Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Haller, Albrecht von: Anfangsgründe der Phisiologie des menschlichen Körpers. Bd. 4. Berlin, 1768.

Bild:
<< vorherige Seite

VI. Abschn. Die Nerven.
habe, vermuthe ich daher, weil solches ein weisses und
öhliges Wesen gewesen [Spaltenumbruch] (u).

Was mich betrift, so habe ich nie einen Saft, der
genannt zu werden verdiente, in so vielen Versuchen, und
in Nervenwunden, oder Unterbindungen, finden können.
Jch will diesem noch eine chimische Zerlegung der Nerven
beifügen, damit ich nichts zu vergessen scheine, ob ich
gleich ohne Mühe einsehe, daß man die besondere Natur
der Nerven aus dieser gewaltsamen Bearbeitung nicht
erlernen werde. Es gaben demnach die Nerven von ei-
nem Menschen, welcher an einer krampfigen Krankheit
gestorben war, nur wenig Oehl und flüchtiges Salz, hin-
gegen eine große Menge Flegma, worinnen der eilfte
Theil ein Salmiakgeist, wie vom Urin war [Spaltenumbruch] (u*). Jch
folgere nicht aus diesem Versuche, daß ein Alkali die Ur-
sache von den Krämpfen sey; sondern ich schließe viel-
mehr daher, daß sich die Nerven in der Feuerarbeit un-
ter eben solchen Grundstoffen zeigen, dergleichen alle und
iede Theile des menschlichen Körpers von sich geben.

§. 9.
Die Lage und Beschaffenheit der Nerven.

Es laufen überhaupt die Nerven von ihrem Ur-
sprunge, aus der Gehirnmasse, oder dem Rükkenmarke,
an, bis zu ihren lezten Enden, auf eine ziemlich gleich-
förmige Art, fort und zwar, wie die Gefäße, indem ihr
Stamm nämlich gegen das Gehirn größer wird, und
sich darauf die Aeste, und Aestabstammungen weiter hin
begeben, so, daß die Größe des Stamms durch die ab-
gesonderten Aeste allmälich vermindert wird.

Doch geht der Nerve in einigen Stükken auch von
einer Schlagader und Blutader ab. Es ist die Schlag-

ader
(u) Angeführt. Ort.
(u*) MONROO S. 395.
U 3

VI. Abſchn. Die Nerven.
habe, vermuthe ich daher, weil ſolches ein weiſſes und
oͤhliges Weſen geweſen [Spaltenumbruch] (u).

Was mich betrift, ſo habe ich nie einen Saft, der
genannt zu werden verdiente, in ſo vielen Verſuchen, und
in Nervenwunden, oder Unterbindungen, finden koͤnnen.
Jch will dieſem noch eine chimiſche Zerlegung der Nerven
beifuͤgen, damit ich nichts zu vergeſſen ſcheine, ob ich
gleich ohne Muͤhe einſehe, daß man die beſondere Natur
der Nerven aus dieſer gewaltſamen Bearbeitung nicht
erlernen werde. Es gaben demnach die Nerven von ei-
nem Menſchen, welcher an einer krampfigen Krankheit
geſtorben war, nur wenig Oehl und fluͤchtiges Salz, hin-
gegen eine große Menge Flegma, worinnen der eilfte
Theil ein Salmiakgeiſt, wie vom Urin war [Spaltenumbruch] (u*). Jch
folgere nicht aus dieſem Verſuche, daß ein Alkali die Ur-
ſache von den Kraͤmpfen ſey; ſondern ich ſchließe viel-
mehr daher, daß ſich die Nerven in der Feuerarbeit un-
ter eben ſolchen Grundſtoffen zeigen, dergleichen alle und
iede Theile des menſchlichen Koͤrpers von ſich geben.

§. 9.
Die Lage und Beſchaffenheit der Nerven.

Es laufen uͤberhaupt die Nerven von ihrem Ur-
ſprunge, aus der Gehirnmaſſe, oder dem Ruͤkkenmarke,
an, bis zu ihren lezten Enden, auf eine ziemlich gleich-
foͤrmige Art, fort und zwar, wie die Gefaͤße, indem ihr
Stamm naͤmlich gegen das Gehirn groͤßer wird, und
ſich darauf die Aeſte, und Aeſtabſtammungen weiter hin
begeben, ſo, daß die Groͤße des Stamms durch die ab-
geſonderten Aeſte allmaͤlich vermindert wird.

Doch geht der Nerve in einigen Stuͤkken auch von
einer Schlagader und Blutader ab. Es iſt die Schlag-

ader
(u) Angefuͤhrt. Ort.
(u*) MONROO S. 395.
U 3
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0345" n="309"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b"><hi rendition="#aq">VI.</hi> Ab&#x017F;chn. <hi rendition="#g">Die Nerven.</hi></hi></fw><lb/>
habe, vermuthe ich daher, weil &#x017F;olches ein wei&#x017F;&#x017F;es und<lb/>
o&#x0364;hliges We&#x017F;en gewe&#x017F;en <cb/>
<note place="foot" n="(u)">Angefu&#x0364;hrt. Ort.</note>.</p><lb/>
            <p>Was mich betrift, &#x017F;o habe ich nie einen Saft, der<lb/>
genannt zu werden verdiente, in &#x017F;o vielen Ver&#x017F;uchen, und<lb/>
in Nervenwunden, oder Unterbindungen, finden ko&#x0364;nnen.<lb/>
Jch will die&#x017F;em noch eine chimi&#x017F;che Zerlegung der Nerven<lb/>
beifu&#x0364;gen, damit ich nichts zu verge&#x017F;&#x017F;en &#x017F;cheine, ob ich<lb/>
gleich ohne Mu&#x0364;he ein&#x017F;ehe, daß man die be&#x017F;ondere Natur<lb/>
der Nerven aus die&#x017F;er gewalt&#x017F;amen Bearbeitung nicht<lb/>
erlernen werde. Es gaben demnach die Nerven von ei-<lb/>
nem Men&#x017F;chen, welcher an einer krampfigen Krankheit<lb/>
ge&#x017F;torben war, nur wenig Oehl und flu&#x0364;chtiges Salz, hin-<lb/>
gegen eine große Menge Flegma, worinnen der eilfte<lb/>
Theil ein Salmiakgei&#x017F;t, wie vom Urin war <cb/>
<note place="foot" n="(u*)"><hi rendition="#aq"><hi rendition="#g">MONROO</hi></hi> S. 395.</note>. Jch<lb/>
folgere nicht aus die&#x017F;em Ver&#x017F;uche, daß ein Alkali die Ur-<lb/>
&#x017F;ache von den Kra&#x0364;mpfen &#x017F;ey; &#x017F;ondern ich &#x017F;chließe viel-<lb/>
mehr daher, daß &#x017F;ich die Nerven in der Feuerarbeit un-<lb/>
ter eben &#x017F;olchen Grund&#x017F;toffen zeigen, dergleichen alle und<lb/>
iede Theile des men&#x017F;chlichen Ko&#x0364;rpers von &#x017F;ich geben.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 9.<lb/>
Die Lage und Be&#x017F;chaffenheit der Nerven.</head><lb/>
            <p>Es laufen u&#x0364;berhaupt die Nerven von ihrem Ur-<lb/>
&#x017F;prunge, aus der Gehirnma&#x017F;&#x017F;e, oder dem Ru&#x0364;kkenmarke,<lb/>
an, bis zu ihren lezten Enden, auf eine ziemlich gleich-<lb/>
fo&#x0364;rmige Art, fort und zwar, wie die Gefa&#x0364;ße, indem ihr<lb/>
Stamm na&#x0364;mlich gegen das Gehirn gro&#x0364;ßer wird, und<lb/>
&#x017F;ich darauf die Ae&#x017F;te, und Ae&#x017F;tab&#x017F;tammungen weiter hin<lb/>
begeben, &#x017F;o, daß die Gro&#x0364;ße des Stamms durch die ab-<lb/>
ge&#x017F;onderten Ae&#x017F;te allma&#x0364;lich vermindert wird.</p><lb/>
            <p>Doch geht der Nerve in einigen Stu&#x0364;kken auch von<lb/>
einer Schlagader und Blutader ab. Es i&#x017F;t die Schlag-<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">U 3</fw><fw place="bottom" type="catch">ader</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[309/0345] VI. Abſchn. Die Nerven. habe, vermuthe ich daher, weil ſolches ein weiſſes und oͤhliges Weſen geweſen (u). Was mich betrift, ſo habe ich nie einen Saft, der genannt zu werden verdiente, in ſo vielen Verſuchen, und in Nervenwunden, oder Unterbindungen, finden koͤnnen. Jch will dieſem noch eine chimiſche Zerlegung der Nerven beifuͤgen, damit ich nichts zu vergeſſen ſcheine, ob ich gleich ohne Muͤhe einſehe, daß man die beſondere Natur der Nerven aus dieſer gewaltſamen Bearbeitung nicht erlernen werde. Es gaben demnach die Nerven von ei- nem Menſchen, welcher an einer krampfigen Krankheit geſtorben war, nur wenig Oehl und fluͤchtiges Salz, hin- gegen eine große Menge Flegma, worinnen der eilfte Theil ein Salmiakgeiſt, wie vom Urin war (u*). Jch folgere nicht aus dieſem Verſuche, daß ein Alkali die Ur- ſache von den Kraͤmpfen ſey; ſondern ich ſchließe viel- mehr daher, daß ſich die Nerven in der Feuerarbeit un- ter eben ſolchen Grundſtoffen zeigen, dergleichen alle und iede Theile des menſchlichen Koͤrpers von ſich geben. §. 9. Die Lage und Beſchaffenheit der Nerven. Es laufen uͤberhaupt die Nerven von ihrem Ur- ſprunge, aus der Gehirnmaſſe, oder dem Ruͤkkenmarke, an, bis zu ihren lezten Enden, auf eine ziemlich gleich- foͤrmige Art, fort und zwar, wie die Gefaͤße, indem ihr Stamm naͤmlich gegen das Gehirn groͤßer wird, und ſich darauf die Aeſte, und Aeſtabſtammungen weiter hin begeben, ſo, daß die Groͤße des Stamms durch die ab- geſonderten Aeſte allmaͤlich vermindert wird. Doch geht der Nerve in einigen Stuͤkken auch von einer Schlagader und Blutader ab. Es iſt die Schlag- ader (u) Angefuͤhrt. Ort. (u*) MONROO S. 395. U 3

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/haller_anfangsgruende04_1768
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/haller_anfangsgruende04_1768/345
Zitationshilfe: Haller, Albrecht von: Anfangsgründe der Phisiologie des menschlichen Körpers. Bd. 4. Berlin, 1768, S. 309. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/haller_anfangsgruende04_1768/345>, abgerufen am 22.10.2019.