Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Haller, Albrecht von: Anfangsgründe der Phisiologie des menschlichen Körpers. Bd. 7. Berlin, 1775.

Bild:
<< vorherige Seite

Das Gedärme. XXIV. Buch.
sich dieses von den Nerven so vorstellen, weil ein jeder
starker Reiz der Därme(k) das noch vollständige Herz
zur Bewegung auffordert. Man hat diese Erscheinung
bei einem Chilus angemerkt, welcher durch den Brust-
kanal in das Herz eingedrungen war. Da aber den-
noch auch jede andre Reize (l) und die Erschütterung
der Kälte (m) dergleichen Wirkungen nach sich zieht, so
scheinets daß die von allen Seiten in Verbindung ste-
hende Nerven gleichstimmig gereizt werden, sich zu be-
wegen, und endlich das Herz selbst wieder zum Schla-
gen bringen, ohngeachtet die Versuche über diesen Punkt,
das Wunder der Natur nicht nachzuahmen verstehen (n).

Dahin scheinet zu gehören, daß wir von den Spei-
sen offenbar warm werden, und der Puls für eine Mi-
nute zehn Schläge thut (n*) und zu gleicher Zeit stärker
wird (n**).

Es hat hieran die Seele keinen Antheil, weil ein
jeder Reiz, der nach dem Tode und an herausgerissenen
Därmen, und deren Theilen entstehet, dergleichen Be-
wegungen zum Vorschein bringt. Wenn Jemand durch
eine blosse Einbildungskraft ofnen Leib bekomme(o), so
gehöret diese Erscheinung zu den verglichnen Jdeen.
Hat das Schrekken bisweilen den Leib geöfnet, oder drei
Tage lang verstopft (o*); unterdrükkt der Zorn und der
Unwillen den Appetit, und die Verdauung der Spei-
sen (o**), so gehöret dieses zu einer gezwungenen Be-
reitwilligkeit den Affekten zu gehorchen (p).

Und
(k) [Spaltenumbruch] L. VIII. p. 251.
(l) Ibid.
(m) BOERHAAVE II. Praelect.
p. 503. 508. Conf. SYDENHAM
variol. regul. ann. 1667. seqq.
(n) L. IV. p. 463.
(n*) Ibid.
(n**) ROBINSON Essays II.
p. 419. SATANELLI lucubr. II.
p.
25.
(o) [Spaltenumbruch] L. XVII.
(o*) Hist. des voyag. L. XII.
p.
68.
(o**) Auch am Marder, so wie
GEUDERUS gesehen in der fer-
ment. p.
96. daß nach 48 Stun-
den die Speisen nicht verdaut
waren.
(p) Ibid.

Das Gedaͤrme. XXIV. Buch.
ſich dieſes von den Nerven ſo vorſtellen, weil ein jeder
ſtarker Reiz der Daͤrme(k) das noch vollſtaͤndige Herz
zur Bewegung auffordert. Man hat dieſe Erſcheinung
bei einem Chilus angemerkt, welcher durch den Bruſt-
kanal in das Herz eingedrungen war. Da aber den-
noch auch jede andre Reize (l) und die Erſchuͤtterung
der Kaͤlte (m) dergleichen Wirkungen nach ſich zieht, ſo
ſcheinets daß die von allen Seiten in Verbindung ſte-
hende Nerven gleichſtimmig gereizt werden, ſich zu be-
wegen, und endlich das Herz ſelbſt wieder zum Schla-
gen bringen, ohngeachtet die Verſuche uͤber dieſen Punkt,
das Wunder der Natur nicht nachzuahmen verſtehen (n).

Dahin ſcheinet zu gehoͤren, daß wir von den Spei-
ſen offenbar warm werden, und der Puls fuͤr eine Mi-
nute zehn Schlaͤge thut (n*) und zu gleicher Zeit ſtaͤrker
wird (n**).

Es hat hieran die Seele keinen Antheil, weil ein
jeder Reiz, der nach dem Tode und an herausgeriſſenen
Daͤrmen, und deren Theilen entſtehet, dergleichen Be-
wegungen zum Vorſchein bringt. Wenn Jemand durch
eine bloſſe Einbildungskraft ofnen Leib bekomme(o), ſo
gehoͤret dieſe Erſcheinung zu den verglichnen Jdeen.
Hat das Schrekken bisweilen den Leib geoͤfnet, oder drei
Tage lang verſtopft (o*); unterdruͤkkt der Zorn und der
Unwillen den Appetit, und die Verdauung der Spei-
ſen (o**), ſo gehoͤret dieſes zu einer gezwungenen Be-
reitwilligkeit den Affekten zu gehorchen (p).

Und
(k) [Spaltenumbruch] L. VIII. p. 251.
(l) Ibid.
(m) BOERHAAVE II. Prælect.
p. 503. 508. Conf. SYDENHAM
variol. regul. ann. 1667. ſeqq.
(n) L. IV. p. 463.
(n*) Ibid.
(n**) ROBINSON Eſſays II.
p. 419. SATANELLI lucubr. II.
p.
25.
(o) [Spaltenumbruch] L. XVII.
(o*) Hiſt. des voyag. L. XII.
p.
68.
(o**) Auch am Marder, ſo wie
GEUDERUS geſehen in der fer-
ment. p.
96. daß nach 48 Stun-
den die Speiſen nicht verdaut
waren.
(p) Ibid.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <p><pb facs="#f0196" n="160"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Das Geda&#x0364;rme. <hi rendition="#aq">XXIV.</hi> Buch.</hi></fw><lb/>
&#x017F;ich die&#x017F;es von den Nerven &#x017F;o vor&#x017F;tellen, weil ein jeder<lb/>
&#x017F;tarker Reiz der Da&#x0364;rme<note place="foot" n="(k)"><cb/><hi rendition="#aq">L. VIII. p.</hi> 251.</note> das noch voll&#x017F;ta&#x0364;ndige Herz<lb/>
zur Bewegung auffordert. Man hat die&#x017F;e Er&#x017F;cheinung<lb/>
bei einem Chilus angemerkt, welcher durch den Bru&#x017F;t-<lb/>
kanal in das Herz eingedrungen war. Da aber den-<lb/>
noch auch jede andre Reize <note place="foot" n="(l)"><hi rendition="#aq">Ibid.</hi></note> und die Er&#x017F;chu&#x0364;tterung<lb/>
der Ka&#x0364;lte <note place="foot" n="(m)"><hi rendition="#aq">BOERHAAVE II. Prælect.<lb/>
p. 503. 508. Conf. SYDENHAM<lb/>
variol. regul. ann. 1667. &#x017F;eqq.</hi></note> dergleichen Wirkungen nach &#x017F;ich zieht, &#x017F;o<lb/>
&#x017F;cheinets daß die von allen Seiten in Verbindung &#x017F;te-<lb/>
hende Nerven gleich&#x017F;timmig gereizt werden, &#x017F;ich zu be-<lb/>
wegen, und endlich das Herz &#x017F;elb&#x017F;t wieder zum Schla-<lb/>
gen bringen, ohngeachtet die Ver&#x017F;uche u&#x0364;ber die&#x017F;en Punkt,<lb/>
das Wunder der Natur nicht nachzuahmen ver&#x017F;tehen <note place="foot" n="(n)"><hi rendition="#aq">L. IV. p.</hi> 463.</note>.</p><lb/>
              <p>Dahin &#x017F;cheinet zu geho&#x0364;ren, daß wir von den Spei-<lb/>
&#x017F;en offenbar warm werden, und der Puls fu&#x0364;r eine Mi-<lb/>
nute zehn Schla&#x0364;ge thut <note place="foot" n="(n*)"><hi rendition="#aq">Ibid.</hi></note> und zu gleicher Zeit &#x017F;ta&#x0364;rker<lb/>
wird <note place="foot" n="(n**)"><hi rendition="#aq">ROBINSON E&#x017F;&#x017F;ays II.<lb/>
p. 419. SATANELLI lucubr. II.<lb/>
p.</hi> 25.</note>.</p><lb/>
              <p>Es hat hieran die Seele keinen Antheil, weil ein<lb/>
jeder Reiz, der nach dem Tode und an herausgeri&#x017F;&#x017F;enen<lb/>
Da&#x0364;rmen, und deren Theilen ent&#x017F;tehet, dergleichen Be-<lb/>
wegungen zum Vor&#x017F;chein bringt. Wenn Jemand durch<lb/>
eine blo&#x017F;&#x017F;e Einbildungskraft ofnen Leib bekomme<note place="foot" n="(o)"><cb/><hi rendition="#aq">L. XVII.</hi></note>, &#x017F;o<lb/>
geho&#x0364;ret die&#x017F;e Er&#x017F;cheinung zu den verglichnen Jdeen.<lb/>
Hat das Schrekken bisweilen den Leib geo&#x0364;fnet, oder drei<lb/>
Tage lang ver&#x017F;topft <note place="foot" n="(o*)"><hi rendition="#aq">Hi&#x017F;t. des voyag. L. XII.<lb/>
p.</hi> 68.</note>; unterdru&#x0364;kkt der Zorn und der<lb/>
Unwillen den Appetit, und die Verdauung der Spei-<lb/>
&#x017F;en <note place="foot" n="(o**)">Auch am Marder, &#x017F;o wie<lb/><hi rendition="#aq">GEUDERUS</hi> ge&#x017F;ehen in der <hi rendition="#aq">fer-<lb/>
ment. p.</hi> 96. daß nach 48 Stun-<lb/>
den die Spei&#x017F;en nicht verdaut<lb/>
waren.</note>, &#x017F;o geho&#x0364;ret die&#x017F;es zu einer gezwungenen Be-<lb/>
reitwilligkeit den Affekten zu gehorchen <note place="foot" n="(p)"><hi rendition="#aq">Ibid.</hi></note>.</p><lb/>
              <fw place="bottom" type="catch">Und</fw><lb/>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[160/0196] Das Gedaͤrme. XXIV. Buch. ſich dieſes von den Nerven ſo vorſtellen, weil ein jeder ſtarker Reiz der Daͤrme (k) das noch vollſtaͤndige Herz zur Bewegung auffordert. Man hat dieſe Erſcheinung bei einem Chilus angemerkt, welcher durch den Bruſt- kanal in das Herz eingedrungen war. Da aber den- noch auch jede andre Reize (l) und die Erſchuͤtterung der Kaͤlte (m) dergleichen Wirkungen nach ſich zieht, ſo ſcheinets daß die von allen Seiten in Verbindung ſte- hende Nerven gleichſtimmig gereizt werden, ſich zu be- wegen, und endlich das Herz ſelbſt wieder zum Schla- gen bringen, ohngeachtet die Verſuche uͤber dieſen Punkt, das Wunder der Natur nicht nachzuahmen verſtehen (n). Dahin ſcheinet zu gehoͤren, daß wir von den Spei- ſen offenbar warm werden, und der Puls fuͤr eine Mi- nute zehn Schlaͤge thut (n*) und zu gleicher Zeit ſtaͤrker wird (n**). Es hat hieran die Seele keinen Antheil, weil ein jeder Reiz, der nach dem Tode und an herausgeriſſenen Daͤrmen, und deren Theilen entſtehet, dergleichen Be- wegungen zum Vorſchein bringt. Wenn Jemand durch eine bloſſe Einbildungskraft ofnen Leib bekomme (o), ſo gehoͤret dieſe Erſcheinung zu den verglichnen Jdeen. Hat das Schrekken bisweilen den Leib geoͤfnet, oder drei Tage lang verſtopft (o*); unterdruͤkkt der Zorn und der Unwillen den Appetit, und die Verdauung der Spei- ſen (o**), ſo gehoͤret dieſes zu einer gezwungenen Be- reitwilligkeit den Affekten zu gehorchen (p). Und (k) L. VIII. p. 251. (l) Ibid. (m) BOERHAAVE II. Prælect. p. 503. 508. Conf. SYDENHAM variol. regul. ann. 1667. ſeqq. (n) L. IV. p. 463. (n*) Ibid. (n**) ROBINSON Eſſays II. p. 419. SATANELLI lucubr. II. p. 25. (o) L. XVII. (o*) Hiſt. des voyag. L. XII. p. 68. (o**) Auch am Marder, ſo wie GEUDERUS geſehen in der fer- ment. p. 96. daß nach 48 Stun- den die Speiſen nicht verdaut waren. (p) Ibid.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/haller_anfangsgruende07_1775
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/haller_anfangsgruende07_1775/196
Zitationshilfe: Haller, Albrecht von: Anfangsgründe der Phisiologie des menschlichen Körpers. Bd. 7. Berlin, 1775, S. 160. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/haller_anfangsgruende07_1775/196>, abgerufen am 24.09.2020.