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Haller, Albrecht von: Anfangsgründe der Phisiologie des menschlichen Körpers. Bd. 8. Berlin, 1776.

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II. Abs. Anfänge des Thieres.
dem Hünchen in kaltes Wasser warf: und es fängt das
Ey sogleich, auch selbst im Ofen an kalt zu werden,
wenn die Frucht abgestorben ist, und das Herz zu klo-
pfen aufhört (s),

§. 31.
An lebendig gebärenden Thieren.

Jn dieser Klasse erwekket blos der männliche Saame
das schlafende Leben der Embryons; denn ein Thier
empfängt, es mag die Wärme groß, wie an Vögeln
und den vierfüßigen Thieren von heissem Blute, oder
nur geringe seyn, wie am Salamander, an der Nat-
ter, an den lebendiggebärenden Fischen, welche nicht
aus dem Geschlechte der Wallfische sind.

Wenn wir sehen, daß sich ganze Tage lang an der
Frucht nichts von einer Bewegung bemerken läst, das
Herz ausgenommen (a): und wenn wir das Wachsen
des Hühnchens in Erwägung ziehen, daß solches offen-
bar durch eine Verlängerung der Gefässe geschicht, in-
dem diese Gefässe blos ihre Bewegung vom Herzen her
haben (b): wenn wir uns endlich das reizbare Wesen
des Herzens wieder vorstellen (c), welches durch die
Wärme, oder ein mechanisches Jnstrument sehr leicht
wieder in Bewegung gebracht wird, und zwar zu einer
Zeit, da weder am Magen, noch am Gedärme, noch
an irgend einem Muskel einige Reizbarkeit übrig ist (d),
so scheinet es in der Untersuchung der so schweren Ursache
von dem Wachsthume der schlafenden Frucht, ein klei-
nes Licht aufzugehen, einer Frucht, welche lange Zeit,
und vielleicht Jahrhunderte geschlafen.

Es
(s) [Spaltenumbruch] REAUMUR l. c. I. p. 164.
(a) Die willkührliche Bewegung
fängt sich an in der 171 Stunde.
Form. du fet. II. p. 49.
(b) [Spaltenumbruch] L. IV. p. 446.
(c) Ibid. p. 465. u. s. f.
(d) Dieses sahe ich ohnlängst
an einem ganz kalten Hühnchen.
R 4

II. Abſ. Anfaͤnge des Thieres.
dem Huͤnchen in kaltes Waſſer warf: und es faͤngt das
Ey ſogleich, auch ſelbſt im Ofen an kalt zu werden,
wenn die Frucht abgeſtorben iſt, und das Herz zu klo-
pfen aufhoͤrt (s),

§. 31.
An lebendig gebaͤrenden Thieren.

Jn dieſer Klaſſe erwekket blos der maͤnnliche Saame
das ſchlafende Leben der Embryons; denn ein Thier
empfaͤngt, es mag die Waͤrme groß, wie an Voͤgeln
und den vierfuͤßigen Thieren von heiſſem Blute, oder
nur geringe ſeyn, wie am Salamander, an der Nat-
ter, an den lebendiggebaͤrenden Fiſchen, welche nicht
aus dem Geſchlechte der Wallfiſche ſind.

Wenn wir ſehen, daß ſich ganze Tage lang an der
Frucht nichts von einer Bewegung bemerken laͤſt, das
Herz ausgenommen (a): und wenn wir das Wachſen
des Huͤhnchens in Erwaͤgung ziehen, daß ſolches offen-
bar durch eine Verlaͤngerung der Gefaͤſſe geſchicht, in-
dem dieſe Gefaͤſſe blos ihre Bewegung vom Herzen her
haben (b): wenn wir uns endlich das reizbare Weſen
des Herzens wieder vorſtellen (c), welches durch die
Waͤrme, oder ein mechaniſches Jnſtrument ſehr leicht
wieder in Bewegung gebracht wird, und zwar zu einer
Zeit, da weder am Magen, noch am Gedaͤrme, noch
an irgend einem Muskel einige Reizbarkeit uͤbrig iſt (d),
ſo ſcheinet es in der Unterſuchung der ſo ſchweren Urſache
von dem Wachsthume der ſchlafenden Frucht, ein klei-
nes Licht aufzugehen, einer Frucht, welche lange Zeit,
und vielleicht Jahrhunderte geſchlafen.

Es
(s) [Spaltenumbruch] REAUMUR l. c. I. p. 164.
(a) Die willkuͤhrliche Bewegung
faͤngt ſich an in der 171 Stunde.
Form. du fet. II. p. 49.
(b) [Spaltenumbruch] L. IV. p. 446.
(c) Ibid. p. 465. u. ſ. f.
(d) Dieſes ſahe ich ohnlaͤngſt
an einem ganz kalten Huͤhnchen.
R 4
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[263/0315] II. Abſ. Anfaͤnge des Thieres. dem Huͤnchen in kaltes Waſſer warf: und es faͤngt das Ey ſogleich, auch ſelbſt im Ofen an kalt zu werden, wenn die Frucht abgeſtorben iſt, und das Herz zu klo- pfen aufhoͤrt (s), §. 31. An lebendig gebaͤrenden Thieren. Jn dieſer Klaſſe erwekket blos der maͤnnliche Saame das ſchlafende Leben der Embryons; denn ein Thier empfaͤngt, es mag die Waͤrme groß, wie an Voͤgeln und den vierfuͤßigen Thieren von heiſſem Blute, oder nur geringe ſeyn, wie am Salamander, an der Nat- ter, an den lebendiggebaͤrenden Fiſchen, welche nicht aus dem Geſchlechte der Wallfiſche ſind. Wenn wir ſehen, daß ſich ganze Tage lang an der Frucht nichts von einer Bewegung bemerken laͤſt, das Herz ausgenommen (a): und wenn wir das Wachſen des Huͤhnchens in Erwaͤgung ziehen, daß ſolches offen- bar durch eine Verlaͤngerung der Gefaͤſſe geſchicht, in- dem dieſe Gefaͤſſe blos ihre Bewegung vom Herzen her haben (b): wenn wir uns endlich das reizbare Weſen des Herzens wieder vorſtellen (c), welches durch die Waͤrme, oder ein mechaniſches Jnſtrument ſehr leicht wieder in Bewegung gebracht wird, und zwar zu einer Zeit, da weder am Magen, noch am Gedaͤrme, noch an irgend einem Muskel einige Reizbarkeit uͤbrig iſt (d), ſo ſcheinet es in der Unterſuchung der ſo ſchweren Urſache von dem Wachsthume der ſchlafenden Frucht, ein klei- nes Licht aufzugehen, einer Frucht, welche lange Zeit, und vielleicht Jahrhunderte geſchlafen. Es (s) REAUMUR l. c. I. p. 164. (a) Die willkuͤhrliche Bewegung faͤngt ſich an in der 171 Stunde. Form. du fet. II. p. 49. (b) L. IV. p. 446. (c) Ibid. p. 465. u. ſ. f. (d) Dieſes ſahe ich ohnlaͤngſt an einem ganz kalten Huͤhnchen. R 4

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Zitationshilfe: Haller, Albrecht von: Anfangsgründe der Phisiologie des menschlichen Körpers. Bd. 8. Berlin, 1776, S. 263. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/haller_anfangsgruende08_1776/315>, abgerufen am 20.11.2019.