Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Haller, Albrecht von: Anfangsgründe der Phisiologie des menschlichen Körpers. Bd. 1. Berlin, 1759.

Bild:
<< vorherige Seite

Zweites Buch. Gefässe.
dieser Gefässe wieder zum Blute zurükführen läst (q).
Denn man kennt die Feuchtigkeit, die sich in den Nerven
bewegt, noch nicht hinlänglich, und sie ist auch an sich un-
gemein feiner, als das Flieswasser.

§. 8.
Ob sie auch aus den Drüsen ihren
Ursprung nehmen?

Eben dieser jeztgedachte Bewegungsgrund veranlas-
set mich auch, daß ich mich bei einer neuen Entstehungs-
art der Flieswassergefässe, da man sie von den kleinsten
und unsichtbaren Drüschen herleitet, nicht weitläuftig
aufhalte, ob gleich der grosse und berühmte Marcel-
lus Malpighius (r), ingleichen auch Joh. Zeller
(s), der in der That in der Geschichte der Flieswas-
sergefässe sehr wohl erfahren war, dieser Meinung gewe-
sen ist. Denn man findet eine Menge von diesen Gefäs-
sen an solchen Orten, wo man gar keine einzele Drüsen
vermuthen kann, als an der Hand, dem Fusse, den Ho-
den, der Mannsruthe und der Lunge. Ferner legen sich,
wenn man die Flieswassergefässe durch die Schlagadern
aussprizzet, keine Knoten dazwischen, dergleichen doch
von der Materie, die die Drüsen erfüllet, entstehen mü-
sten. Es ist diese Hipothese bereits vor mir, durch des
Nuckius (t) und anderer berühmter Männer Versu-
che (u), widerleget worden.

Endlich entspringen diese Gefässe darum nicht in den
einfachen Drüsen (conglobata glandula), wenn sie gleich

durch
(q) [Spaltenumbruch] Daß das Flieswasser in die
einzele Drüsen versammlet werde,
und daher ebenfals, wie die Lebens-
geister, von saurer Art sey. sylvivs
de le boe Diss. med. VII. n.
40.
(r) De gland. conglob. 4.
(s) Jn der angeführten Dissert.
(t) [Spaltenumbruch] gevder de ferm. 13.
(u) Mart. lister de humor. c.
22. los. del papa de humor. c.
7.
S. 494. Er lehrt, daß die Flies-
wassergefässe nicht von den Drüsen
allein entstünden.

Zweites Buch. Gefaͤſſe.
dieſer Gefaͤſſe wieder zum Blute zuruͤkfuͤhren laͤſt (q).
Denn man kennt die Feuchtigkeit, die ſich in den Nerven
bewegt, noch nicht hinlaͤnglich, und ſie iſt auch an ſich un-
gemein feiner, als das Flieswaſſer.

§. 8.
Ob ſie auch aus den Druͤſen ihren
Urſprung nehmen?

Eben dieſer jeztgedachte Bewegungsgrund veranlaſ-
ſet mich auch, daß ich mich bei einer neuen Entſtehungs-
art der Flieswaſſergefaͤſſe, da man ſie von den kleinſten
und unſichtbaren Druͤschen herleitet, nicht weitlaͤuftig
aufhalte, ob gleich der groſſe und beruͤhmte Marcel-
lus Malpighius (r), ingleichen auch Joh. Zeller
(s), der in der That in der Geſchichte der Flieswaſ-
ſergefaͤſſe ſehr wohl erfahren war, dieſer Meinung gewe-
ſen iſt. Denn man findet eine Menge von dieſen Gefaͤſ-
ſen an ſolchen Orten, wo man gar keine einzele Druͤſen
vermuthen kann, als an der Hand, dem Fuſſe, den Ho-
den, der Mannsruthe und der Lunge. Ferner legen ſich,
wenn man die Flieswaſſergefaͤſſe durch die Schlagadern
ausſprizzet, keine Knoten dazwiſchen, dergleichen doch
von der Materie, die die Druͤſen erfuͤllet, entſtehen muͤ-
ſten. Es iſt dieſe Hipotheſe bereits vor mir, durch des
Nuckius (t) und anderer beruͤhmter Maͤnner Verſu-
che (u), widerleget worden.

Endlich entſpringen dieſe Gefaͤſſe darum nicht in den
einfachen Druͤſen (conglobata glandula), wenn ſie gleich

durch
(q) [Spaltenumbruch] Daß das Flieswaſſer in die
einzele Druͤſen verſammlet werde,
und daher ebenfals, wie die Lebens-
geiſter, von ſaurer Art ſey. sylvivs
de le boe Diſſ. med. VII. n.
40.
(r) De gland. conglob. 4.
(s) Jn der angefuͤhrten Diſſert.
(t) [Spaltenumbruch] gevder de ferm. 13.
(u) Mart. lister de humor. c.
22. loſ. del papa de humor. c.
7.
S. 494. Er lehrt, daß die Flies-
waſſergefaͤſſe nicht von den Druͤſen
allein entſtuͤnden.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0374" n="318"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Zweites Buch. Gefa&#x0364;&#x017F;&#x017F;e.</hi></fw><lb/>
die&#x017F;er Gefa&#x0364;&#x017F;&#x017F;e wieder zum Blute zuru&#x0364;kfu&#x0364;hren la&#x0364;&#x017F;t <note place="foot" n="(q)"><cb/>
Daß das Flieswa&#x017F;&#x017F;er in die<lb/>
einzele Dru&#x0364;&#x017F;en ver&#x017F;ammlet werde,<lb/>
und daher ebenfals, wie die Lebens-<lb/>
gei&#x017F;ter, von &#x017F;aurer Art &#x017F;ey. <hi rendition="#aq"><hi rendition="#k">sylvivs</hi><lb/>
de le <hi rendition="#k">boe</hi> Di&#x017F;&#x017F;. med. VII. n.</hi> 40.</note>.<lb/>
Denn man kennt die Feuchtigkeit, die &#x017F;ich in den Nerven<lb/>
bewegt, noch nicht hinla&#x0364;nglich, und &#x017F;ie i&#x017F;t auch an &#x017F;ich un-<lb/>
gemein feiner, als das Flieswa&#x017F;&#x017F;er.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 8.<lb/>
Ob &#x017F;ie auch aus den Dru&#x0364;&#x017F;en ihren<lb/>
Ur&#x017F;prung nehmen?</head><lb/>
            <p>Eben die&#x017F;er jeztgedachte Bewegungsgrund veranla&#x017F;-<lb/>
&#x017F;et mich auch, daß ich mich bei einer neuen Ent&#x017F;tehungs-<lb/>
art der Flieswa&#x017F;&#x017F;ergefa&#x0364;&#x017F;&#x017F;e, da man &#x017F;ie von den klein&#x017F;ten<lb/>
und un&#x017F;ichtbaren Dru&#x0364;schen herleitet, nicht weitla&#x0364;uftig<lb/>
aufhalte, ob gleich der gro&#x017F;&#x017F;e und beru&#x0364;hmte Marcel-<lb/>
lus <hi rendition="#fr">Malpighius</hi> <note place="foot" n="(r)"><hi rendition="#aq">De gland. conglob.</hi> 4.</note>, ingleichen auch Joh. <hi rendition="#fr">Zeller</hi><lb/><note place="foot" n="(s)">Jn der angefu&#x0364;hrten <hi rendition="#aq">Di&#x017F;&#x017F;ert.</hi></note>, der in der That in der Ge&#x017F;chichte der Flieswa&#x017F;-<lb/>
&#x017F;ergefa&#x0364;&#x017F;&#x017F;e &#x017F;ehr wohl erfahren war, die&#x017F;er Meinung gewe-<lb/>
&#x017F;en i&#x017F;t. Denn man findet eine Menge von die&#x017F;en Gefa&#x0364;&#x017F;-<lb/>
&#x017F;en an &#x017F;olchen Orten, wo man gar keine einzele Dru&#x0364;&#x017F;en<lb/>
vermuthen kann, als an der Hand, dem Fu&#x017F;&#x017F;e, den Ho-<lb/>
den, der Mannsruthe und der Lunge. Ferner legen &#x017F;ich,<lb/>
wenn man die Flieswa&#x017F;&#x017F;ergefa&#x0364;&#x017F;&#x017F;e durch die Schlagadern<lb/>
aus&#x017F;prizzet, keine Knoten dazwi&#x017F;chen, dergleichen doch<lb/>
von der Materie, die die Dru&#x0364;&#x017F;en erfu&#x0364;llet, ent&#x017F;tehen mu&#x0364;-<lb/>
&#x017F;ten. Es i&#x017F;t die&#x017F;e Hipothe&#x017F;e bereits vor mir, durch des<lb/><hi rendition="#fr">Nuckius</hi> <note place="foot" n="(t)"><cb/><hi rendition="#aq"><hi rendition="#k">gevder</hi> de ferm.</hi> 13.</note> und anderer beru&#x0364;hmter Ma&#x0364;nner Ver&#x017F;u-<lb/>
che <note place="foot" n="(u)"><hi rendition="#aq">Mart. <hi rendition="#k">lister</hi> de humor. c.<lb/>
22. lo&#x017F;. del <hi rendition="#k">papa</hi> de humor. c.</hi> 7.<lb/>
S. 494. Er lehrt, daß die Flies-<lb/>
wa&#x017F;&#x017F;ergefa&#x0364;&#x017F;&#x017F;e nicht von den Dru&#x0364;&#x017F;en<lb/>
allein ent&#x017F;tu&#x0364;nden.</note>, widerleget worden.</p><lb/>
            <p>Endlich ent&#x017F;pringen die&#x017F;e Gefa&#x0364;&#x017F;&#x017F;e darum nicht in den<lb/>
einfachen Dru&#x0364;&#x017F;en (<hi rendition="#aq">conglobata glandula</hi>), wenn &#x017F;ie gleich<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">durch</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[318/0374] Zweites Buch. Gefaͤſſe. dieſer Gefaͤſſe wieder zum Blute zuruͤkfuͤhren laͤſt (q). Denn man kennt die Feuchtigkeit, die ſich in den Nerven bewegt, noch nicht hinlaͤnglich, und ſie iſt auch an ſich un- gemein feiner, als das Flieswaſſer. §. 8. Ob ſie auch aus den Druͤſen ihren Urſprung nehmen? Eben dieſer jeztgedachte Bewegungsgrund veranlaſ- ſet mich auch, daß ich mich bei einer neuen Entſtehungs- art der Flieswaſſergefaͤſſe, da man ſie von den kleinſten und unſichtbaren Druͤschen herleitet, nicht weitlaͤuftig aufhalte, ob gleich der groſſe und beruͤhmte Marcel- lus Malpighius (r), ingleichen auch Joh. Zeller (s), der in der That in der Geſchichte der Flieswaſ- ſergefaͤſſe ſehr wohl erfahren war, dieſer Meinung gewe- ſen iſt. Denn man findet eine Menge von dieſen Gefaͤſ- ſen an ſolchen Orten, wo man gar keine einzele Druͤſen vermuthen kann, als an der Hand, dem Fuſſe, den Ho- den, der Mannsruthe und der Lunge. Ferner legen ſich, wenn man die Flieswaſſergefaͤſſe durch die Schlagadern ausſprizzet, keine Knoten dazwiſchen, dergleichen doch von der Materie, die die Druͤſen erfuͤllet, entſtehen muͤ- ſten. Es iſt dieſe Hipotheſe bereits vor mir, durch des Nuckius (t) und anderer beruͤhmter Maͤnner Verſu- che (u), widerleget worden. Endlich entſpringen dieſe Gefaͤſſe darum nicht in den einfachen Druͤſen (conglobata glandula), wenn ſie gleich durch (q) Daß das Flieswaſſer in die einzele Druͤſen verſammlet werde, und daher ebenfals, wie die Lebens- geiſter, von ſaurer Art ſey. sylvivs de le boe Diſſ. med. VII. n. 40. (r) De gland. conglob. 4. (s) Jn der angefuͤhrten Diſſert. (t) gevder de ferm. 13. (u) Mart. lister de humor. c. 22. loſ. del papa de humor. c. 7. S. 494. Er lehrt, daß die Flies- waſſergefaͤſſe nicht von den Druͤſen allein entſtuͤnden.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/haller_anfangsgruende01_1759
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/haller_anfangsgruende01_1759/374
Zitationshilfe: Haller, Albrecht von: Anfangsgründe der Phisiologie des menschlichen Körpers. Bd. 1. Berlin, 1759, S. 318. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/haller_anfangsgruende01_1759/374>, abgerufen am 17.07.2019.