Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Haller, Albrecht von: Anfangsgründe der Phisiologie des menschlichen Körpers. Bd. 4. Berlin, 1768.

Bild:
<< vorherige Seite
VII. Ab. Ersch. d. leb. Geh. Die Empfind.

Doch es empfand auch ein Mensch, an dem ein
Band beschädigt war [Spaltenumbruch] i, keine Schmerzen dabei, und
es ward der Schnitt bald geheilt, als man das Band
durchschneiden muste.

Es hat also Warner Recht, welches ietzt ein be-
rümter Wundarzt ist, wenn er die Gelenkkapseln an
wassersüchtigen Personen ohne Gefahr zu durchbohren be-
fiehlt k, und es hat derselbe mit Augen gesehen, wie
man dieses Band an der Hand, ohne alle Zufälle, queer
durchzertheilte l.

Es erwähnt auch der berümte Franz Home, wie
von einer Flintenkugel Bänder gestreift worden, ohne,
daß davon sonderliche Schmerzen, oder Entzündungen
entstanden wären m.

Man hat indessen, wiewol wenige Zeugnisse, von
unsern Gegnern aufzuweisen, welche an lebendigen Thie-
ren n, bei verwundeten Bändern Schmerzen bemerkt,
welche die Thiere durch Zeichen von sich geben, sie hal-
ten die Schmerzen bei den Krankheiten einiger Men-
schen o, worüber sie dieselbe klagen hörten, für Schmer-
zen, die in den Bändern ihren Sitz gehabt, und sie
glauben, daß es sich durch das Beispiel von entzündeten,
oder durch fehlerhafte Säfte verdorbenen Bändern in
der reissenden Gicht p, q erweisen lassen, daß Bänder
einige Empfindlichkeit haben, und daß endlich der aller-
heftigste Schmerz, welcher bis zum Tode anhielt, erre-

get
i Heuermann exp. 9. und an
einer Frau chir. oper. T. 1. p. 46.
k Phil. Trans. T. 49. p. 1.
l Case 15. 16.
m Medical facts. p. 119.
n Lambert p. 318. der hinzu thut,
daß sie sehr empfindlich sind Girard.
o S. Lottieri, le Cat, Reimars
Beispiele. Ein sehr scharfer Schmerz
bei Unterbindung des Nerven Ber-
[Spaltenumbruch] trandi
chir. II. p.
199. 205. oder
wenn eine Schlagader zugleich mit
gebunden, oder durchnähet wird,
Kirkland haemorrh. p. 16. 17.
Schmerz und Krämpfe bei Zer-
schneidung des nervi infraorbita-
lis Sauages nosol. II. p.
25.
p Whytt essais p. 128. Jenty
courle T. 1. p.
51.
q Reimar p. 16.
VII. Ab. Erſch. d. leb. Geh. Die Empfind.

Doch es empfand auch ein Menſch, an dem ein
Band beſchaͤdigt war [Spaltenumbruch] i, keine Schmerzen dabei, und
es ward der Schnitt bald geheilt, als man das Band
durchſchneiden muſte.

Es hat alſo Warner Recht, welches ietzt ein be-
ruͤmter Wundarzt iſt, wenn er die Gelenkkapſeln an
waſſerſuͤchtigen Perſonen ohne Gefahr zu durchbohren be-
fiehlt k, und es hat derſelbe mit Augen geſehen, wie
man dieſes Band an der Hand, ohne alle Zufaͤlle, queer
durchzertheilte l.

Es erwaͤhnt auch der beruͤmte Franz Home, wie
von einer Flintenkugel Baͤnder geſtreift worden, ohne,
daß davon ſonderliche Schmerzen, oder Entzuͤndungen
entſtanden waͤren m.

Man hat indeſſen, wiewol wenige Zeugniſſe, von
unſern Gegnern aufzuweiſen, welche an lebendigen Thie-
ren n, bei verwundeten Baͤndern Schmerzen bemerkt,
welche die Thiere durch Zeichen von ſich geben, ſie hal-
ten die Schmerzen bei den Krankheiten einiger Men-
ſchen o, woruͤber ſie dieſelbe klagen hoͤrten, fuͤr Schmer-
zen, die in den Baͤndern ihren Sitz gehabt, und ſie
glauben, daß es ſich durch das Beiſpiel von entzuͤndeten,
oder durch fehlerhafte Saͤfte verdorbenen Baͤndern in
der reiſſenden Gicht p, q erweiſen laſſen, daß Baͤnder
einige Empfindlichkeit haben, und daß endlich der aller-
heftigſte Schmerz, welcher bis zum Tode anhielt, erre-

get
i Heuermann exp. 9. und an
einer Frau chir. oper. T. 1. p. 46.
k Phil. Trans. T. 49. p. 1.
l Caſe 15. 16.
m Medical facts. p. 119.
n Lambert p. 318. der hinzu thut,
daß ſie ſehr empfindlich ſind Girard.
o S. Lottieri, le Cat, Reimars
Beiſpiele. Ein ſehr ſcharfer Schmerz
bei Unterbindung des Nerven Ber-
[Spaltenumbruch] trandi
chir. II. p.
199. 205. oder
wenn eine Schlagader zugleich mit
gebunden, oder durchnaͤhet wird,
Kirkland haemorrh. p. 16. 17.
Schmerz und Kraͤmpfe bei Zer-
ſchneidung des nervi infraorbita-
lis Sauages noſol. II. p.
25.
p Whytt eſſais p. 128. Jenty
courle T. 1. p.
51.
q Reimar p. 16.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <pb facs="#f0483" n="447"/>
            <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b"><hi rendition="#aq">VII.</hi> Ab. Er&#x017F;ch. d. leb. Geh. Die Empfind.</hi> </fw><lb/>
            <p>Doch es empfand auch ein Men&#x017F;ch, an dem ein<lb/>
Band be&#x017F;cha&#x0364;digt war <cb/>
<note place="foot" n="i"><hi rendition="#aq"><hi rendition="#i">Heuermann</hi> exp.</hi> 9. und an<lb/>
einer Frau <hi rendition="#aq">chir. oper. T. 1. p.</hi> 46.</note>, keine Schmerzen dabei, und<lb/>
es ward der Schnitt bald geheilt, als man das Band<lb/>
durch&#x017F;chneiden mu&#x017F;te.</p><lb/>
            <p>Es hat al&#x017F;o <hi rendition="#fr">Warner</hi> Recht, welches ietzt ein be-<lb/>
ru&#x0364;mter Wundarzt i&#x017F;t, wenn er die Gelenkkap&#x017F;eln an<lb/>
wa&#x017F;&#x017F;er&#x017F;u&#x0364;chtigen Per&#x017F;onen ohne Gefahr zu durchbohren be-<lb/>
fiehlt <note place="foot" n="k"><hi rendition="#aq">Phil. Trans. T. 49. p.</hi> 1.</note>, und es hat der&#x017F;elbe mit Augen ge&#x017F;ehen, wie<lb/>
man die&#x017F;es Band an der Hand, ohne alle Zufa&#x0364;lle, queer<lb/>
durchzertheilte <note place="foot" n="l"><hi rendition="#aq">Ca&#x017F;e</hi> 15. 16.</note>.</p><lb/>
            <p>Es erwa&#x0364;hnt auch der beru&#x0364;mte Franz <hi rendition="#fr">Home,</hi> wie<lb/>
von einer Flintenkugel Ba&#x0364;nder ge&#x017F;treift worden, ohne,<lb/>
daß davon &#x017F;onderliche Schmerzen, oder Entzu&#x0364;ndungen<lb/>
ent&#x017F;tanden wa&#x0364;ren <note place="foot" n="m"><hi rendition="#aq">Medical facts. p.</hi> 119.</note>.</p><lb/>
            <p>Man hat inde&#x017F;&#x017F;en, wiewol wenige Zeugni&#x017F;&#x017F;e, von<lb/>
un&#x017F;ern Gegnern aufzuwei&#x017F;en, welche an lebendigen Thie-<lb/>
ren <note place="foot" n="n"><hi rendition="#aq"><hi rendition="#i">Lambert</hi> p.</hi> 318. der hinzu thut,<lb/>
daß &#x017F;ie &#x017F;ehr empfindlich &#x017F;ind <hi rendition="#aq"><hi rendition="#i">Girard.</hi></hi></note>, bei verwundeten Ba&#x0364;ndern Schmerzen bemerkt,<lb/>
welche die Thiere durch Zeichen von &#x017F;ich geben, &#x017F;ie hal-<lb/>
ten die Schmerzen bei den Krankheiten einiger Men-<lb/>
&#x017F;chen <note place="foot" n="o">S. <hi rendition="#aq"><hi rendition="#i">Lottieri, le Cat, Reimars</hi></hi><lb/>
Bei&#x017F;piele. Ein &#x017F;ehr &#x017F;charfer Schmerz<lb/>
bei Unterbindung des Nerven <hi rendition="#aq"><hi rendition="#i">Ber-<lb/><cb/>
trandi</hi> chir. II. p.</hi> 199. 205. oder<lb/>
wenn eine Schlagader zugleich mit<lb/>
gebunden, oder durchna&#x0364;het wird,<lb/><hi rendition="#aq"><hi rendition="#i">Kirkland</hi> haemorrh. p.</hi> 16. 17.<lb/>
Schmerz und Kra&#x0364;mpfe bei Zer-<lb/>
&#x017F;chneidung des <hi rendition="#aq">nervi infraorbita-<lb/>
lis <hi rendition="#i">Sauages</hi> no&#x017F;ol. II. p.</hi> 25.</note>, woru&#x0364;ber &#x017F;ie die&#x017F;elbe klagen ho&#x0364;rten, fu&#x0364;r Schmer-<lb/>
zen, die in den Ba&#x0364;ndern ihren Sitz gehabt, und &#x017F;ie<lb/>
glauben, daß es &#x017F;ich durch das Bei&#x017F;piel von entzu&#x0364;ndeten,<lb/>
oder durch fehlerhafte Sa&#x0364;fte verdorbenen Ba&#x0364;ndern in<lb/>
der rei&#x017F;&#x017F;enden Gicht <note place="foot" n="p"><hi rendition="#aq">W<hi rendition="#i">hytt</hi> e&#x017F;&#x017F;ais p. 128. <hi rendition="#i">Jenty</hi><lb/>
courle T. 1. p.</hi> 51.</note>, <note place="foot" n="q"><hi rendition="#aq"><hi rendition="#i">Reimar</hi> p.</hi> 16.</note> erwei&#x017F;en la&#x017F;&#x017F;en, daß Ba&#x0364;nder<lb/>
einige Empfindlichkeit haben, und daß endlich der aller-<lb/>
heftig&#x017F;te Schmerz, welcher bis zum Tode anhielt, erre-<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">get</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[447/0483] VII. Ab. Erſch. d. leb. Geh. Die Empfind. Doch es empfand auch ein Menſch, an dem ein Band beſchaͤdigt war i, keine Schmerzen dabei, und es ward der Schnitt bald geheilt, als man das Band durchſchneiden muſte. Es hat alſo Warner Recht, welches ietzt ein be- ruͤmter Wundarzt iſt, wenn er die Gelenkkapſeln an waſſerſuͤchtigen Perſonen ohne Gefahr zu durchbohren be- fiehlt k, und es hat derſelbe mit Augen geſehen, wie man dieſes Band an der Hand, ohne alle Zufaͤlle, queer durchzertheilte l. Es erwaͤhnt auch der beruͤmte Franz Home, wie von einer Flintenkugel Baͤnder geſtreift worden, ohne, daß davon ſonderliche Schmerzen, oder Entzuͤndungen entſtanden waͤren m. Man hat indeſſen, wiewol wenige Zeugniſſe, von unſern Gegnern aufzuweiſen, welche an lebendigen Thie- ren n, bei verwundeten Baͤndern Schmerzen bemerkt, welche die Thiere durch Zeichen von ſich geben, ſie hal- ten die Schmerzen bei den Krankheiten einiger Men- ſchen o, woruͤber ſie dieſelbe klagen hoͤrten, fuͤr Schmer- zen, die in den Baͤndern ihren Sitz gehabt, und ſie glauben, daß es ſich durch das Beiſpiel von entzuͤndeten, oder durch fehlerhafte Saͤfte verdorbenen Baͤndern in der reiſſenden Gicht p, q erweiſen laſſen, daß Baͤnder einige Empfindlichkeit haben, und daß endlich der aller- heftigſte Schmerz, welcher bis zum Tode anhielt, erre- get i Heuermann exp. 9. und an einer Frau chir. oper. T. 1. p. 46. k Phil. Trans. T. 49. p. 1. l Caſe 15. 16. m Medical facts. p. 119. n Lambert p. 318. der hinzu thut, daß ſie ſehr empfindlich ſind Girard. o S. Lottieri, le Cat, Reimars Beiſpiele. Ein ſehr ſcharfer Schmerz bei Unterbindung des Nerven Ber- trandi chir. II. p. 199. 205. oder wenn eine Schlagader zugleich mit gebunden, oder durchnaͤhet wird, Kirkland haemorrh. p. 16. 17. Schmerz und Kraͤmpfe bei Zer- ſchneidung des nervi infraorbita- lis Sauages noſol. II. p. 25. p Whytt eſſais p. 128. Jenty courle T. 1. p. 51. q Reimar p. 16.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/haller_anfangsgruende04_1768
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/haller_anfangsgruende04_1768/483
Zitationshilfe: Haller, Albrecht von: Anfangsgründe der Phisiologie des menschlichen Körpers. Bd. 4. Berlin, 1768, S. 447. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/haller_anfangsgruende04_1768/483>, abgerufen am 11.07.2020.