de calcul. renis sinistri frequen-
tiori n.
13. Er führt aber den
Cassebohm an.

Zweites Buch. Gefaͤſſe.
gend ſelten einzelne vorkommen muͤſſen. Eben dieſer Pa-
duaniſche Lehrer (a) zeiget auch einige in der Haut gegen
die Huͤfte und das Schienbein laufende Aeſte an, in wel-
chen ſich mehrentheils einzelne, und nur einige wenige
doppelte Klappen befinden. Zulezt verſchwinden die
Klappen, wie in den kleinen Adern am ganzen menſchli-
chen Koͤrper, ſo auch am Fuſſe voͤllig, wie wir bereits
bei andrer Gelegenheit erinnert haben.

§. 20.
Die Klappen in der obern Holader.

Dieſes ſind alſo die Klappen, welche zu der untern
Holader gehoͤren. Unter den Aeſten der obern zeiget ſich
zuerſt die ungepaarte Ader. Ueber die Muͤndungen ih-
res Stammes iſt der erſte Streit entſtanden. Man
muß auch allerdings zur Vertheidigung des Fallopius
und Euſtachius (b), auch anderer beruͤhmten Maͤn-
ner (c), zugeſtehen, daß der in die Holader eingeſprizte
Saft zu aller Zeit und ohne einigen widrigen Erfolg,
ungemein leicht durch die ganze ungepaarte Ader der Laͤn-
ge nach wieder zuruͤkkomme, und alle ihre Aeſte ausfuͤlle.
Hiernaͤchſt kommen auch wuͤrklich, wenn man dieſe Ader
aufſchneidet, nicht leicht einige Klappen zum Vorſchein,
daß man ſich daher nicht wundern darf, wenn gedachte
Maͤnner die Klappen aus dieſer Blutader gaͤnzlich ver-
wieſen haben.

Da man aber aus demjenigen, was noch nicht iſt
gefunden worden, keinen gegruͤndeten Schluß wider die
Glaubwuͤrdigkeit desjenigen, was man wuͤrklich gefun-

den
(a) [Spaltenumbruch] T. IV.
(b) Antigramm. XI.
(c) Salom. Albertus hinter ſei-
nen Reden. S. 171. Andr. Lau-
rentius
Hiſt. anat. S. 126. 463.
[Spaltenumbruch] C. bartholinvs Inſtit. anat. S.
359. Der beruͤhmte Kieſewetter
de calcul. renis ſiniſtri frequen-
tiori n.
13. Er fuͤhrt aber den
Caſſebohm an.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0330" n="274"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Zweites Buch. Gefa&#x0364;&#x017F;&#x017F;e.</hi></fw><lb/>
gend &#x017F;elten einzelne vorkommen mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en. Eben die&#x017F;er Pa-<lb/>
duani&#x017F;che Lehrer <note place="foot" n="(a)"><cb/><hi rendition="#aq">T. IV.</hi></note> zeiget auch einige in der Haut gegen<lb/>
die Hu&#x0364;fte und das Schienbein laufende Ae&#x017F;te an, in wel-<lb/>
chen &#x017F;ich mehrentheils einzelne, und nur einige wenige<lb/>
doppelte Klappen befinden. Zulezt ver&#x017F;chwinden die<lb/>
Klappen, wie in den kleinen Adern am ganzen men&#x017F;chli-<lb/>
chen Ko&#x0364;rper, &#x017F;o auch am Fu&#x017F;&#x017F;e vo&#x0364;llig, wie wir bereits<lb/>
bei andrer Gelegenheit erinnert haben.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 20.<lb/>
Die Klappen in der obern Holader.</head><lb/>
            <p>Die&#x017F;es &#x017F;ind al&#x017F;o die Klappen, welche zu der untern<lb/>
Holader geho&#x0364;ren. Unter den Ae&#x017F;ten der obern zeiget &#x017F;ich<lb/>
zuer&#x017F;t die ungepaarte Ader. Ueber die Mu&#x0364;ndungen ih-<lb/>
res Stammes i&#x017F;t der er&#x017F;te Streit ent&#x017F;tanden. Man<lb/>
muß auch allerdings zur Vertheidigung des <hi rendition="#fr">Fallopius</hi><lb/>
und <hi rendition="#fr">Eu&#x017F;tachius</hi> <note place="foot" n="(b)"><hi rendition="#aq">Antigramm. XI.</hi></note>, auch anderer beru&#x0364;hmten Ma&#x0364;n-<lb/>
ner <note place="foot" n="(c)">Salom. <hi rendition="#fr">Albertus</hi> hinter &#x017F;ei-<lb/>
nen Reden. S. 171. Andr. <hi rendition="#fr">Lau-<lb/>
rentius</hi> <hi rendition="#aq">Hi&#x017F;t. anat.</hi> S. 126. 463.<lb/><cb/> <hi rendition="#aq">C. <hi rendition="#k">bartholinvs</hi> In&#x017F;tit. anat.</hi> S.<lb/>
359. Der beru&#x0364;hmte <hi rendition="#fr">Kie&#x017F;ewetter</hi><lb/><hi rendition="#aq">de calcul. renis &#x017F;ini&#x017F;tri frequen-<lb/>
tiori n.</hi> 13. Er fu&#x0364;hrt aber den<lb/><hi rendition="#fr">Ca&#x017F;&#x017F;ebohm</hi> an.</note>, zuge&#x017F;tehen, daß der in die Holader einge&#x017F;prizte<lb/>
Saft zu aller Zeit und ohne einigen widrigen Erfolg,<lb/>
ungemein leicht durch die ganze ungepaarte Ader der La&#x0364;n-<lb/>
ge nach wieder zuru&#x0364;kkomme, und alle ihre Ae&#x017F;te ausfu&#x0364;lle.<lb/>
Hierna&#x0364;ch&#x017F;t kommen auch wu&#x0364;rklich, wenn man die&#x017F;e Ader<lb/>
auf&#x017F;chneidet, nicht leicht einige Klappen zum Vor&#x017F;chein,<lb/>
daß man &#x017F;ich daher nicht wundern darf, wenn gedachte<lb/>
Ma&#x0364;nner die Klappen aus die&#x017F;er Blutader ga&#x0364;nzlich ver-<lb/>
wie&#x017F;en haben.</p><lb/>
            <p>Da man aber aus demjenigen, was noch nicht i&#x017F;t<lb/>
gefunden worden, keinen gegru&#x0364;ndeten Schluß wider die<lb/>
Glaubwu&#x0364;rdigkeit desjenigen, was man wu&#x0364;rklich gefun-<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">den</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[274/0330] Zweites Buch. Gefaͤſſe. gend ſelten einzelne vorkommen muͤſſen. Eben dieſer Pa- duaniſche Lehrer (a) zeiget auch einige in der Haut gegen die Huͤfte und das Schienbein laufende Aeſte an, in wel- chen ſich mehrentheils einzelne, und nur einige wenige doppelte Klappen befinden. Zulezt verſchwinden die Klappen, wie in den kleinen Adern am ganzen menſchli- chen Koͤrper, ſo auch am Fuſſe voͤllig, wie wir bereits bei andrer Gelegenheit erinnert haben. §. 20. Die Klappen in der obern Holader. Dieſes ſind alſo die Klappen, welche zu der untern Holader gehoͤren. Unter den Aeſten der obern zeiget ſich zuerſt die ungepaarte Ader. Ueber die Muͤndungen ih- res Stammes iſt der erſte Streit entſtanden. Man muß auch allerdings zur Vertheidigung des Fallopius und Euſtachius (b), auch anderer beruͤhmten Maͤn- ner (c), zugeſtehen, daß der in die Holader eingeſprizte Saft zu aller Zeit und ohne einigen widrigen Erfolg, ungemein leicht durch die ganze ungepaarte Ader der Laͤn- ge nach wieder zuruͤkkomme, und alle ihre Aeſte ausfuͤlle. Hiernaͤchſt kommen auch wuͤrklich, wenn man dieſe Ader aufſchneidet, nicht leicht einige Klappen zum Vorſchein, daß man ſich daher nicht wundern darf, wenn gedachte Maͤnner die Klappen aus dieſer Blutader gaͤnzlich ver- wieſen haben. Da man aber aus demjenigen, was noch nicht iſt gefunden worden, keinen gegruͤndeten Schluß wider die Glaubwuͤrdigkeit desjenigen, was man wuͤrklich gefun- den (a) T. IV. (b) Antigramm. XI. (c) Salom. Albertus hinter ſei- nen Reden. S. 171. Andr. Lau- rentius Hiſt. anat. S. 126. 463. C. bartholinvs Inſtit. anat. S. 359. Der beruͤhmte Kieſewetter de calcul. renis ſiniſtri frequen- tiori n. 13. Er fuͤhrt aber den Caſſebohm an.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/haller_anfangsgruende01_1759
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/haller_anfangsgruende01_1759/330
Zitationshilfe: Haller, Albrecht von: Anfangsgründe der Phisiologie des menschlichen Körpers. Bd. 1. Berlin, 1759, S. 274. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/haller_anfangsgruende01_1759/330>, abgerufen am 18.07.2019.