Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Haller, Albrecht von: Anfangsgründe der Phisiologie des menschlichen Körpers. Bd. 4. Berlin, 1768.

Bild:
<< vorherige Seite

Das Gehirn und die Nerven. X. Buch.
Schlage witzig, welchen er auf die Hirnschaale bekom-
men hatte, er gelangte aber, da man ihn kaum geheilet
hatte, zu seiner ersten Einfalt wieder [Spaltenumbruch] s.

Es haben iüngere Personen ein schärferes Gefühl,
als alte. Selbst der Stern im Auge zeigt sich an Kin-
dern beweglicher, und wird an Alten langsamer veren-
gert. Und dieses scheint die vornemste Ursache von dem
Unvermögen der Alten zu sein. Daß nämlich das Ge-
fühl der Zeugungstheile in alten Personen stumpfer sei,
lässet sich durch den nächtlichen Fortfluß der befruchten-
den Feuchtigkeit erweislich machen, die bei iungen Leu-
ten sehr leicht, hingegen gegen das funfzigste Jahr, oder
auch wohl später, sehr selten, oder wohl gar nicht, auch
so gar in fruchtbaren und muntern Greisen, geschicht.

§. 13.
Was denn eigentlich im Nerven die
Empfindung mache.

Es befinden sich im Nerven markige Fäden, wel-
che nicht von der harten, sondern dünnen Gehirnhaut be-
kleidet werden. Man kann hiebei fragen, ob die Em-
pfindung in dem markigen Theile des Nerven, oder in
den Häuten desselben statt finde t.

Man sieht so gleich, daß Membranen, welche mit
der harten Gehirnhaut grosse Aehnlichkeit haben, unem-
pfindlich sind, und daß man keine Ursache sieht, warum
vielmehr darinnen, als in andern Bekleidungen eine
Empfindung sein soll. Es führt hierüber der berümte
Heuermann einen Versuch an, daß ein zerschnittener
Nerve um desto mehr schmerze, wenn dessen äusseres

und
s Robinson of the spleen p. 71.
t Jn dem membranigen Theile
des Nerven ist die Empfindung Krü-
[Spaltenumbruch] ger
de senfat. p. 23. La Caze idee
de l'homme physique p.
65. und
sonsten Croone de mot. musc. p. 8.
Nardi noct. genial. p. 36. de tactu.

Das Gehirn und die Nerven. X. Buch.
Schlage witzig, welchen er auf die Hirnſchaale bekom-
men hatte, er gelangte aber, da man ihn kaum geheilet
hatte, zu ſeiner erſten Einfalt wieder [Spaltenumbruch] s.

Es haben iuͤngere Perſonen ein ſchaͤrferes Gefuͤhl,
als alte. Selbſt der Stern im Auge zeigt ſich an Kin-
dern beweglicher, und wird an Alten langſamer veren-
gert. Und dieſes ſcheint die vornemſte Urſache von dem
Unvermoͤgen der Alten zu ſein. Daß naͤmlich das Ge-
fuͤhl der Zeugungstheile in alten Perſonen ſtumpfer ſei,
laͤſſet ſich durch den naͤchtlichen Fortfluß der befruchten-
den Feuchtigkeit erweislich machen, die bei iungen Leu-
ten ſehr leicht, hingegen gegen das funfzigſte Jahr, oder
auch wohl ſpaͤter, ſehr ſelten, oder wohl gar nicht, auch
ſo gar in fruchtbaren und muntern Greiſen, geſchicht.

§. 13.
Was denn eigentlich im Nerven die
Empfindung mache.

Es befinden ſich im Nerven markige Faͤden, wel-
che nicht von der harten, ſondern duͤnnen Gehirnhaut be-
kleidet werden. Man kann hiebei fragen, ob die Em-
pfindung in dem markigen Theile des Nerven, oder in
den Haͤuten deſſelben ſtatt finde t.

Man ſieht ſo gleich, daß Membranen, welche mit
der harten Gehirnhaut groſſe Aehnlichkeit haben, unem-
pfindlich ſind, und daß man keine Urſache ſieht, warum
vielmehr darinnen, als in andern Bekleidungen eine
Empfindung ſein ſoll. Es fuͤhrt hieruͤber der beruͤmte
Heuermann einen Verſuch an, daß ein zerſchnittener
Nerve um deſto mehr ſchmerze, wenn deſſen aͤuſſeres

und
s Robinſon of the ſpleen p. 71.
t Jn dem membranigen Theile
des Nerven iſt die Empfindung Krü-
[Spaltenumbruch] ger
de ſenfat. p. 23. La Caze idee
de l’homme phyſique p.
65. und
ſonſten Croone de mot. muſc. p. 8.
Nardi noct. genial. p. 36. de tactu.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0496" n="460"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Das Gehirn und die Nerven. <hi rendition="#aq">X.</hi> Buch.</hi></fw><lb/>
Schlage witzig, welchen er auf die Hirn&#x017F;chaale bekom-<lb/>
men hatte, er gelangte aber, da man ihn kaum geheilet<lb/>
hatte, zu &#x017F;einer er&#x017F;ten Einfalt wieder <cb/>
<note place="foot" n="s"><hi rendition="#aq"><hi rendition="#i">Robin&#x017F;on</hi> of the &#x017F;pleen p.</hi> 71.</note>.</p><lb/>
            <p>Es haben iu&#x0364;ngere Per&#x017F;onen ein &#x017F;cha&#x0364;rferes Gefu&#x0364;hl,<lb/>
als alte. Selb&#x017F;t der Stern im Auge zeigt &#x017F;ich an Kin-<lb/>
dern beweglicher, und wird an Alten lang&#x017F;amer veren-<lb/>
gert. Und die&#x017F;es &#x017F;cheint die vornem&#x017F;te Ur&#x017F;ache von dem<lb/>
Unvermo&#x0364;gen der Alten zu &#x017F;ein. Daß na&#x0364;mlich das Ge-<lb/>
fu&#x0364;hl der Zeugungstheile in alten Per&#x017F;onen &#x017F;tumpfer &#x017F;ei,<lb/>
la&#x0364;&#x017F;&#x017F;et &#x017F;ich durch den na&#x0364;chtlichen Fortfluß der befruchten-<lb/>
den Feuchtigkeit erweislich machen, die bei iungen Leu-<lb/>
ten &#x017F;ehr leicht, hingegen gegen das funfzig&#x017F;te Jahr, oder<lb/>
auch wohl &#x017F;pa&#x0364;ter, &#x017F;ehr &#x017F;elten, oder wohl gar nicht, auch<lb/>
&#x017F;o gar in fruchtbaren und muntern Grei&#x017F;en, ge&#x017F;chicht.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 13.<lb/>
Was denn eigentlich im Nerven die<lb/>
Empfindung mache.</head><lb/>
            <p>Es befinden &#x017F;ich im Nerven markige Fa&#x0364;den, wel-<lb/>
che nicht von der harten, &#x017F;ondern du&#x0364;nnen Gehirnhaut be-<lb/>
kleidet werden. Man kann hiebei fragen, ob die Em-<lb/>
pfindung in dem markigen Theile des Nerven, oder in<lb/>
den Ha&#x0364;uten de&#x017F;&#x017F;elben &#x017F;tatt finde <note place="foot" n="t">Jn dem membranigen Theile<lb/>
des Nerven i&#x017F;t die Empfindung <hi rendition="#aq"><hi rendition="#i">Krü-<lb/><cb/>
ger</hi> de &#x017F;enfat. p. 23. <hi rendition="#i">La Caze</hi> idee<lb/>
de l&#x2019;homme phy&#x017F;ique p.</hi> 65. und<lb/>
&#x017F;on&#x017F;ten <hi rendition="#aq"><hi rendition="#i">Croone</hi> de mot. mu&#x017F;c. p. 8.<lb/><hi rendition="#i">Nardi</hi> noct. genial. p. 36. de tactu.</hi></note>.</p><lb/>
            <p>Man &#x017F;ieht &#x017F;o gleich, daß Membranen, welche mit<lb/>
der harten Gehirnhaut gro&#x017F;&#x017F;e Aehnlichkeit haben, unem-<lb/>
pfindlich &#x017F;ind, und daß man keine Ur&#x017F;ache &#x017F;ieht, warum<lb/>
vielmehr darinnen, als in andern Bekleidungen eine<lb/>
Empfindung &#x017F;ein &#x017F;oll. Es fu&#x0364;hrt hieru&#x0364;ber der beru&#x0364;mte<lb/><hi rendition="#fr">Heuermann</hi> einen Ver&#x017F;uch an, daß ein zer&#x017F;chnittener<lb/>
Nerve um de&#x017F;to mehr &#x017F;chmerze, wenn de&#x017F;&#x017F;en a&#x0364;u&#x017F;&#x017F;eres<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">und</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[460/0496] Das Gehirn und die Nerven. X. Buch. Schlage witzig, welchen er auf die Hirnſchaale bekom- men hatte, er gelangte aber, da man ihn kaum geheilet hatte, zu ſeiner erſten Einfalt wieder s. Es haben iuͤngere Perſonen ein ſchaͤrferes Gefuͤhl, als alte. Selbſt der Stern im Auge zeigt ſich an Kin- dern beweglicher, und wird an Alten langſamer veren- gert. Und dieſes ſcheint die vornemſte Urſache von dem Unvermoͤgen der Alten zu ſein. Daß naͤmlich das Ge- fuͤhl der Zeugungstheile in alten Perſonen ſtumpfer ſei, laͤſſet ſich durch den naͤchtlichen Fortfluß der befruchten- den Feuchtigkeit erweislich machen, die bei iungen Leu- ten ſehr leicht, hingegen gegen das funfzigſte Jahr, oder auch wohl ſpaͤter, ſehr ſelten, oder wohl gar nicht, auch ſo gar in fruchtbaren und muntern Greiſen, geſchicht. §. 13. Was denn eigentlich im Nerven die Empfindung mache. Es befinden ſich im Nerven markige Faͤden, wel- che nicht von der harten, ſondern duͤnnen Gehirnhaut be- kleidet werden. Man kann hiebei fragen, ob die Em- pfindung in dem markigen Theile des Nerven, oder in den Haͤuten deſſelben ſtatt finde t. Man ſieht ſo gleich, daß Membranen, welche mit der harten Gehirnhaut groſſe Aehnlichkeit haben, unem- pfindlich ſind, und daß man keine Urſache ſieht, warum vielmehr darinnen, als in andern Bekleidungen eine Empfindung ſein ſoll. Es fuͤhrt hieruͤber der beruͤmte Heuermann einen Verſuch an, daß ein zerſchnittener Nerve um deſto mehr ſchmerze, wenn deſſen aͤuſſeres und s Robinſon of the ſpleen p. 71. t Jn dem membranigen Theile des Nerven iſt die Empfindung Krü- ger de ſenfat. p. 23. La Caze idee de l’homme phyſique p. 65. und ſonſten Croone de mot. muſc. p. 8. Nardi noct. genial. p. 36. de tactu.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/haller_anfangsgruende04_1768
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/haller_anfangsgruende04_1768/496
Zitationshilfe: Haller, Albrecht von: Anfangsgründe der Phisiologie des menschlichen Körpers. Bd. 4. Berlin, 1768, S. 460. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/haller_anfangsgruende04_1768/496>, abgerufen am 21.10.2019.