Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Haller, Albrecht von: Anfangsgründe der Phisiologie des menschlichen Körpers. Bd. 5. Berlin, 1772.

Bild:
<< vorherige Seite

Das Gesicht. XVI. Buch.
che die Augen überzogen hatte, und welche man fort-
schafte, erklärt der berühmte Behrens (x) für ein aber-
gläubisches Wunderwerk.

Es vereinigt sich das obere Augenlied in beiden Win-
keln des Auges, mit dem untern. Man nennet denje-
nigen den grossen Augenwinkel (y), welcher der Nase
näher liegt, und den kleinen, der der Schläfe zuge-
kehrt ist.

Die Haut der Augenlieder besizzet ein sehr scharfes
Gefühl, und man hat hierbei eine wunderbare Erschei-
nung angemerkt, daß man blos vom Lichte, obgleich
das Oberhäutchen in vollkommenem Stande gewesen,
ein Niesen (z), und Thränen (a) empfinde. Doch es
ist auch an dem zusammenfügenden Häutchen, die Em-
pfindung des Auges, und Augenliedes groß (a*), so
daß das kleinste Sandkörnchen, welches zwischen die Au-
gen und Augenlieder fällt, eine unerträgliche Beschwer-
lichkeit verursacht, welches ich mich erinnere erfahren
zu haben, und die nicht eher nachlassen wollte, als bis
ich mit einer Sprizze laulich Wasser einsprizzte. Jch
lese, daß man ein Jukken, das von Jnsekten entstan-
den, daran bemerkt habe (b).

§. 9.
Beide Knorpel der Augenlieder, und
Augenwimpern.

Damit das Augenlied mit einem freien Rande sei-
ner ganzen Länge nach, und in allerlei Bewegungen

verse-
(x) [Spaltenumbruch] Brunswic. 1734.
(y) Zween Augen nennet be-
reits ARISTOT. hist. anim.
L. I. c.
9.
(z) CARSIUS problem. n. 36.
37. BOYLE languid and onheed
mot. p.
264.
(a) [Spaltenumbruch] HAYMANN in Comm.
pag.
113.
(a*) IAUSSERAND in thes.
(b) VERBRUGGE am Ende
der Uebersetzung des Werkchens
GVLLIEMAEANI de ocul.
morb.

Das Geſicht. XVI. Buch.
che die Augen uͤberzogen hatte, und welche man fort-
ſchafte, erklaͤrt der beruͤhmte Behrens (x) fuͤr ein aber-
glaͤubiſches Wunderwerk.

Es vereinigt ſich das obere Augenlied in beiden Win-
keln des Auges, mit dem untern. Man nennet denje-
nigen den groſſen Augenwinkel (y), welcher der Naſe
naͤher liegt, und den kleinen, der der Schlaͤfe zuge-
kehrt iſt.

Die Haut der Augenlieder beſizzet ein ſehr ſcharfes
Gefuͤhl, und man hat hierbei eine wunderbare Erſchei-
nung angemerkt, daß man blos vom Lichte, obgleich
das Oberhaͤutchen in vollkommenem Stande geweſen,
ein Nieſen (z), und Thraͤnen (a) empfinde. Doch es
iſt auch an dem zuſammenfuͤgenden Haͤutchen, die Em-
pfindung des Auges, und Augenliedes groß (a*), ſo
daß das kleinſte Sandkoͤrnchen, welches zwiſchen die Au-
gen und Augenlieder faͤllt, eine unertraͤgliche Beſchwer-
lichkeit verurſacht, welches ich mich erinnere erfahren
zu haben, und die nicht eher nachlaſſen wollte, als bis
ich mit einer Sprizze laulich Waſſer einſprizzte. Jch
leſe, daß man ein Jukken, das von Jnſekten entſtan-
den, daran bemerkt habe (b).

§. 9.
Beide Knorpel der Augenlieder, und
Augenwimpern.

Damit das Augenlied mit einem freien Rande ſei-
ner ganzen Laͤnge nach, und in allerlei Bewegungen

verſe-
(x) [Spaltenumbruch] Brunſwic. 1734.
(y) Zween Augen nennet be-
reits ARISTOT. hiſt. anim.
L. I. c.
9.
(z) CARSIUS problem. n. 36.
37. BOYLE languid and onheed
mot. p.
264.
(a) [Spaltenumbruch] HAYMANN in Comm.
pag.
113.
(a*) IAUSSERAND in theſ.
(b) VERBRUGGE am Ende
der Ueberſetzung des Werkchens
GVLLIEMAEANI de ocul.
morb.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0746" n="728"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Das Ge&#x017F;icht. <hi rendition="#aq">XVI.</hi> Buch.</hi></fw><lb/>
che die Augen u&#x0364;berzogen hatte, und welche man fort-<lb/>
&#x017F;chafte, erkla&#x0364;rt der beru&#x0364;hmte <hi rendition="#fr">Behrens</hi> <note place="foot" n="(x)"><cb/><hi rendition="#aq">Brun&#x017F;wic.</hi> 1734.</note> fu&#x0364;r ein aber-<lb/>
gla&#x0364;ubi&#x017F;ches Wunderwerk.</p><lb/>
            <p>Es vereinigt &#x017F;ich das obere Augenlied in beiden Win-<lb/>
keln des Auges, mit dem untern. Man nennet denje-<lb/>
nigen den gro&#x017F;&#x017F;en Augenwinkel <note place="foot" n="(y)">Zween Augen nennet be-<lb/>
reits <hi rendition="#aq"><hi rendition="#g">ARISTOT.</hi> hi&#x017F;t. anim.<lb/>
L. I. c.</hi> 9.</note>, welcher der Na&#x017F;e<lb/>
na&#x0364;her liegt, und den kleinen, der der Schla&#x0364;fe zuge-<lb/>
kehrt i&#x017F;t.</p><lb/>
            <p>Die Haut der Augenlieder be&#x017F;izzet ein &#x017F;ehr &#x017F;charfes<lb/>
Gefu&#x0364;hl, und man hat hierbei eine wunderbare Er&#x017F;chei-<lb/>
nung angemerkt, daß man blos vom Lichte, obgleich<lb/>
das Oberha&#x0364;utchen in vollkommenem Stande gewe&#x017F;en,<lb/>
ein Nie&#x017F;en <note place="foot" n="(z)"><hi rendition="#aq">CARSIUS problem. n. 36.<lb/>
37. BOYLE languid and onheed<lb/>
mot. p.</hi> 264.</note>, und Thra&#x0364;nen <note place="foot" n="(a)"><cb/><hi rendition="#aq"><hi rendition="#g">HAYMANN</hi> in Comm.<lb/>
pag.</hi> 113.</note> empfinde. Doch es<lb/>
i&#x017F;t auch an dem zu&#x017F;ammenfu&#x0364;genden Ha&#x0364;utchen, die Em-<lb/>
pfindung des Auges, und Augenliedes groß <note place="foot" n="(a*)"><hi rendition="#aq">IAUSSERAND in the&#x017F;.</hi></note>, &#x017F;o<lb/>
daß das klein&#x017F;te Sandko&#x0364;rnchen, welches zwi&#x017F;chen die Au-<lb/>
gen und Augenlieder fa&#x0364;llt, eine unertra&#x0364;gliche Be&#x017F;chwer-<lb/>
lichkeit verur&#x017F;acht, welches ich mich erinnere erfahren<lb/>
zu haben, und die nicht eher nachla&#x017F;&#x017F;en wollte, als bis<lb/>
ich mit einer Sprizze laulich Wa&#x017F;&#x017F;er ein&#x017F;prizzte. Jch<lb/>
le&#x017F;e, daß man ein Jukken, das von Jn&#x017F;ekten ent&#x017F;tan-<lb/>
den, daran bemerkt habe <note place="foot" n="(b)"><hi rendition="#aq">VERBRUGGE</hi> am Ende<lb/>
der Ueber&#x017F;etzung des Werkchens<lb/><hi rendition="#aq"><hi rendition="#g">GVLLIEMAEANI</hi> de ocul.<lb/>
morb.</hi></note>.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 9.<lb/>
Beide Knorpel der Augenlieder, und<lb/>
Augenwimpern.</head><lb/>
            <p>Damit das Augenlied mit einem freien Rande &#x017F;ei-<lb/>
ner ganzen La&#x0364;nge nach, und in allerlei Bewegungen<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">ver&#x017F;e-</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[728/0746] Das Geſicht. XVI. Buch. che die Augen uͤberzogen hatte, und welche man fort- ſchafte, erklaͤrt der beruͤhmte Behrens (x) fuͤr ein aber- glaͤubiſches Wunderwerk. Es vereinigt ſich das obere Augenlied in beiden Win- keln des Auges, mit dem untern. Man nennet denje- nigen den groſſen Augenwinkel (y), welcher der Naſe naͤher liegt, und den kleinen, der der Schlaͤfe zuge- kehrt iſt. Die Haut der Augenlieder beſizzet ein ſehr ſcharfes Gefuͤhl, und man hat hierbei eine wunderbare Erſchei- nung angemerkt, daß man blos vom Lichte, obgleich das Oberhaͤutchen in vollkommenem Stande geweſen, ein Nieſen (z), und Thraͤnen (a) empfinde. Doch es iſt auch an dem zuſammenfuͤgenden Haͤutchen, die Em- pfindung des Auges, und Augenliedes groß (a*), ſo daß das kleinſte Sandkoͤrnchen, welches zwiſchen die Au- gen und Augenlieder faͤllt, eine unertraͤgliche Beſchwer- lichkeit verurſacht, welches ich mich erinnere erfahren zu haben, und die nicht eher nachlaſſen wollte, als bis ich mit einer Sprizze laulich Waſſer einſprizzte. Jch leſe, daß man ein Jukken, das von Jnſekten entſtan- den, daran bemerkt habe (b). §. 9. Beide Knorpel der Augenlieder, und Augenwimpern. Damit das Augenlied mit einem freien Rande ſei- ner ganzen Laͤnge nach, und in allerlei Bewegungen verſe- (x) Brunſwic. 1734. (y) Zween Augen nennet be- reits ARISTOT. hiſt. anim. L. I. c. 9. (z) CARSIUS problem. n. 36. 37. BOYLE languid and onheed mot. p. 264. (a) HAYMANN in Comm. pag. 113. (a*) IAUSSERAND in theſ. (b) VERBRUGGE am Ende der Ueberſetzung des Werkchens GVLLIEMAEANI de ocul. morb.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/haller_anfangsgruende05_1772
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/haller_anfangsgruende05_1772/746
Zitationshilfe: Haller, Albrecht von: Anfangsgründe der Phisiologie des menschlichen Körpers. Bd. 5. Berlin, 1772, S. 728. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/haller_anfangsgruende05_1772/746>, abgerufen am 28.05.2020.